{"id":3566,"date":"2025-10-20T08:00:33","date_gmt":"2025-10-20T06:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/?p=3566"},"modified":"2026-10-06T19:12:57","modified_gmt":"2026-10-06T17:12:57","slug":"thies-johannsen-interview-open-access-week-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/2025\/10\/20\/thies-johannsen-interview-open-access-week-2025\/","title":{"rendered":"Thies Johannsen im Interview: \u201eWissen wird nicht weniger, wenn es geteilt wird, sondern es wird mehr und es wird besser.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Gastbeitrag des Open-Access-Teams der TU Berlin<\/strong><\/p>\n<p>Bereits seit 2017 nutzt\u00a0das Open-Access-Team der Technischen Universit\u00e4t Berlin die internationale Open Access Week daf\u00fcr, um mit Angeh\u00f6rigen der TU Berlin ins Gespr\u00e4ch zu kommen und Einblicke in die Perspektive von Forschenden auf Open-Access-Praktiken zu erhalten. Die so gewachsene\u00a0<a href=\"https:\/\/blogs.ub.tu-berlin.de\/publizieren\/tags\/interviewreihe\/\">Interviewreihe<\/a>\u00a0ist bislang im Blog \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.ub.tu-berlin.de\/publizieren\">Publizieren an der TU Berlin<\/a>\u201c erschienen.<\/p>\n<p>Auch in diesem Jahr haben wir vom Open-Access-Team wieder Wissenschaftler*innen der TU Berlin gefragt: \u201eWie halten sie es mit Open Access?\u201c Und wir freuen uns, die drei Gespr\u00e4che hier im Open Research Blog Berlin ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Den Auftakt macht in diesem Jahr Dr. Thies Johannsen vom\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tu.berlin\/go24955\/\">Fachgebiet Konstruktion von Maschinensystemen der TU Berlin<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berlin-university-alliance.de\/en\/commitments\/research-quality\/open-science\/os-botschafter-innen\/index.html\">Open Science Ambassador der Berlin University Alliance<\/a>. Seiner Ansicht nach tr\u00e4gt Open Access dazu bei, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur breiter zug\u00e4nglich, sondern auch besser und sozial robuster werden. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass Open Access zur wissenschaftlichen Praxis geh\u00f6ren sollte, wie auch gute wissenschaftliche Standards.<\/p>\n<p><strong> <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-wcstandard wp-image-3567\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-550x390.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-550x390.jpg 550w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-300x213.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-1024x726.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-768x545.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-1536x1089.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-2048x1453.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-1200x851.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-250x177.jpg 250w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-800x567.jpg 800w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-254x180.jpg 254w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-423x300.jpg 423w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-705x500.jpg 705w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-210x150.jpg 210w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/files\/2025\/10\/OA-Week-2025-Thies-Levsen-Johannsen-DIN-A1-quer-20251008-400x285.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 85vw, 550px\" \/><\/a><\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Team Open Access der TU Berlin: Open Access ist ein strategisches Ziel der TU Berlin und der BUA. Wie sieht das in Ihrem Forschungsalltag aus? In welchen Kontexten nehmen Sie Diskussionen zu Open Access wahr?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thies Johannsen:<\/strong> Dass die Berlin University Alliance bereits 2023 ein gemeinsames <a href=\"https:\/\/www.berlin-university-alliance.de\/commitments\/research-quality\/open-science\/Leitbild-fuer-OS\/index.html\">Leitbild f\u00fcr offene Wissenschaft<\/a> verabschiedet hat, ist ein wichtiger, richtiger und notwendiger Schritt. Dieses Leitbild wird auf zwei Ebenen gelebt: Nach au\u00dfen wirkt die Allianz mit einer umfassenden Wissenschaftskommunikationskampagne in die Metropolregion Berlin hinein und \u00f6ffnet sich gezielt f\u00fcr gesellschaftliche Akteur*innen. Nach innen wirkt sie durch Initiativen wie das <a href=\"https:\/\/www.berlin-university-alliance.de\/en\/commitments\/research-quality\/open-science\/os-botschafter-innen\/index.html\">Open Science Ambassador-Programm<\/a>, an dem ich mitwirken darf. Als Multiplikator*innen setzen wir uns daf\u00fcr ein, Open Science an unseren Institutionen sichtbarer und wirksamer zu machen.<\/p>\n<p>Dabei konkurrieren wir allerdings mit einer Vielzahl anderer, teils ebenfalls forschungsnaher Initiativen um die knappe Ressource Aufmerksamkeit der Forschenden. In gewisser Weise ist die Berlin University Alliance damit auch Opfer ihres eigenen Erfolgs, weil die hohe Dichte an Aktivit\u00e4ten zu einer gewissen S\u00e4ttigung f\u00fchren kann. Wissenschaftler*innen k\u00f6nnen Open Science im Alltag als zus\u00e4tzliche Aufgabe wahrnehmen \u2013 neben hoher Lehrverpflichtung, dem Anspruch, exzellente Forschung zu betreiben, und einer zunehmend angespannten finanziellen und damit unsicheren Lage. Dies gilt umso mehr, wenn Wissen \u00fcber das Thema fehlt und diese Unsicherheit versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Diesen Vorbehalt kenne ich auch aus meiner Arbeit im Wissens- und Technologietransfer sowie in transdisziplin\u00e4ren Forschungskontexten. Dabei lassen sich bereits mit minimalem Aufwand, etwa durch Sichtbarmachung existierender, aber bislang nicht benannter Praktiken, gro\u00dfe Wirkungen erzielen. Ein Beispiel: Am Institut f\u00fcr Konstruktion von Maschinensystemen arbeiten wir h\u00e4ufig an individuell konstruierten Versuchsanlagen. Die Bereitstellung von Daten nach den <a href=\"https:\/\/www.tu.berlin\/go131013\/#c841957\">FAIR-Prinzip<\/a> \u2013 das Akronym steht f\u00fcr Findable, Accessible, Interoperable und Reusable \u2013 ist hier komplex und erfordert zus\u00e4tzliche Anstrengungen. Das l\u00e4sst sich nicht immer unmittelbar vermitteln. Hier sind strukturelle Anreize erforderlich.<\/p>\n<pre><u>\u00dcber den Interviewpartner:<\/u> <strong>Thies Johannsen<\/strong> lehrt und forscht an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den MINT-Disziplinen. In seiner Forschung besch\u00e4ftigt er sich mit Kompetenzen f\u00fcr innovationsorientiertes Transferhandeln, f\u00fcr die Zukunftsf\u00e4higkeit von Absolvent*innen und eine ganzheitliche Ingenieur*innenausbildung. Er ber\u00e4t Hochschulen, Unternehmen und Organisationen zu entsprechenden Transformations- und Qualifizierungsprozessen.<\/pre>\n<p>Gleichzeitig liegt genau darin ein enormes Potenzial: Daten \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen, sie als Preprints zur Diskussion zu stellen, als Open Data anschlussf\u00e4hig zur Verf\u00fcgung zu stellen, kann die eigene Forschung sichtbarer machen und damit auch den individuellen Impact und die Karrierechancen deutlich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>An unserer Fakult\u00e4t verfolgen wir erste Ans\u00e4tze, dieses Thema fr\u00fchzeitig in die Lehre zu integrieren, und zwar nicht durch aufw\u00e4ndige Neukonzeptionen der Curricula, sondern durch gezielte Aktivierung vorhandener Potenziale. So f\u00fchren wir Studierende und angehende Wissenschaftler*innen behutsam an das Thema heran. Open Access und Open Science sind dabei keine blo\u00dfen Add-ons, sondern werden als integrale Bestandteile guter wissenschaftlicher Praxis vermittelt. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass sie in das disziplin\u00e4re Selbstverst\u00e4ndnis \u00fcbergehen und entsprechend gelebt werden.<\/p>\n<p><strong>Open Access hat den offenen Zugang zu wissenschaftlicher Information zum Ziel. Was haben Sie in der Vergangenheit daf\u00fcr getan, damit Ihre Forschungsergebnisse frei zug\u00e4nglich sind? Wollen Sie das in Zukunft weiter ausbauen? Und was brauchen Sie daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Die Zug\u00e4nglichkeit wissenschaftlicher Ergebnisse ist f\u00fcr mich nicht nur eine Frage der \u00f6ffentlichen Finanzierung, obwohl auch diese einen wichtigen Rahmen setzt. Ich selbst bin in einem Drittmittelprojekt t\u00e4tig, das zun\u00e4chst vom BMBF und inzwischen vom BMFTR gef\u00f6rdert wird. Daraus ergibt sich f\u00fcr mich eine klare ethische und legitimatorische Verantwortung, meine Forschungsergebnisse zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Auch pers\u00f6nlich profitiere ich davon. Durch Open Access erreiche ich meine Zielgruppe leichter und kann mit meiner Arbeit eine st\u00e4rkere Wirkung entfalten. Deshalb habe ich im Rahmen meines Projekts unter einer <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/deed.de\">CC BY 4.0-Lizenz<\/a> publiziert und diese M\u00f6glichkeit auch f\u00fcr mein Team geschaffen.<\/p>\n<p>Besonders hervorheben m\u00f6chte ich an dieser Stelle die Rolle der Universit\u00e4tsbibliothek, die mit einem eigenen Fonds f\u00fcr Open-Access-Publikationen sehr konkret unterst\u00fctzt. Das ist ein deutliches Signal f\u00fcr die institutionelle Verankerung von Open Access an der TU Berlin.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es niedrigschwellige, aber sehr wirksame Infrastrukturen wie <a href=\"https:\/\/zenodo.org\/\">Zenodo<\/a>. Dabei handelt es sich um ein Repositorium, das von der EU, OpenAIRE und CERN betrieben wird. Es erm\u00f6glicht die Ver\u00f6ffentlichung unter Creative-Commons-Lizenz und stellt dabei einen DOI zur Verf\u00fcgung. Das ist gerade deshalb relevant, weil so auch nicht-klassische Publikationsformate wie Poster, Templates, Lehrmaterialien oder audiovisuelle Beitr\u00e4ge zitierf\u00e4hig werden und damit auf die f\u00fcr wissenschaftliche Karrieren nach wie vor zentrale W\u00e4hrung \u201ePublikationen\u201c einzahlen. Auch forschungsnahe Lehrinhalte lassen sich auf diese Weise ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Um eine Open-Access-Kultur nachhaltig zu st\u00e4rken, braucht es meines Erachtens vor allem den R\u00fcckhalt durch die unmittelbaren F\u00fchrungskr\u00e4fte. Open Access darf kein optionales Extra sein, das auf Nachfrage erm\u00f6glicht wird, sondern sollte ebenso selbstverst\u00e4ndlich zur wissenschaftlichen Praxis geh\u00f6ren wie gute wissenschaftliche Standards insgesamt. Das setzt eine klare Positionierung auf Fachgebietsebene voraus.<\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnen Vorbilder ebenso wie externe Erwartungen eine wichtige Rolle spielen und dazu beitragen, dass nicht nur individuelle Laufbahnen gest\u00e4rkt, sondern auch die gesellschaftliche Relevanz und Verantwortung von Wissenschaft insgesamt sichtbarer wird.<\/p>\n<p><strong>Gab es bereits konkrete Situationen in Ihrem Forschungsalltag, in denen Open Access hilfreich war?<\/strong><\/p>\n<p>Ein besonders anschauliches Beispiel betrifft die systematische Literaturrecherche. Hier sto\u00dfen wir nach wie vor h\u00e4ufig auf Paywalls, und dass trotz zunehmender Open\u2011Access\u2011Anteile. Gerade bei einer strukturierten Literaturanalyse fehlt oft der freie Zugriff auf entscheidende Quellen. Erfreulicherweise nimmt der freie Zugang in den letzten Jahren deutlich zu.<\/p>\n<p>Ein zweites Beispiel sind die Daten, die das <a href=\"https:\/\/www.dzhw.eu\/\">Deutsche Zentrum f\u00fcr Hochschul- und Wissenschaftsforschung<\/a> (DZHW) erhoben hat und mit denen wir aktuell arbeiten. In der 21. Sozialerhebung wurden knapp 55.000 Studierendenbefragungen ausgewertet, in der 22. Sozialerhebung sogar rund 188.000 Studierende an 250 Hochschulen befragt. Ein solcher Datensatz ist in den meisten Einzelprojekten nicht darstellbar, erm\u00f6glichte aber durch die sekund\u00e4re Auswertung enormen Erkenntnisgewinn.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich m\u00f6chte ich auf eine <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.24406\/publica-3408\">Erhebung<\/a> hinweisen, die wir in einem unserer eigenen Projekte durchgef\u00fchrt haben. Darin haben wir \u00fcber 1.000 Wissenschaftler*innen zum Thema Transfer befragt und diese Daten im Anschluss aufbereitet und frei zug\u00e4nglich gemacht. Das schafft nicht nur Transparenz, sondern bef\u00e4higt andere Forschungsteams, auf diesen Ergebnissen aufzubauen und Impulse im Diskurs zu setzen. F\u00fcr uns selbst gewinnen die Ergebnisse dadurch zus\u00e4tzlich an Gewicht, weil sie nicht als singul\u00e4rer Beitrag, sondern als Grundlage einer eigenst\u00e4ndigen Debatte in der Community dienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Damit eine fl\u00e4chendeckende Umstellung zu Open Access gelingen kann, sind \u00c4nderungen in ganz verschiedenen Bereichen erforderlich \u2013 u.a. Finanzierungsstrukturen, Kriterien der Forschungsbewertung und Berufungsverfahren, Ausbau von alternativen Publikationsangeboten, Governance von Publikationsorganen&#8230; Welche Aspekte sollte die TU Ihrer Meinung nach in den n\u00e4chsten Jahren priorisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Um Open Access tats\u00e4chlich in der Breite zu leben, braucht es an einer gro\u00dfen, komplexen Universit\u00e4t wie der TU Berlin nicht weniger als einen echten Kulturwandel. Das bedeutet, kein einzelner Aspekt kann f\u00fcr sich allein wirken, weder F\u00fchrung, Anreizsetzung, Beteiligung oder Kommunikation. Erst im Zusammenspiel entfalten diese Faktoren ihre transformative Kraft. Gefragt ist also eine \u00fcbergreifende, strategisch geplante und partizipativ sowie iterativ umgesetzte Organisationsentwicklung.<\/p>\n<p>Was es daf\u00fcr braucht, ist zun\u00e4chst eine klare Vision. Vorbild k\u00f6nnte die Transferstrategie sein, die wir gemeinsam an der TU Berlin entwickelt und verabschiedet haben. Auch dort ging es darum, ein Querschnittsthema in Forschung und Lehre zu integrieren und strukturell mitzudenken. Eine solche Vision muss auf Leitungsebene verankert und glaubw\u00fcrdig vertreten sein. Es braucht eine authentische Ressortzugeh\u00f6rigkeit im Pr\u00e4sidium, also eine Person, die Open Access mit \u00dcberzeugung lebt, kommuniziert und vorantreibt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig braucht es universit\u00e4tsgem\u00e4\u00dfe Beteiligungsformate f\u00fcr die Fakult\u00e4ten, die zentralen und dezentralen Gremien und letztlich auch f\u00fcr die Fachgebiete selbst. Nur so entsteht echte Mitverantwortung. Dieser Wandel muss zudem strategisch abgesichert werden. Das kann zum Beispiel durch die Integration von Open-Access-Kriterien in Leistungsindikatoren, Forschungsberichten und Berufungsverhandlungen geschehen.<\/p>\n<p>Ein weiterer entscheidender Punkt sind finanzielle Rahmenbedingungen. Publikationskosten d\u00fcrfen kein Hindernis sein. Das gilt in gleichem Ma\u00dfe f\u00fcr b\u00fcrokratische H\u00fcrden. Hier braucht es schlanke Prozesse, damit Wissenschaftler*innen Zeit f\u00fcr Lehre und Forschung haben. Die Universit\u00e4t beziehungsweise die Berlin University Allianz muss dort gezielt unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt braucht es Sichtbarkeit. Erfolge m\u00fcssen nach innen wie nach au\u00dfen deutlich gemacht werden. Das kann durch Formate wie den Neujahrsempfang der TU oder durch Beitr\u00e4ge in hochschul\u00fcbergreifenden Publikationsorganen wie dem Magazin der Berlin University Alliance <em>Wir\/Vier<\/em> erfolgen. Auch die Open Science Ambassador-Initiative ist in diesem Kontext ein starkes Signal. Sie schafft Sichtbarkeit f\u00fcr das Thema, vernetzt Akteur*innen, und setzt konkrete Impulse, wie eine gelebte Open-Access-Kultur Realit\u00e4t werden kann.<\/p>\n<p><strong>Kurz und knapp in einem Satz: Was finden Sie gut an Open Access?<\/strong><\/p>\n<p>Wissen wird nicht weniger, wenn es geteilt wird, sondern es wird mehr und es wird besser, weil Open Access dazu beitr\u00e4gt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur breiter zug\u00e4nglich, sondern auch qualitativ besser und sozial robuster werden.<\/p>\n<p><strong>Geben Sie uns zum Abschluss einen Einblick in Ihr Forschungsfeld f\u00fcr Disziplinfremde. Mit welchen Fragen und Erkenntnissen besch\u00e4ftigen Sie sich?<\/strong><\/p>\n<p>Ich arbeite am Fachgebiet Konstruktion von Maschinensystemen, also an einem klassischen Maschinenbau-Fachgebiet. Hier geht es um Themen wie Bremsenforschung, Konstruktionsmethodik oder zeitgem\u00e4\u00dfe, intelligente Landtechnik. In diesem Umfeld besch\u00e4ftige ich mich mit einer vielleicht unerwarteten Frage, n\u00e4mlich wie Ingenieur*innen so ausgebildet werden k\u00f6nnen, dass sie nicht nur fachlich gut aufgestellt sind, sondern ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und Technik im Sinne des Gemeinwohls gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mich interessiert dabei besonders, welche Kompetenzen es braucht, um in interdisziplin\u00e4ren und transdisziplin\u00e4ren Kontexten wirksam zu werden oder, mit anderen Worten, was m\u00fcssen unsere Studierenden und Wissenschaftler*innen k\u00f6nnen, um gemeinsam mit Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und anderen Wissenschaftsbereichen an L\u00f6sungen zu arbeiten. Denn viele Herausforderungen in Bereichen wie Energie, Mobilit\u00e4t oder Landwirtschaft, vor denen wir heute stehen, sind zu komplex, um sie allein aus der Perspektive einer einzelnen Disziplin zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Darum untersuche ich in Forschungsprojekten, welche Kompetenzen Studierende, insbesondere im Ingenieurwesen, entwickeln m\u00fcssen, um in solchen Konstellationen verantwortungsvoll und wirkungsorientiert handeln zu k\u00f6nnen. Das reicht von kommunikativen und kooperativen F\u00e4higkeiten bis hin zu strategischer Reflexion und ethischer Urteilsf\u00e4higkeit. Dabei arbeite ich eng mit Partnerinnen wie dem Fraunhofer IAO und der Hochschule M\u00fcnchen zusammen und bringe die Ergebnisse in unsere Lehre und unsere Weiterbildungsangebote ein, um diese Transferkompetenz zu f\u00f6rdern. Damit m\u00f6chte ich einen Beitrag leisten, dass Hochschulen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur erzeugen, sondern damit in der Gesellschaft einen konkreten Mehrwert entfalten k\u00f6nnen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass es diesen Schulterschluss dringender denn je braucht.<\/p>\n<pre><strong>Zitiervorschlag:<\/strong>\r\nOpen-Access-Team der TU Berlin (2025, Oktober 20). Thies Johannsen im Interview: \"Wissen wird nicht weniger, wenn es geteilt wird, sondern es wird mehr und es wird besser.\". Open research office berlin. https:\/\/doi.org\/10.59350\/hfnw3-06322<\/pre>\n<h3>Zum Weiterlesen:<\/h3>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"achz4axokg\"><p><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/2025\/10\/09\/open-access-week-2025-berlin-brandenburg\/\">Vom 20. bis 26. Oktober: Open Access Week 2025 \u201eWho owns our knowledge?&#8220; \u2013 Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Vom 20. bis 26. Oktober: Open Access Week 2025 \u201eWho owns our knowledge?&#8220; \u2013 Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg&#8220; &#8212; Open Research Blog Berlin\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/2025\/10\/09\/open-access-week-2025-berlin-brandenburg\/embed\/#?secret=lN79ENd1JG#?secret=achz4axokg\" data-secret=\"achz4axokg\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag des Open-Access-Teams der TU Berlin Bereits seit 2017 nutzt\u00a0das Open-Access-Team der Technischen Universit\u00e4t Berlin die internationale Open Access Week daf\u00fcr, um mit Angeh\u00f6rigen der TU Berlin ins Gespr\u00e4ch zu kommen und Einblicke in die Perspektive von Forschenden auf Open-Access-Praktiken zu erhalten. 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