{"id":991,"date":"2022-05-05T09:15:20","date_gmt":"2022-05-05T07:15:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/?p=991"},"modified":"2024-02-13T17:40:06","modified_gmt":"2024-02-13T16:40:06","slug":"openglam-landesinitiative-open-research","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/05\/05\/openglam-landesinitiative-open-research\/","title":{"rendered":"Berlin Open GLAM \u2013 Quo Vadis Landesinitiative?"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Der Online-Workshop <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/02\/14\/berlin-open-glam-open-access-praktiken-in-berlins-kulturerbeinstitutionen\/\">Berlin Open GLAM: Open-Access-Praktiken in Berlins Kulturerbeinstitutionen<\/a> brachte Vertreter*innen von Berliner Kulturerbeeinrichtungen und Professionelle aus dem \u00fcberregionalem Open GLAM-Bereich zusammen. Der Workshop wurde in Kooperation mit dem Open-Access-B\u00fcro Berlin und dem <a href=\"https:\/\/www.digis-berlin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (<em>digiS<\/em>)<\/a> ausgerichtet, um die Ergebnisse einer Interviewstudie vorzustellen und zu diskutieren. Im Rahmen des von der Berlin University Alliance (BUA) gef\u00f6rderten Projektes \u201e<a href=\"http:\/\/www.open-access-berlin.de\/projekte\/berlin_open_research\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berlin Open Research and Culture<\/a> (2020-2022)\u201c befragten die Kolleginnen Violeta Trkulja und Juliane Stiller von <a href=\"http:\/\/www.you-we-digital.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">You, We &amp; Digital<\/a> im Herbst 2021 ausgew\u00e4hlte Berliner Kulturerbeeinrichtungen zu ihren Open-Access-Praktiken. Die Ergebnisse <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.6517802\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">pr\u00e4sentierten <\/a>sie zu Beginn des Workshops. Der gemeinsam mit dem Open-Access-B\u00fcro Berlin erstellte Bericht zu den Ergebnissen wurde nun ver\u00f6ffentlicht und ist <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.6499177\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> nachzulesen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im Jahr 2020 brachte die <a href=\"http:\/\/www.open-access-berlin.de\/aktivitaeten\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AG Open-Access-Strategie Berlin<\/a> die <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2022\/03\/15\/empfehlung-fuer-eine-landesinitiative-open-research-berlin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Empfehlung einer Landesinitiative Open Research Berlin <\/a>auf den Weg. Im Workshop hatten die Teilnehmenden die M\u00f6glichkeit ihre Kooperationsbedarfe und -potentiale zum Bereich Open Research einzubringen. Orientiert an den Schwerpunkten der <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.6499177\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie<\/a> fand ein Austausch an virtuellen Gruppentischen zu den Themen Rechtsfragen, Nachhaltigkeit, Kooperation und Standardisierung statt. Eigene Erfahrungen, formulierte Ziele der Einrichtungen oder die daraus resultierenden Herausforderungen wurden gemeinsam adressiert.<br \/>Nachfolgend werden die wichtigsten Takeaways aus den einzelnen Diskussionsgruppen vorgestellt. \u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Rechtsfragen<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Neben den zentralen Herausforderungen insbesondere zur Wahl angemessener Creative-Commons-Lizenzen f\u00fcr Objektdigitalisate traten die Teilnehmenden in eine wissenschaftsethische Auseinandersetzung \u00fcber die Formen und Grenzen wissenschaftlicher Arbeit und der Objektdigitalisierung ein. Wo Dokumente personenbezogene Daten und Kontextualisierungen sichtbar machen oder personenbezogene Zeugnisse bestehen, ist zu beleuchten, inwieweit Elemente ihrer Biografie ohne eine ausdr\u00fcckliche entsprechende Zustimmung unter entsprechenden freien Lizenzen f\u00fcr eine Nachnutzung bereitgestellt werden k\u00f6nnen und sollten.<br \/>Neben dem formalisierten Rechtsrahmen wirken bei Kulturg\u00fctern oft Anforderungen, die weniger formaljuristisch als wissenschaftsethisch zu adressieren w\u00e4ren. Bereits die Kontextualisierung in den analogen Sammlungen und Ausstellungen sei h\u00e4ufig eine Herausforderung. Zur Offenheit m\u00fcsse daher, so eine Perspektive, wenigstens die Bedingung in Form einer kompletten transparenten Dokumentation der Provenienzlinien, der Objektgeschichte sowie der digitalen Objektifizierungsprozesse erf\u00fcllt sein.<br \/>Es bleibt zu hinterfragen, inwieweit gerade westliche und postkoloniale Wissenspraxen auf die kulturellen Anforderungen und Besonderheiten der entsprechenden Kulturen R\u00fccksicht n\u00e4hmen und im Zweifel einen Forschungsverzicht akzeptieren m\u00fcssten. Eine Orientierung k\u00f6nnen die sogenannten <a href=\"https:\/\/www.gida-global.org\/care\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CARE Principles for Indigenous Data Governance<\/a> bieten, die als Erg\u00e4nzung zu den <a href=\"https:\/\/www.go-fair.org\/fair-principles\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship<\/a> dienen. Ob sie in allen Anwendungskontexten wirklich zu L\u00f6sungen f\u00fchren k\u00f6nnen, bleibt offen. Die Anerkennung kultureller Spezifit\u00e4t steht einer Schematisierung und Verallgemeinerung entgegen. Im Zweifel bleibe die individuelle Bewertung des jeweiligen Kontextes, Objektes und eine entsprechende Absch\u00e4tzung m\u00f6glicher Folgen einer Bereitstellung zentral.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Nachhaltigkeit<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nachhaltigkeit von Beginn an mitdenken \u2013 so lautete das Credo der Diskussionsgruppe. Der Projektcharakter vieler Aktivit\u00e4ten im GLAM-Bereich bringt entsprechende Herausforderungen mit sich. Dazu geh\u00f6rt, dass der langfristige Kompetenzaufbau an den Einrichtungen erschwert wird und viel Wert auf Wissensmanagement und -transfer gelegt werden muss, um in Projekten aufgebautes Wissen nachhaltig zu sichern &#8211; insbesondere wenn viel Personalwechsel stattfindet oder Projekte abgeschlossen werden. Sowohl Wissensmanagement als auch Strategien zum nachhaltigen Aufbau von Services und Infrastruktur sowie langfristige Verf\u00fcgbarkeit sind zentrale Aspekte, die von Projektbeginn an mitgedacht werden sollten. Diese Punkte sollten auch in einer Landesinitiative Ber\u00fccksichtigung finden. Eine zentrale L\u00f6sung f\u00fcr die Langzeitarchivierung von Forschungsdaten gerade f\u00fcr kleinere Einrichtungen ohne eigene Angebote wird in der Empfehlung bereits adressiert und sollte f\u00fcr Objekte aus den Kulturerebeeinrichtungen spezifiziert werden. Dar\u00fcber hinaus besteht der Wunsch nach einer Erfassung bereits vorhandener Initiativen und Projekte insbesondere im Berliner Raum, um vorhandene L\u00f6sungen nachnutzen zu k\u00f6nnen bzw. darauf aufzubauen. Ein solches &#8222;Open GLAM Mapping&#8220; k\u00f6nnte auch im Rahmen einer Landesinitiative aufgenommen werden. Konkret wurde in diesem Zusammenhang auch \u00fcber eine Form der transparenten und offen verf\u00fcgbaren Projektdokumentation diskutiert. \u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Kooperation<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Auswertung der Interviewstudie zeigt den Bedarf nach mehr Kooperation in verschiedenen Bereichen, die auch nochmal von den Diskutant*innen in der Break-out-Session genannt wurden: technische Infrastruktur(en), Rechtsexpertise, Informationsmanagement. Wichtig seien nicht nur \u201cshared resources\u201d in vielen einzelnen Teilbereichen, sondern auch gemeinsame Nutzung von Strukturen und der Austausch von Good-Practice-Beispielen. Besondere Relevanz wurde einem gemeinsamen Pool an Ansprechpersonen zugesprochen, mit denen man sich vernetzen kann und die bei Fragen weiterhelfen und vermitteln k\u00f6nnen.<br \/>Inwiefern kann jedoch ein kooperatives Handeln zwischen Universit\u00e4ten\/Hochschulen und OpenGLAM-Einrichtungen ausgestaltet werden? Hier wurde der Wunsch nach einem gemeinsamen Verst\u00e4ndnis von Open Access genannt, das man erarbeiten sollte. N\u00fctzlich daf\u00fcr ist der Ausbau eines Netzwerks, Fortbildungsangebote zum Thema oder eine gemeinsam genutzte Arbeitsgrundlage, bspw. in Form eines Wiki. Weiterhin k\u00f6nnten in Kooperationen zwischen Hochschulen und OpenGLAM-Einrichtungen Studierende und andere Hochschulangeh\u00f6rige mehr \u00fcber die Best\u00e4nde und das berufliche Umfeld im Museen lernen. Museen wiederum k\u00f6nnten vom Train-the-Trainer Ansatz, der in Bezug auf Open Access an Universit\u00e4ten gro\u00dfe Bedeutung hat, profitieren und somit Open Access weiter in ihre Einrichtungen tragen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Standardisierung<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Welcher Standardisierung bedarf es, um offene Kulturdaten zur Verf\u00fcgung zu stellen? Diese Frage wurde von den Diskutant*innen auf zweierlei Weise beantwortet: Einerseits bedarf es der Verwendung von Standard-Datenformaten wie LIDO, EDM, EAD, Marc, RDF, und andererseits aber auch den Standards, die die Auszeichnung von Inhalten unterst\u00fctzen \u2013 wie GND, ULAN, AAT oder WikiData. Damit eine Verwendung gew\u00e4hrleistet werden kann, sollten kontrollierte Vokabulare (z.B. Thesauri) stets auch \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sein. Bei der Frage, welche H\u00fcrden einer Standardisierung von offenen Kulturdaten entgegenstehen wurde explizit das Hinzuf\u00fcgen neuer Normdaten in der GND genannt.<br \/>Des Weiteren stehen der Standardisierung offener Kulturdaten auch fehlende Schnittschnellen entgegen. Hier wurden insbesondere Exportschnittstellen in Katalogsystemen und anderen Datenbanken diskutiert, die zur &#8222;einfachen&#8220; \u00dcbergabe von Metadaten an Portale erforderlich sind. Eine weitere H\u00fcrde stellt die Infrastruktur f\u00fcr die Bereitstellung von Daten dar. Die lokale Verortung von Datenbanksystemen in einigen Einrichtungen als auch die knappen Personalressourcen stehen einer dezentralen On-Demand-L\u00f6sung entgegen. Aber auch f\u00fcr die digitale Objektpr\u00e4sentation braucht es mehr Personalressourcen. Wenn die digitale Erfassung t\u00e4gliche Praxis in den Museen ist, werden f\u00fcr die Bereitstellung und Nutzbarmachung der digitalen Objekte (Informationen, Bilder, Audio- und Videodateien) weitere finanzielle als auch personelle Ressourcen ben\u00f6tigt. Dieser Aspekt sollte in einer Landesinitiative ebenfalls Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quo vadis Landesinititative?<\/strong><\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der Workshop zeigte, dass sich die Berliner Kulturerbeeinrichtungen bereits auf dem Weg zu mehr Openness befinden. Gleichzeitig besteht ein starker Wunsch nach Austausch. Eine Landesinitiative Open Research Berlin kann den Wissenstransfer zwischen allen Berliner wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen st\u00e4rken. Die Etablierung eines entsprechenden Netzwerks k\u00f6nnte die Einrichtungen mit Fortbildungsangeboten unterst\u00fctzen und Raum f\u00fcr den direkten Austausch erm\u00f6glichen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ausgehend von den CARE-Prinzipien wurde deutlich, dass neben rechtlichen auch ethische Fragen der Objektdigitalisierung in einer nachhaltigen OpenGLAM-Strategieentwicklung mitbedacht werden m\u00fcssen. Eine Beratung komplement\u00e4r oder erg\u00e4nzend zu einer rechtlichen Clearingstelle w\u00e4re hier denkbar.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Knappe Ressourcen und unterschiedlich gelagerte Herausforderungen zeigen die gew\u00fcnschten Unterst\u00fctzungsangebote seitens des Landes auf, die sich auf die Punkte Kooperation, Unterst\u00fctzung bei rechtlichen und ethischen Aspekten sowie Nachhaltigkeit konzentrieren. Eine Landesinitiative Open Research Berlin wird von allen Teilnehmenden begr\u00fc\u00dft.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Online-Workshop Berlin Open GLAM: Open-Access-Praktiken in Berlins Kulturerbeinstitutionen brachte Vertreter*innen von Berliner Kulturerbeeinrichtungen und Professionelle aus dem \u00fcberregionalem Open GLAM-Bereich zusammen. Der Workshop wurde in Kooperation mit dem Open-Access-B\u00fcro Berlin und dem Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS) ausgerichtet, um die Ergebnisse einer Interviewstudie vorzustellen und zu diskutieren. 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