{"id":4225,"date":"2026-07-29T12:24:14","date_gmt":"2026-07-29T10:24:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/?p=4225"},"modified":"2026-07-29T16:23:35","modified_gmt":"2026-07-29T14:23:35","slug":"workshop-recht-open-research-bibliocon-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/2026\/07\/29\/workshop-recht-open-research-bibliocon-2026\/","title":{"rendered":"Offen, aber rechtens! R\u00fcckblick auf einen Workshop zu rechtlichen Fragen rund um Open Research (BiblioCon 2026)"},"content":{"rendered":"<p>Welche Rechtsfragen rund um Open Research sind derzeit besonders dr\u00e4ngend? Mit welchen Instrumenten und Strategien lassen sich die Rechtssicherheit offener Forschungspraktiken sicherstellen und erh\u00f6hen? Ein Workshop auf der BiblioCon im Mai 2026 in Berlin bot f\u00fcr diese Fragen ein Forum und erm\u00f6glichte Austausch und Vernetzung.<\/p>\n<p>Ein gemeinsamer R\u00fcckblick von <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0009-0006-2922-4376\">Miriam Wildermuth<\/a>, <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-7742-3867\">Marc Lange<\/a>, <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-0167-0466\">Maxi Kindling<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0009-0002-8767-734X\">Aziza Hentschel<\/a> und <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0001-5620-5759\">Georg Fischer<\/a>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Seit Jahren gewinnen die rechtlichen Fragen zu Offenheit aufgrund sich ausdifferenzierender Publikationspraktiken und Forschungsressourcen an Komplexit\u00e4t. Neben urheberrechtlichen Fragen ist im Kontext Open Research heute regelm\u00e4\u00dfig von datenschutzrechtlichen, arbeitsrechtlichen, haushaltsrechtlichen, vertragsrechtlichen und verfassungsrechtlichen Fragen die Rede. Die j\u00fcngsten technologischen Umbr\u00fcche (insbesondere durch Gro\u00dfe Sprachmodelle \/ LLMs bzw. \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c) sowie geopolitischen Entwicklungen haben Unsicherheiten und Kl\u00e4rungsbedarfe in diesem Kontext verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>In dieser Gemengelage suchen Angeh\u00f6rige aus Forschung, Kultur, Lehre und Infrastruktur nach belastbaren Antworten auf ihre Fragen, um so offen und rechtssicher wie m\u00f6glich publizieren und arbeiten zu k\u00f6nnen. Die Einrichtungen begegnen der drastisch gestiegenen Nachfrage nach Rechtssicherheit mancherorts mit dem Aufbau von Rechtsinformationsstellen. Dies wiederum f\u00fchrt zu der Abgrenzung von Rechtsinformation und -beratung und zu den Fragen, wie weit die Kl\u00e4rung einer Rechtsfrage im Einzelfall gehen darf und welche Verantwortung die Einrichtungen wie auch die ratsuchende Person jeweils haben.<\/p>\n<pre>Dieser Workshop-Bericht ist Teil des Projekts \u201eRecht offen. Juristische Kompetenzen in und f\u00fcr die Offene Wissenschaft st\u00e4rken\u201c, das von der VolkswagenStiftung gef\u00f6rdert wird (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.15297028\">Projektantrag<\/a>). \r\n\r\n\u00b7 Das Projekt ist am Open Research Office und an der TU Berlin angesiedelt. Ziel ist es, einen <strong>Legal Helpdesk<\/strong>, also eine rechtliche Anlaufstelle, f\u00fcr Berliner Einrichtungen und ihre Angeh\u00f6rigen aufzubauen.\r\n\r\n\u00b7 Daneben gibt es eine Kooperation mit dem open-access.network, um die rechtliche Interessenvertretung offener Forschung zu st\u00e4rken. Dieses Vorhaben wird mit dem <strong>Netzwerk Recht und Open Research<\/strong> verfolgt (<a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/netzwerk-recht\">Information<\/a>).<\/pre>\n<h2>An der Schnittstelle von Praxis und Recht<\/h2>\n<p>Um rechtliche Fragen in der offenen Forschung zu sammeln und zu besprechen, veranstalten wir auf der diesj\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/bibliocon2026.abstractserver.com\/program\/#\/\"><i>BiblioCon<\/i> im Mai 2026<\/a> einen eigenen Workshop (<a href=\"https:\/\/opus4.kobv.de\/opus4-bib-info\/frontdoor\/index\/index\/docId\/20276\">Archivkopie des Abstracts<\/a>). Unter dem Motto \u201eOffen, aber rechtens!\u201c versammelten sich 25 Kolleg*innen aus Bibliotheken, Archiven, Fachinformationsdiensten und Forschungseinrichtungen, um vielf\u00e4ltige juristische Fragen, Herausforderungen und praktische L\u00f6sungswege aus dem bibliothekarischen Kontext zu besprechen. Im Vordergrund der Veranstaltung standen interdisziplin\u00e4rer Erfahrungsaustausch und Vernetzung: Denn auch wenn das Recht, seine Ausgestaltung und Interpretation prim\u00e4r juristisch und rechtswissenschaftlich bearbeitet werden, so ist die Anwendung des Rechts eine sehr praktische, handfeste Angelegenheit und ber\u00fchrt damit wesentlich die Aufgabengebiete von Nicht-Jurist*innen. Der Workshop bot ein Forum f\u00fcr derartige praktische Rechts- und juristische Praxisfragen mit Fokus auf Open Access und Open Research.<\/p>\n<p>Als Workshop-Methode w\u00e4hlten wir das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/World-Caf%C3%A9\">World Cafe<\/a>: Teilnehmende kommen in Kleingruppen an mehreren Stationen zusammen und tauschen sich in lockerer Atmosph\u00e4re, aber fokussiert zu einem vorab festgelegten Thema aus. Die Gastgeber*innen strukturieren die Diskussion an den Stationen und tragen die Fragen und Antworten zusammen. Anschlie\u00dfend werden in einem Plenum die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst und diskutiert. In unserem World Caf\u00e9 \u201eOffen, aber rechtens!\u201c wurden folgende vier Stationen angeboten:<\/p>\n<pre>\u00b7<b> Materialien und Ressourcen<\/b>, betreut von <b>Miriam Wildermuth <\/b>(Institut f\u00fcr Informations- und Bibliothekswissenschaften, HU Berlin)\r\n\r\n\u00b7<b> Vernetzung und Netzwerk<\/b>, betreut von <b>Maxi Kindling <\/b>(Universit\u00e4tsbibliothek der Technischen Universit\u00e4t Berlin)\r\n\r\n\u00b7<b> Rechtsinformation und Rechtsberatung<\/b>, betreut von <b>Aziza Hentschel <\/b>(Legal Helpdesk Berlin, Open Research Office Berlin)\r\n\r\n\u00b7<b> Rechtspolitische Vertretung<\/b>, betreut von <b>Marc Lange<\/b> (Helmholtz Open Science Office)<\/pre>\n<p>Im Folgenden werden die Ergebnisse der vier Stationen zusammengefasst und wo m\u00f6glich mit weiteren \u00dcberlegungen verbunden.<\/p>\n<h2>Materialien und Ressourcen<\/h2>\n<p>Die Teilnehmenden \u00e4u\u00dferten im World Caf\u00e9 vielf\u00e4ltige Ideen, Vorschl\u00e4ge und W\u00fcnsche in Bezug auf geeignete Informationsmaterialien und Ressourcen. Dabei stand der Servicegedanke im Vordergrund, n\u00e4mlich das Ziel, qualitativ hochwertige Informationen, Beratung und Hinweise an Interessierte zu vermitteln, die vor einem juristischen Problem stehen. Um den Themenkomplex Recht und Open Research theoretisch wie praktisch f\u00fcr juristische Lai*innen aufzubrechen und ihnen Grundlagen f\u00fcr Entscheidungen zu geben, bieten sich nach Meinung der Teilnehmenden klassische mediale Formate wie Erkl\u00e4rtexte und -videos, aber auch Checklisten, Entscheidungsb\u00e4ume, Glossare, Sammlungen von Beispielen und Best Practices, Handreichungen oder interaktive Chatbots an. Auch visuell hilfreiche \u00dcberblicksformate sollten dabei ber\u00fccksichtigt werden, etwa in Form einer Landkarte, die die juristischen Anlaufstellen an einem Ort, in einem Bundesland oder sogar bundesweit zeigt. Ein anderer Vorschlag betrifft die oft unter Verschluss gehaltenen Verlagsvertr\u00e4ge. Diese k\u00f6nnten in anonymisierter, abstrahierter Form gesammelt und archiviert werden, um eine gemeinsame, offene Wissensbasis zu schaffen.<\/p>\n<p>In Bezug auf Gestaltungsfragen sollten die Materialien nicht zu abstrakt, sondern stets am konkreten praktischen Fall orientiert oder an einem nachvollziehbaren Beispiel geschildert sein. Diese Anforderung birgt allerdings eine typische Herausforderung f\u00fcr juristische Materialien: Diese sollten einerseits m\u00f6glichst pr\u00e4zise und juristisch \u201ewasserdicht\u201c, andererseits aber auch niederschwellig und verst\u00e4ndlich sein, um die Bedarfe der Zielpublika zu erf\u00fcllen. Erkl\u00e4rende Materialien sollten demnach so gestaltet sein, dass sie entweder einf\u00fchrenden Charakter haben oder Fortgeschrittene ansprechen. Eine andere Anforderung besteht in der Aktualit\u00e4t der Unterlagen: Juristische Inhalte erscheinen oft starr, das Rechtssystem arbeitet aber dynamisch und produziert laufend neue Entscheidungen, Interpretationen und Anwendungen in Bezug auf juristische Sachverhalte. Das macht es erforderlich, auf dem Laufenden zu bleiben und m\u00fcndet in dem Bedarf einer ordnenden Instanz, die etwa in Form von interdisziplin\u00e4r aufbereiteten Newslettern neueste Informationen verschickt, ordnet und b\u00fcndelt. Schulungen, Fortbildungen, Workshops oder die Hochschullehre sind hierf\u00fcr ein bew\u00e4hrtes Mittel, die Abhilfe schaffen k\u00f6nnten; idealerweise sollten dabei auch die n\u00e4chsten Generationen an Forschenden und Infrastruktur-Mitarbeiter*innen adressiert werden.<\/p>\n<p>Insgesamt ist die Ressourcenb\u00fcndelung und Kooperation an dieser Stelle besonders wichtig, insbesondere wenn sie \u00fcber die Grenzen von Disziplinen, Dom\u00e4nengrenzen, Karrierestufen und Statusgruppen hinweg erfolgt. Gleichzeitig kann auch die effektivste Kooperation nur punktuell auffangen, was durch befristete, projektf\u00f6rmige und prek\u00e4r bezahlte Leistungen an Missst\u00e4nden entsteht. Absolut einig waren sich die Teilnehmenden daher in der Frage, dass eine Daueraufgabe wie Rechtsinformation auch dauerhaft und angemessen finanziert sein muss. Nur auf diese Weise l\u00e4sst sich sicherstellen, dass juristische Kompetenzen nachhaltig erarbeitet werden k\u00f6nnen und qualitativ hochwertiges Wissen in den Einrichtungen diffundieren kann.<\/p>\n<h2>Vernetzung und Netzwerk<\/h2>\n<p>Die Themen Vernetzung und Netzwerk wurden im Hinblick auf verschiedene Dimensionen\u00a0 und Akteursgruppen diskutiert. So l\u00e4sst sich beispielsweise danach fragen, wann eine interne und wann eine externe Vernetzung am zielf\u00fchrendsten ist, um juristische Probleme zu bearbeiten. Aus dem Kreis der Fachinformationsdienste wurde etwa berichtet, dass gerade die interinstitutionelle Vernetzung anfangs zwar mehr Aufwand bedeutet, mittelfristig aber auch nachhaltig(er) wirken kann. Damit stellt sich die Frage, wie sich Investitionsentscheidungen er\u00f6rtern und begr\u00fcnden lassen. Denn klar ist: \u00dcber den blo\u00dfen Austausch von Informationen hinweg braucht es nachhaltige Strukturen f\u00fcr Zusammenarbeit, Wissenstransfer und gemeinsame Probleml\u00f6sungen, um Insell\u00f6sungen, Wissenssilos und Umgehungsstrategien zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Als Ausgangspunkt kann die Frage dienen, welche Akteur*innen bereits im Themenbereich Recht und Open Research aktiv sind und auf welchen Netzwerken aufgebaut werden kann. Dazu geh\u00f6ren nationale wie internationale Initiativen ebenso wie Zusammenschl\u00fcsse gro\u00dfer Hochschulen (beispielsweise U15 oder TU9). Hilfreich w\u00e4re eine systematische \u00dcbersicht bestehender Akteur*innen und Netzwerke. Die Perspektive der Forschenden sollte dabei wesentliche Ber\u00fccksichtigung finden, was beispielsweise \u00fcber eine Vernetzung von Rechtsinformationsstellen und Justiziariaten gelingen kann.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollten erfolgreiche Vernetzungsformate identifiziert und gest\u00e4rkt werden. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise Werkstattgespr\u00e4che, soziale Netzwerke, engagierte Einzelpersonen mit besonderer Expertise sowie etablierte Routinen zwischen Bibliotheken und Justiziariaten. Besonders relevant sind solche Austauschformate f\u00fcr Themen, die derzeit mit gro\u00dfen Unsicherheiten verbunden sind, etwa zu K\u00fcnstlicher Intelligenz, Creative-Commons-Lizenzen (CCL), Text und Data Mining (TDM), Bildrechten, den DEAL-Vertr\u00e4gen, Verwertungsgesellschaften wie VG Wort sowie zum Zweitver\u00f6ffentlichungsrecht.<\/p>\n<h2>Rechtsinformation und Rechtsberatung<\/h2>\n<p>Vertreter*innen von Bibliotheken, Archiven, Fachinformationsdiensten, Repositorien und anderen Infrastruktur-Einrichtungen stehen vielerorts vor der Herausforderung, eine Flut von Rechtsfragen, die an sie als Nicht-Jurist*innen herangetragen werden, zu bearbeiten. Zwar ist in den Einrichtungen aufgrund langj\u00e4hriger Erfahrung selbst bereits einige Expertise vorhanden, die es erm\u00f6glicht, einen gewissen Anteil der Fragen selbst zu beantworten. Doch gerade bei komplexen, speziellen und neuartigen Rechtsfragen st\u00f6\u00dft man insbesondere als Nicht-Jurist*in regelm\u00e4\u00dfig an Grenzen. Daraus resultiert der Wunsch nach einer fundierten juristischen Anlaufstelle, die m\u00f6glichst schnell, barrierearm und eindeutig weiterhilft, wenn Fragen aus eigener Kraft nicht beantwortet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insbesondere bei Fragen zu Open Research ist die \u00dcberlastung der Justiziariate der Einrichtungen (sofern \u00fcberhaupt vorhanden) sp\u00fcrbar. Die Teilnehmenden berichteten auch von F\u00e4llen, in denen Einrichtungen und Universit\u00e4ten externe Rechtsanwaltskanzleien beauftragen m\u00fcssen; dies bringt zwar kurzfristig einen Vorteil mit sich, ist aber in der Regel teuer erkauft und verhindert mittelfristig den Aufbau eigener Expertise in den H\u00e4usern. In diesem Zusammenhang zeigt sich ironischerweise auch die Unzug\u00e4nglichkeit des juristischen Systems im Allgemeinen und des juristischen Publikationswesens im Besonderen: Gerade die voraussetzungsreiche juristische Fachsprache mit zahlreichen Fachtermini sowie Bezahlschranken, fehlende oder unerreichbare \u00dcbersichten von Gerichtsentscheidungen, Rechtskommentaren und anderen Fachtexten erschweren den \u00f6ffentlichen Zugang zum Recht auf vielen Ebenen.<\/p>\n<p>Auch der Zeitpunkt der Kontaktaufnahme der Ratsuchenden kann \u00fcber den Erfolg der Arbeit einer Rechtsinformationsstelle (mit-)entscheiden. Grunds\u00e4tzlich gilt: Je fr\u00fcher die Rechtsinformationsstellen etwa bei einem Forschungs- oder Publikationsprojekt einbezogen werden, desto besser l\u00e4sst sich der Prozess der Rechtsinformation gestalten. Ein \u00e4hnliches Problem zeigt sich darin, dass manche Forschende keine oder nur unzureichende Kenntnis von den eigens unterschriebenen Vertr\u00e4gen (etwa mit Verlagen) haben sowie in der fehlenden Bereitschaft, einzelne Klauseln zu verhandeln oder sich rechtzeitig fundierte Unterst\u00fctzung in diesen Belangen zu suchen. Ist eine Vereinbarung einmal geschlossen und schriftlich besiegelt, ist es ungleich schwieriger, die eigenen Pflichten oder fehlenden Rechte nachtr\u00e4glich einzufordern oder nachzuverhandeln. Demnach tragen die Infrastruktur-Einrichtungen an vielen Orten auch die Last grunds\u00e4tzlicher Aufkl\u00e4rung und Bewusstseinsbildung in Vertragsfragen und juristischen Konstellationen.<\/p>\n<p>Abhilfe f\u00fcr die mannigfaltigen Probleme kann demnach eine \u00f6ffentlich getragene, ressourcenstarke und sichtbare juristische Anlaufstelle bieten, die an den Einrichtungen selbst oder einrichtungs\u00fcbergreifend angesiedelt ist. Diese stellt als Dienstleistungen nicht nur Rechtsberatung, Rechtekl\u00e4rung, Risikoabw\u00e4gung und Folgenabsch\u00e4tzung im Einzelfall und in allgemein verst\u00e4ndlicher Sprache zur Verf\u00fcgung, sondern bietet auch einen umfangreiches Angebot zur Rechtsinformation, etwa mit \u00dcbersichten zu juristischen Ressourcen, niedrigschwelligen Einordnungen und anderen, nachnutzbaren Materialien. Gleichzeitig gilt es, das Bewusstsein insbesondere der Forschenden f\u00fcr ihre eigene Rolle als Rechtssubjekte und Vertragspartner*innen zu st\u00e4rken, insbesondere durch Integration geeigneter Angebote in die Lehre, Fortbildungen und interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit mit Jurist*innen. Dadurch lassen sich Wissenschaft, Forschung und Publizieren von Anfang an mit einem gesamtheitlichen Blick begegnen: von der Entscheidung \u00fcber den Forschungsgegenstand bis zur Publikation der Ergebnisse unter Ber\u00fccksichtigung der fachlichen, organisatorischen und rechtlichen Erfordernisse. Dieser Zugang w\u00fcrde langfristig Ressourcen schonen und sowohl Forschende als auch Vertreter*innen der verschiedenen Institutionen mit weit weniger unsicheren Situationen konfrontieren.<\/p>\n<h2>Rechtspolitische Vertretung<\/h2>\n<p>Rechtsinformation und -beratung spielen sich vor allem auf der konkreten Ebene der Forschungs- und Publikationspraxis ab. Gerade wiederkehrende und schwer zu l\u00f6sende rechtliche Herausforderungen deuten aber auf Problemlagen hin, die sich nur grunds\u00e4tzlich l\u00f6sen lassen, etwa durch Gerichtsurteile oder Gesetzes\u00e4nderungen. Ein Engagement auf rechtspolitischer Ebene ist voraussetzungsreich, Themen g\u00e4be es daf\u00fcr indes viele: Von den Teilnehmenden im World Caf\u00e9 wurden unter anderem ganz grunds\u00e4tzliche Rechtsfragen um Offenheit angesprochen; etwas spezifischer das Zweitver\u00f6ffentlichungsrecht (auf nationaler wie europ\u00e4ischer Ebene), Nutzungs- beziehungsweise Verwertungsfragen bei K\u00fcnstlicher Intelligenz, das Leistungsschutzrecht, Urheberrechtsfragen bei nicht-textuellen Objekten wie Bildern, audiovisuellen Materialien und deren Reproduktionen, Vertrags- und Lizenzfragen (etwa im Zusammenhang mit Verwertungsgesellschaften oder der Kl\u00e4rung der Rechte an Zeitschriftentiteln) sowie die Verletzung wissenschaftlicher Integrit\u00e4t, der Wissenschaftsfreiheit oder der guten wissenschaftlichen Praxis (GWP) durch F\u00e4lschungen, Rufsch\u00e4digung oder unredlichem Verhalten.<\/p>\n<p>Schon die Auflistung der verschiedenen Rechtsfragen deutet das immense Spektrum an, in dem eine rechtspolitische Vertretung sinnvollerweise operiert. Es ist daher notwendig, Priorisierungen der Ziele vorzunehmen und den m\u00f6glichen Erfolg verschiedener Vorgehensweisen realistisch zu bewerten. Die Analyse der konkreten F\u00e4lle ist hierbei sehr hilfreich, da sich an ihnen bereits zeigt, wo systematische Verbesserungen besonders notwendig sind. Rechtsgutachten, Musterverfahren, die Ausstattung mit ausreichenden Ressourcen sowie die strategische Zusammenarbeit mit ressourcenstarken Organisationen und Akteur*innen waren nach Ansicht der Teilnehmenden besonders wichtige Bausteine einer rechtspolitischen Vertretung von Open Research. Die Forderung, \u00f6ffentlich finanzierte wissenschaftliche Erkenntnisse und kulturelle Objekte als nicht-kommerziell und damit als Gemeingut zu betrachten und diese Konstellation rechtlich abzusichern, diente in der Diskussion als wichtiger Ankerpunkt.<\/p>\n<p>Der strategische Schulterschluss gerade zwischen juristischen und praktischen Akteur*innen ist f\u00fcr die Wissens- und Willensbildung, die Abstimmung von konkreten Schritten und Ma\u00dfnahmen sowie f\u00fcr den Abbau von Informationssilos elementar. Hierzu wurde in der Diskussion explizit der Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, die Zusammenarbeit und Partnerschaft mit den rechtswissenschaftlichen Disziplinen auf Augenh\u00f6he zu f\u00f6rdern und ungenutzte Vernetzungspotentiale zu heben. Gerade eine enge Vernetzung sowie der kontinuierliche Austausch zwischen juristischen und nicht-juristischen Akteur*innen sind f\u00fcr die Wissensb\u00fcndelung und Abstimmung strategischer Schritte elementar. Zudem sollten bestehende Interessenvertretungen f\u00fcr ein koordiniertes Vorgehen einbezogen werden (beispielsweise von Wissenschaftseinrichtungen, Bibliotheken und Kultureinrichtungen). Inhaltlich kann es ein Ansatzpunkt sein, bestehende Rechtsprechung oder sich widersprechende F\u00e4lle aktiv aufzugreifen, um Impulse f\u00fcr richterlichen Kl\u00e4rungsbedarf oder sogar notwendige Gesetzesanpassungen zu setzen.<\/p>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>Der Workshop \u201eOffen, aber rechtens!\u201c brachte gut zwei Dutzend Fachleute aus Bibliotheken, Archiven und Forschungseinrichtungen zusammen. Im World Caf\u00e9 wurde deutlich, dass rechtliche Fragen praxisnah aufgeschl\u00fcsselt und belastbare Rechtsinformationen f\u00fcr Nicht\u2011Jurist*innen erarbeitet werden m\u00fcssen, um Open Research in Wissenschaft und Kultur rechtssicher voranzubringen. Die Teilnehmenden betonten durchgehend die allgemein wachsende juristische Komplexit\u00e4t \u2013 von Urheberrechts\u2011 und Datenschutzfragen \u00fcber Vertrags\u2011 und Haushaltsrecht bis hin zu KI\u2011Fragestellungen \u2013 und schilderten steigende Informationsbedarfe und Unsicherheiten. Als zentrale Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung rechtlicher Risiken wurden u.a. leicht zug\u00e4ngliche, praxisorientierte Materialien (etwa Erkl\u00e4rtexte, Checklisten, Entscheidungsb\u00e4ume, Videos), kontinuierliche Fortbildungen und die fr\u00fchzeitige Einbindung von Rechtsinformationsstellen vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Die erforderlichen Strukturen, um der sich ausbreitenden Rechtsunsicherheit zu begegnen, wachsen derzeit nicht in ausreichender Gr\u00f6\u00dfe und Qualit\u00e4t mit. Entsprechend wurde die Notwendigkeit dauerhaft finanzierter Rechtsinformationsstellen sowie verst\u00e4rkter interinstitutioneller Vernetzung nachdr\u00fccklich hervorgehoben. Zudem empfiehlt sich nach allgemeiner Ansicht der Teilnehmenden ein gemeinsames rechtspolitisches und strategisch ausgerichtetes Vorgehen in gezielter Kooperation mit Jurist*innen (etwa \u00fcber Gutachten, Positionspapiere oder Musterverfahren): Eine solche Kooperation kann ein entscheidendes Vehikel darstellen, um mittel\u2011 bis langfristig systemische Verbesserungen f\u00fcr Open Research zu erreichen und somit wissenschaftsgeleitete, nicht-kommerzielle Publikationsangebote zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gilt es stets, realistisch zu bleiben: Aufgrund der kulturellen, technologischen und juristischen Dynamik lassen sich Rechtsunsicherheiten vermutlich nicht vollst\u00e4ndig und f\u00fcr immer ausr\u00e4umen. Nicht f\u00fcr jede individuelle und kleinteilige Fragestellung k\u00f6nnen eindeutige L\u00f6sungen existieren und rechtliche Graubereiche werden auch k\u00fcnftig bestehen bleiben. In diesem Kontext braucht es also auch Aufkl\u00e4rung in Bezug auf Risikoabw\u00e4gung und -management sowie eine gewisse Resilienz gegen\u00fcber Unsicherheit(en). Auch hierf\u00fcr sollten Mitarbeiter*innen von Rechtsinformationsstellen entsprechende Kompetenzen den Forschenden aus Wissenschaft und Kulturerbe vermitteln. Schlie\u00dflich verdeutlichte der Workshop, wie wichtig der interdisziplin\u00e4re Austausch ist, um den zahlenm\u00e4\u00dfig steigenden und inhaltlich komplexer werdenden Rechtsfragen gerecht zu werden und das Ziel, Rechtssicherheit f\u00fcr Open Research herzustellen, weiterhin verfolgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<pre><strong>Zitierhinweis:<\/strong>\r\n\r\nWildermuth, M.; Lange, M.; Kindling, M.; Hentschel, A. und Fischer, G. (2026): \u201eOffen, aber rechtens! R\u00fcckblick auf einen Workshop zu rechtlichen Fragen rund um Open Research (BiblioCon 2026)\u201c, Open Research Blog Berlin. 29. Juli 2026. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.59350\/z6xhw-pj107\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.59350\/z6xhw-pj107<\/a>.<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Rechtsfragen rund um Open Research sind derzeit besonders dr\u00e4ngend? Mit welchen Instrumenten und Strategien lassen sich die Rechtssicherheit offener Forschungspraktiken sicherstellen und erh\u00f6hen? Ein Workshop auf der BiblioCon im Mai 2026 in Berlin bot f\u00fcr diese Fragen ein Forum und erm\u00f6glichte Austausch und Vernetzung. Ein gemeinsamer R\u00fcckblick von Miriam Wildermuth, Marc Lange, Maxi Kindling,\u00a0Aziza &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/2026\/07\/29\/workshop-recht-open-research-bibliocon-2026\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eOffen, aber rechtens! R\u00fcckblick auf einen Workshop zu rechtlichen Fragen rund um Open Research (BiblioCon 2026)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7740,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[586265],"tags":[127,358,457874,586255],"class_list":["post-4225","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-legal-helpdesk-berlin","tag-urheberrecht","tag-workshop","tag-bibliocon","tag-netzwerk-recht-und-open-research"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4225","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7740"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4225"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4225\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4257,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4225\/revisions\/4257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}