{"id":1163,"date":"2022-07-28T09:55:01","date_gmt":"2022-07-28T07:55:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/?p=1163"},"modified":"2022-10-15T19:35:15","modified_gmt":"2022-10-15T17:35:15","slug":"fachcommunities-koennten-vorreiter-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/07\/28\/fachcommunities-koennten-vorreiter-sein\/","title":{"rendered":"Fachcommunities k\u00f6nnten Vorreiter sein"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im Mittelpunkt des zweiten Stakeholder-Workshops des Projektes Open4DE standen die Herausforderungen und Chancen der Umsetzung von Open Access aus Perspektive der Fachgesellschaften<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt<a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/open-access-projekte\/open4de\"> <\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/open-access-projekte\/open4de\" target=\"_blank\">Open4DE, Stand und Perspektiven f\u00fcr eine Open-Access-Strategie f\u00fcr Deutschland<\/a> erhebt auf der Grundlage einer qualitativen Auswertung von Policy-Dokumenten den Umsetzungsstand von Open Access in Deutschland. Im zweiten Schritt entwickelt das Projekt im Dialog mit den wichtigsten Stakeholdern im Feld Empfehlungen f\u00fcr eine bundesweite Open Access-Strategie. Bereits im Januar fand in diesem Rahmen ein Workshop mit dem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/graphite.page\/scholar-led-manifest\/#about\" target=\"_blank\">scholar.led-network<\/a> Netzwerk statt. Am 24. Mai 2022 waren Vertreter*innen der Fachgesellschaften zu einer gemeinsamen Diskussion eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rund zwanzig Fachgesellschaftsvertreter*innen aus geistes-, sozial-, und naturwissenschaftlichen Organisationen waren der Einladung von<a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/open-access-projekte\/open4de\"> Open4<\/a><a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/open-access-projekte\/open4de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">D<\/a><a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/open-access-projekte\/open4de\">E<\/a> gefolgt, darunter viele, die insbesondere mit den organisationseigenen Publikationen befasst sind, aber auch Mitarbeiter*innen der Gesch\u00e4ftsstellen und Vorstandsmitglieder. Im ersten Teil des Workshops stellte das Projekt Open4DE seine Ergebnisse aus der Untersuchung des Umsetzungs- und Diskussionsstandes von Open Access und Open Science in den Fachgesellschaften vor.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Umsetzungsstand von Open Access in den Fachgesellschaften<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Open Access setzt sich, verbunden mit unterschiedlichen fachlichen Publikationskulturen, in wissenschaftlichen Disziplinen ungleich durch (vgl. z.B. Severin et al. 2022). W\u00e4hrend die Physik bereits in den fr\u00fchen 1990er Jahren eigene Publikationsinfrastrukturen f\u00fcr die fachinterne Zirkulation von Preprints aufbaute (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">arXiv<\/a>), spielt in anderen wissenschaftlichen Disziplinen bis heute die Monographie eine zentrale Rolle.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-1024x635.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1164\" width=\"672\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-1024x635.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-300x186.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-768x476.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-1536x952.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-1200x744.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-250x155.jpg 250w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-550x341.jpg 550w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-800x496.jpg 800w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-290x180.jpg 290w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-484x300.jpg 484w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity-806x500.jpg 806w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/files\/2022\/07\/menti_Fachcommunity.jpg 1703w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Abb.1. Am Anfang des Workshops wurden die teilnehmenden Vertreter:innen der Fachgesellschaften gefragt, mit welchen Aspekten von Open Acces Sie in ihrer t\u00e4glichen Praxis zu tun haben. Die Antworten deuten bereits Schwerpunkte in eigener Publikationst\u00e4tigkeit an<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00f6rderlich f\u00fcr die Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber Open Access ist ein hoher Nutzen des offenen Zugangs zu digitalisierten Daten (wie z.B. in der Arch\u00e4ologie). Auch die transnationale Vernetzung von Fachdisziplinen mit \u00e4rmeren L\u00e4ndern f\u00f6rdert die Akzeptanz von Open Access. Teilweise sind es eher die kleinen F\u00e4cher, die Vorreiter von Open Access und Open Science sind, da sie besonders von einer h\u00f6heren Sichtbarkeit und einer freien Dissemination ihrer Daten profitieren (vgl. Arbeitsstelle kleiner F\u00e4cher 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Policy-Papiere mit konkreten Handlungsanleitungen zur Umsetzung von Open Access haben Fachgesellschaften nicht verabschiedet. Einige Fachgesellschaften bringen sich aber mit Stellungnahmen in die Diskussion um Open Access und Open Science ein. Insbesondere <a href=\"https:\/\/www.coalition-s.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Plan S<\/a> l\u00f6ste Debatten aus (vgl. DMV et al. 2019). Dabei steht die Sorge um die Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens an erster Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Diskursanl\u00e4sse sind die Transformation fachgesellschaftseigener Publikationen in Open Access (vgl. DGSKA 2021) sowie der Umgang mit (offenen) Forschungsdaten (vgl. DGfE 2017; DGfE\/GEBF\/GFD 2020; DGV 2018; Sch\u00f6nbrodt\/Gollwitzer\/Abele-Brehm 2017; Abele-Brehm et al. 2017; Gollwitzer et al. 2018, 2021). Letzteres zeigt auch, wie fachwissenschaftliche Selbstverst\u00e4ndigungsprozesse von au\u00dfen evoziert werden, hier durch die Aufforderung der DFG, disziplin\u00e4re Richtlinien im Forschungsdatenmanagement zu formulieren (vgl. DFG 2015).<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser zahlreichen Einzelinitiativen bleibt festzustellen, dass sich die Fachgesellschaften insgesamt \u2013 von einigen bedeutsamen Ausnahmen abgesehen \u2013 eher wenig sicht- und h\u00f6rbar in die Diskussion und Aushandlung von Open Access in Deutschland eingebracht haben. Unter den rund 750 <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/openaccess.mpg.de\/3883\/Signatories\" target=\"_blank\">Unterzeichner*innen der Berliner Erkl\u00e4rung<\/a> von 2003 sind zahlreiche Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen aber nur vier Fachgesellschaften (Stand: 28. Juni 2022). Die Gelegenheit, die Open-Access-Transformation als Anlass zu nutzen, um wissenschaftliche Standards vor dem Hintergrund eines grundlegenden Wandels von Wissenschaft durch die Digitalisierung innerhalb der eigenen Fachcommunity zu diskutieren und damit diese Transformation aktiv mitzugestalten (vgl. z.B. Ganz 2020), wird bislang nur in wenigen Fachgesellschaften aktiv ergriffen. Das \u00fcberrascht, da Fachgesellschaften Orte der Selbstorganisation und der Selbstverst\u00e4ndigung fachlicher Communities sind (vgl. Wissenschaftsrat 1992). Finden in den Fachcommunities keine Diskussionen \u00fcber Open Access und Open Science statt oder sind diese lediglich nicht sichtbar, weil sie nicht in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen m\u00fcnden? In jedem Fall bleibt festzustellen, dass die Entwicklung des Themas Open Access in den Fachgesellschaften noch viel Potential besitzt. \u201eFachcommunities k\u00f6nnten eine Vorreiterrolle einnehmen\u201c, sagte ein Teilnehmende&nbsp; in Hinblick auf die gegenw\u00e4rtige Situation und benannte damit sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen der wissenschaftsnahen Entwicklung des Themas Open Access.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an diese Gegenwartsdiagnose wurden in unserem Workshop folgende Handlungsfelder identifiziert:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Die Ausgestaltung des wissenschaftlichen Publikationswesens in der Open-Access-Transformation (Gesch\u00e4ftsmodelle, Finanzierung, Publikationsformate).<\/li><li>Qualit\u00e4tssicherung, wissenschaftliche Anerkennungsverfahren und Reputationssysteme<\/li><li>Die Definition der Rolle fachwissenschaftlicher Communities in der Open-Access-Transformation als Vertreter*innen und Sprachrohr ihrer Community in Governance-Prozessen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Aus diesen Handlungsfeldern wurden im Anschluss in Arbeitsgruppen weitere Fragen, Ma\u00dfnahmen und Empfehlungen abgeleitet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Reputationssysteme<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ausgangspunkt der Diskussion in einer der beiden Arbeitsgruppen war die Beobachtung, dass Wissenschaftler*innen in erster Linie in m\u00f6glichst angesehenen Zeitschriften und Verlagen publizieren wollen. Open Access sei demgegen\u00fcber eine nachgeordnete Frage, es best\u00fcnden zum Teil Vorbehalte bez\u00fcglich der Qualit\u00e4t. Angesichts des starken Drucks, sich durch Artikel in High Impact Journals zu etablieren, bleibe Open Access ein marginales Thema. Damit Open Access mehr Gewicht bekomme, m\u00fcsse das Reputationssystem reformiert werden. Ob und wie Fachgesellschaften diesbez\u00fcglich eine Rolle \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, diskutierte die eine Arbeitsgruppe intensiv, w\u00e4hrend in der anderen Arbeitsgruppe die Meinung vorherrschte, dass Wissenschaftler*innen und ihre Organisationen selbst diese Ver\u00e4nderung aktiv betreiben m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Bedeutung der Monographie<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Faktor in der Open Access-Transformation ist insbesondere f\u00fcr die Vertreter*innen von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachgesellschaften die Bedeutung der Monographie. Bisher lagen die Schwerpunkte konsortialer Transformationsabkommen aber im Bereich der Zeitschriften. Mit Blick auf die Entwicklungspotentiale der Transformation des Monographienmarktes wurde unter anderem diskutiert, welche Rolle Verlage im Bereich der Qualit\u00e4tssicherung haben. Bei genauerem Hinsehen, so die vorherrschende Meinung, seien es aber nicht ausschlie\u00dflich die Verlage, die Qualit\u00e4t sichern, sondern h\u00e4ufig im selben Ma\u00dfe die Herausgeber*innen, die mit ihrem Namen f\u00fcr Qualit\u00e4t einstehen. Bemerkt wurde zus\u00e4tzlich, dass Mittel f\u00fcr Open-Access-B\u00fccher oft knapp seien. So stellte sich abschlie\u00dfend die Frage, welche fairen L\u00f6sungen f\u00fcr eine Finanzierung entwickelt werden k\u00f6nnen. M\u00fcssten Fachgesellschaften letztendlich selbst Repositorien und andere Infrastrukturen f\u00fcr die Publikation von Monographien aufbauen? Letzteres sei kaum leistbar. Als m\u00f6glicher Weg, sich als Fachgesellschaft einzubringen, wurde schlie\u00dflich die Publikation eigener Open-Access-Buchreihen benannt, die durch anerkannte Wissenschaftler*innen eines Fachgebietes herausgegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Best Practices<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In Bezug auf die eigene Rolle als Herausgeber*in von Zeitschriften wurden positive Erfahrungen und Handlungsm\u00f6glichkeiten geteilt: so durchl\u00e4uft die <a href=\"https:\/\/www.dgska.de\/zeitschrift-fuer-ethnologie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozial- und Kulturanthropologie<\/a> (DGSKA) aktuell einen Transformationsprozess: auf APCs wird dabei verzichtet, die Finanzierung der Zeitschrift erfolgt durch die Fachgesellschaft, deren Mitglieder an der Entscheidung \u00fcber die Umstellung beteiligt wurden und diese \u00fcberwiegend positiv aufnehmen. Dies zeigt, dass jenseits von APCs auch andere Gesch\u00e4ftsmodelle m\u00f6glich sind, z.B. durch konsortiale Finanzierungen, wie sie etwa in der<a href=\"https:\/\/www.openlibhums.org\/\"> <\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.openlibhums.org\/\" target=\"_blank\">Open Library of Humanities<\/a> praktiziert oder in<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/projects.tib.eu\/koala\/\" target=\"_blank\"> KOALA<\/a> angestrebt werden. \u00dcber diese unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten m\u00fcsse das Bewusstsein bei den Autor*innen deutlich gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anreize zur Offenheit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um eine Kultur der Offenheit im Publikationswesen \u2013 und dort insbesondere in der Qualit\u00e4tssicherung \u2013 zu f\u00f6rdern, bedarf es also h\u00e4ufig einer verst\u00e4rkten Informationsinitiative unter den Mitgliedern. Der Kenntnisstand zum Thema Offene Wissenschaft ist je nach Fachkultur unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt. Einige Teilnehmende sprachen diesbez\u00fcglich auch von einem Generationenkonflikt unter den Mitgliedern, wobei j\u00fcngere Wissenschaftler*innen oft aufgeschlossener gegen\u00fcber Open Science und Open Access seien. Anreizsysteme k\u00f6nnen in einer solchen Situation den Kulturwandel bef\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ideen und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein st\u00e4rkeres Commitment zu offener Wissenschaft gab es viele in der Diskussion; teilweise wurde auf bereits praktizierte Ma\u00dfnahmen hingewiesen. Insgesamt entstand auf diese Weise ein umfassendes Bild bereits existierender und geplanter Leistungen der Fachgesellschaften im Feld Open Access. Genannt wurde die Einrichtung von Publikationsfonds durch Fachgesellschaften, das Aussprechen von Empfehlungen f\u00fcr Qualit\u00e4tskriterien f\u00fcr Zeitschriften oder die Vergabe von Preisen f\u00fcr Open-Access- und Open-Science-Projekte. Auch die Entwicklung von Konzepten f\u00fcr den Umgang mit personenbezogenen Daten sowie von Ethik-Leitlinien f\u00fcr Forschungsdaten k\u00f6nne Anreize f\u00fcr den Kulturwandel hin zu mehr Offenheit setzen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Synergien schaffen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Allgemeinen \u00e4u\u00dferten viele den Wunsch, Konzepte und Leitlinien gemeinsam zu erarbeiten, denn finanzielle und personelle Ressourcen seien auch in den Fachgesellschaften knapp. Der Wunsch, Publikationsinfrastrukturen \u00fcbergeordnet zu finanzieren, wurde mehrfach zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitsfragen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diskutiert wurde auch, dass inzwischen zwar viele reputationsreiche Zeitschriften open access seien, die von ihnen verlangten Article Processing Charges stellten jedoch ein Problem f\u00fcr Autor*innen au\u00dferhalb gut ausgestatteter Forschungseinrichtungen dar. Deshalb stelle sich die Frage, wie nachhaltig die Finanzierung von APC\/BPC-basiertem Open Access angesichts steigender Kosten und Publikationszahlen sein k\u00f6nne. Im Rahmen der DEAL-Vertr\u00e4ge werden auch Open-Access-Publikationen in hybriden Zeitschriften finanziert. Davon profitieren z.T. auch Fachgesellschaften, die Herausgeber wissenschaftlicher Journals sind, wie die anwesende <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gdch.de\/\" target=\"_blank\">Gesellschaft deutscher Chemiker<\/a> (GDCH). Doch auch dieses Modell wird kritisch diskutiert (vgl. Oberl\u00e4nder\/Tullney 2021).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Rolle der Politik und der Forschungsf\u00f6rderer<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich der Empfehlungen an die Politik \u00e4u\u00dferten die Teilnehmenden den Wunsch, dass Forderung und F\u00f6rderung (beispielsweise durch die Entwicklung vorhandener Infrastruktur) Hand in Hand gehen m\u00fcssten: Teilweise sei es so, dass F\u00f6rdereinrichtungen Vorgaben machten, w\u00e4hrend gleichzeitig die notwendigen (finanziellen und technischen) Rahmenbedingungen, um diese zu erf\u00fcllen, nicht best\u00fcnden. Hier sei erforderlich, dass mehr R\u00fcckkopplung stattfinde. \u00dcberhaupt sei es w\u00fcnschenswert, dass Fachgesellschaften analog zur <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.nfdi.de\/\" target=\"_blank\">Nationalen Forschungsdaten-Infrastruktur<\/a> (NFDI) auch im Bereich Open Access an einer Koordinationsstelle beteiligt seien. Hilfreich w\u00e4re es auch, wenn Verantwortliche in Politik und F\u00f6rdereinrichtungen Checklisten aufstellten, anhand derer Open-Science-Standards abgeglichen und entwickelt werden k\u00f6nnten. Grundlegend m\u00fcsse es darum gehen, Nachhaltigkeit im Wissenschaftssystem zu garantieren und transparente Kostenmodelle f\u00fcr das Publikationswesen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Rolle der Fachgesellschaften in der der Transformation<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder wurde im Laufe des Workshops das Selbstverst\u00e4ndnis der Fachgesellschaften im Prozess der Transformation thematisiert. Brauchen (kleine) Fachgesellschaften angesichts der Open-Access-Transformation eine Strategie? Zumindest stellte sich die Frage, wie sie ihre Rolle angesichts der grundlegenden Ver\u00e4nderungen im Wissenschaftssystem (neu) definieren. Dies kann bedeuten, eine wissenschaftspolitische Rolle einzunehmen oder wiederzuentdecken. Zun\u00e4chst ginge es aber, so einige der Anwesenden, darum, einen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklungen im eigenen Fach zu erlangen und eine eigene Expertise zu entwickeln, um dann einen Verst\u00e4ndigungsprozess mit den Mitgliedern anzusto\u00dfen. Zur Diskussion stand somit auch, wie Beteiligungs- und Verst\u00e4ndigungsprozesse gestaltet werden k\u00f6nnten. Ferner wurde wiederholt diskutiert, ob Fachgesellschaften in der Lage seien, selbst verlegerisch t\u00e4tig zu werden und welche administrativen und technischen Fragen sich daraus ergeben w\u00fcrden?<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss des Workshops bildete der Ausblick auf den weiteren Projektverlauf. Dabei wurden die Teilnehmer*innen eingeladen, sich an einem im Herbst geplanten Strategieworkshop anl\u00e4sslich des Projektabschlusses weiter an der Diskussion zu beteiligen. Dieser Aufforderung nachkommen zu wollen, erkl\u00e4rten sich in einer abschlie\u00dfenden Umfrage alle Anwesenden bereit.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Literaturangaben<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Abele-Brehm, Andrea; Antoni, Conny; B\u00f6lte, Jens; Gollwitzer, Mario; Hellmann, Deborah; Horz, Holger; Sch\u00f6nbrodt, Felix; Schr\u00f6der, Annette; Spinath, Birgit (2017). &#8222;Kommentar des Vorstands der DGPs und der Autoren der Empfehlungen zum Kommentar des Fachkollegiums Psychologie und der Gesch\u00e4ftsstelle der DFG zu den Empfehlungen des DGPs-Vorstands zum Umgang mit Forschungsdaten&#8220; In: Psychologische Rundschau, Jg. 67, 1, S. 36-38.<\/li><li>Arbeitsstelle kleiner F\u00e4cher (2020). &#8222;Dokumentation des Informations-und Vernetzungsworkshops Digitalisierung in Lehre und Forschung kleiner F\u00e4cher&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.kleinefaecher.de\/beitraege\/blogbeitrag\/dokumentation-des-informations-und-vernetzungsworkshops-digitalisierung-in-lehre-und-forschung-kle.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.kleinefaecher.de\/beitraege\/blogbeitrag\/dokumentation-des-informations-und-vernetzungsworkshops-digitalisierung-in-lehre-und-forschung-kle.html<\/a> (Zugriff: 31. Mai 2022)<\/li><li>Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (2015). &#8222;Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/foerderung\/grundlagen_dfg_foerderung\/forschungsdaten\/leitlinien_forschungsdaten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/foerderung\/grundlagen_dfg_foerderung\/forschungsdaten\/leitlinien_forschungsdaten.pdf<\/a> &nbsp;(Zugriff: 30. Mai 2022)<\/li><li>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Erziehungswissenschaft (DGfE); Gesellschaft f\u00fcr empirische Bildungsforschung (GEBF); Gesellschaft f\u00fcr Fachdidaktik (GFD) (2020). &#8222;Empfehlung zur Archivierung, Bereitsstellung und Nachnutzung von Forschungsdaten in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.dgfe.de\/fileadmin\/OrdnerRedakteure\/Stellungnahmen\/2020.03_Forschungsdatenmanagement.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> https:\/\/www.dgfe.de\/fileadmin\/OrdnerRedakteure\/Stellungnahmen\/2020.03_Forschungsdatenmanagement.pdf<\/a> (Zugriff: 30. Mai 2022)<\/li><li>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Erziehungswissenschaft (DGfE) (2017). &#8222;Stellungsnahme der DGfE zur Archivierung, Bereitstellung und Nachnutzung qualitativer Forschungsdaten in der Erziehungswissenschaft&#8220;.  <a href=\"https:\/\/www.dgfe.de\/fileadmin\/OrdnerRedakteure\/Stellungnahmen\/2017.09_Archivierung_qual._Daten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.dgfe.de\/fileadmin\/OrdnerRedakteure\/Stellungnahmen\/2017.09_Archivierung_qual._Daten.pdf<\/a> (Zugriff: 30. Mai 2022)<\/li><li>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Sozial-und Kulturanthropologie (DGSKA) (2021). &#8222;Die ZfE\/JSCA auf dem Weg zum Open Access&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.dgska.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Open_Access_InfoText-Mitglieder.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.dgska.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Open_Access_InfoText-Mitglieder.pdf<\/a> (Zugriff: 31. Mai 2022)<\/li><li>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Volkskunde (DGV) (2018). &#8222;Positionspapier zur Archivierung, Bereitstellung und Nachnutzung von Forschungsdaten&#8220;. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.d-g-v.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dgv-Positionspapier_FDM-1.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/www.d-g-v.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dgv-Positionspapier_FDM-1.pdf<\/a> (Zugriff: 30. Mai 2022)<\/li><li>Deutsche Mathematiker Vereinigung (DMV), Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo), Gedellschaft deutscher Chemiker (GDCH), Verband Bio, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBio) (2019). &#8222;Plan S. Joint statement of learned societies in mathematics and science in Germany&#8220;. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/wissenschaft-verbindet.de\/gemeinsame-aktivitaeten\/download\/190208_plan-s_fin.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/wissenschaft-verbindet.de\/gemeinsame-aktivitaeten\/download\/190208_plan-s_fin.pdf<\/a> (Zugriff: 31. Mai 2022)<\/li><li>Ganz, Kathrin (2020). &#8222;Die Open-Access-Politik des Plan S: Eine Chance f\u00fcr Publikationsmodelle im Dienst der Wissenschaft&#8220;. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.soziopolis.de\/die-open-access-politik-des-plan-s\/dossier-open-access.html\" target=\"_blank\"> https:\/\/www.soziopolis.de\/die-open-access-politik-des-plan-s\/dossier-open-access.html<\/a> (Zugriff: 30. Mai 2022)<\/li><li>Gollwitzer, Mario; Abele-Brehm, Andrea; Fiebach, Christian J.; Ramthun, Roland; Scheel, Anne; Sch\u00f6nbrodt, Felix; Steinberg, Ulf \/ DGPs-Kommission \u201aOpen Science\u2018 (2021). &#8222;Management und Bereitstellung von Forschungsdaten in der Psychologie. \u00dcberarbeitung der DGPs-Empfehlungen&#8220; In: Psychologische Rundschau, Jg. 72,2,S.132-146.<\/li><li>Gollwitzer, Mario; Sch\u00f6nbrodt, Felix; Abele-Brehm (2018).&nbsp; &#8222;Die Datenmanagement-Empfehlungen der DGPs. Ein Zwischenstand&#8220; In: Psychologische Rundschau, Jg. 69,4, S. 366-373<\/li><li>Oberl\u00e4nder, Anja; Tullney, Marco (2021). &#8222;Gemeinschaftliche Open-Access-Finanzierung als Aufgabe f\u00fcr Bibliotheken&#8220; DOI: 10.5281\/zenodo.4730883<\/li><li>Sch\u00f6nbrodt, Felix; Gollwitzer, Mario; Abele-Brehm, Andrea (2017). &#8222;Der Umgang mit Forschungsdaten im Fach Psychologie. Konkretisierung der DFG-Leitlinien. Im Auftrag des DGPs-Vorstands (17.9.2016)&#8220; In: Psychologische Rundschau Jg. 68, 1, S. 20-35<\/li><li>Severin, Anna; Egger, Matthias; Eve, Martin Paul; H\u00fcrlimann, Daniel (2020). &#8222;Discipline-specific open access publishing practices and barriers to change: an evidence-based review (Version 2)&#8220;. DOI: 10.12688\/f1000reserch.17328.2<\/li><li>Wissenschaftsrat (1992) &#8222;Zur F\u00f6rderung von Wissenschaft und Forschung durch Fachgesellschaften&#8220;. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/download\/archiv\/0823-92.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\" target=\"_blank\">https:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/download\/archiv\/0823-92.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1<\/a> (Zugriff: 31. Mai 2022)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt des zweiten Stakeholder-Workshops des Projektes Open4DE standen die Herausforderungen und Chancen der Umsetzung von Open Access aus Perspektive der Fachgesellschaften Das Projekt Open4DE, Stand und Perspektiven f\u00fcr eine Open-Access-Strategie f\u00fcr Deutschland erhebt auf der Grundlage einer qualitativen Auswertung von Policy-Dokumenten den Umsetzungsstand von Open Access in Deutschland. Im zweiten Schritt entwickelt das Projekt &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/07\/28\/fachcommunities-koennten-vorreiter-sein\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFachcommunities k\u00f6nnten Vorreiter sein\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6379,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1503,439151,448935],"tags":[443707,446057,448937,448940],"class_list":["post-1163","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-workshops","category-bericht","category-open4de","tag-scholarled","tag-open-research","tag-diamond-open-access","tag-open-access-policy"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6379"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1163"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1229,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163\/revisions\/1229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}