{"id":18385,"date":"2020-06-14T09:33:47","date_gmt":"2020-06-14T07:33:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=18385"},"modified":"2020-06-10T21:49:18","modified_gmt":"2020-06-10T19:49:18","slug":"verwuestigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2020\/06\/14\/verwuestigung\/","title":{"rendered":"Verw\u00fcstigung"},"content":{"rendered":"<p>Die W\u00fcste hei\u00dft auf Niederl\u00e4ndisch <em>de woestijn<\/em>. Soweit nur eine Vokabelfrage, es gibt sicher Schwierigeres zu lernen. Wenn man in das Wortfeld etwas tiefer hineinwandert, zeigt sich aber auf einmal ein Dickicht, das \u00fcberhaupt nicht d\u00fcrr ist. Das passende Fundst\u00fcck zum Einstieg liefert <a href=\"https:\/\/www.tijd.be\/politiek-economie\/belgie\/algemeen\/hier-begint-de-verwoestijning-van-vlaanderen\/10231411.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">De Tijd<\/a> aus Belgien, die k\u00fcrzlich titelte:<\/p>\n<blockquote><p>Hier begint de verwoestijning van Vlaanderen<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Artikel geht es um Ver\u00e4nderungen und Sch\u00e4den an der Natur durch zunehmende Trockenheit (bisher nicht unbedingt ein Ph\u00e4nomen, das man stereotyp mit Belgien in Verbindung brachte). Auf Deutsch gibt es zur \u00dcbersetzung ein bisschen Auswahl. Verbreitet ist die Lehnbildung <em>Desertifikation<\/em>, oft auch einfach <em>W\u00fcstenbildung<\/em>, oder selten und trotzdem gelegentlich auffindbar die <em>W\u00fcstifizierung<\/em>. Auch <em>Verw\u00fcstung <\/em>trifft man an, und da beginnt die Verwirrung.<\/p>\n<p>Verw\u00fcstete Landstriche, das k\u00f6nnen nicht nur Folgen des Klimawandels etwa in der Sahelzone sein, sondern auch Zerst\u00f6rungen durch Krieg und Gewalt. So mancher Rockstar hat schon ein Hotelzimmer verw\u00fcstet, aber ein Fall von <em>verwoestijning <\/em>ist meines Wissens noch nicht auf n\u00e4chtliche Exzesse auf Tournee zur\u00fcckgef\u00fchrt worden. In <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=eZdSAAAAcAAJ&amp;pg=PT8&amp;lpg=PT8&amp;dq=Verw%C3%BCstigung&amp;source=bl&amp;ots=COdLDhTSRJ&amp;sig=ACfU3U2suUKMHbh28l6FJotw1m9K5GvWaw&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwip5o_cmO7pAhUF2KQKHVxcA6EQ6AEwAHoECAMQAQ#v=onepage&amp;q=Verw%C3%BCstigung&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">alten Texten<\/a> findet man auch noch die Form <em>Verw\u00fcstigung<\/em>, zumdeist auch im Kontext gewaltsamer Konflikte.<\/p>\n<div style=\"width: 303px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:GR1220001_Desertification_jeanajean2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/c\/c6\/GR1220001_Desertification_jeanajean2.jpg\/1280px-GR1220001_Desertification_jeanajean2.jpg\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"195\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Verwoestijning (Jeanajean, CC-BY-SA 4.0)<\/p><\/div>\n<p>Ausgehend von der Wurzel <em>woest <\/em>bzw. <em>w\u00fcst <\/em>entspannt sich ein Netz aus Wortbildungen, die sich zum Teil in den Bedeutungskomponenten \u00fcberlagern und in den beiden Sprachen au\u00dferdem in Nuancen leicht anders funktionieren. \u00c4hnlich wie bei <em>K\u00e4lte<\/em> oder <em>Stille <\/em>hat sich das Deutsche f\u00fcr die simple e-Derivation entschieden, um die <em>W\u00fcste <\/em>zu bilden. Der <a href=\"http:\/\/www.etymologiebank.nl\/trefwoord\/woestijn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Entstehungsweg<\/a> von <em>woestijn <\/em>ist in Laut- wie Wortstruktur etwas komplexer.<\/p>\n<p>Das niederl\u00e4ndische Verb <em>verwoesten <\/em>setzt in der Regel heftige Zerst\u00f6rungskraft voraus, die vom Menschen ausgehen kann oder auch von einer Naturkatastrophe. Es wird transitiv verwendet, braucht also ein Objekt: <em>iets verwoesten<\/em>. Das deutsche <em>verw\u00fcsten <\/em>kann beide Varianten. Ich kann <em>etwas verw\u00fcsten<\/em>, dann entspricht die Bedeutung dem niederl\u00e4ndischen Verb, oder <em>etwas verw\u00fcstet<\/em>, dann muss es auf Niederl\u00e4ndisch <em>verwoestijnen<\/em>. So zerst\u00f6rerisch die W\u00fcstenbildung auch ist, sie bewegt sich doch deutlich langsamer voran als ein Hurrikan oder ein Kampfflugzeug.<\/p>\n<p>Wenn wir noch einen Schritt weiter in die W\u00fcstenwelt vordringen, kommen wir zur <em>W\u00fcstung<\/em>: Eine lange verlassene Siedlung, die h\u00f6chstens an Ruinen erkennbar ist oder nur noch auf Konturen in Satellitenbildern sichtbar wird. \u00dcbersetzt auf Niederl\u00e4ndisch als <em>de w\u00fcstung <\/em>\u2013 mitsamt dem Umlaut staubtrocken entlehnt aus dem Deutschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die W\u00fcste hei\u00dft auf Niederl\u00e4ndisch de woestijn. Soweit nur eine Vokabelfrage, es gibt sicher Schwierigeres zu lernen. Wenn man in das Wortfeld etwas tiefer hineinwandert, zeigt sich aber auf einmal ein Dickicht, das \u00fcberhaupt nicht d\u00fcrr ist. 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