{"id":18098,"date":"2019-12-08T10:12:06","date_gmt":"2019-12-08T09:12:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=18098"},"modified":"2019-12-04T22:24:27","modified_gmt":"2019-12-04T21:24:27","slug":"notizen-aus-suriname-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2019\/12\/08\/notizen-aus-suriname-iii\/","title":{"rendered":"Notizen aus Suriname III"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008000\"><em>Doppelte Affen und lautmalende V\u00f6gel<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18100\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08658b.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18100\" class=\"wp-image-18100 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08658b-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08658b-300x201.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08658b-768x513.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08658b-1024x685.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18100\" class=\"wp-caption-text\">Grietjebie (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Wer V\u00f6gel faszinierend findet, <em>is in Suriname terecht<\/em>. Oben am Himmel kreisen die Raubv\u00f6gel, in den Zweigen zwitschert und piepst es. Wenn es von oben <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Af5b1eZO3i0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">so klingt<\/a>, dann wei\u00dft man: Dort sitzt ein <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Grote_kiskadie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grietjebie<\/a>. Der Name leitet sich lautmalerisch vom sehr charakteristischen Ruf her \u2013 ziemlich nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Wenn es in den Zweigen raschelt statt piept, ist es manchmal kein Vogel, sondern ein Affe. Davon gibt es einige Sorten im Land, und wer mit niederl\u00e4ndischen Vokabeln nicht ausgelastet ist, kann zugleich noch die Tiernamen in Sranan lernen. Etwa beim Totenkopf\u00e4ffchen (nl. <em>doodshoofdaapje<\/em>), das auf Sranan <em>monkimonki <\/em>hei\u00dft.<\/p>\n<p>Reduplikation ist in Kreolsprachen relativ g\u00e4ngig. In diesem Fall geht es eher nicht darum, eine gro\u00dfe Menge, Intensit\u00e4t oder Wiederholung anzuzeigen. Vermutlich handelt es sich beim <em>monkimonki<\/em> eher um ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komposition_(Grammatik)#Autokomposita,_Iterativkomposita\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Selbstkompositum<\/a>: Ein Affe, der ganz besonders als Affe hervorsticht. Oder vielmehr einer, der besonders prototypisch ist, also der Affe schlechthin.<\/p>\n<div id=\"attachment_18102\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08385.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18102\" class=\"wp-image-18102 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08385-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08385-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08385-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08385-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18102\" class=\"wp-caption-text\">Erl\u00e4uterungen zum monkimonki. (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #008000\"><em>Wie soll das Kind denn hei\u00dfen?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Um den Stellenwert des Sranan in Suriname, der am weitesten verbreiteten Kreolsprache, entspinnen sich immer wieder Debatten: Soll man es standardisieren, zur offiziellen Sprache machen, neben dem Niederl\u00e4ndischen oder stattdessen? Oder ist es als informelle, oft auch ethnisch \u00fcbergreifende Sprache gerade flexibel genug, dass man die Finger davon lassen sollte?<\/p>\n<p>Wenn die Bedeutung des Sranan f\u00fcr den Zusammenhalt im Land betont wird, liegt es f\u00fcr manche nahe, die Sprache auch auf Niederl\u00e4ndisch oder Englisch mit dem Landesnamen zu benennen. So auch auf dem Erkl\u00e4rschild zum monkimonki:\u00a0<em>Surinamese\u00a0<\/em>bzw. <em>Surinaams<\/em>.<\/p>\n<p>Als das auf der Konferenz jemand tat, regte sich hinten im Raum sofort emp\u00f6rter Protest. Die Benennung auf Niederl\u00e4ndisch, wahrscheinlich ist sie einfach zu kolonial. Sranan hat weiterhin Sranan oder Sranantongo zu hei\u00dfen, finden viele. Das hei\u00dft zwar im Prinzip auch nichts anderes als <em>Surinamisch <\/em>bzw. <em>surinamische Sprache<\/em>, aber in welcher Sprache die Sprache so hei\u00dft, das macht nun einmal einen gro\u00dfen Unterschied.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000\"><em>Aukaans: autark<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18101\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08645.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18101\" class=\"wp-image-18101 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08645-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08645-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08645-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08645-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18101\" class=\"wp-caption-text\">Gedenkstele f\u00fcr eines der Opfer beim Massaker von Moiwana im B\u00fcrgerkrieg 1986. (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Zu den Sprachen der <em>marrons <\/em>im Osten Surinames geh\u00f6rt das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ndyuka_language\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aukaans oder Ndyuka<\/a>. Es ist eine englischbasierte Kreolsprache und soweit bekannt die einzige, f\u00fcr die es ein eigenes Schriftsystem gibt: Die Afaka-Schrift. Das macht die Sprache f\u00fcr die Linguistik, jedenfalls die Kreolistik, enorm interessant. Nicht zuletzt deshalb, weil das Schriftsystem kein Alphabet ist, sondern jedes Zeichen f\u00fcr eine Silbe steht, die aus einem Konsonanten und einem Vokal besteht. Mit ihrer eigenen Schrift ist die Sprache sozusagen unabh\u00e4ngig von allen anderen Sprachen und damit fast schon symbolisch genauso autark, wie es die Marron-Gemeinschaften immer waren.<\/p>\n<p>Es ist selten, dass man die Schrift in Benutzung sieht. Sehr prominent ist sie im Dorf Moiwana. Dort erinnert ein Denkmal an die grausame Ermordung von Unschuldigen im surinamischen B\u00fcrgerkrieg in den 1980er Jahren. Die Namen der Opfer sind in lateinischer und in Afaka-Schrift geschrieben. So wird nicht nur die Erinnerung an die Menschen sichtbar, sondern zugleich auch ein St\u00fcck ihres kulturellen und sprachlichen Erbes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doppelte Affen und lautmalende V\u00f6gel Wer V\u00f6gel faszinierend findet, is in Suriname terecht. Oben am Himmel kreisen die Raubv\u00f6gel, in den Zweigen zwitschert und piepst es. Wenn es von oben so klingt, dann wei\u00dft man: Dort sitzt ein Grietjebie. Der Name leitet sich lautmalerisch vom sehr charakteristischen Ruf her \u2013 ziemlich nachvollziehbar. 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