{"id":17487,"date":"2018-12-03T17:07:34","date_gmt":"2018-12-03T16:07:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=17487"},"modified":"2018-12-04T21:24:03","modified_gmt":"2018-12-04T20:24:03","slug":"flederhunde-und-hollaendische-tauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2018\/12\/03\/flederhunde-und-hollaendische-tauben\/","title":{"rendered":"Flederhunde und holl\u00e4ndische Tauben"},"content":{"rendered":"<p>Warum sollte man sich eigentlich mit Kreolsprachen besch\u00e4ftigen? Gr\u00fcnde gibt es viele: Sie haben eine spannende (und oft tragische) Geschichte, sie haben interessante grammatische Strukturen zu bieten \u2013 und nat\u00fcrlich: man darf zu ihrer Erforschung in wundersch\u00f6ne L\u00e4nder reisen. K\u00fcrzlich fand wieder eine Kreolistik-Konferenz statt, n\u00e4mlich auf den Seychellen.<\/p>\n<div id=\"attachment_17492\" style=\"width: 141px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC05056b.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17492\" class=\"wp-image-17492 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC05056b-131x300.jpg\" alt=\"\" width=\"131\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC05056b-131x300.jpg 131w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC05056b-768x1756.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC05056b-448x1024.jpg 448w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC05056b.jpg 1337w\" sizes=\"auto, (max-width: 131px) 100vw, 131px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17492\" class=\"wp-caption-text\">Flughund. (PK)<\/p><\/div>\n<p>Dort fiel mir als erstes auf, dass der Landesname im Deutschen ebenso wie im Niederl\u00e4ndischen immer einen Artikel hat: <em>die\/de Seychellen<\/em>. Auf Englisch liest man dagegen ganz oft einfach nur <em>Seychelles<\/em>. Das Land hei\u00dft offiziell <em>Republic of Seychelles<\/em>, man spricht von <em>the government of Seychelles <\/em>usw.<\/p>\n<p>Auch im Deutschen gibt es die Tendenz, bei L\u00e4ndernamen den Artikel immer h\u00e4ufiger wegzulassen. Dann sagt oder schreibt man <em>in Iran <\/em>statt <em>im Iran <\/em>und \u00e4hnliches. Die Formen mit Artikel wirken mit der Zeit etwas altbacken, in unterschiedlichen Stufen. Mir kommt <em>der Jemen <\/em>jedenfalls etwas \u00e4ltlicher vor als <em>der Iran<\/em>. Auf Niederl\u00e4ndisch braucht man sich darum keine Gedanken zu machen, denn hier gibt es bei all diesen L\u00e4ndern gar keinen Artikel.<\/p>\n<p>Aber bei Pluralen sind sich Deutsch und Niederl\u00e4ndisch noch einig: Sie sind normalerweise nicht weglassbar. Das Englische verh\u00e4lt sich da etwas inkonsequent. W\u00e4hrend die Seychellen ihren Artikel weitgehend verloren haben, haben <em>The Bahamas <\/em>ihren praktisch immer. Und man schreibt ihn sogar h\u00e4ufig gro\u00df, was noch st\u00e4rkere Zugeh\u00f6rigkeit zum Namen signalisiert.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu den Seychellen. Die Inselgruppe ist benannt nach dem franz\u00f6sischen Adligen und Politiker <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Moreau_de_S%C3%A9chelles\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jean Moreau de S\u00e9chelles<\/a> (noch ohne <em>Y<\/em>). Der war im 18. Jahrhundert zeitweise <em>intendant <\/em>von Flandern. Man h\u00e4tte also eigentlich den Norden Belgiens genauso gut <em>Seychellen<\/em> nennen k\u00f6nnen, dann vielleicht eher im Singular bzw. ohne Artikel. Jedenfalls sind beides regenreiche Gegenden, die Inseln im Indischen Ozean haben zwischen den Regenschauern mehr Sonne statt Nebel.<\/p>\n<div id=\"attachment_17491\" style=\"width: 177px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC_3934b.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17491\" class=\"wp-image-17491\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC_3934b-282x300.jpg\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"178\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC_3934b-282x300.jpg 282w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC_3934b-768x818.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2018\/12\/DSC_3934b-962x1024.jpg 962w\" sizes=\"auto, (max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17491\" class=\"wp-caption-text\">Pizon olande. (PK)<\/p><\/div>\n<p>Wenn man auf den Seychellen nicht nur die Sprache studiert, sondern auch die Natur, findet man interessante Tiere. Da w\u00e4re zun\u00e4chst der Seychellen-Flughund. Der hei\u00dft auf Niederl\u00e4ndisch <em>vleerhond<\/em>. Dass es sich irgendwie um Hunde handeln sollte, ist nat\u00fcrlich biologisch gesehen Unsinn, aber in beiden Sprachen gleich abwegig. Da sind wir also wieder im Bereich der Tiere, die <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/12\/20\/vom-springhahn-und-der-streichelmaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nach anderen Tieren benannt<\/a> sind. Der Wortanteil <em>vleer-\u00a0<\/em>kommt nat\u00fcrlich auch im Deutschen vor, etwa bei der <em>Fledermaus. <\/em><a href=\"http:\/\/www.etymologiebank.nl\/trefwoord\/vleermuis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dahinter steckt der Fl\u00fcgel<\/a> bzw. letztendlich das Flattern beim Fliegen.<\/p>\n<p>Flattern kann auf den Seychellen nicht nur der Flughund, sondern auch die <em>pizon olande. <\/em>Mit etwas Konzentration erkennt man darin die franz\u00f6sischen W\u00f6rter <em>pigeon <\/em>(Taube) und <em>Hollande<\/em>. Die holl\u00e4ndische Taube kommt entgegen ihrem Namen nur auf den Seychellen vor und hei\u00dft auf Deutsch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paradies-Fruchttaube\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Paradies-Fruchttaube<\/em><\/a>. Ihre niederl\u00e4ndische Bezeichnung\u00a0<em>Seychelse blauwe duif<\/em> ist etwas irref\u00fchrend, denn den kreolischen Namen tr\u00e4gt die Taube n\u00e4mlich wegen der Kombination von gleich drei Farben ihres Federkleids. Roter Kopf, der K\u00f6rper oben wei\u00df, unten bl\u00e4ulich: Ganz eindeutig die niederl\u00e4ndische Flagge. Dass sie sich heimlich zum Koningsdag auch mal in Orange kleidet, konnte bisher aber noch nicht beobachtet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sollte man sich eigentlich mit Kreolsprachen besch\u00e4ftigen? Gr\u00fcnde gibt es viele: Sie haben eine spannende (und oft tragische) Geschichte, sie haben interessante grammatische Strukturen zu bieten \u2013 und nat\u00fcrlich: man darf zu ihrer Erforschung in wundersch\u00f6ne L\u00e4nder reisen. K\u00fcrzlich fand wieder eine Kreolistik-Konferenz statt, n\u00e4mlich auf den Seychellen. 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