{"id":730,"date":"2022-01-27T11:58:45","date_gmt":"2022-01-27T10:58:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/?p=730"},"modified":"2025-06-18T14:57:37","modified_gmt":"2025-06-18T12:57:37","slug":"3-von-5-sind-wissenschaftseinrichtungen-die-besseren-verlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-research-berlin\/2022\/01\/27\/3-von-5-sind-wissenschaftseinrichtungen-die-besseren-verlage\/","title":{"rendered":"3 von 5: Sind Wissenschaftseinrichtungen die besseren Verlage?"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Maike Neufend, Anita Eppelin, Sebastian Nix und Frank Seeliger<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist \u00fcber das <a href=\"https:\/\/av.tib.eu\/media\/55980\">TIB AV Portal<\/a> verf\u00fcgbar.<\/pre>\n\n\n\n<p>Bericht zur Veranstaltung #3 in der Reihe:<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2021\/09\/09\/quo-vadis-offene-wissenschaft-eine-virtuelle-open-access-woche-fuer-berlin-brandenburg\/\"> Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche f\u00fcr Berlin und Brandenburg<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2021\/12\/07\/sind-wissenschaftseinrichtungen-die-besseren-verlage\/\">dritte Veranstaltung der Reihe \u201cQuo vadis offene Wissenschaft\u201d<\/a> mit rund 250 Teilnehmer*innen besch\u00e4ftigte sich mit der Frage der Kostentransparenz im wissenschaftlichen Verlagswesen und dem nicht-kommerziellen Publizieren an Wissenschaftseinrichtungen. Unter dem Titel \u201cSind Wissenschaftseinrichtungen die besseren Verlage?\u201d wurde diskutiert, ob sich hochschuleigene Verlage und Publikationsinfrastrukturen perspektivisch zu \u201cbesseren Verlagen\u201d entwickeln k\u00f6nnten, weil diese sich bei den Kosten von Open Access an aufwandsgerechten Publikationskosten orientieren und nicht an der Gewinnmaximierung. An die Frage der Kosten schlossen sich weitere Diskussionspunkte an, zur Rolle wissenschaftsgetragener Publikationskultur (Scholar-led), Qualit\u00e4tssicherung, Publikations-Workflows und auch Fragen zum Reputationssystem in der Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Diskussion keine \u201ceinfachen\u201d L\u00f6sungen aufzeigen konnte, machten die Podiumsg\u00e4ste deutlich, dass mehr Zusammenarbeit von allen gew\u00fcnscht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Diskussion eingeladen waren Vertreter*innen verschiedener Interessengruppen, darunter Detlef B\u00fcttner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <a href=\"https:\/\/www.lehmanns.de\/\">Lehmanns Media<\/a>, einer Unternehmensgruppe, die als Intermedi\u00e4r mit dem An- und Verkauf von wissenschaftlichen Informationsressourcen wirtschaftet. Des Weiteren vertrat Kathrin Ganz, <a href=\"https:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/fachbereich-sozoek\/professuren\/peukert\/team\/ganz-kathrin.html\">wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit\u00e4t Hamburg<\/a> und Redaktionsmitglied beim<a href=\"https:\/\/opengenderjournal.de\/\"> Open Gender Journal<\/a>, auf dem Podium die Scholar-led-Perspektive, die unter anderem in einem k\u00fcrzlich erschienenen <a href=\"https:\/\/graphite.page\/scholar-led-manifest\/\">Manifest<\/a> ausformuliert wurde. Miriam von Maydell leitet das Lektorat und die Herstellung im<a href=\"https:\/\/budrich.de\/\"> Verlag Barbara Budrich<\/a> und sprach damit aus der Perspektive der mittelst\u00e4ndischen und kleinen Verlage. Als Leiterin der Abteilung <a href=\"https:\/\/blogs.ub.tu-berlin.de\/publizieren\/2020\/02\/hauptabteilung-publikationsdienste-der-universitatsbibliothek-der-tu-berlin\/\">Publikationsdienste an der Universit\u00e4tsbibliothek der Technischen Universit\u00e4t Berlin<\/a> nahm Dagmar Schobert\u00a0 die Position der Universit\u00e4tsverlage ein. An der TU Berlin wird bereits seit 50 Jahren ein <a href=\"https:\/\/verlag.tu-berlin.de\/\">Universit\u00e4tsverlag<\/a> gef\u00fchrt, der seit 2013 zu einem Open-Access-Verlag umgestaltet wurde. Die Moderation \u00fcbernahm Thomas Mutschler, Leiter der Abteilung Medienerwerbung und -erschlie\u00dfung an der <a href=\"https:\/\/www.thulb.uni-jena.de\/\">Th\u00fcringer Universit\u00e4ts- und Landesbibliothek Jena<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr B\u00fcttner konnte aufzeigen, dass sein Interesse sich nicht mit dem der Gro\u00dfverlage deckt, denn der Paradigmenwechsel zu Open Access sorge daf\u00fcr, dass die Dissemination von Wissen immens verbessert w\u00fcrde. Seine Aufgabe sehe er darin, die stetig steigenden Wissensmengen zu ordnen, zu katalogisieren und in effizienten Prozessen den Einrichtungen und Wissenschaftler*innen verf\u00fcgbar zu machen. Dies sei ein unverzichtbarer Beitrag f\u00fcr die Informationsversorgung der Wissenschaft. Miriam von Maydell betonte, dass das Aufgabenspektrum des Verlags unterschiedliche Abteilungen umfasst, die sich um die Produktion k\u00fcmmern. Dazu geh\u00f6ren auch die Schaffung und Pflege eines inhaltlichen Profils, durch welches ein Verlag eine bestimmte Reputation aufbaut. Dadurch bieten Verlage wie Barbara Budrich bspw. in den Sozial- und Erziehungswissenschaften eine gro\u00dfe Sichtbarkeit f\u00fcr die Autor*innen. In dieser erh\u00f6hten Sichtbarkeit oder auch Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr Autor*innen\u00a0 sieht auch Kathrin Ganz den Vorteil f\u00fcr Wissenschaftler*innen, doch diese Zug\u00e4nglichkeit werde bereits durch Open-Access-Publikationen erreicht, in deren Publikationsprozess Wissenschaftler*innen ohnehin schon umfassend involviert sind, z. B. durch die Begutachtungsverfahren, die Reviews nach Ver\u00f6ffentlichung und h\u00e4ufig auch das Layout und den Satz. Warum sollte die Fachcommunity also nicht direkt die Publikation selbst komplett in die Hand nehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Dagmar Schobert sieht wiederum den gr\u00f6\u00dften Unterschied zwischen privatwirtschaftlich-gewinnorientierten Verlagen und Universit\u00e4tsverlagen in der kommerziellen Ausrichtung. Denn gerade weil Publikationsprojekte an Wissenschaftseinrichtungen sich nicht nach einer Gewinnmaximierung ausrichten m\u00fcssen, sei es ihnen m\u00f6glich, den Kulturwandel im Bereich des Open-Access-Publizierens besser\u00a0 zu unterst\u00fctzen. Dies sei insbesondere in Berlin von Bedeutung, denn dort sollen <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2021\/12\/08\/wieviel-offene-wissenschaft-ist-drin\/\">Open-Science-Praktiken in Zukunft bei der Bewertung von Forschungsleistungen einbezogen werden<\/a>. Die Technische Universit\u00e4t Berlin habe Schritte in diese Richtung bereits unternommen und bspw. die <a href=\"https:\/\/sfdora.org\/\">DORA-Erkl\u00e4rung<\/a> unterzeichnet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Diskussion ergaben sich folgende weitere Fragestellungen, Thesen und Forderungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Publikationsdienstleister sollen statt quantitativer Metriken verst\u00e4rkt inhaltliche Merkmale der Qualit\u00e4tssicherung f\u00f6rdern, um den Kulturwandel im Publikationssystem der Wissenschaft zu unterst\u00fctzen.\u00a0<\/li>\n<li>Die Mittel der Qualit\u00e4tssicherung wie Beir\u00e4te, Peer-Review oder die Inanspruchnahme von Netzwerken unterscheiden sich zumeist nicht zwischen\u00a0 gewinnorientierten und nicht-kommerziellen Verlagsangeboten.<\/li>\n<li>Die Diskussion zum Open-Access-Publizieren sollte unter der Voraussetzung gef\u00fchrt werden, dass Mehrwerte f\u00fcr alle Beteiligten in der Open-Access-Community gegeben sind &#8211; und unter Nutzung der\u00a0 jeweiligen St\u00e4rken der Beteiligten.<\/li>\n<li>Insbesondere bei technischen Entwicklungen und der Umsetzung einheitlicher Standards (bspw. XML-Workflows) sollte es Kooperationen geben, um allen Beteiligten das Publizieren in Open Access gleicherma\u00dfen zug\u00e4nglich zu machen.<\/li>\n<li>Innovative Projekte (wie Open Peer Review, Einbindung von Forschungsdaten in Artikel, etc.) werden gef\u00f6rdert, aber es fehlt die Nachhaltigkeit.<\/li>\n<li>Eine konsortiale Finanzierung von Daueraufgaben sollte erm\u00f6glicht werden.<\/li>\n<li>Im Bereich der Infrastruktur ist mehr kollaboratives Arbeiten notwendig.\u00a0<\/li>\n<li>Es bedarf einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung und einer Beteiligung an wissenschaftspolitischen Diskussionen, um die Nachhaltigkeit von Publikationssystemen zu gew\u00e4hrleisten.<\/li>\n<li>Internationale Projekte wie\u00a0 \u201c<a href=\"https:\/\/copim.pubpub.org\/\">Copim: Community-led Open Publication Infrastructures for Monographs<\/a>\u201d k\u00f6nnen als Good-Practice-Orientierung dienen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Zusammenarbeit findet bereits auf vielen Ebenen statt. Insbesondere im Buch- und im Scholar-led-Bereich gibt es in Deutschland \u00fcberregionale Initiativen, wie bspw. die <a href=\"https:\/\/ag-univerlage.de\/\">AG Universit\u00e4tsverlage<\/a>, die <a href=\"https:\/\/enable-oa.org\/\">Enable!-Initiative<\/a>, sowie die Fokusgruppen <a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/digitale-fokusgruppen\/fokusgruppe-open-access-buecher\">Open-Access-B\u00fccher<\/a> und <a href=\"https:\/\/open-access.network\/vernetzen\/digitale-fokusgruppen\/fokusgruppe-scholar-led\">scholar-led.network<\/a> im Rahmen von <a href=\"https:\/\/open-access.network\/startseite\">open-access.network<\/a>. Auch das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) setzt im laufenden F\u00f6rderprogramm<a href=\"https:\/\/www.bildung-forschung.digital\/digitalezukunft\/de\/wissen\/open-access\/im-ueberblick-20-innovative-open-access-projekte\/im-ueberblick-20-innovative-open-access-projekte_node.html;jsessionid=9FD35837FFD7D59B7E5382E5252B05AB.live722\"> zur Beschleunigung der Open-Access-Transformation<\/a> verst\u00e4rkt auf den Austausch zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Verlagen und auf die F\u00f6rderung von Scholar-led-Projekten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende konnte die Diskussion zeigen, dass die Transformation des Publikationsmarktes durch den Paradigmenwechsel hin zu Open Access aus Sicht der Podiumsteilnehmer*innen Herausforderung und Chance zugleich ist. Es haben sich sowohl neue Gesch\u00e4ftsmodelle als auch neue Publikations- und Verlagspraktiken entwickelt. Will die Community\u00a0 aber der Entwicklung entgegenwirken, in der Publikationsinfrastrukturen wiederholt von <a href=\"https:\/\/copim.pubpub.org\/pub\/copim-statement-corporate-acquisition-oa-infra\/release\/1\">gro\u00dfen kommerziellen Unternehmen<\/a> aufgekauft werden, gilt es, sich zusammenzuschlie\u00dfen, um offene und kollaborative Formen von Infrastrukturen und Workflows zu schaffen. Dabei k\u00f6nnen Bibliotheken mit ihren nicht-gewinnorientierten Open-Access-Verlagen eine wichtige Rolle und Funktion \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf die n\u00e4chste Veranstaltung der Reihe schlie\u00dft sich hier unmittelbar die Frage an, welche Rolle Bibliotheken generell in Zukunft einnehmen. Wenn es unter dem Paradigma der Offenheit nicht mehr \u201cnur\u201d um die Bereitstellung wissenschaftlicher Informationsressourcen geht, sondern eher um inhaltsgetriebene Kuratierungs-, Vernetzungs-\u00a0 und Vermittlungsleistungen, wie k\u00f6nnen solche Dienstleistungen dann nachhaltig betrieben und finanziert werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir freuen uns auf die Diskussion am 17. Februar 2022 zum Thema \u201c<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/open-access-berlin\/2021\/12\/21\/was-bedeutet-open-science-fuer-das-kuenftige-geschaeftsmodell-von-bibliotheken\/\">Was bedeutet Open Science f\u00fcr das k\u00fcnftige Gesch\u00e4ftsmodell von Bibliotheken?<\/a>\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Maike Neufend, Anita Eppelin, Sebastian Nix und Frank Seeliger Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist \u00fcber das TIB AV Portal verf\u00fcgbar. Bericht zur Veranstaltung #3 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? 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