{"id":5094,"date":"2014-11-01T10:00:28","date_gmt":"2014-11-01T09:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=5094"},"modified":"2015-12-01T16:16:22","modified_gmt":"2015-12-01T15:16:22","slug":"schokoladensklaverei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/11\/01\/schokoladensklaverei\/","title":{"rendered":"Schokoladensklaverei"},"content":{"rendered":"<p>Die Schauspielerin Sofia Vergara hat, so schrieb k\u00fcrzlich das <a href=\"https:\/\/www.ad.nl\/ad\/nl\/1022\/Celebs\/article\/detail\/3764437\/2014\/10\/08\/Sofia-Vergara-heeft-een-snoepverslaving.dhtml\" target=\"_blank\">Algemeen Dagblad<\/a>, eine<i> snoepverslaving <\/i>(dt. <i>S\u00fc\u00dfigkeitensucht<\/i>). Das Wortfeld der Sklaverei ist im Niederl\u00e4ndischen auf kuriose Weise zweigeteilt: Auf der einen Seite steht die historische Bedeutung der Sklaventreiberei oder des Sklavenhandels. <i>Verslaven <\/i>kann also bedeuten, dass jemand in die F\u00e4nge gewaltt\u00e4tiger Unmenschen f\u00e4llt und von ihnen zu Arbeit und sonstigen entw\u00fcrdigenden Diensten gezwungen wird. <i>Verslaving <\/i>kann aber auch die Sucht sein, also die k\u00f6rperliche oder seelische Abh\u00e4ngigkeit nach Substanzen oder Verhaltensweisen. Der gemeinsame semantische Kern, n\u00e4mlich der Verlust der Selbstbestimmtheit, liegt auf der Hand.<\/p>\n<div id=\"attachment_5095\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2014\/10\/P8070439.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5095\" class=\"size-thumbnail wp-image-5095  \" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2014\/10\/P8070439-150x150.jpg\" alt=\"Das Sklavenfort von Elmina im westlichen Ghana war lange Zeit in niederl\u00e4ndischem Besitz und wurde &quot;Fort Conraadsburg&quot; genannt.\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5095\" class=\"wp-caption-text\">Das Sklavenfort von Elmina im westlichen Ghana war lange Zeit in niederl\u00e4ndischem Besitz (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Dabei ist es gar nicht so einfach zu ergr\u00fcnden, wie diese Bedeutungen sich wohl historisch entwickelt haben m\u00f6gen. Die Sklaverei an sich ist ein menschheitsaltes Ph\u00e4nomen, genauso der Genuss und die Abh\u00e4ngigkeit von berauschenden Substanzen. So oder so hat die gemeinsame Wurzel einen <a href=\"https:\/\/www.etymologiebank.nl\/trefwoord\/slaaf\" target=\"_blank\">langen Entlehnungsweg<\/a> hinter sich, an dem sogar die Slawen beteiligt sind.<\/p>\n<p>Die <i>snoepverslaving<\/i> hat mit Blick auf die Geschichte der Sklaverei dabei noch eine besonders ironische Dimension. An der systematischen Ausweitung des Sklavenhandels hatten die Niederlande einen erheblichen Anteil, davon zeugen bis heute die Sklavenforts etwa in Ghana mit Namen wie <i>Fort Amsterdam <\/i>oder <i>Fort Nassau<\/i> (<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/09\/24\/eine-hauptstadt-nassauert\/\" target=\"_blank\">wieder einmal<\/a>). Niederl\u00e4ndische Kolonialgeschichte spielte sich nicht nur in der Karibik, in S\u00fcdafrika und Indonesien ab, sondern in erbitterter Konkurrenz zu den anderen europ\u00e4ischen M\u00e4chten auch an der <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Nederlandse_Goudkust\" target=\"_blank\">westafrikanischen K\u00fcste<\/a>. Wozu wurden die Sklaven gebraucht? Zur Aufrechterhaltung der kolonialen Wirtschaft mit ihrer Massenproduktion von Kaffee, Kakao und Zucker \u2013 also um die wachsende <i>snoepverslaving<\/i> Europas zu bedienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schauspielerin Sofia Vergara hat, so schrieb k\u00fcrzlich das Algemeen Dagblad, eine snoepverslaving (dt. S\u00fc\u00dfigkeitensucht). Das Wortfeld der Sklaverei ist im Niederl\u00e4ndischen auf kuriose Weise zweigeteilt: Auf der einen Seite steht die historische Bedeutung der Sklaventreiberei oder des Sklavenhandels. 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