{"id":5,"date":"2017-01-20T17:46:26","date_gmt":"2017-01-20T16:46:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/organized-creativity\/?p=5"},"modified":"2017-02-10T09:51:09","modified_gmt":"2017-02-10T08:51:09","slug":"organized-creativity-projektvorstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/organized-creativity\/2017\/01\/20\/organized-creativity-projektvorstellung\/","title":{"rendered":"Organized Creativity Projekt\u00fcberblick"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Organized Creativity<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline\"> <strong>Practices for Inducing and Coping with Uncertainty<\/strong><\/span><\/h2>\n<p>Von J\u00f6rg Sydow, Gregory Jackson und Elke Sch\u00fc\u00dfler, Berlin\/Linz, 20. Januar 2017<\/p>\n<p><strong>Beschreibung des Forschungsvorhabens: &#8222;Organisierte Kreativit\u00e4t \u2013 Praktiken zur Induzierung von und zum Umgang mit Unsicherheit&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff \u201eorganisierte Kreativit\u00e4t\u201c erscheint widerspr\u00fcchlich: Kreative Prozesse sind per se unsicher und lassen sich nur eingeschr\u00e4nkt steuern. Trotzdem spielen sie sich unter Netzwerken von Akteuren in unterschiedlichen r\u00e4umlich-zeitlichen Kontexten ab, die einen gewissen Grad an Organisation aufweisen. Wie organisiert man Strukturen und Praktiken, in und mit denen Unsicherheit im kreativen Prozess gef\u00f6rdert, kanalisiert oder verhindert wird?<\/p>\n<p>Sowohl kunst- als auch wissenschaftsbasierte Branchen sind aufgrund disruptiver wirtschaftlicher, technologischer und regulatorischer Ver\u00e4nderungen in einem fundamentalen Wandel begriffen. Die Entfaltung und Nutzung von Kreativit\u00e4t kann in diesem Wandlungsprozess eine entscheidende Schl\u00fcsselressource darstellen. Auf der Grundlage empirischer Vergleiche eines kunst- und eines wissenschaftsbasierten Feldes will diese Forschergruppe zur Entwicklung einer multidisziplin\u00e4ren Theorie der organisierten Kreativit\u00e4t beitragen. Ziel ist es, \u00fcber jene individual- und gruppenzentrierte Theorien hinauszugehen, die gegenw\u00e4rtig in der Kreativit\u00e4tsforschung, Ausbildung und Praxis dominieren, indem ein besseres Verst\u00e4ndnis der Bedingungen geschaffen wird, unter denen Kreativit\u00e4t sozial organisiert werden kann. Die Vorstellung von organisierter Kreativit\u00e4t stellt eine unmittelbare Spannung dar: Kreative Prozesse sind gewisserma\u00dfen inh\u00e4rent ungewisse und ungewollte Organisationsformen, entfalten sich aber in der Regel in Netzwerken von Akteuren, die in unterschiedlichen zeitlich-r\u00e4umlichen Kontexten eingebettet sind und zumindest einen gewissen Organisationsgrad aufweisen. <!--more-->Die zentrale Pr\u00e4misse der Forschergruppe ist, dass soziale Strukturen und Praktiken zur Gestaltung von Unsicherheitsgraden elementare Bestandteile von Kreativit\u00e4tsprozessen darstellen. Wir gehen davon aus, dass bestimmte Praktiken der Organisation von Kreativit\u00e4t identifizierbar sind, die kreative Bem\u00fchungen f\u00f6rdern, kanalisieren und kontrollieren, indem sie Unsicherheit induzieren, reduzieren, tolerieren, verst\u00e4rken oder bew\u00e4ltigen. Die einzelnen Forschungsprojekte erkunden verschiedene Dimensionen von Unsicherheit in mehreren Praxisfeldern und untersuchen, wie sich diese in kreativen Prozessen unterschiedlicher Kontexte und im Zeitablauf auswirkt. Empirisch wird dazu ein longitudinaler Methoden-Mix verwendet. Dabei werden strukturelle Analysen von Organisationen, epistemischen und beruflichen Gemeinschaften, interorganisationalen Netzwerken und organisatorischen Feldern in einer prozessorientierten Perspektive kombiniert. Jedes Projekt wird diese Dynamik in der Musik- und Pharmaindustrie vergleichen. Die Ergebnisse dieses vergleichenden, mehrstufigen Forschungsdesigns sind anschlussf\u00e4hig f\u00fcr den Theoriediskurs in Organisations-, Netzwerk- und Innovationsforschung und k\u00f6nnen zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis der zeitlichen, relationalen und institutionellen Bedingungen von Kreativit\u00e4t beitragen.<\/p>\n<p><strong>Projekt\u00fcberblick<\/strong><\/p>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"7%\"><strong>Projekt<\/strong><\/td>\n<td width=\"15%\"><strong>Praxisfeld <\/strong><\/td>\n<td width=\"76%\"><strong>Phase I (Leitung)<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"7%\"><strong>I.1.<\/strong><\/td>\n<td width=\"15%\"><strong>Kollaboration<\/strong><\/td>\n<td width=\"76%\">Governance von Kreativit\u00e4t: Die Verteilung von Unsicherheit in Praktiken der Zusammenarbeit (Ibert, Jackson)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"7%\"><strong>I.2.<\/strong><\/td>\n<td rowspan=\"2\" width=\"15%\"><strong>Temporalit\u00e4t<\/strong><\/td>\n<td width=\"76%\">Organisation tempor\u00e4rer Kopr\u00e4senz zur Induzierung und Bew\u00e4ltigung von Unsicherheit in kreativen Prozessen (Grabher, Sch\u00fc\u00dfler, Sydow)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"7%\"><strong>I.3.<\/strong><\/td>\n<td width=\"76%\">Geheimhaltung als organisierende Unsicherheit in kreativen Prozessen\u00a0 (Costas)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"7%\"><strong>I.4.<\/strong><\/td>\n<td width=\"15%\"><strong>Regulation<\/strong><\/td>\n<td width=\"76%\">Organisieren von Kreativit\u00e4t unter regulatorischer Unsicherheit: Herausforderungen von Immaterialg\u00fcterrechten (Dobusch, Quack)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"7%\"><strong>I.5.<\/strong><\/td>\n<td width=\"15%\"><strong>Koordination<\/strong><\/td>\n<td width=\"76%\">Koordination der Forschergruppe und Wissensmanagement (Sydow)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Projekt I.1.: Governance von Kreativit\u00e4t: Die Verteilung von Unsicherheit in Praktiken der Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Wie beeinflussen verschiedene Governance-Formen Grade und Typen von Unsicherheit zwischen Akteuren in der kreativen Kollaboration? Wie nutzen Akteure diese Governance-Formen um verschiedene Unsicherheitselemente untereinander zu induzieren, zu reduzieren und zu verteilen? Wie beeinflussen die verschiedenen Unsicherheitsformen in kreativer Zusammenarbeit die Wahl und Effektivit\u00e4t der Governance-Formen?<\/p>\n<p>Kreativit\u00e4t wird nicht mehr als individuelle Leistung, sondern als Ergebnis eines sozialen Prozesses der Zusammenarbeit. Kollaboration ist eine verbreitete Praxis, sowohl in vielen K\u00fcnsten als auch in den meisten Wissenschaften. Trotz dieser Versprechungen ist Zusammenarbeit per se noch keine Garantie f\u00fcr kreative Outputs. Vielmehr muss Zusammenarbeit organisiert und gesteuert werden. Das beantragte Vorhaben verbindet Zug\u00e4nge aus der Wirtschaftsgeographie und der Organisationstheorie um eine bisher noch ungel\u00f6ste Problematik genauer zu untersuchen: Wie kann Zusammenarbeit koordiniert werden damit sozial und r\u00e4umlich verteilte Ressourcen auf eine Art und Weise miteinander kombiniert werden k\u00f6nnen, dass dabei Kreativit\u00e4t gef\u00f6rdert wird? Diese Frage wird aus einer Governance-Perspektive bearbeitet, wobei Governance sich in idealtypischen Formen institutionalisiert: Markt, Hierachie, Netzwerk, Gemeinschaft, Verband oder Staat. Insbesondere sollen die disparaten Kenntnisse zur Governance von Kreativit\u00e4t zugespitzt werden auf ein vertieftes Verst\u00e4ndnis der paradoxen Rolle von Unsicherheit. Konkret geht es in der kreativen Zusammenarbeit darum, nicht zu viel und nicht zu wenig zu organisieren, oder \u00dcberraschung zu stimulieren, dabei aber die Richtung vorzugeben. Daher konzentriert sich das beantragte Projekt darauf zu erkunden, wie Unsicherheit zwischen den verschiedenen Beteiligten an Prozessen der kreativen Zusammenarbeit verteilt wird. Unsicherheit kann dabei bestehen in Bezug auf die Akteure (wer partizipiert?), die Inhalte (was ist das gew\u00fcnschte Ergebnis?), den Prozess (wie wird das gew\u00fcnschte Ergebnis erreicht?) und den Orten (wo wird zusammengearbeitet?). \u00dcber diese Dimensionen hinweg kann Unsicherheit sowohl eine Ressource, die es zu nutzen gilt, als auch eine Bedrohung, die es zu meiden gilt, darstellen. Die zentralen Forschungsfragen lauten: Welchen Einfluss haben verschiedene Governancemodi auf den Grad und die Art der Unsicherheit der verschiedenen am kreativen Prozess beteiligten Akteure? Wie nutzen die Akteure die Governancemodi, um Unsicherheit zu induzieren oder zu reduzieren und dabei Unsicherheit \u00fcber die verschiedenen Dimensionen neu zu verteilen? Und die beeinflussen unterschiedliche Arten von Unsicherheit den gew\u00e4hlten Governance-modus? Empirisch wird die Rolle von unterschiedlichen Governancemodi auf die kreative Zusammenarbeit in den Feldern Musik und Pharmaforschung untersucht. Interviews und ethnographische Methoden werden eingesetzt, um Praktiken der kreativen Zusammenarbeit aus beiden empirischen Feldern \u00fcber verschiedene Kontexte hinweg zu vergleichen. Insgesamt wird das Projekt zu einer prozessbasierten Theorie der organisierten Kreativit\u00e4t beitragen.<\/p>\n<p><strong>Projekt I.2.: Organisation tempor\u00e4rer Kopr\u00e4senz zur Induzierung und Bew\u00e4ltigung von Unsicherheit in kreativen Prozessen<\/strong><\/p>\n<p>Welche Rolle spielen unterschiedliche Formen tempor\u00e4rer Kopr\u00e4senz in kreativen Prozessen? In welcher Beziehung stehen unterschiedliche Formen organisierter Kopr\u00e4senz zu Unsicherheit in kreativen Prozessen? Durch welche Praktiken werden Kopr\u00e4senz und Absenz in kreativen Prozessen gezielt abgewechselt?<\/p>\n<p>Dieses Projekt untersucht die Bedeutung von physischer Kopr\u00e4senz in kreativen Prozessen. Physische Kopr\u00e4senz in Arbeitstreffen, Aufnahmestudios oder auf Branchenmessen kann das Teilen von implizitem Wissen unterst\u00fctzen und bietet Gelegenheiten f\u00fcr neue Interaktionsmuster. Beides ist mit Kreativit\u00e4t und Innovationskraftverbunden. Umgekehrt haben Studien gezeigt, dass sich r\u00e4umliche Distanz negativ auf die Qualit\u00e4t von Teamarbeit oder auf die kreative Ideenfindung auswirken kann. Allerdings kann auch permanente r\u00e4umliche N\u00e4he zu konvergentem Denken und Pfadabh\u00e4ngigkeit f\u00fchren. Kreativit\u00e4t kann daher durchaus auch von tempor\u00e4ren Formen der Kopr\u00e4senz oder gar von physischer Distanz profitieren. Ziel dieses Projekts ist es, ein gradualistisches Verst\u00e4ndnis von Kopr\u00e4senz zu verwenden, welches permanente, tempor\u00e4re und auch virtuelle Formen gleicherma\u00dfen ber\u00fccksichtigt, um so ein vollst\u00e4ndigeres Bild von der Rolle von Kopr\u00e4senz und auch entsprechenden Phasen der r\u00e4umlichen Distanz in kreativen Prozessen zu erlangen. Hierf\u00fcr werden wir empirisch untersuchen, wie sich kreative Ideen durch verschiedene Arenen der Kopr\u00e4senz auf unterschiedlichen Analyseebenen bewegen und dabei bestimmte Akteure ein- oder ausschlie\u00dfen. Dar\u00fcber hinaus m\u00f6chte dieses Projekt untersuchen, inwieweit Kopr\u00e4senz und Distanz mit Unsicherheit in kreativen Prozessen zusammenh\u00e4ngen. Kopr\u00e4senz kann Unsicherheit reduzieren, indem sie den Informationsfluss zwischen Akteuren verbessert oder Vertrauensbildung erm\u00f6glicht; sie kann aber auch Unsicherheit erh\u00f6hen oder erst induzieren, indem Akteure beispielsweise ihr Wettbewerbsumfeld kennenlernen. Basierend auf einem Vergleich von acht kreativen Projekten, vier aus der Musik- und vier aus der Pharmaindustrie, wird dieses Vorhaben die Praktiken und Rhythmen herausarbeiten, in denen kreative Projekte zwischen unterschiedlichen Formen der Kopr\u00e4senz und Distanz wechseln. Dabei wird nicht nur konzeptionell herausgearbeitet, wie sich kreative Projekte zeitlich und r\u00e4umlich durch unterschiedliche Analyseebenen hinweg bewegen, sondern auch, wie unterschiedliche Arten von Unsicherheit tempor\u00e4r \u00fcberdiese Analyseebenen und \u00fcber verschiedene Akteure hinweg verteilt werden. Insgesamt wird damit ein Beitrag zu einer st\u00e4rker r\u00e4umlich verankerten Theorie der Organisation von Kreativ\u00e4t geliefert.<\/p>\n<p><strong>Projekt I.3.: Geheimhaltung als organisierende Unsicherheit in kreativen Prozessen <\/strong><\/p>\n<p>Welche Formen organisationaler Geheimhaltung sind bei Kreativprozesse vorherrschend? Wie beeinflussen Formen organisationaler Geheimhaltung den Umgang mit Unsicherheit in Kreativprozessen? Was sind intendierte bzw. nicht-intendierte Folgen von Praktiken organisationaler Geheimhaltung in Kreativprozessen?<\/p>\n<p>Dieses Projekt untersucht die Funktion von Geheimhaltung, der intentionalen Verbergung von Informationen durch Akteure gegen\u00fcber Akteuren in Organisationen, als einen Mechanismus der Organisation von Unsicherheit in kreativen Prozessen. Zahlreiche empirische Untersuchungen belegen, dass organisationale Geheimhaltung eine beliebte Methode f\u00fcr den Umgang mit Unsicherheit gerade in hochinnovativen Unternehmen darstellt, z.B. in Form von geheimen Forschungslabors, orchestrierten auf Geheimhaltung und sp\u00e4tere \u00dcberraschung beruhende Marketingkampagnen sowie von Geheimhaltung zur Pr\u00e4vention von Wissens- und Informationslecks. Allerdings sind diese empirischen Erkenntnisse wenig in der bisherigen Managementforschung ber\u00fccksichtigt. Vielmehr gilt im organisationstheoretischen Forschungstand Geheimhaltung als eine Barriere bzw. ein Hemmnis des freien Informationsflusses und daher der Kreativit\u00e4t von Menschen, Gruppen und Organisationen. Im Kontrast hierzu sollen im Rahmen dieses Projekts anhand der empirischen Untersuchung konkreter organisationaler Praktiken der Geheimhaltung nicht nur dysfunktionale, sondern auch die funktionalen Folgen von Geheimhaltung in Bezug auf die Organisation von Unsicherheit in kreativen Prozessen ergr\u00fcndet werden. Beruhend auf einer vergleichenden Fallstudie eines gro\u00dfen Musiklabels sowie eines technologieorientierten Pharmaunternehmens, m\u00f6chten wir drei zentrale Beitr\u00e4ge zur bisherigen Forschung leisten. Erstens soll untersucht werden, welche Arten von Geheimhaltung (z.B. formell vs. informell) zur Organisation von welchen Typen von Unsicherheit (z.B. Nachfrageunsicherheit, unsichere Innovationen, aus der Gefahr von Wissenslecks resultierende Unsicherheiten) in den beiden Branchen angewandt werden. Zweitens sollen die allt\u00e4glichen Praktiken der Geheimhaltung im Rahmen einer ethnografischen Untersuchung miterfasst werden, um zu einer Sicht auf Geheimhaltung nicht nur als Mittel zur Reduktion (z.B. zur Pr\u00e4vention von Wissenslecks), sondern auch zur Induktion von Unsicherheit in kreativen Prozessen (z.B. durch die Schaffung von Unsicherheitszonen, die aufgrund ihrer Abschottung eher in der Lage sind, radikale Innovationen hervorzubringen). Drittens sollen die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zu einem theoretischen Modell von Geheimhaltung als Mechanismus zur Organisation von Unisicherheit in kreativen Prozessen verdichtet werden. Dieses soll insbesondere erkl\u00e4ren, wie und warum verschiedene unsicherheitsinduzierende und -reduzierenden Praktiken zu unterschiedlichen intendierten und nicht intendierten Folgen in Organisationen f\u00fchren. Insgesamt m\u00f6chte dieses Projekt zu einem raffinierteren theoretischen Verst\u00e4ndnis von Geheimhaltung als Mechanismus zur Organisation von Unsicherheit in kreativen Prozessen beitragen, welches \u00fcber die blo\u00dfe Feststellung, dass Geheimhaltung wichtig ist, hinausgeht und vielmehr genau expliziert, wie, warum und wann Geheimhaltung wichtig (gemacht) wird.<\/p>\n<p><strong>Projekt I.4: Organisieren von Kreativit\u00e4t unter regulatorischer Unsicherheit: Herausforderungen von Immaterialg\u00fcterrechten<\/strong><\/p>\n<p>Was sind die vorherrschenden Quellen und Antworten zu eigentumsrechtlich bedingten Unsicherheiten und wie beeinflussen sie Kreativit\u00e4t? Welche Praktiken entwickeln Akteure in Kreativprojekten um eigentumsrechtlich bedingte Unsicherheit zu bew\u00e4ltigen, und welche wahrnehmbaren Effekte ergeben sich f\u00fcr Kreativit\u00e4t? Inwiefern h\u00e4ngen Bew\u00e4ltigungspraktiken mit eigentumsrechtlich bedingten Unsicherheiten zwischen verschiedenen Levels und Phasen des Kreativprozesses zusammen?<\/p>\n<p>In kreativen Prozessen spielt regulatorische Unsicherheit rund um Immaterialg\u00fcterrechte eine zunehmend wichtigere Rolle. Klassischen \u00f6konomischen Ans\u00e4tzen zufolge schaffen Patente im Bereich technologischer Forschung einerseits Urheberrechte im Bereich k\u00fcnstlerischer Aktivit\u00e4ten andererseits Anreize f\u00fcr Investitionen in kreative Prozesse, indem sie deren Ergebnisse sch\u00fctzen und somit Erwartungssicherheit \u00fcber deren zuk\u00fcnftige Verwertung erm\u00f6glichen. Neuere Forschungen zeigen demgegen\u00fcber, dass die Expansion der Immaterialg\u00fcterrechte, Verbreitung digitaler Technologien und Entstehung neuer Organisationsformen bei den Beteiligten zunehmend zu Unsicherheit \u00fcber die Geltung und Wirkung von Immaterialg\u00fcterrechten f\u00fchrt. Diese Unsicherheit, wie sie zum Beispiel bei aufeinander aufbauenden Erfindungen (Patentrecht) oder komplizierter Rechtekl\u00e4rung (Urheberrecht) auftritt, wirft aus organisationstheoretischer Sicht Fragen nach sozialen Praktiken und Institutionen auf, welche wechselseitige Erwartungen st\u00fctzen. Bislang wurden die Auswirkungen regulatorischer Unsicherheit auf Ablauf und Ergebnisse kreativer Prozesse aber weder aus betriebswirtschaftlicher noch soziologischer Sicht systematisch erforscht. Ziel dieses interdisziplin\u00e4ren Forschungsprojektes ist es, aus einer Prozessperspektive zu untersuchen, wie organisationale Akteure die mit dem Immaterialg\u00fcterrecht verbundene Unsicherheit wahrnehmen, damit in kreativen Prozessen und organisatorischen Feldern umgehen und welche Folgen dies f\u00fcr Kreativit\u00e4t hat. Diese Frage soll ausgehend von einer Kombination von praxis- und institutionenorientierter Theorie aus Sicht der betriebswirtschaftlichen Organisationsforschung sowie der vergleichenden Wirtschaftssoziologie adressiert werden. Das Projekt fokussiert auf Teilbereiche der deutschen Musik- und Pharmaindustrie und ist in drei Arbeitspaketen (WP) organisiert. Zun\u00e4chst wird die Wahrnehmung und Adressierung regulatorischer Unsicherheit verschiedener Akteursgruppen (z.B. K\u00fcnstlerInnen, ForscherInnen, ManagerInnen, JuristInnen) im Rahmen organisationaler und institutionalisierter Praktiken auf der Ebene organisatorischer Felder untersucht (WP1). Im zweiten Schritt werden Praktiken hinsichtlich regulatorischer Unsicherheit im Kontext kreativer Projekte durch Artefaktbiographien vergleichend erschlossen (WP2). Darauf aufbauend werden Projekt- und Felddynamiken integriert und soziale Mechanismen zur Erzeugung und Bew\u00e4ltigung regulatorischer Unsicherheit in kreativen Prozessen identifiziert, um auf diese Weise zu einer Mikrofundierung allgemeiner Theorien \u00fcber den Zusammenhang von Immaterialg\u00fcterrechten und Kreativit\u00e4t beizutragen (WP3). Ergebnisse des Projektes sollen in f\u00fchrenden wissenschaftlichen Zeitschriften sowie im Rahmen einer Monographie in einem internationalen University Press Verlag publiziert werden.<\/p>\n<p><strong>Projekt I.5.: Koordination der Forschergruppe und Wissensmanagement<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Projekt soll die Koordination der r\u00e4umlich verteilten Forschergruppe in ihrem t\u00e4glichen Betrieb erm\u00f6glichen und dabei helfen, Wissen und Forschungsergebnisse intern und extern zu managen. Wichtige Aufgaben dabei sind die Gew\u00e4hrleistung der Kommunikation nach Innen und Au\u00dfen (Mediennutzung, \u00d6ffentlichkeitsarbeit); die Organisation von Projekttreffen, Workshops und Sommerschulen; die Verwaltung der Budgets zur wissenschaftlichen Entwicklung (z. B. in qualitativen und quantitativen Methodenworkshops, Projektmanagement); die Koordination der Wissensverteilung innerhalb der Gruppe; und die Koordinierung der Forschungsergebnisse durch Protokolle, Berichte und Publikationen. Besonderes Augenmerk erhalten hierbei die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die im Zuge des Nachwuchsf\u00f6rderungsprogramms und durch die Umsetzung von Gleichstellungsma\u00dfnahmen gef\u00f6rdert werden sollen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\"><em>Zitation:<\/em><\/span> Sydow, J\u00f6rg, Jackson, Gregory, Sch\u00fc\u00dfler, Elke (2017),\u00a0 Organized Creativity<br \/>\nPractices for Inducing and Coping with Uncertainty (Projektvorstellung), Berlin\/Linz, 20. Januar 2017, URL: https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/organized-creativity\/2017\/01\/20\/organized-creativity-projektvorstellung\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Organized Creativity Practices for Inducing and Coping with Uncertainty Von J\u00f6rg Sydow, Gregory Jackson und Elke Sch\u00fc\u00dfler, Berlin\/Linz, 20. Januar 2017 Beschreibung des Forschungsvorhabens: &#8222;Organisierte Kreativit\u00e4t \u2013 Praktiken zur Induzierung von und zum Umgang mit Unsicherheit&#8220; Der Begriff \u201eorganisierte Kreativit\u00e4t\u201c erscheint widerspr\u00fcchlich: Kreative Prozesse sind per se unsicher und lassen sich nur eingeschr\u00e4nkt steuern. 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