{"id":17544,"date":"2019-01-28T11:06:05","date_gmt":"2019-01-28T10:06:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=17544"},"modified":"2019-01-24T15:30:11","modified_gmt":"2019-01-24T14:30:11","slug":"daenische-miszellen-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2019\/01\/28\/daenische-miszellen-iii\/","title":{"rendered":"D\u00e4nische Miszellen III"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/cc\/Flag_of_Denmark_with_border.svg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft \" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/cc\/Flag_of_Denmark_with_border.svg\" width=\"32\" height=\"24\" \/><\/a> Zu den faszinierenden kleinen Unterschieden zwischen Deutsch und Niederl\u00e4ndisch geh\u00f6rt der Plural auf -eren, den das Deutsche nicht kennt. Als Ansammlung von gleich zwei Pluralendungen, die jeweils einzeln auf Deutsch durchaus bekannt sind, werden manche Substantive in der Mehrzahl so gebildet: <em>blad \u2013 bladeren, kind \u2013 kinderen<\/em>.<\/p>\n<p>In den germanischen Sprachen kommen bei den Worten f\u00fcr <em>Kind<\/em> interessanterweise praktisch alle unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten vor, die unsere Sprachfamilie \u00fcberhaupt f\u00fcr Plurale zur Verf\u00fcgung hat. Das D\u00e4nische hat dabei, \u00e4hnlich wie das Niederl\u00e4ndische, eine Besonderheit auch gegen\u00fcber seinen direkt verwandten Nachbarsprachen (wie sonst nur die \u201ealtert\u00fcmlichen\u201c Sprachen im Atlantik, n\u00e4mlich Isl\u00e4ndisch und F\u00e4r\u00f6isch).<\/p>\n<table style=\"height: 501px\" width=\"553\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"146\">Sprache<\/td>\n<td width=\"137\">Singular<\/td>\n<td width=\"138\">Plural<\/td>\n<td width=\"144\">Verfahren<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"146\">Deutsch<\/td>\n<td width=\"137\">Kind<\/td>\n<td width=\"138\">Kinder<\/td>\n<td width=\"144\">\u2013er<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"146\">Niederl\u00e4ndisch<\/td>\n<td width=\"137\">kind<\/td>\n<td width=\"138\">kinderen<\/td>\n<td width=\"144\">-eren<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"146\">D\u00e4nisch, Isl\u00e4ndisch, F\u00e4r\u00f6isch<\/td>\n<td width=\"137\">barn<\/td>\n<td width=\"138\">b\u00f8rn \/ b\u00f6rn<\/td>\n<td width=\"144\">Umlaut<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"146\">Norwegisch, Schwedisch<\/td>\n<td width=\"137\">barn<\/td>\n<td width=\"138\">barn<\/td>\n<td width=\"144\">formgleich<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"146\">Friesisch<\/td>\n<td width=\"137\">bern<\/td>\n<td width=\"138\">bern<\/td>\n<td width=\"144\">formgleich<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"146\">Englisch<\/td>\n<td width=\"137\">child<\/td>\n<td width=\"138\">children<\/td>\n<td width=\"144\">-ren, Monophthong<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Umlaute im Plural kennen wir auch im Deutschen (Ton \u2013 T\u00f6ne), aber in der Regel mit einem zus\u00e4tzlichen Pluralmorphem am Ende. Nur in manchen Dialekten spielt sich etwas anderes ab. Aus \u00e4lteren Generationen meiner Familie vom Mittelrhein kenne ich beispielsweise noch den Plural mit Stammreduktion: <em>das Kind \u2013 die Kinn<\/em>.<\/p>\n<p>Die Wurzel des Wortes f\u00fcr <em>Kind <\/em>ist \u00fcbrigens eines der auff\u00e4lligen Beispiele, bei denen sich das Friesische sowohl von Niederl\u00e4ndisch als auch von Deutsch unterscheidet, und den skandinavischen Sprachen n\u00e4her ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/cc\/Flag_of_Denmark_with_border.svg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft \" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/cc\/Flag_of_Denmark_with_border.svg\" width=\"32\" height=\"24\" \/><\/a> Aus Belgien kommen mir Beschwerden von Puristen zu Ohren, dass dort im Verkehrsfunk inzwischen immer wieder von <em>wegw\u00e9rkzaamheden<\/em> die Rede sei. Mit Betonung auf <em>werk<\/em> statt auf <em>weg<\/em>. Nun ist Sprache nat\u00fcrlich immer eine Baustelle, und hier k\u00f6nnte sich eine Akzentverschiebung andeuten.<\/p>\n<p>Normalerweise werden Komposita im Deutschen wie im Niederl\u00e4ndischen auf dem ersten Element betont. Aber <em>weg <\/em>wirkt hier mit seinem kurzen Vokal und der einzelnen Silbe vielleicht zu sehr wie ein Pr\u00e4fix, das in solchen F\u00e4llen eher keine Betonung bekommt. Regelhaft ist das im Niederl\u00e4ndischen wie im D\u00e4nischen \u2013 und anders als im Deutschen. Dort betonen wir gerne auch mal Pr\u00e4fixe, beispielsweise dann, wenn sie aus einer Pr\u00e4position hervorgegangen ist:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"191\">op<strong>merk<\/strong>zaam<\/p>\n<p>op<strong>merk<\/strong>zaamheid<\/td>\n<td width=\"187\">op<strong>m\u00e6rk<\/strong>som<\/p>\n<p>op<strong>m\u00e6rk<\/strong>somhed<\/td>\n<td width=\"188\"><strong>auf<\/strong>merksam<\/p>\n<p><strong>Auf<\/strong>merksamkeit<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"191\">over<strong>zicht<\/strong>elijk<\/td>\n<td width=\"187\">over<strong>sku<\/strong>elig<\/td>\n<td width=\"188\"><strong>\u00fcber<\/strong>sichtlich<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"191\">aan<strong>trekk<\/strong>elijk<\/p>\n<p>aan<strong>trekk<\/strong>elijkheid*<\/td>\n<td width=\"187\"><\/td>\n<td width=\"188\"><strong>an<\/strong>z\u00fcglich<\/p>\n<p><strong>An<\/strong>z\u00fcglichkeit*<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"191\"><\/td>\n<td width=\"187\">op<strong>tr\u00e6kk<\/strong>elig<\/td>\n<td width=\"188\"><strong>auf<\/strong>ziehbar<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>*Die Bedeutung ist im Deutschen und Niederl\u00e4ndischen nicht exakt identisch (<em>aantrekkelijk<\/em> w\u00e4re eher <em>anziehend, attraktiv<\/em>)<em>. <\/em>Es geht bei diesem Beispiel also nur um die Struktur.<\/p>\n<p>Dass wir im Deutschen selbst bei langen Wortbildungen wie <em>Aufmerksamkeit<\/em> mit zwei Ableitungen (-sam und -keit) den Akzent ganz nach vorne tragen, ist im Vergleich ziemlich ungew\u00f6hnlich. Das Niederl\u00e4ndische ist sich hier mit dem D\u00e4nischen einig, dass man lieber die Betonung auf dem Kern lassen sollte \u2013 und zwar auch bei Lehnw\u00f6rtern, denn <em>opm\u00e6rksom <\/em>ist ausgerechnet aus dem Deutschen <a href=\"https:\/\/ordnet.dk\/ddo\/ordbog?query=opm%C3%A6rksom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ins D\u00e4nische<\/a> gekommen. (Ob das ebenso f\u00fcrs Niederl\u00e4ndische gilt oder ob es einfach eine Parallelbildung ist, lie\u00df sich nicht nachpr\u00fcfen, dazu sagt leider auch die Etymologiebank nichts.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den faszinierenden kleinen Unterschieden zwischen Deutsch und Niederl\u00e4ndisch geh\u00f6rt der Plural auf -eren, den das Deutsche nicht kennt. Als Ansammlung von gleich zwei Pluralendungen, die jeweils einzeln auf Deutsch durchaus bekannt sind, werden manche Substantive in der Mehrzahl so gebildet: blad \u2013 bladeren, kind \u2013 kinderen. 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