{"id":4981,"date":"2014-10-16T10:00:23","date_gmt":"2014-10-16T08:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=4981"},"modified":"2014-10-16T14:30:33","modified_gmt":"2014-10-16T12:30:33","slug":"wie-man-belgische-dinge-beim-namen-nennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/10\/16\/wie-man-belgische-dinge-beim-namen-nennt\/","title":{"rendered":"Wie man belgische Dinge beim Namen nennt"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIn der Stadt Anvers im Norden des Landes&#8230;\u201c schrieb eine deutsche Journalistin k\u00fcrzlich in einer Meldung \u00fcber ein Ereignis in Belgien. Ihre Vorlage war ein Text aus Frankreich, und gemeint war nat\u00fcrlich Antwerpen. Den meisten Deutschsprachigen ist wohl die franz\u00f6sische Bezeichnung Antwerpens v\u00f6llig fremd. Wer auf der Autobahn das Schild nach <i>Gand<\/i> liest, wei\u00df zun\u00e4chst nicht, ob er noch auf dem richtigen Weg ist \u2013 bis nach der Sprachgrenze endlich <i>Gent <\/i>auf dem Schild steht. Um den R\u00fcckweg zu finden, sollte man sich nach <i>Luik <\/i>oder <i>Namen<\/i> orientieren, um zuverl\u00e4ssig wieder in L\u00fcttich oder Namur anzukommen. (Es ist auf Deutsch zwar \u00fcblich, <i>L\u00fcttich<\/i> statt <i>Li\u00e8ge<\/i> zu sagen, aber in anderen L\u00e4ndern ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Exonym und Endonym heikler: <i>Landsberg an der Warthe <\/i>f\u00fcr Gorz\u00f3w Wielkopolski hat wohl eher ausgedient.) Das wallonische Mons hat man in Flandern gleich g\u00e4nzlich etymologisch in <i>Bergen<\/i> umbenannt, und nach langen Auseinandersetzungen um die Sprachpolitik der Universit\u00e4t gr\u00fcndete man neben <i>Leuven <\/i>den frankophonen Ableger <i>Louvain-la-Neuve.<\/i><\/p>\n<div style=\"width: 335px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:A12nearAntwerpen.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"    \" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/0\/04\/A12nearAntwerpen.jpg\" width=\"325\" height=\"201\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Wo geht&#8217;s hier nach L\u00fcttich? Bis zur Sprachgrenze Richtung &#8222;Luik&#8220;, danach weiter nach &#8222;Li\u00e8ge&#8220;. (Foto: Romando 09, CC-BY-SA-3.0)<\/p><\/div>\n<p>Doch was tun bei den sprachpolitisch so sensiblen Facilit\u00e4tengemeinden, oder bei den zweisprachigen Gemeinden der Hauptstadtregion Br\u00fcssel? In solchen F\u00e4llen greift jede Sprachgemeinschaft zur eigenen Variante, nennt zum Beispiel die lange Zeit hart umk\u00e4mpfte Gemeinde im Osten entweder <i>Fourons <\/i>oder <i>Voeren<\/i>. Kritisch wird es blo\u00df, wenn man sich aus praktischen Gr\u00fcnden f\u00fcr eine einzige Form entscheiden muss. Dementsprechend ist es nicht nur international hilfreich, sondern vor allem dem inneren Sprachfrieden dienlich, dass seit einigen Jahren der Br\u00fcsseler Flughafen offiziell nicht etwa <i>A\u00e9roport de Bruxelles <\/i>und auch nicht <i>Luchthaven Brussel <\/i>hei\u00dft, sondern <i>Brussels Airport<\/i>.<\/p>\n<p>Man mag das Beharren auf den Exonymen f\u00fcr Sprachchauvinismus halten, an dem es Belgien oft genug wahrlich nicht mangelt. Orte ohne Exonym w\u00fcrden sich andererseits vielleicht sogar eines w\u00fcnschen. Denn hat man keins, bedeutet das in der Regel nur eines: Der Ort ist zu klein und unbedeutend. Oder die Benennung ist in seltenen F\u00e4llen zu neu als dass sich ein Exonym h\u00e4tte etablieren k\u00f6nnen. So trug es sich bei Charleroi zu, das zwar heute eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte des Landes ist, aber seinen Namen erst im 17. Jahrhundert bekam. Die erfundene Form <i>Karelskoning<\/i> hatte bis heute keine Chance. Auch <em>Nieuw-Leuven<\/em> f\u00fcr das junge Louvain-la-Neuve ist nicht gebr\u00e4uchlich. Umgekehrt halten die Frankophonen dennoch weiterhin an <em>Louvain <\/em>f\u00fcr das &#8222;alte&#8220; Leuven auf fl\u00e4mischer Seite fest.<\/p>\n<div style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Belgian_euro_coins\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"     \" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/4\/49\/Belgian_coin_of_1_euro_Philippe_-_obverse.jpg\" width=\"209\" height=\"207\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Neue belgische Eurom\u00fcnze mit K\u00f6nig Philippe\/Filip. Das Monogramm besteht aus beiden Initalen. (Foto: K\u00f6nigliche M\u00fcnze Belgien, CC-BY-SA-3.0)<\/p><\/div>\n<p>Bei Personennamen ist man zu deutlich mehr Zugest\u00e4ndnissen bereit \u2013 es muss schlie\u00dflich jeder selbst wissen, wie er hei\u00dfen m\u00f6chte. Der gelegentlich als unverbesserlicher Flamingant gescholtene Ex-Premierminster Yves Leterme durfte seinen durch und durch franz\u00f6sischen Namen behalten. Dasselbe gilt f\u00fcr Jean-Claude Van Cauwenberghe, den frankophonen Sozialisten und Ex-Ministerpr\u00e4sidenten von Br\u00fcssel mit seinem unverkennbar niederl\u00e4ndischen Familiennamen. Der k\u00fcrzlich aus dem Amt geschiedene Regierungschef Elio di Rupo zieht sich mit seinem italienischen Migrationshintergrund elegant aus der Aff\u00e4re. Nur einer hatte es nicht so bequem: Der neue K\u00f6nig. Zu Amtsantritt stellte sich die Frage, ob er Gesetze als \u201ePhilippe\u201c oder als \u201eFilip\u201c unterzeichnet. Daran h\u00e4tten die Eltern bei der Namensgebung im Sinne des nationalen Zusammenhalts durchaus denken k\u00f6nnen. Haben sie aber nicht, denn Vater Albert wiederum musste sich solche Gedanken nie machen. Inzwischen ist eine <a href=\"https:\/\/www.gva.be\/cnt\/aid1420950\/wetten-worden-bekrachtigd-met-filip-en-philippe\" target=\"_blank\">Regelung gefunden<\/a>: Der K\u00f6nig darf sich f\u00fcr die handschriftliche Unterzeichnung f\u00fcr einen Namen entscheiden und seinem Wunsch entsprechend die franz\u00f6sische Variante w\u00e4hlen. Im gedruckten Gesetzblatt werden dann trotzdem beide Varianten \u00fcbernommen. Sein Onkel und Vor-Vorg\u00e4nger Baudouin\/Boudewijn soll eine <a href=\"https:\/\/www.doorbraak.be\/nl\/nieuws\/philippe-filip-filips-flupke-de-koninklijke-handtekening\" target=\"_blank\">andere L\u00f6sung<\/a> gefunden haben: Seine Unterschrift war wohl derart unleserlich, dass man daraus keine Sprachvariante mehr erkennen konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIn der Stadt Anvers im Norden des Landes&#8230;\u201c schrieb eine deutsche Journalistin k\u00fcrzlich in einer Meldung \u00fcber ein Ereignis in Belgien. 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