{"id":859,"date":"2022-04-11T11:58:02","date_gmt":"2022-04-11T09:58:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/?p=859"},"modified":"2024-02-14T09:15:22","modified_gmt":"2024-02-14T08:15:22","slug":"der-stand-von-open-access-policies-an-berliner-hochschulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/04\/11\/der-stand-von-open-access-policies-an-berliner-hochschulen\/","title":{"rendered":"Der Stand von Open Access und Open Science Policies. Eine Diskussion am Beispiel Berliner Hochschulen"},"content":{"rendered":"\r\n<p><em>Von Maike Neufend<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In Berlin haben aktuell 10 von 14 \u00f6ffentlich-rechtlichen bzw. konfessionellen Hochschulen eine eigene Open Access Policy verabschiedet bzw. ver\u00f6ffentlicht. Die Freie Universit\u00e4t Berlin (FU, <a href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/handle\/fub188\/30820\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/handle\/fub188\/30820\">5.5.2021<\/a>) und die Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin (HU, <a href=\"https:\/\/hu.berlin\/oapolicy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">26.10.2021<\/a>) haben ihre Open-Access-Policies bereits einmal aktualisiert. Eine \u00dcbersicht aller Policies findet sich auf der<a href=\"http:\/\/www.open-access-berlin.de\/open-access\/oa_berlin\/index.html\"> Website des OABB<\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Als erste Universit\u00e4t in Berlin hat die Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin am <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170221061716\/https:\/\/edoc-info.hu-berlin.de\/de\/nutzung\/oa_hu\/oa\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">9. Mai 2006<\/a> eine Open Access Policy verabschiedet. Rund zwei Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte die Freie Universit\u00e4t Berlin ihre Open Access Policy, am <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-30750\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">23. Juli 2008<\/a>. Zuletzt haben auch die <a href=\"https:\/\/www.khsb-berlin.de\/sites\/default\/files\/openaccesspolicy.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Katholische Hochschule f\u00fcr Sozialwesen Berlin<\/a> (KHSB, 2021) und die <a href=\"https:\/\/opus4.kobv.de\/opus4-ash\/frontdoor\/index\/index\/searchtype\/series\/id\/7\/docId\/474\/start\/0\/rows\/10\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alice Salomon Hochschule Berlin<\/a> (ASH, 6.1.2022) eine eigene Open Access Policy verabschiedet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aktuelle Open Access Policies &#8211; Beispiele<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Obwohl Studien bspw. aus dem Projekt<a href=\"http:\/\/pasteur4oa.eu\/sites\/pasteur4oa\/files\/deliverables\/PASTEUR4OA%20Work%20Package%203%20Report%20final%2010%20March%202015.pdf\"> Open Access Policy Alignment Strategies for European Union Research <\/a>belegen, dass verpflichtende Policies wirksamer als empfehlende sind (vgl. Swan et al. 2015, S. 20), werden Wissenschaftler*innen in Deutschland und Europa kaum ausdr\u00fccklich dazu verpflichtet, ihre Forschungsergebnisse Open Access zur Verf\u00fcgung zu stellen (Gold oder Gr\u00fcn). Anstatt dessen wird eine Open-Access-Publikation <em>gefordert <\/em>oder <em>empfohlen <\/em>(vgl. Swan et al. 2015, 18). Die Uniersit\u00e4t Konstanz hatte erstmalig in ihrer <a href=\"https:\/\/www.uni-konstanz.de\/typo3temp\/secure_downloads\/60959\/0\/4dba8009a4125316f7fa4c33872edd6f0ff01669\/SatzungZweitveroeffentlichungsrecht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Satzung zur Aus\u00fcbung des wissenschaftlichen Zweitver\u00f6ffentlichungsrechts vom 10. Dezember 2015<\/a> Wissenschaftler*innen dazu verpflichtet, ihr Recht auf Zweitver\u00f6ffentlichung wahrzunehmen. Gegen diese Satzung <a href=\"https:\/\/libreas.eu\/ausgabe32\/hartmann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">klagen <\/a>17 Hochschullehrende der Universit\u00e4t Konstanz mit der Begr\u00fcndung, diese versto\u00dfe gegen das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_5.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_5.html\">Art. 5 Abs. 3 GG<\/a>).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ob es rechtlich bindende Ver\u00f6ffentlichungspflichten auch in Deutschland geben kann, h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich von den verfassungsrechtlichen Anforderungen ab. Dies erkl\u00e4rt auch die Zur\u00fcckhaltung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). Die zwei gr\u00f6\u00dften deutschen F\u00f6rderinstitutionen f\u00fcr Wissenschaft fordern und f\u00f6rdern Open Access umfangreich, aber auch sie verpflichten nicht zur Open-Access-Ver\u00f6ffentlichung. In der <a href=\"https:\/\/www.bildung-forschung.digital\/digitalezukunft\/shareddocs\/Downloads\/files\/2018-08-open_access_neu_barrierefrei.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Open Access Strategie des BMBF<\/a> aus dem Jahr 2016 wird &#8222;Open Access als Standard in seiner Projektf\u00f6rderung auf[genommen]&#8220;, aber verpflichtet werden Wissenschaftler*innen beim Erhalt von Forschungsf\u00f6rderung dazu nicht (S. 8). Anders formulieren es europ\u00e4ische Forschungsf\u00f6rderprogramme wie <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/research\/participants\/docs\/h2020-funding-guide\/cross-cutting-issues\/open-access-dissemination_en.htm\">Horizon2020<\/a>, die ausdr\u00fccklich zur Open-Access-Publikation verpflichten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Open Access Policies der Hochschulen sind wiederum nicht an Forschungsf\u00f6rderung gebunden und richten sich an alle Hochschulangeh\u00f6rigen. Allerdings verpflichten sich die Hochschulen selbst dazu, Eigenpublikationen, &#8222;sofern dem keine rechtlichen Rahmenbedingungen entgegenstehen, unter einer offenen Lizenz (vorzugsweise CC BY)&#8220; zu ver\u00f6ffentlichen (<a href=\"https:\/\/hu.berlin\/oapolicy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">HU Policy, 26.10.2021<\/a>, Punkt 5). \u00c4hnlich formulieren es auch die aktualisierte Policy der FU Berlin, und die Policies der KHSB und der ASH.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im Vergleich zu den Policies der ersten Generation sind einige Inhalte hinzugekommen. In der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170221061716\/https:\/\/edoc-info.hu-berlin.de\/de\/nutzung\/oa_hu\/oa\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Policy der HU von 2006<\/a> werden das Einreichen von Publikationen in OA-Journalen oder auf OA-Plattformen empfohlen und auf die Ver\u00f6ffentlichung von Pre- und Postprint-Versionen auf Publikationsservern verwiesen. Die aktuelle HU Policy &#8222;empfiehlt f\u00fcr Forschungsergebnisse die Erstver\u00f6ffentlichung unter freier Lizenz (bevorzugt CC BY)&#8220; und fordert &#8222;ihre Mitglieder auf, ihr Zweitver\u00f6ffentlichungsrecht aktiv wahrzunehmen und alle Publikationen parallel oder nach jeweils geltenden Embargofristen ausschlie\u00dflich \u00fcber Repositorien zu ver\u00f6ffentlichen&#8220; (Punkt 2). Des Weiteren wird den Mitgliedern der HU Berlin empfohlen, positiv auf das Reputationssystem von Open-Access-Publikationen einzuwirken, indem diese als Gutachter*innen oder Herausgeber*innen von OA-Publikationen t\u00e4tig sind bzw. werden sollen (Punkt 4). F\u00fcr die eigene Forschungst\u00e4tigkeit sollen Hochschulangeh\u00f6rige den offenen persistenten Identifikator <a href=\"https:\/\/info.orcid.org\/researchers\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/info.orcid.org\/researchers\/\">ORCID iD<\/a> verwenden (Punkt 8). Dar\u00fcber hinaus werden Hochschulangeh\u00f6rige in Form von Verlagsvertr\u00e4gen ermutigt, ihre Urheberrechte auch wahrzunehmen, indem sie nur einfache Nutzungsrechte an die Verlage \u00fcbertragen (Punkt 3).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die erste <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-30750\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Open Access Policy der FU Berlin aus dem Jahr 2008<\/a> ist recht kurz gehalten, weist aber doch einige Besonderheiten auf. Auff\u00e4llig ist, dass den Hochschulangeh\u00f6rigen f\u00fcr die Herausgabe von Open-Access-Zeitschriften eine eigene Publikationsplattform durch das Center f\u00fcr Digitale Systeme (CeDiS) zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Heute betreut CeDiS \u00fcber 30 Zeitschriften \u00fcber das<a href=\"https:\/\/www.cedis.fu-berlin.de\/services\/e-publishing\/e-journals\/ojs-journals\/index.html\"> Open Journal System<\/a> (OJS). Auch f\u00fcr Verlagsvertr\u00e4ge empfiehlt die Policy den Autor*innen sich &#8222;m\u00f6glichst ein nicht ausschlie\u00dfliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation bzw. Archivierung ihrer Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung fest und dauerhaft vorzubehalten&#8220;. Diese Klausel wird in der aktualisierten Policy (<a href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/handle\/fub188\/30820\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/handle\/fub188\/30820\">10.6.2021<\/a>) noch deutlicher formuliert, indem bei Verlagsvertr\u00e4gen empfohlen wird, &#8222;lediglich das einfache Nutzungsrecht einzur\u00e4umen. Sollte das nicht m\u00f6glich sein, wird empfohlen, sich das Recht auf parallele Online-Ver\u00f6ffentlichung im Refubium ausdr\u00fccklich vorzubehalten&#8220;. Neben dem Open Journal System (OJS), stellt die FU jetzt auch das <a href=\"https:\/\/www.cedis.fu-berlin.de\/services\/e-publishing\/e-books\/omp\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Open Monograph Press (OMP) <\/a>f\u00fcr Universit\u00e4tsangeh\u00f6rige zur Verf\u00fcgung. Wie die Open Access Policy der HU spricht diejenige der FU eine Empfehlung f\u00fcr Nutzung der ORCID iD aus und ermutigt ihre Mitglieder, &#8222;sich bei anerkannten Open-Access-Publikationsorganen in Herausgabe-, Redaktions- und Begutachtungsfunktionen zu engagieren&#8220;. In der Open Access Policy der FU wird zudem darauf hingewiesen, dass die Universit\u00e4tsbibliothek &#8222;Hochschulangeh\u00f6rige bei allen Fragen des wissenschaftlichen Publizierens&#8220; durch Beratung und Finanzierung unterst\u00fctzt (Punkt 7).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es sind mittlerweile Infrastrukturen wie Repositorien und Finanzierungs- sowie Beratungsangebote an vielen Hochschulen etabliert, so dass sich die Inhalte und der Tenor der aktuellen Open Access Policies, im Vergleich zur ersten Generation, ver\u00e4ndert haben. Sie geben h\u00e4ufig eine Richtung vor, die auch den Diskussionsstand in der Open Access Community widerspiegelt. Dies zeigt sich beispielsweise in dem Zusatz, den die ASH in ihrer Policy anf\u00fchrt: &#8222;Das Engagement f\u00fcr nicht-kommerzielle Angebote wird besonders bef\u00fcrwortet.&#8220; Im Allgemeinen ist die Aufforderung an Wissenschaftler*innen, das \u00d6kosystem Open Access selbst durch ein gezieltes Engagement in Begutachtungs- und Herausgebert\u00e4tigkeit zu unterst\u00fctzen, begr\u00fc\u00dfenswert. Es zeigt jedoch auch, dass der Kulturwandel weniger durch verpflichtende Leitlinien seitens der Hochschulleitungen ausgebaut wird. Der Erfolg der Open-Access-Transformation baut weiterhin auf das Handeln einzelner Wissenschaftler*innen auf. Eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Hochschulleitungen das Open-Access-Publizieren der Hochschulangeh\u00f6rigen verantwortungsvoller zu unterst\u00fctzen, ist die Anerkennung von Open-Access-Publikationen bei der Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen. Obwohl dieser Aspekt bereits 2018 in 6 Open Access Policies deutscher Hochschulen benannt wurde (vgl. <a href=\"https:\/\/zenodo.org\/record\/1443286\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/zenodo.org\/record\/1443286\">Riesenweber und H\u00fcbner, 2018<\/a>), nimmt keine der hier besprochenen aktuellen Open Access Policies dazu Stellung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von Open Access zu Open Science<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit die ersten Open Science Policies auf Einrichtungsebene ver\u00f6ffentlicht. Dazu geh\u00f6ren die Open Science Policy der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (<a href=\"https:\/\/www.eah-jena.de\/forschung\/open-science\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">16.2.2021<\/a>), die Open-Science-Richtlinie der Hochschule Anhalt (<a href=\"https:\/\/www.hs-anhalt.de\/fileadmin\/Dateien\/Ordnungen\/5_1_1_Open_Science_Richtlinie_HSA.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">17.3.2021<\/a>), die Open Science Policies der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg (<a href=\"https:\/\/zenodo.org\/record\/5602560\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">13.10.2021<\/a>) und der Universit\u00e4t Konstanz (<a href=\"https:\/\/www.kim.uni-konstanz.de\/typo3temp\/secure_downloads\/121290\/0\/87efd6413916f9f827ccd61bcbb5554c982cd34a\/Open-Science-Policy-UKON-2021-de.pdf\">24.11.2021<\/a>). In den Policies wird mitunter gefordert, &#8222;alle Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses offen zug\u00e4nglich und nachnutzbar zu machen&#8220; und dies &#8222;in allen Phasen des Forschungsprozesses&#8220; (vgl. Pr\u00e4ambel, Universit\u00e4t Konstanz). Hier wird deutlicher, wie nicht nur das Engagement einzelner Wissenschaftler*innen die Transformation vorantreibt, sondern dieses Engagement als wissenschaftliches Leistungsmerkmal anerkannt wird bzw. werden soll. Die Universit\u00e4t Konstanz markiert diese Leistungsanerkennung in ihrer Open Science Policy als bestehenden Sachverhalt (Pr\u00e4ambel). Die Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t formuliert etwas detaillierter, dass die Einrichtung selbst f\u00fcr &#8222;[d]ie Einbettung von Open-Science-Praktiken in Rekrutierungs-, Forschungs- und Evaluierungskriterien&#8220; verantwortlich ist (Seite 3, Punkt 3).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In Berlin wird dieser Blickwechsel ebenso gefordert: Das <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/jlr-HSchulGBE2011V27IVZ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berliner Hochschulgesetz, g\u00fcltig ab dem 25. September 2021<\/a>, legt unter <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/jlr-HSchulGBE2011V27P41\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 41 Abschnitt 5<\/a> fest: &#8222;Die Hochschulen f\u00f6rdern die Anerkennung von Praktiken offener Wissenschaft (Open Science) bei der Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen ihrer internen Forschungsevaluation und bei Einstellungsverfahren&#8220;. Wie diese Forderung zuk\u00fcnftig in die Praktiken, Policies und Strategien von Berliner Einrichtungen Einzug h\u00e4lt, ist Gegenstand des weiteren Aushandlungsprozess, unter anderem im Rahmen der Hochschulvertr\u00e4ge. Das Open-Access-B\u00fcro Berin hat im Auftrag von und in Abstimmung mit der <a href=\"http:\/\/www.open-access-berlin.de\/aktivitaeten\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AG Open-Access-Strategie f\u00fcr Berlin<\/a> unter Leitung des ehemaligen Staatssekret\u00e4rs f\u00fcr Wissenschaft und Forschung Steffen Krach und des Direktors der Universit\u00e4tsbibliothek der Freien Universit\u00e4t Berlin Andreas Brandtner eine Empfehlung f\u00fcr eine Landesinitiative f\u00fcr mehr offene Wissenschaft in Berlin vorgelegt, die in diesem Blog in einer kurzen Fassung ver\u00f6ffentlicht wurde. In der <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/03\/15\/empfehlung-fuer-eine-landesinitiative-open-research-berlin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Empfehlung f\u00fcr eine Landesinitiative Open Research Berlin<\/a> streben die Berliner wissenschaftlichen und kulturellen Landeseinrichtungen gemeinsam an, die F\u00f6rderung von Offenheit und Transparenz in Bezug auf den gesamten Forschungsprozesses im Sinne einer offenen Wissenschaft (Open Science bzw. Open Research) umzusetzen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Universit\u00e4t Konstanz und die Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg haben mit ihren Open Science Policies prim\u00e4r den Bezug auf Handlungsfelder im Bereich der Hochschulen erweitert: Neben dem offenen Zugang zu Bildungsinhalten und Lehrmaterialien (Open Educational Ressources), der nachvollziehbaren Dokumentation von Methoden (Open Methodology), der Publikation von Forschungsdaten (Open Data) und Software (Open Source), der Publikation von Verwaltungsdaten sowie der offenen Wissenschaftskommunikation in und mit der Gesellschaft, wird Open Access als die uneingeschr\u00e4nkt zug\u00e4ngliche Publikation von Forschungsergebnissens zu einem Handlungsfeld von Vielen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ein Blick auf das Handlungsfeld Open Access innerhalb der Open Science Policy der Universit\u00e4t Konstanz zeigt, dass zwar wichtige Impulse aufgenommen werden, wie bspw. die Unterst\u00fctzung offener Begutachtungsverfahren, doch werden diese Aussagen seitens der Einrichtung nicht mit verbindlichen Verantwortungsbereichen oder konkreten Unterst\u00fctzungsangeboten untermauert. Die Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t z\u00e4hlt hingegen das &#8222;Experimentieren mit Open-Peer-Review&#8220; zu einer m\u00f6glichen Open-Science-Praktik, die auch in Rekrutierungs-, Forschungs- und Evaluierungskriterien eingebettet wird (S. 3, Punkt 3). \u00c4hnlich wie in den aktualisierten Open Access Policies der HU und FU wird auch dort die Verwendung von Identifikatoren wie ORCID iD empfohlen (S. 4). <br \/>Insgesamt bleibt der Verpflichtungsgrad zu Open Access in der Open Science Policy der Universit\u00e4t Konstanz hinter aktuellen Open Access Policies zur\u00fcck. So wird die Erst- und Zweitver\u00f6ffentlichung von Forschungsergebnissen (<a href=\"https:\/\/open-access.network\/informieren\/open-access-grundlagen\/open-access-gruen-und-gold\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/open-access.network\/informieren\/open-access-grundlagen\/open-access-gruen-und-gold\">Goldener und Gr\u00fcner Weg zu Open Access<\/a>) nicht direkt adressiert, die Universit\u00e4t selbst verpflichtet sich nicht ausdr\u00fccklich zu Open Access in ihren Eigenpublikationen und ORCID iD findet keine Erw\u00e4hnung. Auch die Open Science Policy der Hochschule Anhalt f\u00fchrt diese Open-Access-Praktiken nicht auf. Positiv hervozuheben ist jedoch, dass &#8211; \u00e4hnlich wie es die Alice Salomon Hochschule formuliert &#8211; auch dort Angeh\u00f6rige der Hochschule darin unterst\u00fctzt werden, &#8222;verlagsunabh\u00e4ngige[r] Publikationsstrukturen&#8220; zu nutzen (Abs. 4). Auff\u00e4llig ist zudem, dass nur die Open Science Policy der FAU und die Open Access Policies der FU und der ASH selbst unter einer offenen Lizenz (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/legalcode\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/legalcode\">Creative Commons<\/a>) und mit einer doi (digital object identifier) ver\u00f6ffentlicht sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Den Erfolg von Policies bemessen?<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch wenn Policies gemeinhin keine eigenen Quoten zur Bemessung von Open Access festlegen, formuliert die Open Science Policy der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t, dass die Einrichtung verantwortlich daf\u00fcr ist, den Fortschritt von Open Science zu messen. Die Erhebung von Kennzahlen und die damit einhergehende institutseigene Dokumentation oder ein kooperierendes Monitoring m\u00fcssen implementiert werden. In diesem Falle werden Hochschulangeh\u00f6rige darin unterst\u00fctzt, ihre Forschungsergebnisse \u00fcber das Forschungsinformationssystem FAU CRIS zu importieren, &#8222;mit einem entsprechenden Kennzeichen, ob es sich um eine Open-Access-Publikation handelt&#8220; (FAU Policy). <br \/>Auch in Berlin werden Zahlen zum Bemessen des Fortschritts im Bereich Open Access erhoben. Die<a href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/handle\/fub188\/26561\"> Open-Access-Strategie des Berliner Senats<\/a> von 2015 formuliert unter anderem das Ziel, dass bis 2020 60% aller Zeitschriftenartikel aus wissenschaftlichen Einrichtungen in der Zust\u00e4ndigkeit des Landes Berlin im Sinne von Open Access zug\u00e4nglich sein sollen. Die Zahlen des aktuellen<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.14279\/depositonce-11774\"> Monitoring Berichts 2019<\/a> suggerieren, dass dieses Ziel h\u00f6chstwahrscheinlich erreicht wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Doch wie kann die Quantifizierbarkeit von Fortschritt im Bereich Open Science \u00fcber die reine Erhebung von Ver\u00f6ffentlichungen hinaus gehend bemessen werden? Diese Frage muss Bestandteil weiterer strategischer \u00dcberlegungen und einer offenen Diskussion, auch auf L\u00e4nderebene sein. Das Open-Access-B\u00fcro beteiligt sich an dem Projekt &#8222;<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/05\/12\/das-bua-open-science-dashboard-projekt-die-entwicklung-disziplinspezifischer-open-science-indikatoren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/05\/12\/das-bua-open-science-dashboard-projekt-die-entwicklung-disziplinspezifischer-open-science-indikatoren\/\">BUA Open Science Dashboards \u2013 Entwicklung von Indikatoren und Screening Tools f\u00fcr prototypische Umsetzung<\/a>&#8220; zusammen mit dem QUEST Center an der Charit\u00e9 &#8211; Universit\u00e4tsmedizin Berlin, um gemeinsam mit den Communities disziplinspezifische Indikatoren zu entwickeln, die neben Kriterien einen offenen Wissenschaftsparaxis auch die <a href=\"https:\/\/www.go-fair.org\/fair-principles\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FAIR-Kriterien<\/a> ber\u00fccksichtigt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Policy-Prozess als aktiver Kulturwandel<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>H\u00e4ufig werden Aktualisierungen von Open Access und Open Science Policies sinnvoll durch Programme von Forschungsf\u00f6rderern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) angesto\u00dfen (<a href=\"http:\/\/10.5282\/o-bib\/5784\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"10.5282\/o-bib\/5784\">Putnings und S\u00f6llner 2022<\/a>). Um die M\u00f6glichkeit eines dynamischen Policy-Prozesses zu etablieren, sollten diese einer Form der Aktualisierungspflicht unterliegen. Mit der Anpassung an gegenw\u00e4rtige Herausforderungen und der Ausweitung der Handlungsfelder von Open Access zu Open Science k\u00f6nnen<a href=\"https:\/\/open-access.network\/informieren\/politische-rahmenbedingungen\/open-access-policies\"> Policies als Prozess<\/a> verstanden werden, in dem die Einrichtung einen gemeinsamen Standpunkt erarbeitet. Um einen Kulturwandel voranzutreiben, k\u00f6nnen Policies als verantwortungsvolle Positionierung der Einrichtung im Diskurs und als Motivation f\u00fcr die Forschenden dienen. Ob eine Policy auch Wirksamkeit zeigt, l\u00e4sst sich jedoch nur durch den Erfolg von Open-Access- und Open-Science-Praktiken an den jeweiligen Einrichtungen bemessen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Maike Neufend In Berlin haben aktuell 10 von 14 \u00f6ffentlich-rechtlichen bzw. konfessionellen Hochschulen eine eigene Open Access Policy verabschiedet bzw. ver\u00f6ffentlicht. Die Freie Universit\u00e4t Berlin (FU, 5.5.2021) und die Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin (HU, 26.10.2021) haben ihre Open-Access-Policies bereits einmal aktualisiert. Eine \u00dcbersicht aller Policies findet sich auf der Website des OABB. Als erste Universit\u00e4t &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/04\/11\/der-stand-von-open-access-policies-an-berliner-hochschulen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer Stand von Open Access und Open Science Policies. 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