{"id":17157,"date":"2018-07-25T14:12:08","date_gmt":"2018-07-25T12:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=17157"},"modified":"2018-08-30T10:58:17","modified_gmt":"2018-08-30T08:58:17","slug":"rotterdam-010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2018\/07\/25\/rotterdam-010\/","title":{"rendered":"Rotterdam 010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right\"><strong>Von Undine G\u00fcnther<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde nie vergessen, wie ich, auf der Suche nach einer Wohnung in Rotterdam, immer wieder \u00fcber den Satz stolperte: \u201eIn der N\u00e4he von Albert Heijn\u201c und mich gefragt habe, wo denn dieser Ort sei, in dessen N\u00e4he alle zu wohnen scheinen. Es stellte sich heraus, dass Albert Heijn einer der besten, wenn auch teuersten, To-Go Superm\u00e4rkte ist, in dem ich je gewesen bin und der Liebling aller Niederl\u00e4nder.<\/p>\n<div style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Erasmusbrug_seen_from_Euromast.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f8\/Erasmusbrug_seen_from_Euromast.jpg\/640px-Erasmusbrug_seen_from_Euromast.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"259\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Mlefter, CC-BY-SA-3.0<\/p><\/div>\n<p>Gewohnt habe ich schlussendlich allerdings nicht in Rotterdam, sondern in Schiedam, eine Stadt, die direkt an Rotterdam grenzt. Daher bin ich jeden Morgen und jeden Nachmittag mit meinem gemieteten Fahrrad 25 Minuten nach Rotterdam rein und wieder rausgefahren. Ich muss allerdings zugeben, dass es mich bei Regen und K\u00e4lte in die U-Bahn verschlagen hat, wo ich, zu meiner Verwunderung, fast alleine sa\u00df, denn Regen ist kein Grund nicht Fahrrad zu fahren. Es gibt im Grunde keinen Grund nicht Fahrrad zu fahren. Wozu gibt es denn Regenhosen und Jacken und M\u00fctzen? Und da man sich des Wetters in den Niederlanden nie sicher sein kann, hat man zudem immer alles dabei, selbst wenn es wolkenlose 30 Grad werden sollen. Dass die Niederl\u00e4nder immer gerne Fahrrad fahren, ist den gut ausgebauten Fahrradwegen und Schnellstra\u00dfen zu verdanken. Aber ich glaube, dar\u00fcber brauche ich hier kaum ein Wort zu verlieren, denn wir wissen alle, dass die Niederl\u00e4nder in der Hinsicht sehr viel weiter sind. Allerdings muss man bemerken, dass dies nicht in allen St\u00e4dten zutrifft. Amsterdam hat es mit seinen schmalen Gassen etwas schwerer zweispurige Fahrradwege in das Stadtbild zu integrieren. Rotterdam hatte es da nach dem <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Exterieur_OVERZICHT_NA_BOMBARDEMENT_%28OORLOGSSCHADE%29_-_Rotterdam_-_20264977_-_RCE.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krieg<\/a> leichter.<\/p>\n<div style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Rotterdam_Central_station_at_night_2016.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/30\/Rotterdam_Central_station_at_night_2016.jpg\/320px-Rotterdam_Central_station_at_night_2016.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">R. Yasmeen CC-BY-SA-4.0<\/p><\/div>\n<p>R\u00b4dam, wie es auch so sch\u00f6n hei\u00dft, setzt sich aber nicht nur dahingehend von Amsterdam ab. Es \u00e4hnelt n\u00e4mlich nur noch an sehr wenigen Stellen einer niederl\u00e4ndischen Stadt, so wie sie im Buche steht. Manchmal schien es mir als w\u00e4re der B\u00fcrgermeister von Rotterdam eines morgens aufgewacht und h\u00e4tte gesagt: \u201eWir holen uns jetzt Architekten hierher, die alle einmal machen d\u00fcrfen, was sie wollen.\u201c So schie\u00dfen an jeder Ecke die verr\u00fccktesten <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Rotterdam#\/media\/File:Cubehouses.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gebilde<\/a> aus der Erde, die grunds\u00e4tzlich erstmal von den Rotterdamern gehasst und nach einer gewissen Eingew\u00f6hnungszeit geliebt werden.<br \/>\nDass ich hier so viele Vergleiche zwischen Rotterdam und Amsterdam ziehe, liegt wahrscheinlich daran, dass man, wohnt man in einer der beiden St\u00e4dte, ziemlich schnell mitkriegt: Rotterdam und Amsterdam hassen sich. Und man sollte sich h\u00fcten, den einen St\u00e4dtenamen in der anderen Stadt \u00fcberhaupt laut auszusprechen. Stattdessen sagt man einfach 020 f\u00fcr Amsterdam und 010 f\u00fcr Rotterdam. Die Zahlen stehen f\u00fcr die Vorwahlen der beiden St\u00e4dte. Und man bemerke: Rotterdam ist ausnahmsweise Nummer eins!<\/p>\n<p>Was meine <strong>Arbeit am Goethe-Institut<\/strong> angeht, habe ich mich gef\u00fchlt als h\u00e4tte ich Deutschland nie verlassen. Alle sprachen Deutsch, a\u00dfen Deutsch, besch\u00e4ftigten sich konstant und konsequent 40 Stunden die Woche mit Deutschland. Dies hat allerdings dazu gef\u00fchrt, dass ich mich mit der Kultur meines eigenen Landes so intensiv auseinandergesetzt habe, wie ich es in Berlin nie getan h\u00e4tte. Ich habe Lesungen und Filmabende mitorganisiert und durchgef\u00fchrt, deutsche Literatur recherchiert und die Bibliothek und ihre Besucher betreut. Aber vor allem habe ich unter Anleitung der neuen Bibliotheksleiterin die Social-Media-Pr\u00e4senz des Institutes auf Vordermann gebracht. Dabei habe ich mir Quizze ausgedacht und gestaltet, Posts zur deutschen und niederl\u00e4ndischen Sprache entwickelt und Gifs und Videos f\u00fcr die Sprachabteilung entworfen. Ich durfte unglaublich kreativ sein und meiner Fantasie freien Lauf lassen, solange es Follower und Likes zur Folge hatte, und ich bin mir jetzt sicher, dass der Bereich Social Media auch der sein wird, in dem ich sp\u00e4ter gerne einmal arbeiten m\u00f6chte.<br \/>\nDoch trotz der deutschen Kultur, die hier hinter jeder Ecke lauerte, gab es hier und da immer wieder Kleinigkeiten, die mir versicherten, dass ich mich in den Niederlanden befand, wie z.B. das all freit\u00e4gliche <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/05\/23\/vrij-mi-bo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>borrelen<\/em><\/a>. Bei diesem wunderbaren niederl\u00e4ndischen Brauch sitzt man jeden Freitagnachmittag nach der Arbeit zusammen und trinkt Wein und Bier, isst Chips und l\u00e4sst die Woche ausklingen. Es gibt meiner Meinung nach keine bessere Art und Weise das Wochenende willkommen zu hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Ein Tag, den es sich lohnt hier noch zu erw\u00e4hnen, ist der 27. April: <strong>Koningsdag<\/strong>! An diesem Feiertag verwandeln sich die Stra\u00dfen zu Flohm\u00e4rkten, \u00fcberall wird Musik gespielt und wer nicht Orange tr\u00e4gt, sollte sich gar nicht erst drau\u00dfen blicken lassen. Alle Menschen sind gut gelaunt und wenn das Wetter mitspielt, geht man morgens aus dem Haus und kehrt bis abends nicht mehr zur\u00fcck. Es ist wunderbar.<\/p>\n<p>Eins ist jedenfalls klar: die Niederl\u00e4nder sind ein witziges Volk, mit ihrem K\u00e4se und ihrer Fahrradpolizei, wenn sie am Strand <em>uitwaaien<\/em> (was soviel hei\u00dft wie frische Luft schnappen), oder Kroketten aus Automaten ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Undine G\u00fcnther Ich werde nie vergessen, wie ich, auf der Suche nach einer Wohnung in Rotterdam, immer wieder \u00fcber den Satz stolperte: \u201eIn der N\u00e4he von Albert Heijn\u201c und mich gefragt habe, wo denn dieser Ort sei, in dessen N\u00e4he alle zu wohnen scheinen. 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