{"id":967,"date":"2022-04-13T14:01:23","date_gmt":"2022-04-13T12:01:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/?p=967"},"modified":"2024-05-07T15:05:40","modified_gmt":"2024-05-07T13:05:40","slug":"5-von-5-mit-volldampf-voraus-in-richtung-openness-kompetenzen-und-infrastrukturen-mit-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/04\/13\/5-von-5-mit-volldampf-voraus-in-richtung-openness-kompetenzen-und-infrastrukturen-mit-perspektiven\/","title":{"rendered":"5 von 5: Mit Volldampf voraus in Richtung \u201eOpenness\u201c: Kompetenzen und Infrastrukturen mit Perspektiven"},"content":{"rendered":"\r\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist \u00fcber das <a href=\"https:\/\/av.tib.eu\/media\/56857\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">TIB AV Portal<\/a> verf\u00fcgbar.<\/pre>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Von Anita Eppelin und Ben Kaden<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bericht zur Veranstaltung #5 in der Reihe: <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2021\/09\/09\/quo-vadis-offene-wissenschaft-eine-virtuelle-open-access-woche-fuer-berlin-brandenburg\/\">Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche f\u00fcr Berlin-Brandenburg<\/a>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr das Gelingen offener Wissenschaft spielen wissenschaftsunterst\u00fctzende Einrichtungen und dabei insbesondere Bibliotheken naturgem\u00e4\u00df eine gro\u00dfe Rolle. Wenig \u00fcberraschend sind entsprechende Transformationsprozesse in diesen Einrichtungen im vollen Gange. Die Ver\u00e4nderungen sind grundlegend und betreffen Organisationsstrukturen ebenso wie die technische Infrastrukturen, die informellen Netzwerke gleicherma\u00dfen wie die formalen Rahmenbedingungen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Welche Kompetenzen brauchen also die Menschen, die in wissenschaftlichen Bibliotheken t\u00e4tig sind oder sein werden? Was m\u00fcssen sie wissen und k\u00f6nnen, um die im Zuge der Transformation auftretenden Ver\u00e4nderungen optimal und aktiv zu steuern und zu gestalten, und zwar idealerweise im Sinne von Offenheit, Transparenz und einer zunehmenden Durchl\u00e4ssigkeit zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik? Und was bedeutet dies f\u00fcr die entsprechenden Infrastrukturen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u00dcber diese Fragestellung diskutierten am 25.3.2022 f\u00fcnf Expert*innen aus unterschiedlichen Kontexten: Elisa Herrmann vom Museum f\u00fcr Naturkunde Berlin, Ariane Je\u00dfulat von der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin, Antje Michel von der Fachhochschule Potsdam, Vivien Petras von der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin und Jan Hauke Pla\u00dfmann vom Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg. Die Veranstaltung bildete den Abschluss der f\u00fcnfteiligen Reihe \u201cQuo vadis offene Wissenschaft\u201d. Die Moderation der virtuellen und mit 100 Teilnehmenden gut besuchten Veranstaltung \u00fcbernahm diesmal Frank Seeliger von der Technischen Hochschule Wildau. Nachfolgend fassen wir einige der diskutierten Themen zusammen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Perspektive eines Forschungsmuseums<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Als Leiterin der Abteilung Informationsbeschaffung und Informationsmanagement und damit auch der Bibliothek am Museum f\u00fcr Naturkunde &#8211; Leibniz-Institut f\u00fcr Evolutions- und Biodiversit\u00e4tsforschung (MfN) hat <strong>Elisa Herrmann <\/strong>Personalverantwortung f\u00fcr ein circa 15-k\u00f6pfiges Team. Sie betonte, dass das MfN als eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft schon l\u00e4nger die Prinzipien der Offenen Wissenschaft vertritt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Passend zur Rolle und zum thematischem Zuschnitt des Museums liegt dabei ein zentraler Fokus auf der gesellschaftlichen Verantwortung der wissenschaftlichen Community. Das Haus tr\u00e4gt dem sowohl \u00fcber ein starkes Engagement im Bereich Citizen Science als auch \u00fcber eine erst unl\u00e4ngst aktualisierte <a href=\"https:\/\/www.museumfuernaturkunde.berlin\/sites\/default\/files\/open-access-policy-2019-2021.pdf\">Open-Access-Policy<\/a> Rechnung. Um die Wirkung der Policy zu verst\u00e4rken, wurde eine Koordinierungsstelle f\u00fcr wissenschaftliches Publizieren an der Bibliothek eingerichtet, die Wissenschaftler*innen insbesondere beim Open-Access-Publizieren unterst\u00fctzt. Weiterhin gibt das MfN <a href=\"https:\/\/www.museumfuernaturkunde.berlin\/de\/wissenschaft\/wissenschaftliche-zeitschriften\">drei eigene Open-Access-Zeitschriften<\/a> heraus.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Besonders interessant aus der Perspektive der Kompetenzentwicklung ist, dass das MfN bei Stellenbesetzungen Wert auf Erfahrungen und Kenntnisse zu Praktiken der offenen Wissenschaft legt, und zwar durchweg f\u00fcr alle Stellen in dieser Abteilung. Offenheit ist hier also nicht mehr ein separat zu bearbeitendes Thema, sondern eine Querschnittsaufgabe des gesamten Teams.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Laut Elisa Herrmann strebt das MfN an, seine Sammlungen so offen wie m\u00f6glich digital und vernetzt bereitzustellen. Erst eine solche Datengrundlage erm\u00f6glicht wirklich innovative Nachnutzungen. Auch die eigene Forschung im Haus wird durch die umfassende Digitalisierung ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In Hinblick auf die allgemeine, au\u00dferakademische \u00d6ffentlichkeit nutzt das MfN seine Datenbest\u00e4nde und Digitalisierungsaktivit\u00e4ten, um ein Bewusstsein \u00fcber die Arbeitsweisen der Wissenschaft zu erzeugen und um Diskurse zur Zukunft des Planeten anzusto\u00dfen. Dabei zeigen sich themenspezifisch auch Grenzen der Offenheit, etwa bei Objekten aus kolonialen Kontexten oder im Hinblick auf den Artenschutz. Erstere brauchen Sensibilit\u00e4t und Einordnung, zweitere m\u00fcssen so beschaffen sein, dass sie zwar informieren, aber keine negativen Effekte beispielsweise durch die Offenlegung von Geodaten besonders sch\u00fctzenswerter Habitate und Fundstellen herbeif\u00fchren. Hier ist ein, wenn man so will, informationsethisches Austarieren zwischen gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Offenheit und dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen sch\u00fctzenswerten Interessen vonn\u00f6ten. Die Richtlinie des Museums zur Massendigitalisierung orientiert sich daher am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nagoya-Protokoll\">Nagoya-Protokoll<\/a>.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Perspektive der Kunst<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die erste Vizepr\u00e4sidentin und Open-Access-Beauftragte der Universit\u00e4t der K\u00fcnste (UdK), <strong>Ariane Je\u00dfulat<\/strong>, betonte die Bedeutung von offener Wissenschaft f\u00fcr die K\u00fcnste und die k\u00fcnstlerische Lehre. An der UdK sind sich Hochschulleitung und Bibliothek dahingehend einig. F\u00fcr die Community in den K\u00fcnsten entstehen durch Offenheit und Open Access bedeutende neue M\u00f6glichkeiten. Zugleich muss die Transformation zu Open Access jedoch gut kommuniziert werden. So ist nicht allen bewusst, dass Open Access kein \u201cnice to have\u201d, sondern einen grundlegenden Paradigmenwechsel darstellt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Hinsichtlich der Kompetenzanforderungen kommt es auf eine entsprechende Vermittlungsf\u00e4higkeit zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen an, also auf eine hohe Kommunikationskompetenz. Dazu geh\u00f6rt im Fall der UdK auch ein besonderes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Material, dessen Komplexit\u00e4t sich oft von den klassischen wissenschaftlichen Publikationen anderer Disziplinen durch eine Verkn\u00fcpfung von Material mit unterschiedlichem Schutzstatus und hoher Verkn\u00fcpfung und Multimodalit\u00e4t auszeichnet. Die rechtlichen Fragen sind daher eine zentrale Herausforderung. Entsprechend sind urheber- und medienrechtliche Kompetenzen sehr nachgefragt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr die UdK stechen zwei Infrastrukturpartnerschaften heraus: <a href=\"https:\/\/nfdi4culture.de\">NFDI4Culture<\/a> \u2013 Konsortium f\u00fcr Forschungsdaten materieller und immaterieller Kulturg\u00fcter, das die Fachcommunity im Umgang mit digitalen und offenen Kulturdaten sehr voranbringt, sowie das Open-Access-B\u00fcro Berlin als zentrale Anlaufstelle f\u00fcr Fragen zu Open Access und Open Science in der Hauptstadt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/jlr-HSchulGBE2011V27P41\">neue Absatz 3 des \u00a7 41 des Berlin Hochschulgesetzes<\/a>, dem zufolge die \u201cVer\u00f6ffentlichung von Forschungsergebnissen durch die Mitglieder der Hochschulen [&#8230;] vorrangig unter freien Lizenzen mit dem Ziel der Nachnutzbarkeit erfolgen (Open Access) [sollte]\u201d, wird an der UdK als sehr hilfreich f\u00fcr die Etablierung von Open Access empfunden. Ein wissenschaftspolitischer Rahmen ist folglich \u00e4hnlich bedeutsam wie die Ver\u00e4nderung der Einstellungen in den Fachcommunities. Als dritte Stakeholder-Gruppe erw\u00e4hnte Ariane Je\u00dfulat die Verlage, die f\u00fcr die Kunst und k\u00fcnstlerische Forschung nicht nur eine informationsvermittelnde, sondern auch ein zentrale diskursbildende Rolle \u00fcbernehmen.\u00a0\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Perspektive der Ausbildung an der Fachhochschule Potsdam<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch<strong> Antje Michel,<\/strong> Professorin f\u00fcr Informationsdidaktik und Wissenstransfer an der Fachhochschule Potsdam, hob die Bedeutung von Openness als zentrales Transformationsthema in der Wissenschaft hervor. Es ist offensichtlich, dass die wissenschaftliche Informationsversorgung heute vom Digitalen und dem Openness-Prinzip aus gedacht werden muss. Denn die Wissenschaftspraxis selbst befindet sich in diesem Wandel. Dies wirkt notwendigerweise transformativ auf die wissenschaftsunterst\u00fctzenden Einrichtungen wie Bibliotheken aus.\u00a0\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Antje Michel forscht selbst zu den, wie sie formuliert, \u201cGelingensbedingungen transdisziplin\u00e4rer Forschung\u201d. Die Perspektive reicht, wie f\u00fcr Fachhochschulen durchaus \u00fcblich, \u00fcber die Grenzen der Wissenschaft hinaus in andere Funktionsbereiche der Gesellschaft hinein. In ihrem Fall geht es um den Wissenstransfer an der Schnittstelle zwischen Forschung, Kommunen und Unternehmen auf regionaler Ebene, was auch die Idee der Openness noch einmal anders interpretiert. Je nach Bereich unterscheiden sich die Wahrnehmungen. Neben der Transformation spielen also auch der Transfer und damit auch die wechselseitige Verst\u00e4ndigung nicht zuletzt \u00fcber die divergierende Interessen eine wichtige Rolle. So existiert beispielsweise beim Thema Open Data ein Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Idealismus und Verwertungsmodellen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dass nicht eine L\u00f6sung alles erfasst, gilt auch f\u00fcr die Wissenschaft an sich, denn diese ist fachkulturell sehr heterogen und in ihren Karrierestrukturen durch individuelle Profilierungsanspr\u00fcche gepr\u00e4gt. Openness muss diese Rahmenbedingungen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Studieng\u00e4nge wie die der Bibliotheks- und Informationswissenschaft sollten daher neben einer generellen Handlungskompetenz zur F\u00f6rderung von Openness und den daf\u00fcr n\u00f6tigen digitalen Kompetenzen auch ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Rahmenbedingungen schaffen. Diese im Prinzip wissenschaftssoziologische Vertiefung ist jedoch f\u00fcr grundst\u00e4ndige Bachelorprogramme eine Herausforderung.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auffangen l\u00e4sst sich das m\u00f6glicherweise ein St\u00fcck weit, indem man als Ausbildungseinrichtung selbst Offenheit m\u00f6glichst selbstverst\u00e4ndlich lebt. Die Fachhochschule Potsdam hat sich beispielsweise, so Antje Michel, zu einem \u201cSoziotop f\u00fcr Openness\u201d entwickelt. Neben dem Fachbereich Informationswissenschaften mit seinen Forschungs- und Lehraktivit\u00e4ten finden sich dort auch Openness-Initiativen wie die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg und die Landesfachstelle f\u00fcr Bibliotheken und Archive, die sich ebenfalls sehr stark in Richtung digitale Offenheit entwickelt. Zu erg\u00e4nzen w\u00e4re sicher noch der ausdr\u00fccklich auf Open Access, Open Data und Open Science ausgerichtete Lehrstuhl von Ellen Euler.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Perspektive der Berliner Bibliotheks- und Informationswissenschaft<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das Institut f\u00fcr Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin,\u00a0 in direkter Nachbarschaft\u00a0 des Hauses Unter den Linden der Staatsbibliothek zu Berlin, konnte ab 2006 mit Peter Schirmbacher als Professor f\u00fcr Informationsmanagement einen zentralen Akteur im Bereich digitaler Forschungsinfrastrukturen und Open Access in Deutschland mit einem entsprechenden Schwerpunkt f\u00fcr Forschung und Lehre gewinnen. Diese Pr\u00e4gung wirkt heute fort und differenziert sich weiter aus, wie im Gespr\u00e4chsbeitrag von <strong>Vivien Petras<\/strong>, Professorin und bis vor kurzem Direktorin des Instituts, deutlich wurde. Sie verwies darauf, dass sich auch ein wesentlicher Teil der aktuellen Forschungsschwerpunkte des Instituts (Infrastrukturen und Kulturerbe sowie Open Data, Open Science, Open Access) mit dem Themenfeld Offene Wissenschaft deckt. So hat sich eine bundesland\u00fcbergreifende Partnerschaft mit der Fachhochschule Potsdam im Rahmen des weiterbildenden Studiengangs \u201cDigitales Datenmanagement\u201d entwickelt. Dieser richtet sich an Menschen aus Einrichtungen der wissenschaftlichen Infrastruktur sowie Bibliotheken, Archive, Kommunen und die Wirtschaft. Die von Antje Michel betonte Schnittstellenkompetenz findet hier also direkt eine curriculare Entsprechung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In der Bibliotheks- und Informationswissenschaft ist Konsens, dass Openness eine wissenschaftsimmanente Frage und ein zentrales Transformationsthema ist. Als ein Fach, das in gewisser Weise aus der Perspektive einer Wissenschaftsforschung die Kommunikationsprozesse wissenschaftlicher Disziplinen beforscht, sieht die Bibliotheks- und Informationswissenschaft Openness als wichtiges Forschungsthema.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch Vivien Petras betonte, dass je nach Wissenschaftsdom\u00e4ne oder auch nach Datenobjekt gro\u00dfe Differenzen hinsichtlich Open Data bestehen. Eine Forschungsaufgabe des Faches und damit des Institutes l\u00e4ge also darin, M\u00f6glichkeiten, Grenzen und L\u00f6sungen f\u00fcr offene Daten mit dem jeweiligen analytischen Zuschnitt f\u00fcr die Wissenschaftspraxis zu identifizieren.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Ausbildung kann ein entsprechendes Bewusstsein schaffen und methodisches Wissen vermitteln. Zugleich wies Vivien Petras darauf hin, dass ein dynamisches und komplexes Themenfeld wie Open Access und mehr noch Open Science nicht ersch\u00f6pfend nach einer Kurslogik vermittelt werden kann, sondern eine berufsbegleitende Kompetenzentwicklung erfordert. Zu dynamisch ist die Transformation, und zu spezifisch sind die Anwendungsf\u00e4lle. Wichtig sind daher Angebote zur Fort- und Weiterbildung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Perspektive der Hochschulpolitik<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dass eine kontinuierliche Kompetenzentwicklung der Schl\u00fcssel f\u00fcr eine optimale Gestaltung der Open-Access-Transformation ist, ist auch im Potsdamer Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK) bekannt. Aus guten Gr\u00fcnden ging der Einrichtung der vom Ministerium finanzierten Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg ein Projekt zur Ermittlung entsprechender Bedarfe bei den Mitarbeitenden in den Brandenburger Hochschulen voraus.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Darauf ging <strong>Jan Hauke Pla\u00dfmann<\/strong>, Leiter des zust\u00e4ndigen\u00a0 Referats 23 beim Ministerium allerdings weniger ein. F\u00fcr ihn war es wichtig, noch einmal generell herauszustellen, dass die Hochschul- und Wissenschaftspolitik im Land Brandenburg Openness, Open Access und Open Science als Schl\u00fcsselentwicklungen f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Hochschulen ansieht. In der 2019 ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.3757920\">Open-Access-Strategie des Landes<\/a> bekam diese Einstellung eine konkrete Form. Das Ministerium bekennt sich mit diesem Dokument ausdr\u00fccklich zur F\u00f6rderung von Openness. Dies manifestiert sich in den in der Strategie beschriebenen und in der Umsetzung befindlichen Ma\u00dfnahmen. Besonders greifbar wird dies anhand der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wichtig ist bei diesen Prozessen, dass Wissenschaft und Kultur nicht getrennt betrachtet werden. Hier w\u00fcrde sich auch eine Gemeinsamkeit zu den Open-Access-Aktivit\u00e4ten auf Landesebene in Berlin zeigen, die ebenfalls Akteure des Kulturbereichs einbeziehen. Generell besteht in Bezug auf Open Access eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das Ziel des der Aktivit\u00e4ten im Bereich Openness ist f\u00fcr das Ministerium in \u00dcbereinstimmung mit dem Grundanspruch von Open Access, die Ergebnisse \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Forschung auch so weit wie m\u00f6glich \u00f6ffentlich verf\u00fcgbar zu machen. Folglich geht es nicht nur um Open Access als innerwissenschaftliches Ph\u00e4nomen, sondern ausdr\u00fccklich um den Austausch zwischen den Dom\u00e4nen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. \u00d6ffentlichkeit und \u00f6ffentliche Diskurse sollen auf diesem Weg fundierter und teilhabeorientiert, also inklusiv gestaltet werden.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Aus Sicht der Kompetenzentwicklung w\u00fcrde dies eine Erweiterung der Rolle einer Vermittlung aus der Dom\u00e4ne der wissenschaftlichen Infrastrukturen heraus auf andere gesellschaftliche Teilbereiche bedeuten.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Diskussion<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Diese bemerkenswerte Erweiterung wurde in der anschlie\u00dfenden Diskussion nicht st\u00e4rker vertieft. Der Fokus verschob sich noch einmal auf die Frage nach den infrastrukturellen Aspekten sowie weitere Fragen aus dem Orbit der Openness.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ausgehend von L\u00fccke zwischen dem ideellen Anspruch und der tats\u00e4chlichen Umsetzung von Openness er\u00f6ffnete Vivien Petras eine bisher wenig systematisch adressierte Spannung, die sich aus der sehr interessengeleiteten Perspektive des kommerziellen Sektors auf digitale Daten- und Kommunikationsstrukturen ergibt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Insbesondere gro\u00dfe Digitalunternehmen wie Google, Facebook, Amazon oder Netflix sind in der datengetriebenen Forschung (z.B. im Bereich Information Retrieval) sehr aktiv. Die Forderung nach Offenlegung von Daten und Algorithmen und nach Replizierbarkeit von Forschungsergebnissen greife hier aber nicht. Kommerzielle Akteure k\u00f6nnen naturgem\u00e4\u00df nicht zu Openness verpflichtet werden und argumentierten h\u00e4ufig mit dem Wettbewerbsgeheimnis.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dies k\u00f6nne auf Einstellungsmuster von Forschenden zur\u00fcckwirken. In jedem Fall vertieft sich die Asymmetrie zwischen \u00f6ffentlicher Forschung und der der Industrie. Zugleich ist die Trennung keineswegs scharf, denn auch kommerzielle Akteure werben in gro\u00dfem Umfang \u00f6ffentliche F\u00f6rdergelder ein. Die damit finanzierte Forschung und Entwicklung flie\u00dft auch direkt in die Produktentwicklung ein. Im Rahmen des k\u00fcnstlerisch-kreativen Bereichs spielten laut Ariane Je\u00dfulat wiederum andere Faktoren eine Rolle. Kokreationsprojekte mit Unternehmen seien hier von gro\u00dfer Bedeutung, jedoch durch die formalen Rahmenbedingungen an den \u00f6ffentlichen Einrichtungen h\u00e4ufig erschwert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Anschlie\u00dfend ging es um die Frage, ob sich der Diskurs zur Offenen Wissenschaft von der Auffindbarkeit von Forschungsinhalten zu deren Zurechenbarkeit und also der datenanalytischen und maschinenlesbaren Vernetzung verschiebt. Bibliotheken streben Interoperabilit\u00e4t und Verkn\u00fcpfbarkeit von Metadaten laut Vivien Petras bereits seit langem an. Ariane Je\u00dfulat wies darauf hin, dass es problematisch sein k\u00f6nne, wenn bibliometrische Daten als Grundlage f\u00fcr budgetrelevante Entscheidungen dienen. Dies gilt umso mehr dort, wo Leistungen schwer quantitativ erfassbar sind. Bibliometrische Analysen m\u00fcssten daher laut Vivien Petras von den Akteur*innen verantwortungsvoll verarbeitet werden. Diesbez\u00fcglich kann das <a href=\"http:\/\/www.leidenmanifesto.org\/\">Leiden Manifesto<\/a> als wichtige Orientierung dienen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ausblick &#8211; Quo Vadis Openness?<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Abschlie\u00dfend wurden die W\u00fcnsche der Diskutierenden f\u00fcr die weitere Entwicklung von Offener Wissenschaft zusammengetragen. Elisa Herrmann verbindet mit Offener Wissenschaft allgemein den Wunsch nach einer St\u00e4rkung des gesellschaftlichen Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr die Komplexit\u00e4t der Welt.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Vivien Petras w\u00fcnscht sich, dass das derzeit noch stark an Budgetlinien und individueller Profilierung ausgerichtete Evaluations- und Qualit\u00e4tsbewertungssystem in der Wissenschaft, gem\u00e4\u00df dem Anspruch und der Vision von offener Wissenschaft ver\u00e4ndert wird. Zudem kann eine Offene Wissenschaft in der passenden Umsetzung dazu beitragen, Ungleichheiten auch zwischen Wissenschaftsregionen wie dem globalen S\u00fcden und dem globalen Norden zu reduzieren.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dass die L\u00fccke zwischen dem Bewusstsein f\u00fcr Openness und entsprechenden Richtlinien kleiner werde, w\u00fcnscht sich Antje Michel. Daf\u00fcr sind ausreichende Ressourcen notwendig, da die Kompetenzen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Umsetzung im System nicht selbstverst\u00e4ndlich vorhanden sind. Sie sieht Openness weniger als Selbstzweck, sondern als Strategie, um die Wissenschaft und die mit ihr in Beziehung stehenden Systeme durchl\u00e4ssiger zu machen.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ariane Je\u00dfulat w\u00fcnscht sich, dass der Transformation Zeit gegeben wird und dass das Bewusstsein f\u00fcr die Auseinandersetzung mit komplexen Autor*innenschaften und Kreativrechten bei k\u00fcnstlerischen Werken als Bedingung f\u00fcr das Gelingen von Offener Wissenschaft gest\u00e4rkt wird. Es gibt in den K\u00fcnsten historische gewachsene strukturelle Herausforderung, die zu bew\u00e4ltigen seien. Das gelingt nicht \u00fcber Nacht.\u00a0\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr die Wissenschaftspolitik benannte Jan Hauke Pla\u00dfmann den Wunsch, dass mit den begonnenen Transformationsschritten perspektivisch erreicht wird, dass \u00f6ffentlich finanzierte Forschungsergebnisse tats\u00e4chlich umfassend frei verf\u00fcgbar und nachnutzbar sind. Es bewegt sich zwar viel, jedoch nicht alles, wie man es sich erhofft. Mit Transformationsvereinbarungen mit gro\u00dfen Verlagen wie etwa im Rahmen von Projekt DEAL werde deren Marktposition unter dem Label Open Access zus\u00e4tzlich gest\u00e4rkt. Daher ist eine Diversifizierung und St\u00e4rkung verschiedener, auch wissenschaftsgetragener Publikationsmodelle wichtig, um Effekte wie etwa die Doppelfinanzierung des Zugriffs auf wissenschaftliche Ergebnisse und kostenfreier Arbeitsleistung von Wissenschaftler*innen f\u00fcr kommerziell ausgerichtete Unternehmen zu reduzieren. Bei solchen Ans\u00e4tzen k\u00f6nnte \u00f6ffentliches Geld tats\u00e4chlich prim\u00e4r in die Erzeugung von Forschungsergebnissen und deren freie Zug\u00e4nglichmachung flie\u00dfen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit und Takeaways<\/strong><\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr die zwei Schwerpunkte Kompetenzen und Infrastrukturen lassen sich jeweils einige Aspekte f\u00fcr weiterf\u00fchrende Diskussionen mitnehmen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Transformation zwar einen digitaltechnischen Rahmen hat, die eigentliche Verschiebung aber weniger technische Innovation bedeutet, sondern Kulturwandel. Das deckt sich mit der mittlerweile jahrzehntealten Grundidee von Open Access. Dass wir bereits 20 und mehr Jahre diese Idee reflektieren, unterstreicht noch einmal die Bedeutung des Faktors \u201cZeit\u201d. Die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts ist eine andere als die der Evolution der Einstellungen, Interessen und auch Kompetenzen. Mit den Studieng\u00e4ngen der Bibliotheks- und Informationswissenschaften zum Beispiel in Berlin und Potsdam gibt es zugleich Kompetenzzentren, die Fachkr\u00e4fte f\u00fcr das, wenn man so will, Komplexit\u00e4ts- und Transformationsmanagement zur Openness gezielt qualifizieren. Bibliotheken und, wie das MfN zeigt, auch Museen ben\u00f6tigen Mitarbeitende genau mit diesen Qualifikationsprofilen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zudem lassen sich Openness, Open Science und Open Access nicht mit einem Weg erreichen. Die Kunst und die Universit\u00e4t der K\u00fcnste sind ein perfektes Fallbeispiel f\u00fcr eine Dom\u00e4ne, die zwar hochmotiviert Openness verfolgen m\u00f6chte, f\u00fcr die aber viele L\u00f6sungen zum Beispiel aus der Preprint-Kultur der Naturwissenschaften nicht passen. Openness r\u00fcckt Wissens- und Kreationskulturen zusammen, muss aber zugleich deren jeweilige Logik und Besonderheiten ber\u00fccksichtigen. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die Fachkulturen, sondern auch f\u00fcr informationsethische Aspekte wie die Teilhabem\u00f6glichkeiten, die nicht nur den lesenden Zugang sondern auch das Sichtbarmachen des eigenen Forschungsoutputs, also den Zugang zu Publikationsm\u00f6glichkeiten betreffen. Eine Diversit\u00e4t ist daher auch bei den Publikations- und Bereitsstellungsmodellen zu f\u00f6rdern. Die Wissenschafts- und Hochschulpolitik in Brandenburg und auch anderer Stelle wei\u00df das und setzt entsprechende Impulse.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist \u00fcber das TIB AV Portal verf\u00fcgbar. Von Anita Eppelin und Ben Kaden Bericht zur Veranstaltung #5 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche f\u00fcr Berlin-Brandenburg. F\u00fcr das Gelingen offener Wissenschaft spielen wissenschaftsunterst\u00fctzende Einrichtungen und dabei insbesondere Bibliotheken naturgem\u00e4\u00df eine gro\u00dfe Rolle. 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