{"id":8372,"date":"2015-05-02T08:48:44","date_gmt":"2015-05-02T06:48:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=8372"},"modified":"2015-06-22T08:19:14","modified_gmt":"2015-06-22T06:19:14","slug":"das-sitzt-teil-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/05\/02\/das-sitzt-teil-iii\/","title":{"rendered":"Das sitzt. (Teil III)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Rood-blauwe_stoel\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8375 size-full\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2015\/04\/Rietveld_stoel_klein.jpg\" alt=\"Rietveld_stoel_klein\" width=\"45\" height=\"67\" \/><\/a>Wenn man einen Text schreibt, dann \u00fcberlegt man sich am besten eine Gliederung. Oder man schreibt einfach drauf los und schaut, wohin der Text einen f\u00fchrt. Das habe ich bei den letzten beiden Beitr\u00e4gen \u00fcber das Sitzen gemacht \u2013 und nun habe ich Reste und Bruchst\u00fccke \u00fcbrig. Aber ich m\u00f6chte nicht <em>darauf sitzen bleiben<\/em>, also verarbeite ich sie zu einem dritten Beitrag.<\/p>\n<p>Auf Norwegisch w\u00fcrde man sagen: <em>Jeg sitter igjen med restene<\/em> (etwa: \u201eIch sitze \/ bleibe zur\u00fcck mit den Resten.\u201c) In so mancher Redewendung ist das Sitzen sehr produktiv, um Dauerhaftigkeit auszudr\u00fccken. Im Niederl\u00e4ndischen zum Beispiel: <em>Ik zit met een probleem<\/em>.<\/p>\n<p>Schauen wir uns diese Ausdr\u00fccke in den drei Sprachen kurz an:<\/p>\n<blockquote><p><em>Ik zit met&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bleibe sitzen auf&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Jeg sitter igjen med&#8230;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Sie bedeuten nicht exakt dasselbe. Aber sie teilen neben der Dauerhaftigkeit noch einen Faktor: Die Dauerhaftigkeit scheint irgendwie statisch zu sein. Wir haben es nicht mit der Dauerhaftigkeit zu tun, die eine Fortentwicklung beschreibt, sondern eher mit Stagnation. <em>Ik zit met een probleem, en het gaat maar niet vooruit.<\/em><\/p>\n<p>Man kann sich gut vorstellen, wie die Welt sich rundherum weiterbewegt, w\u00e4hrend man selbst auf dem Fleck verharrt. Genau wie das Kind, das in der Schule <em>sitzen bleibt <\/em>(ebenso nl.: <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Zittenblijven\" target=\"_blank\"><em>zittenblijven<\/em><\/a>), w\u00e4hrend alle anderen ins n\u00e4chste Schuljahr kommen.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise kann sich dieses Gef\u00fchl der Stagnation sogar auch dort durchsetzen, wo Bewegungsverben den Verlauf ausdr\u00fccken. Noch einmal zur\u00fcck zu den Infinitivkonstruktionen:<\/p>\n<div style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Beatrix_of_the_Netherlands\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/be\/Beatrix_in_April_2013.jpg\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"315\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Inzwischen nicht mehr im Amt, aber die Frisur sitzt immer noch. (Foto: Mark Rutte [sic], CC-BY-SA 2.0)<\/p><\/div>\n<blockquote><p><em>Zij zit de hele dag aan haar problemen te denken.<\/em><\/p>\n<p><em>Zij loopt de hele dag aan haar problemen te denken.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Beispiele sind fast gleichbedeutend. Im ersten Fall ist die Betroffene vielleicht etwas lethargisch, im zweiten f\u00fchlt sich die Situation stressiger an. Aber hinter beiden S\u00e4tzen steht der Gedanke, dass die arme Frau mit ihren Problemen nicht so recht weiter wei\u00df. Sie <em>l\u00e4uft<\/em>, kommt aber nicht voran \u2013 und k\u00f6nnte genauso gut <em>sitzen<\/em>.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist das Sitzen aber nicht nur mit Problemen verbunden:<\/p>\n<blockquote><p><em>De broek zit perfect.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Frisur sitzt.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Hier begr\u00fc\u00dft man die Stagnation sogar. Die Hose bzw. die Frisur sind schon so vollkommen, dass Ver\u00e4nderung oder Weiterentwicklung gar nicht n\u00f6tig oder erw\u00fcnscht ist.<\/p>\n<p>Es gibt sicher noch mehr \u00fcber Sitzen und Verlaufsformen zu sagen, aber f\u00fcr heute <em>laten we het hier maar bij zitten<\/em> (dt.: es dabei belassen). Im n\u00e4chsten Teil von Johanna Ridderbeekx geht es um das genaue Gegenteil von Stagnation, n\u00e4mlich um den Verlauf der Zeiten und wie sie uns die Verben verwirbeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man einen Text schreibt, dann \u00fcberlegt man sich am besten eine Gliederung. 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