{"id":18108,"date":"2019-12-10T09:42:44","date_gmt":"2019-12-10T08:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=18108"},"modified":"2019-12-06T23:43:58","modified_gmt":"2019-12-06T22:43:58","slug":"notizen-aus-suriname-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2019\/12\/10\/notizen-aus-suriname-iv\/","title":{"rendered":"Notizen aus Suriname IV"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008000\"><em>Sehen und H\u00f6ren<\/em><\/span><\/p>\n<p>Die Vielsprachigkeit von Suriname ist nicht nur f\u00fcr die Linguistik interessant, sondern vielleicht \u00fcberhaupt das Spannendste, was das Land zu bieten hat. Um genau zu begreifen, wer wann welche Sprachen benutzt und wie sie konnotiert sind, braucht man auch mit viel sprachwissenschaftlichem Gesp\u00fcr sicher Jahre.<\/p>\n<div id=\"attachment_18113\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08572.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18113\" class=\"wp-image-18113 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08572-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08572-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08572-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC08572-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18113\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Lepra ist heilbar&#8220;. Awarenesskampagne auf Sranan in Albina. (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gibt es nun den neuen <a href=\"http:\/\/taalunieversum.org\/nieuws\/7114\/presentatie_van_de_staat_van_het_nederlands_in_suriname\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht zur Lage des Niederl\u00e4ndischen<\/a> in Suriname, den ein Forschungsteam mit Unterst\u00fctzung der Taalunie im Rahmen der Konferenz vorstellte. Darin steht das Niederl\u00e4ndische im Mittelpunkt, man kann aber auch \u00fcber den Stellenwert der anderen Sprachen sehr viel erfahren.<\/p>\n<p>Ein wenig hilft es trotzdem, mit offenen Augen und Ohren durch Suriname zu gehen. In Paramaribo ist das Niederl\u00e4ndische ganz klar vorherrschend. Hier und da h\u00f6rt oder liest man Sranan, das aber au\u00dferhalb der Stadt und z.B. im Osten des Landes viel prominenter ist, etwa auf zahllosen Werbeplakaten.<\/p>\n<p>Die Sprachen der verschiedenen Bev\u00f6lkerungsgruppen, etwa Sarnami, Javanisch oder die \u201akleineren\u2018 Kreolsprachen erlebt man als Au\u00dfenstehender nicht so leicht, wenn man nicht in die Communities hineinfindet. Am ehesten liest man hier und da eine Zeile etwa an Geb\u00e4uden der Religionsgemeinschaften. Die indigenen Sprachen muss man wirklich gezielt suchen.<\/p>\n<p>Aber wenn man im Autoradio von Sender zu Sender springt, geht dem Sprachkontaktforscher das Herz auf: Geburtstagsgl\u00fcckw\u00fcnsche per Call-in, und zwar auf Sarnami mit viel niederl\u00e4ndischem Codeswitching! Auch wenn man den Gro\u00dfteil der Gr\u00fc\u00dfe nicht versteht, <em>hoera<\/em> und <em>gefeliciteerd<\/em> kann man leicht heraush\u00f6ren.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #008000\">Strumpfb\u00e4nder auf dem Teller<\/span><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Zu den gro\u00dfen Attraktionen von Suriname geh\u00f6rt neben der Mehrsprachigkeit unbedingt die K\u00fcche. Sie ist der Beweis, dass Kulturkontakt nur das Beste hervorbringt. F\u00fcr Reisende bedeutet das aber zuerst einmal: Vokabeln lernen.<\/p>\n<div id=\"attachment_18114\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4497.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18114\" class=\"wp-image-18114 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4497-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4497-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4497-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2019\/12\/DSC_4497-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18114\" class=\"wp-caption-text\">Bami met kousenbanden. (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Einigerma\u00dfen erschlie\u00dfen kann man sich noch <em>bakabana<\/em>: frittierte Kochbananen (nl. <em>bakbanaan<\/em>), und aus dem <em>bakkeljauw<\/em> kann man noch den portugiesischen <em>bacalhau <\/em>herauslesen, den getrockneten Stockfisch. Dass die Passionsfrucht <em>markoesa <\/em>hei\u00dft und auf die Maracuja zur\u00fcckgeht, sollte man sich ebenfalls merken, so omnipr\u00e4sent wie das Obst und ihr Saft sind. Aber warum in aller Welt sollte man Strumpfb\u00e4nder essen? Als <em>kousenband<\/em> kennt man <a href=\"https:\/\/www.culy.nl\/inspiratie\/koken-met-kousenband\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Art Bohnen<\/a>, die mehrere Dutzend Zentimeter lang sind, auf dem Markt b\u00fcndelweise etwas schlapp \u00fcber die Tischkante h\u00e4ngen \u2013 aber gekocht in kr\u00e4ftigem Gr\u00fcn eine knackige und aromatische Beilage zu allen Gerichten sind.<\/p>\n<p>Zu welchen Gerichten? Etwa zu <em>moksi alisi<\/em> (mit zahllosen andere Schreibweisen: f\u00fcr Sranan hat sich eben noch keine allgemeing\u00fcltige Orthographie durchgesetzt). Wer genau hinschaut, erkennt in dem Begriff den <em>gemischten Reis<\/em>, lecker gew\u00fcrzt und mit gebratenem Huhn.<\/p>\n<p>Auf der Kreidetafel an der Wand eines Restaurants konnten wir beobachten, wie die Angestellten mehrmals den Namen eines Angebots wegwischten und neu schrieben. Anfangs stand dort <em>Viadoe.<\/em> Im Laufe der Zeit wurde daraus zuerst <em>Viado<\/em>, dann <em>Fiado<\/em>. Auch der Name dieses Hefekuchens mit kandierten Fr\u00fcchten und Rum geht auf das Portugiesische zur\u00fcck: <em>fiado <\/em>bedeutet &#8218;versponnen&#8216;, eben so wie der faserige Hefeteig aussieht. Das geschriebene &lt;o&gt; klingt im Portugiesischen oft wie ein [u] \u2013 kein Wunder also, dass im Niederl\u00e4ndischen ein &lt;oe&gt; daraus wurde. Und bei einem h\u00f6rbaren [f] im Anlaut ist im Niederl\u00e4ndischen (wenn man nicht gerade in Flandern ist) nicht ohne Weiteres klar, ob dort ein &lt;f&gt; oder ein &lt;v&gt; stehen muss. Schlie\u00dflich h\u00f6rt man in Europa wie in Suriname das W\u00f6rtchen <em>van <\/em>nicht selten als [fan] ausgesprochen. Das portugiesische Lehnwort kannten die Angestellten des Lokals wohl vor allem aus der gesprochenen Sprache und die Herkunft war nicht mehr transparent. Nur konsequent, dass dann die Schreibweise nach allen Regeln der Orthographie nederlandisiert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehen und H\u00f6ren Die Vielsprachigkeit von Suriname ist nicht nur f\u00fcr die Linguistik interessant, sondern vielleicht \u00fcberhaupt das Spannendste, was das Land zu bieten hat. Um genau zu begreifen, wer wann welche Sprachen benutzt und wie sie konnotiert sind, braucht man auch mit viel sprachwissenschaftlichem Gesp\u00fcr sicher Jahre. 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