Open Research soll der Standard für die Produktion, Vermittlung und Nachnutzung von Wissen in Berlin werden: Auf dieses strategische Ziel haben sich Vertreter*innen der Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen in einem neuen Positionspapier geeinigt. Verfasst hat das Papier die Landesinitiative Open Research Berlin, der Prozess wurde durch das Open Research Office Berlin koordiniert. Hintergründe und Inhalt des neuen Papiers werden im Folgenden kurz erläutert. Mit der Veröffentlichung startet eine öffentliche Kommentierungsphase, so dass sich alle Interessierten einbringen und den Prozess mitgestalten können.
Warum ein neues Positionspapier?
Die Landesinitiative Open Research Berlin ist ein Zusammenschluss von Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen. Hervorgangen ist die Landesinitiative aus der 2014 vom Berliner Wissenschaftssenat einberufenen AG Open-Access-Strategie Berlin. Mit der Verabschiedung der Open-Access-Strategie Berlin (2015) durch das Berliner Abgeordnetenhaus wurde die Grundlage geschaffen, den offenen Zugang und eine umfassende Nutzbarkeit im Sinne von Open Access für Publikationen, Forschungsdaten und Kulturdaten zu etablieren. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Aufnahme von Open Research in das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG): In Paragraph 41 werden Open Access und Open Science definiert und der Auftrag der Hochschulen beschrieben.

Nun geht die Landesinitiative Open Research Berlin – gut zehn Jahre nach der Open-Access-Strategie – den nächsten Schritt: Im neuen Positionspapier zur Entwicklung von Open Research in Berlin (2026) wurden in einem partizipativen Prozess zahlreiche Vorschläge erarbeitet, wie die Aktivitäten zur Förderung von Open Access auf Open Research ausgeweitet und Koordination und Kooperation im Berliner Forschungsraum weiterentwickelt werden können.
Grund dafür ist, dass Open Research Wissenschaft besser, wirksamer, gerechter und resilienter macht. Dafür brauchen die Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen gezielte Investitionen in Infrastruktur, Qualifizierung und Anreizsysteme. Die Prinzipien von Open Research – Transparenz, Partizipation, Fairness und Diversität – sind für demokratische Aushandlung, Meinungsbildung und das Gemeinwohl der Stadtgesellschaft entscheidend. Auch deshalb braucht das Land Berlin ein koordiniertes Vorgehen zusammen mit den Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen.
Eine nachfolgende, gemeinsame Open‑Research‑Strategie von Land und Hochschulen, wie sie in den Hochschulverträgen 2024–2028 vereinbart wurde, soll die Forschungspotenziale Berlins im Bereich Wissenschaft und Kulturerbe besser erschließen und die Standortvorteile stärken. Das nun von der Landesinitiative veröffentlichte Positionspapier dient als Diskussionsgrundlage für die Ausarbeitung dieser gemeinsamen Strategie.
Zum Inhalt des Positionspapiers
Neben der Open‑Access‑Strategie von 2015 stützt sich die Landesinitiative für ihr Verständnis von Open Research auf das Berliner Hochschulgesetz (2021) sowie auf die UNESCO‑Empfehlung zu Open Science (2021). Daraus ergibt sich unter anderem der Anspruch der Landesinitiative, die Bereiche Wissenschaft und Kultur gleichwertig zu adressieren und bei der Formulierung der strategischen Maßnahmen gemeinsam zu berücksichtigen (vgl. S. 4).
Zur Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsraums in Berlin sind die Prinzipien von Open Research von zentraler Bedeutung. Nach einer Analyse der derzeitigen Situation, Bedarfe und Potentiale für Open Research am Standort Berlin identifiziert die Landesinitiative drei Standortvorteile für Wissenschaft und Kultur (S.5-6):
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- der Wissensstransfer und die Vermittlung von Kunst und Kulturerbe;
- die Stärkung und Entwicklung von digitaler Souveränität und Resilienz
- sowie von gezielter Kooperation und gemeinsamer Infrastruktur
Offene und kooperativ getragene Informationsinfrastrukturen sieht die Landesinitiative als wesentliche Voraussetzung dafür, damit die Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen ihre digitale Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit erhalten und stärken können. Konkret fasst das Positionspapier den Handlungsbedarf in vier übergreifenden Themen mit insgesamt neun Zielen zusammen. Jedes Thema enthält zwei bzw. drei Ziele:
Thema 1: Kulturen der Offenheit
„Verbesserte strukturelle Bedingungen gewährleisten die Anerkennung von Open Research.“
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- Anerkennung von Open Research
- Kompetenzen für Open Research
- Rechtssicherheit für Open Research
Thema 2: Souveräne Wissensökosysteme
„Die kooperative, selbstbestimmte und nachhaltige Gestaltung bedingt die Stärkung und Resilienz offener Informationsinfrastrukturen.“
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- Robuste Informationsinfrastrukturen
- Engagement zur Unterstützung von Open Research
Thema 3: Faire Finanzierung
„Eine transparente Finanzierung berücksichtigt Prinzipien der Offenheit und Wissensgerechtigkeit.“
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- Transparente Finanzierungsmodelle
- Koordinierte Transformation und Diversifizierung des Investitionsverhaltens
Thema 4: Open Research Monitoring
„Open Research wird in diversen Kontexten mit angemessenen Methoden begleitet, beobachtet und dokumentiert.“
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- Beobachtung und Dokumentation von Open Research
- Ziele und Methoden für das Open Research Monitoring
Wie es nun weitergeht
Die einzelnen Ziele werden jeweils in weniger Absätzen prägnant dargestellt und mit konkreten Vorschlägen für geeignete Maßnahmen konturiert. Das Thema Open Research ist äußerst facettenreich, berührt mindestens die Domänen Wissenschaft und Kultur und umspannt prinzipiell alle Zyklen des Forschungsprozesses. Aufgrund dieser Komplexität schlägt die Landesinitiative in dem Positionspapier die Bildung von einrichtungsübergreifenden Arbeitsgemeinschaften vor, die im weiteren Verlauf Maßnahmen in einer Agenda konzipieren und bei der Umsetzung verfolgen.
Fachgemeinschaften und die interessierte Öffentlichkeit erhalten die Möglichkeit, das Positionspapier zu begutachten, zu kommentieren und sich auf diese Weise jetzt und im weiteren Prozess einzubringen. Das Positionspapier wird daher unter anderem auf der Plattform PubPub veröffentlicht. Dort steht es allen Interessierten für ein Open Peer Review zur Verfügung.
Zur Publikation des Positionspapiers
Die Landesinitiative Open Research Berlin veröffentlicht das Positionspapier in diesen zwei Versionen:
1. Öffentliche Kommentierung bei PubPub
alternativ zum DOI führt dieser Link zum PubPub: https://oabb.pubpub.org/pub/positionspapier-open-research-berlin/release/1
2. PDF im Repositorium der FU Berlin
Addendum zum Konsultationsprozess
Zur Erläuterung des bisherigen Konsultationsprozesses veröffentlicht das Open Research Office Berlin ein kurzes Addendum:
Kontakt
Open Research Office Berlin (OROB) – Landeskoordinierungsstelle für offene Wissenschaft
c/o Freie Universität Berlin, Universitätsbibliothek, Garystraße 39, 14195 Berlin
E-Mail: team[at]open-research-berlin.de
Website: www.open-research-berlin.de
Zitierhinweis für diesen Blogpost: Neufend, M. (2026): Berliner Landesinitiative veröffentlicht Positionspapier zur Entwicklung von Open Research. Open Research Blog Berlin. https://doi.org/10.59350/095nq-pd042.

