{"id":2136,"date":"2014-05-13T11:00:32","date_gmt":"2014-05-13T09:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=2136"},"modified":"2014-05-16T15:11:59","modified_gmt":"2014-05-16T13:11:59","slug":"gijzelaar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/05\/13\/gijzelaar\/","title":{"rendered":"gijzelaar"},"content":{"rendered":"<p>Die drei Niederl\u00e4nder, die in Nigeria entf\u00fchrt waren, sind wieder zuhause. Ob L\u00f6segeld gezahlt wurde, ist nicht ganz klar, aber wichtig ist vor allem, dass die Entf\u00fchrung glimpflich abgelaufen ist und die Geiseln wieder in den Niederlanden sind. Die Schlagzeile auf NOS.nl lautete gestern <a href=\"https:\/\/nos.nl\/l\/646782\" target=\"_blank\">Gijzelaars met de dood bedreigd<\/a>.<\/p>\n<p><strong><em>Gijzelaar<\/em><\/strong> ist ein seltsames Wort. Es kann n\u00e4mlich zwei gegens\u00e4tzliche Bedeutungen haben: sowohl &#8218;Geisel&#8216; als auch &#8218;Geiselnehmer&#8216;. Meist wird es in der ersten Bedeutung verwendet, also f\u00fcr &#8218;jemanden der als Geisel genommen wird&#8216;. So auch in der genannten Schlagzeile.<\/p>\n<p>Diese passive Bedeutung ist auch die \u00e4lteste: urspr\u00fcnglich hatte das Niederl\u00e4ndische daf\u00fcr das Wort <em>gisel<\/em>, die direkte Entsprechung zum deutschen Wort <em>Geisel<\/em>. Der <a href=\"https:\/\/onzetaal.nl\/taaladvies\/advies\/gijzelaar-gegijzelde\" target=\"_blank\">Taaladviesdienst<\/a> vermutet, dass dieses Wort wohl nicht mehr als Personenname erkannt wurde und daher (schon im Mittelniederl\u00e4ndischen) um das Suffix <em>-aar<\/em> erg\u00e4nzt wurde, das typischerweise zur Bezeichnung von Personen dient.<\/p>\n<p>W\u00f6rter auf <em>-er<\/em> bzw. <em>-aar<\/em> sind aber meist von einem Verb abgeleitet und dienen dann dazu denjenigen zu bezeichnen, der die Handlung verrichtet.\u00a0Ein <em>handelaar<\/em> ist ein H\u00e4ndler, jemand der handelt (und nicht jemand der gehandelt wird). In unserem Fall f\u00fchrt das dazu, dass das Wort <em>gijzelaar<\/em> leicht als deverbale Ableitung (vom Verb <em>gijzelen <\/em>&#8218;als Geisel nehmen&#8216;) reinterpretiert werden kann. Dann liegt aber die aktive Interpretation (&#8218;derjenige der Geiseln nimmt&#8216;) nahe. Die Konfusion, die dadurch entstehen kann, f\u00fchrt nicht selten zu Vermeidungsstrategien. F\u00fcr die passive Bedeutung wird dann <em>de gegijzelde<\/em> verwendet und f\u00fcr die aktive <em>de gijzelhouder<\/em> oder <em>de gijzelnemer<\/em>. Dies ist auch, was der <em>Taaladviesdienst<\/em> empfiehlt.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens steht <em>gijzelaar<\/em> nicht v\u00f6llig isoliert dar. Als weiteres Beispiel nennen die Nachschlagewerke meist den <strong><em>martelaar<\/em><\/strong> (&#8218;M\u00e4rtyrer&#8216;). Auch dieses Wort ist urspr\u00fcnglich keine deverbale Ableitung, wurde aber im Laufe der Zeit als solche reinterpretiert, also als Ableitung von <em>martelen<\/em> (&#8218;foltern&#8216;). Und dann haben wir wieder dieselbe Situation: sprachstrukturell m\u00fcsste das Wort eigentlich das Gegenteil von dem bedeuten, was es tats\u00e4chlich bedeutet, also &#8218;derjenige der foltert&#8216; statt &#8218;derjenige der gefoltert wird&#8216;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die drei Niederl\u00e4nder, die in Nigeria entf\u00fchrt waren, sind wieder zuhause. Ob L\u00f6segeld gezahlt wurde, ist nicht ganz klar, aber wichtig ist vor allem, dass die Entf\u00fchrung glimpflich abgelaufen ist und die Geiseln wieder in den Niederlanden sind. Die Schlagzeile auf NOS.nl lautete gestern Gijzelaars met de dood bedreigd. Gijzelaar ist ein seltsames Wort. 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