{"id":17029,"date":"2018-06-07T18:18:43","date_gmt":"2018-06-07T16:18:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=17029"},"modified":"2018-06-11T10:38:37","modified_gmt":"2018-06-11T08:38:37","slug":"amsterdam-berlin-windhoek-eine-analogie-in-der-werbesprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2018\/06\/07\/amsterdam-berlin-windhoek-eine-analogie-in-der-werbesprache\/","title":{"rendered":"Amsterdam, Berlin, Windhoek &#8211; eine Analogie in der Werbesprache"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right\"><strong>von <a href=\"http:\/\/www.osa.fu-berlin.de\/niederlandistik\/perspektiven\/unterricht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henning Radke<\/a><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchren \u00e4hnliche Wortbildungsmuster in verschiedenen Sprachen zu parallelen Werbeausdr\u00fccken \u00fcber die Sprachr\u00e4ume hinweg? Diesen Eindruck k\u00f6nnte man fast bekommen, wenn man sich das folgende Beispiel mit <em>B\u00fcrger<\/em> (Deutsch) bzw. <em>burger<\/em> (Niederl\u00e4ndisch\/Afrikaans) anschaut, das in allen drei Sprachen \u00fcber eine auffallende phonetische \u00c4hnlichkeit mit dem Fast-Food-Gericht Ham<em>burger <\/em>verf\u00fcgt.<\/p>\n<div id=\"attachment_17032\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeister_Berlin.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17032\" class=\"wp-image-17032 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeister_Berlin-300x125.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"125\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeister_Berlin-300x125.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeister_Berlin-768x320.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeister_Berlin-1024x427.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17032\" class=\"wp-caption-text\">Wortwitz bringt Aufmerksamkeit &#8211; in Berlin gibt es nicht nur ein Burger-Restaurant.<\/p><\/div>\n<p>Wie k\u00f6nnten Besitzer von Hamburger-Restaurants diese \u00c4hnlichkeit nun mit einem treffenden Werbebegriff f\u00fcr sich nutzen? \u201eWer meisterhafte Hamburger will, der geht zum &#8211; Achtung Wortspiel \u2013 <em>Burgermeister<\/em>\u201c, m\u00fcssen sich einige da gedacht haben. Dieses Kompositum besticht aus Sicht der Werbesprache durch seine Doppeldeutigkeit: Erinnert es die geneigten Konsumenten nicht nur an die kulinarischen Qualit\u00e4ten des Hamburgers, sondern l\u00e4sst sie gleichzeitig auch an das Verwaltungsoberhaupt ihrer Stadt denken. Inhaltlich hat das eine mit dem anderen zwar wenig zu tun, aber einpr\u00e4gsam ist es auf jeden Fall und das z\u00e4hlt. Und so verwundert es nicht, dass es in Berlin-Kreuzberg bereits ein Restaurant mit dem Namen <em>Burgermeister<\/em> gibt. Guten Appetit!<\/p>\n<div id=\"attachment_17034\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester-Amsterdam.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17034\" class=\"wp-image-17034 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester-Amsterdam-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester-Amsterdam-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester-Amsterdam-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester-Amsterdam.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17034\" class=\"wp-caption-text\">In Amsterdam gibt es zwar drei &#8218;burgermeester&#8216;, aber nur einen burgemeester.<\/p><\/div>\n<p>Blickt man nun von Berlin nach Amsterdam, so finden sich dort gleich drei Restaurants mit dem klingenden Namen <em>burgermeester<\/em>, der den niederl\u00e4ndischen Kunden dieselbe Assoziation entlockt wie sein Berliner Pendant. Auch im Niederl\u00e4ndischen funktioniert die Logik der Doppeldeutigkeit durch Wortkomposition. Hier gibt es jedoch einen feinen Unterschied zum Deutschen. Das niederl\u00e4ndische Stadtoberhaupt schreibt sich n\u00e4mlich ohne &lt;-r&gt; und hei\u00dft<em> burgemeester.<\/em> W\u00e4hrend sich der deutsche Begriff <em>B\u00fcrgermeister <\/em>von dem Wort <em>B\u00fcrger<\/em> ableitet, stammt das niederl\u00e4ndische Pendant <em>burgemeester<\/em> laut <a href=\"https:\/\/onzetaal.nl\/taaladvies\/burgemeester-burgermeester\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Onze Taal<\/em><\/a> von <em>borg<\/em> oder <em>burg <\/em>ab, womit eigentlich eine Stadt oder ein Stadtteil gemeint war. Die urspr\u00fcngliche Form lautete demnach <em>borghmeester<\/em> oder <em>burchmeester<\/em>, zu der sp\u00e4ter der Schwa-Laut [\u0259] als Fugenelement hinzukam. Doch selbst <em>Onze Taal<\/em> erkennt an, dass die Assoziation mit dem Wort <em>burger<\/em> nicht von der Hand zu weisen ist. Und so funktioniert das Wortspiel jenseits und diesseits der Ems-Dollart-Region wunderbar.<\/p>\n<p>Eine andere Besonderheit ist der Wortakzent, der im Niederl\u00e4ndischen auf der dritten Silbe liegt, wenn man vom Stadtoberhaupt spricht: <em>burgem<u>ee<\/u>ster<\/em>. Wie sollte man jetzt aber das Wortspiel <em>burgermeester<\/em> betonen? Geht es um den Meister der Hamburgerzubereitung? Dann w\u00fcrde der Wortakzent auf der ersten Silbe liegen. Oder m\u00f6chte man bewusst die unfreiwillige Assoziation mit dem Verwaltungsoberhaupt einer Stadt beibehalten? Dann bliebe der Wortakzent faktisch auf der dritten Silbe. Eine kleine Stichprobe unter Muttersprachlern brachte hierzu keine eindeutigen Ergebnisse und so bleibt es wohl den Sprechern selbst \u00fcberlassen, welche Form sie w\u00e4hlen. Dieses prosodische Dilemma gibt es \u00fcbrigens nur im n\u00f6rdlichen Teil des niederl\u00e4ndischen Sprachraumes, denn in Flandern kann man wie im Deutschen die erste Silbe betonen \u2013 egal ob <em>burge(r)meester <\/em>mit oder ohne &lt;-r&gt;.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4re dieser Artikel eigentlich zu Ende, g\u00e4be es im s\u00fcdlichen Afrika nicht eine Schwestersprache des Niederl\u00e4ndischen, die \u00fcber parallele Wortbildungsmuster und ein \u00e4hnliches Lexikon verf\u00fcgt: Afrikaans. Es verwundert also nicht, dass findige Werbetreibende auf denselben Einfall kamen und ihre Hamburger ebenfalls unter der \u00dcberschrift <em>burgermeester<\/em> anpreisen, wie ein Plakat aus Windhoek zeigt. Offiziell wird auch der Afrikaanse <em>burgemeester<\/em> ohne &lt;-r&gt; geschrieben; dieser Umstand ist laut Prof. Daan Wissing von der Noordwes-Universiteit jedoch kaum bekannt. In der Umgangssprache wird gew\u00f6hnlich ein &lt;-r&gt; mitgesprochen und der Wortakzent f\u00e4llt oft auf die erste Silbe.<\/p>\n<div id=\"attachment_17033\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester_Windhoek.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17033\" class=\"wp-image-17033 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester_Windhoek-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester_Windhoek-300x202.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester_Windhoek-768x518.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Burgermeester_Windhoek-1024x691.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17033\" class=\"wp-caption-text\">In Windhoek ist das Wort Teil einer Werbekampagne.<\/p><\/div>\n<p>In dieser Hinsicht \u00e4hnelt die afrikaanse Variante des Wortes also eher der Deutschen. Das eingef\u00fcgte &lt;-r&gt; im Wortspiel <em>burgermeester <\/em>erweckt bei vielen Lesern anders als im Niederl\u00e4ndischen jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Das afrikaanse Beispiel ist besonders bemerkenswert, da ein Gro\u00dfteil namibischer Werbesprache auf Englisch gehalten ist. Im Falle von <em>burge(r)meester<\/em> ist es jedoch un\u00fcbersetzbar und so erobert es gleich drei Sprachr\u00e4ume und verspricht dabei Qualit\u00e4t beim Burgeressen. Wie viele Kunden sich aufgrund dieses Wortspieles haben \u00fcberzeugen lassen, ist \u00fcbrigens nicht \u00fcberliefert. Weder aus Namibia, noch aus Deutschland noch aus den Niederlanden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurz erkl\u00e4rt: das Wortspiel auf Afrikaans (Simon Jacobs, Kapstadt)<\/strong><\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-17029-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Simon-Jacos-Kapstadt.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Simon-Jacos-Kapstadt.mp3\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2020\/06\/Simon-Jacos-Kapstadt.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kurz erkl\u00e4rt: das Wortspiel auf Niederl\u00e4ndisch (Maja Verburg, Amsterdam)<\/strong><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-17029-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/06\/Maja-Verburg-Amsterdam.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/06\/Maja-Verburg-Amsterdam.mp3\">https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/06\/Maja-Verburg-Amsterdam.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Henning Radke F\u00fchren \u00e4hnliche Wortbildungsmuster in verschiedenen Sprachen zu parallelen Werbeausdr\u00fccken \u00fcber die Sprachr\u00e4ume hinweg? 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