{"id":17166,"date":"2018-07-21T19:41:28","date_gmt":"2018-07-21T17:41:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=17166"},"modified":"2018-07-22T20:08:15","modified_gmt":"2018-07-22T18:08:15","slug":"diwan-statt-stau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2018\/07\/21\/diwan-statt-stau\/","title":{"rendered":"Diwan statt Stau"},"content":{"rendered":"<p>Belgien feiert, \u00fcberall wehen Flaggen. Nicht wegen Fu\u00dfball, fast muss man inzwischen sagen: ausnahmsweise. Sondern weil der 21. Juli der Nationalfeiertag ist. Einer der wenigen Tage, an denen auch in Flandern die Sprache so f\u00f6deral aussieht wie selten, weil fl\u00e4mische Zeitungen kaum an franz\u00f6sischen Lehnw\u00f6rtern vorbeikommen. Beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.demorgen.be\/binnenland\/nationale-feestdag-militair-defile-zonder-civiele-bescherming-en-afzijdige-laurent-bae9867e\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">De Morgen:<\/a><\/p>\n<p>An erster Stelle steht die j\u00e4hrliche Parade, das <em>defil\u00e9<\/em>. Eine seltsame Kreatur ist dieses Wort, denn auf Franz\u00f6sisch schreibt man es <em>d\u00e9fil\u00e9<\/em>. Im Niederl\u00e4ndischen hat man den zweiten Akzent \u00fcbernommen, den ersten aber weggelassen. Warum? Vielleicht, weil man einerseits in der niederl\u00e4ndischen Orthographie nur selten Akzente benutzt, au\u00dfer z.B. wenn das betonte <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/10\/26\/was-ist-das-fuer-1-eins\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zahlwort <em>\u00e9\u00e9n <\/em><\/a>vom unbetonten und unbestimmten Artikel <em>een <\/em>genau unterschieden werden muss. Ganz ohne Akzente kommt das Wort f\u00fcr die Parade aber trotzdem nicht aus, sonst k\u00f6nnte man es zu leicht mit einer anderen belgischen Tradition verwechseln: <em>de file. <\/em>Der Unterschied mag marginal sein: viele Fahrzeuge bewegen sich sehr langsam und dicht hintereinander vorw\u00e4rts. Trotzdem freut man sich am <em>defil\u00e9 <\/em>mehr als an <em>de file.<\/em><\/p>\n<div style=\"width: 324px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/7c\/21_juli_2011_Defil%C3%A9_Koning_Albert_II.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/7c\/21_juli_2011_Defil%C3%A9_Koning_Albert_II.png\" alt=\"\" width=\"314\" height=\"196\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Eine ordentliche &#8218;drache nationale&#8216; brachte 2011 noch Albert II. zum Triefen. (P. Hermans, CC-BY-SA 3.0)<\/p><\/div>\n<p>Am zivilen Teil der Parade nimmt unter anderen <em>de douane en accijnzen <\/em>teil, kurz f\u00fcr die Zoll- und Steuerverwaltung, die auf Franz\u00f6sisch\u00a0<em>administration g\u00e9n\u00e9rale des douanes et accises <\/em>hei\u00dft. F\u00fcr den Zoll ist im Niederl\u00e4ndischen <em>douane <\/em>das gebr\u00e4uchlichste Wort, in Nord und S\u00fcd. Kaum jemand spricht \u00fcblicherweise vom <em>toldienst. <\/em><a href=\"http:\/\/www.etymologiebank.nl\/trefwoord\/douane\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Etymologischer<\/a> fun fact: Das Wort kam urspr\u00fcnglich aus dem Persischen und via das Arabische nach Europa, ist \u00fcber ein paar Ecken mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diwan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Diwan<\/em><\/a> verwandt und hat sich auch durch das Niederl\u00e4ndische weiter verbreitet bis ins Sranantongo und Papiamentu. Die <em>accijnzen <\/em>machen es der <a href=\"http:\/\/www.etymologiebank.nl\/trefwoord\/accijns\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Etymologie<\/a> auch nicht viel leichter, denn mit einer simplen Entlehnung von <em>accises <\/em>ist die Erkl\u00e4rung nicht getan.<\/p>\n<p>Wer offenbar auch nur mit einem franz\u00f6sischen Begriff unterwegs ist, ist <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Laurent_van_Belgi%C3%AB\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prinz Laurent<\/a> &#8211;\u00a0 anders als sein Bruder K\u00f6nig <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/10\/16\/wie-man-belgische-dinge-beim-namen-nennt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Filip bzw. Philippe<\/a>. Laurent d\u00fcrfte auf Niederl\u00e4ndisch zwar offiziell <em>Laurens <\/em>hei\u00dfen, daran h\u00e4lt sich aber niemand. (Ob er selbst Wert darauf legt?)<\/p>\n<p>Dass die Feierlichkeiten in Belgien <em>zonovergoten <\/em>waren, hat \u00fcbrigens in der Zeitung auch Nachrichtenwert. Ein weiteres franz\u00f6sisches Spezifikum in Belgien ist schlie\u00dflich die <em>drache nationale<\/em>, der nationale Regenguss. Mit dem kann man sonst zuverl\u00e4ssig mitten im Sommer zum Nationalfeiertag rechnen. Wahrscheinlich ist die Angst vor der N\u00e4sse der wahre Grund daf\u00fcr, dass wie auch in den letzten Jahren bei der Parade zum f\u00f6deralen Feiertag keine Vertretung des fl\u00e4mischen Parlaments anwesend war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belgien feiert, \u00fcberall wehen Flaggen. Nicht wegen Fu\u00dfball, fast muss man inzwischen sagen: ausnahmsweise. Sondern weil der 21. Juli der Nationalfeiertag ist. Einer der wenigen Tage, an denen auch in Flandern die Sprache so f\u00f6deral aussieht wie selten, weil fl\u00e4mische Zeitungen kaum an franz\u00f6sischen Lehnw\u00f6rtern vorbeikommen. 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