{"id":17381,"date":"2018-09-13T17:37:58","date_gmt":"2018-09-13T15:37:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=17381"},"modified":"2018-09-13T13:35:42","modified_gmt":"2018-09-13T11:35:42","slug":"einmal-pommes-mit-syntax-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2018\/09\/13\/einmal-pommes-mit-syntax-bitte\/","title":{"rendered":"Einmal Pommes mit Syntax, bitte!"},"content":{"rendered":"<p>Ende August war es ruhig auf unserem Flur an der Uni: Fast die komplette Niederlandistik war in Leuven zum <a href=\"https:\/\/colloquium.ivn.nu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Colloquium Neerlandicum<\/em><\/a>, der Konferenz der Internationale Vereniging voor Neerlandistiek. Die findet alle drei Jahre statt, immer abwechselnd in Flandern und den Niederlanden \u2013 <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/08\/29\/postkoloniale-klinkers\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">letztes Mal in Leiden<\/a>, dieses Jahr also in Belgien.<\/p>\n<div id=\"attachment_17387\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/ANS_station.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17387\" class=\"wp-image-17387 \" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/ANS_station-71x300.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/ANS_station-71x300.jpg 71w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/ANS_station-768x3250.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/ANS_station-242x1024.jpg 242w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/ANS_station.jpg 849w\" sizes=\"auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17387\" class=\"wp-caption-text\">Bei L\u00fcttich (in Wallonien!) hat die ANS sogar einen Bahnhof. (PK)<\/p><\/div>\n<p>Das Programm war dichtgepackt, mit Vortr\u00e4gen aus Sprach- und Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Didaktik. Vorgestellt wurde unter anderem ein Mammutprojekt: Die \u00dcberarbeitung der Algemene Nederlandse Spraakkunst, kurz ANS. Die Referenzgrammatik des Niederl\u00e4ndischen ist schon lange <a href=\"http:\/\/ans.ruhosting.nl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">online verf\u00fcgbar<\/a>, allerdings muss sie dringend aktualisiert werden. Nicht nur der Forschungsstand hat sich in den letzten Jahrzehnten ge\u00e4ndert, auch die Sprachbeispiele sind zum Teil v\u00f6llig veraltet: Es ist von Franken und Gulden die Rede, man verschickt noch Telegramme oder Frauen stehen am Herd und sch\u00e4len <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/06\/22\/de-kartoffel-de-aardappel-de-pieper-en-vincent\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kartoffeln<\/a>, w\u00e4hrend M\u00e4nner Geld verdienen.<\/p>\n<p>Eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen aus beiden Teilen des europ\u00e4ischen Sprachgebiets arbeitet hart daran, die alte Tante ANS ins 21. Jahrhundert zu holen. Leider mit viel zu wenig F\u00f6rderung und mit einem befristeten Projekt. Ein derart wichtiges Arbeitsinstrument f\u00fcr die Wissenschaft, f\u00fcr Sprachlernende und Lehrkr\u00e4fte h\u00e4tte es verdient, dauerhaft und besser ausgestattet zu werden.<\/p>\n<p>Bei so gro\u00dfen Projekten, spannenden Vortr\u00e4gen und komplizierter Forschung entsteht Energiebedarf. Den deckt man in Belgien einerseits mit br\u00f6ckelnden Kernkraftwerken, andererseits mit <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/01\/18\/essen-wie-gott-in-holland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pommes<\/a>. Aber wie bestellt man eigentlich korrekt Pommes? Die Frage ist tats\u00e4chlich gesamtbelgisch. Neben der Konferenz in Leuven hatte ich die Gelegenheit, auch in Br\u00fcssel und in L\u00fcttich vorbeizuschauen \u2013 alle Regionen gleichberechtigt abgedeckt, belgische L\u00f6sung. Und beiderseits der Sprachgrenze dieselbe Gr\u00fcbelei.<\/p>\n<p>Auf Franz\u00f6sisch wunderte ich mich \u00fcber den Verk\u00e4ufer, der konsequent von \u201eles moyens\u201c und \u201eles petits\u201c sprach. Er bezeichnete die mittleren und die kleinen Portionen konsequent im Maskulinum. (Gro\u00dfe kamen nicht vor, denn gro\u00dfe T\u00fcten waren alle.) In einer dr\u00e4ngelvollen <em>friture <\/em>kann man schlecht eine Grammatik-Debatte vom Zaun brechen. Also bleibt es vorerst ein R\u00e4tsel: <em>les frites <\/em>ist Femininum, <em>une portion<\/em> auch. Warum also die maskuline Bezeichnung? Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung w\u00e4re <em>le cornet<\/em>, die Bezeichnung f\u00fcr die spitze Kartont\u00fcte, in der man die Pommes oft bekommt. Leider fehlte die Gelegenheit, nach einer Pommesbude zu suchen, bei der die Pommes in viereckigen Schalen (<em>barquettes<\/em>, f.) oder auf Tellern (<em>assiettes<\/em>, f.) serviert werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_17388\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/DSC_3527.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17388\" class=\"wp-image-17388 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/DSC_3527-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/DSC_3527-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/DSC_3527-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/09\/DSC_3527-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17388\" class=\"wp-caption-text\">Br\u00fcsseler Pommes im cornet. (PK)<\/p><\/div>\n<p>In Flandern ist die Pommesfrage nicht so sehr an das Genus gebunden, sondern eher an allgemeinere Kommunikationsprinzipien. In einer <em>frituur <\/em>sind Pommes das Produkt, das fast alle kaufen, vielleicht sogar das einzige im Angebot. Also ist es im Prinzip unn\u00f6tig, bei der Bestellung explizit zu sagen, dass man Pommes m\u00f6chte. Aber was sagt man stattdessen? Auf Deutsch kann man vielleicht \u201eeinmal mit Ketchup\u201c bestellen. <em>Een keer <\/em>geht auf Niederl\u00e4ndisch nicht so richtig. Muttersprachler erz\u00e4hlen mir, dass sie beispielsweise <em>een kleintje met\u2026 <\/em>bestellen. (Die Namen der zahllosen Saucen sind ein Vokabelproblem, das noch dazukommt.) Der Diminutiv erledigt nebenbei auch das Genus-Problem, das sich im Franz\u00f6sischen gestellt hat. Auch in anderen g\u00e4ngigen Formulierungen bleibt das Produkt meist unausgesprochen. So hat sich sogar schon <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Friet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a> der Frage angenommen und f\u00fchrt als Bestellgewohnheiten in Belgien an: \u201e<em>een pakje met x<\/em> of <em>een grote\/kleine (friet) met x<\/em>\u201c. Genau genommen bestellt man also Pommes, ohne Pommes zu bestellen.<\/p>\n<p>Welche dieser Varianten wann bevorzugt werden und warum, dazu m\u00fcsste man noch mehr Feldforschung betreiben. Das ist wahrscheinlich schlecht f\u00fcr die Linie, aber daf\u00fcr zum Wohle der Wissenschaft. Denn eins ist klar: Auch in der neuen ANS wird es sicher kein Kapitel zur Pommesgrammatik geben, das man einfach nachschlagen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende August war es ruhig auf unserem Flur an der Uni: Fast die komplette Niederlandistik war in Leuven zum Colloquium Neerlandicum, der Konferenz der Internationale Vereniging voor Neerlandistiek. Die findet alle drei Jahre statt, immer abwechselnd in Flandern und den Niederlanden \u2013 letztes Mal in Leiden, dieses Jahr also in Belgien. Das Programm war dichtgepackt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2044,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2983,23489,23484,3099],"tags":[44141,23497],"class_list":["post-17381","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belgien","category-grammatik","category-idiom","category-sprachvergleich","tag-beitraege-auf-deutsch","tag-kulinarisch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17381","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2044"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17381"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17381\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17392,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17381\/revisions\/17392"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17381"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17381"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17381"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}