{"id":18088,"date":"2019-12-06T10:12:07","date_gmt":"2019-12-06T09:12:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=18088"},"modified":"2019-12-06T21:46:26","modified_gmt":"2019-12-06T20:46:26","slug":"notizen-aus-suriname-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2019\/12\/06\/notizen-aus-suriname-ii\/","title":{"rendered":"Notizen aus Suriname II"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008000\"><em>Wahlm\u00f6glichkeiten<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18081\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4541.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18081\" class=\"wp-image-18081 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4541-300x132.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"132\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4541-300x132.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4541-768x339.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4541-1024x452.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18081\" class=\"wp-caption-text\">De beste keus! (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Wer die Wahl hat, hat die Qual \u2013 etwa zwischen zwei Varianten eines Wortes. Die Auswahl ist im Niederl\u00e4ndischen h\u00e4ufig <em>de keuze<\/em>, verwandt etwa mit <em>kiezen<\/em> und dem Deutschen <em>auserkoren<\/em>. Daneben existiert aber auch <em>de keus<\/em>, wie im Werbeslogan dieses Autohauses auf dem Nummernschildtr\u00e4ger. Der Van Dale sieht beide als gleichwertig an und markiert keine davon als besonders. In manchen Ohren klingt <em>keus <\/em>aber merkw\u00fcrdig altmodisch, gerade in einem Werbekontext.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000\"><em>L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer<\/em><\/span><\/p>\n<p>Mitten im Vortrag einer Kollegin auf der Konferenz stolperte das gesamte Publikum \u00fcber eine kleine, aber wichtige terminologische Frage: Wie nennt man einen Wissenschaftler, der sich mit Papiamentu besch\u00e4ftigt? Offenbar hat das Niederl\u00e4ndische hier \u2013 genau wie das Deutsche \u2013 eine lexikalische L\u00fccke.<\/p>\n<p>So eine Frage kann nat\u00fcrlich nur die Fachgemeinschaft beantworten. Und die trifft man bekanntlich auf Twitter. Eine kurze (und v\u00f6llig unrepr\u00e4sentative) Umfrage dort brachte bei 88 Stimmen ein relativ knappes Resultat zustande:<\/p>\n<p>55% finden <em>papiamentoloog <\/em>die passende Bezeichnung.<\/p>\n<p>45% stimmten dagegen f\u00fcr <em>papiamentist<\/em>.<\/p>\n<p>Einige versuchten es in der Debatte ernsthaft mit Sachargumenten, etwa: &#8211;<em>loog <\/em>klingt nicht richtig bei W\u00f6rtern, die auf Basis von Sprachnamen gebildet sind. Oder: Auf Papiamentu selbst sagt man <em>papiamentista<\/em>, das k\u00f6nnte man doch einfach \u00fcbernehmen. Die Mehrheit lie\u00df sich davon nicht beeindrucken, aber zumindest wissen wir jetzt, dass offenbar gleich zwei Optionen vorhanden sind, um die L\u00fccke zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000\"><em>Im Busch<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18089\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08652.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18089\" class=\"wp-image-18089 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08652-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08652-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08652-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08652-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18089\" class=\"wp-caption-text\">Moengo ist nicht nur ein Siedlungszentrum im d\u00fcnn besiedelten Osten, sondern es war auch ein wichtiger Bergbaustandort. (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Gleich zu Beginn unseres Aufenthalts ist erst einmal Feiertag: <em>Srefidensi Dey<\/em>, der Unabh\u00e4ngigkeitstag. Die offiziellen Feierlichkeiten mit Milit\u00e4rparade finden jedes Jahr in einem anderen Distrikt des Landes statt, dieses Jahr in <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Moengo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Moengo<\/a> im Osten. In dieser Region leben, erkl\u00e4rt man uns, die <em>boscreolen<\/em> oder <em>boslandcreolen<\/em>. So nennt man die Nachkommen von <em>marrons<\/em>: Sklavinnen und Sklaven, die sich befreit haben und in den Waldgebieten niederlie\u00dfen, dort eigene Gemeinschaften gr\u00fcndeten, eigene Kulturtraditionen pflegen und nicht zuletzt separate Kreolsprachen entstehen lie\u00dfen. Von diesen Communities unterscheiden sich die <em>stadcreolen<\/em>, vor allem in Paramaribo. Ihre Vorfahren kamen erst durch die Abschaffung der Sklaverei frei.<\/p>\n<p>F\u00fcr die soziale Zusammensetzung des Landes und die Identit\u00e4t vieler Menschen ist das eine wichtige Unterscheidung. Trotzdem bleibt immer wieder ein etwas fader Geschmack, wenn von <em>boscreolen <\/em>die Rede ist, besonders aus dem Mund von Wei\u00dfen, niederl\u00e4ndischen Diplomaten gar. Zu sehr klingt der Begriff nach <em>Busch<\/em>, nach unzivilisierten Wilden. Eine zynische Sicht, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Menschen mit ihrem Kampf gegen die koloniale Sklaverei lange Zeit eigentlich die Zivilisiertesten im ganzen Land waren.<\/p>\n<p>Eine Mitarbeiterin im Hotel warnt uns, nicht in den Osten zu den <em>boslandcreolen<\/em> zu fahren. Ressentiments? Nicht in diesem Fall. Ihr geht es weniger um die kulturhistorischen Hintergr\u00fcnde der Menschen, sondern um unsere Sicherheit. Am Unabh\u00e4ngigkeitstag fahren viel zu viele Leute betrunken Auto: zu gef\u00e4hrlich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahlm\u00f6glichkeiten Wer die Wahl hat, hat die Qual \u2013 etwa zwischen zwei Varianten eines Wortes. Die Auswahl ist im Niederl\u00e4ndischen h\u00e4ufig de keuze, verwandt etwa mit kiezen und dem Deutschen auserkoren. Daneben existiert aber auch de keus, wie im Werbeslogan dieses Autohauses auf dem Nummernschildtr\u00e4ger. 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