{"id":279,"date":"2019-08-16T13:46:38","date_gmt":"2019-08-16T11:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=279"},"modified":"2021-05-31T06:40:32","modified_gmt":"2021-05-31T04:40:32","slug":"lars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/lars\/","title":{"rendered":"&#8222;Lars&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von Sophie S.<\/strong><\/p>\n<p>Der Mikroartikel bezieht sich auf eine Musikstunde in einer dritten Klasse an einer musikalisch orientierten Grundschule. Die Klasse ist im Vergleich zu den anderen Klassen der Schule sehr klein. Sie besteht nur aus 20 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, wobei in dieser Stunde zwei Kinder aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht anwesend waren. In den vorhergehenden Stunden haben die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die Laute erforscht, welche sie mit ihrem eigenen K\u00f6rper erzeugen k\u00f6nnen wie z.B. Klatschen, Stampfen, Pfeifen und viele mehr. Au\u00dferdem haben sich Frau X. und die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit dem Kinderlied \u201eMusik den ganzen Tag\u201c auseinandergesetzt, es gemeinsam geh\u00f6rt und auch schon gesungen. Diese Stunde soll in der Aula stattfinden, wobei es wieder um die bereits zuvor behandelten Inhalte gehen soll. Bereits vor der Unterrichtsstunde wurde ich vorgewarnt, dass in dieser Klasse auch ein Sch\u00fcler sei, welcher durch besonders st\u00f6rendes, geradezu unkontrolliertes Verhalten auffiele, die anderen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aber einen Weg gefunden h\u00e4tten, damit umzugehen, was als interessant und bewundernswert anmoderiert wurde. <!--more-->Direkt zu Beginn der Unterrichtsstunde f\u00e4llt auf, dass die Lehrerin eine sehr gute Beziehung zu der Klasse hat. Sie begr\u00fc\u00dft die Kinder freundlich und wird offensichtlich bereits freudig erwartet. Direkt zu Beginn der Stunde macht sie deutlich, was sie heute mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern vorhat und was ihr dabei wichtig ist. Sie m\u00f6chte mit den Kindern in die Aula gehen und dort den Musikunterricht stattfinden lassen. Hierbei ist es ihr wichtig, dass die Sch\u00fcler sich auf dem Weg zur Aula leise verhalten, die Schuhe vor der Aula in eine Reihe stellen und in der Aula drei Stuhlreihen gegen\u00fcber vom Fl\u00fcgel hintereinander aufbauen.<br \/>\nW\u00e4hrend sie ihr Vorhaben der Klasse vorstellt, kommt der verhaltensoriginelle Sch\u00fcler, im Weiteren Lars genannt (<em>Name ge\u00e4ndert<\/em>), ungefragt nach vorn und beginnt hinter Frau X. wild auf der Tafel zu kritzeln. Frau X. weist ihn bestimmt aber freundlich darauf hin, dass sie das jetzt gerade nicht m\u00f6chte und sich w\u00fcnscht, dass er sich wieder auf seinen Platz setzt. Als er dies ignoriert, nimmt sie ihn sanft bei der Schulter und sagt, dass sie sich gern auf ihn verlassen m\u00f6chte, wenn die Klasse in die Aula geht und dass sie wei\u00df, dass er sich jetzt schon viel besser benehmen kann als in den Jahren zuvor und darauf sehr stolz ist. Wenn er sich jetzt wieder benehmen w\u00fcrde, w\u00e4re sie sehr froh dar\u00fcber. Daraufhin setzt sich Lars und ist halbwegs ruhig. Obwohl die Klasse aus sehr jungen Kindern besteht, ist es bemerkenswert, wie gut sie sich trotz des teilweise sehr unangemessenen und st\u00f6renden Verhaltens von Lars konzentrieren k\u00f6nnen, indem sie seine Anwandlungen ausblenden.<br \/>\nAnschlie\u00dfend gehen Frau X. und die Klasse zur Aula. Als alle Kinder in den selbst gebildeten Stuhlreihen sitzen lobt Frau X. die Kinder ausgiebig, weil das zur Aula laufen, Schuhe hinstellen und Stuhlreihen bilden sehr gut funktioniert hat. Nun singt sie mit den Kindern \u201eMusik den ganzen Tag\u201c und begleitet die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dabei auf dem Fl\u00fcgel. Bei<br \/>\nWortmeldungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, geht sie sehr interessiert und auf Augenh\u00f6he mit ihnen ins Gespr\u00e4ch und bringt den Kindern ihre Wertsch\u00e4tzung entgegen. Sie zeigt, dass es ihr wichtig ist, was die Kinder sagen m\u00f6chten und dass sie es gut mit ihnen meint, auch mit dem verhaltensoriginellen Sch\u00fcler, der begeistert mitsingt. Als er pl\u00f6tzlich anf\u00e4ngt zu Kippeln und ein anders Kind zu bedr\u00e4ngen, verspielt sich Frau X. absichtlich kurz auf dem Fl\u00fcgel, um seine Aufmerksamkeit zu erlagen und ihm einen verwarnenden Blick zuzuwerfen, ohne das Lied und damit den Unterricht unterbrechen zu m\u00fcssen. Lars versteht und kippelt nur noch ein bisschen. Anschlie\u00dfend bildet sie mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern einen Kreis, wobei im vorgegebenen Takt Laute mit dem K\u00f6rper gebildet werden. Alle Kinder werden aktiviert und bekommen den n\u00f6tigen Freiraum, um eigene Ideen einzubringen. Lars macht manchmal etwas anderes als die Klasse, dies wird aber toleriert, da er zumindest aktiv teilnimmt und nicht st\u00f6rt. Zuletzt lobt Frau X. nochmals die Klasse und bedankt sich f\u00fcr die sch\u00f6ne Musikstunde. Die Kinder sind fr\u00f6hlich und gehen beschwingt in die Pause.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten und Folgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Durch die von Frau X. gew\u00e4hlte Unterrichtsgestaltung und Form gelang ihr eine Aktivierung aller Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Klasse. Durch die verschiedenen Aktivit\u00e4ten konnten unterschiedliche Vorlieben der Kinder getroffen werden, wodurch der Unterricht allen Kindern Spa\u00df gemacht hat. Durch die wertsch\u00e4tzende Beziehung zwischen der Klasse und Frau X. gelang auch die Bew\u00e4ltigung schwierigerer Anforderungen, da die Kinder sich M\u00fche gegeben haben und Frau X. klar und deutlich artikuliert hat, was ihr wichtig ist und was die Kinder tun sollen. Dadurch kommt auch ein ungest\u00f6rter Unterrichtsfluss zu Stande. Au\u00dferdem hat sie auch den verhaltensoriginellen Sch\u00fcler gut in den Unterricht einbinden k\u00f6nnen und eine geeignete Art und Weise gefunden, mit seinem Fehlverhalten umzugehen, indem sie ihm und der gesamten Klasse das Gef\u00fchl vermittelt, dass sie ihnen vertraut und es gut mit ihnen meint, was insgesamt zu einer sehr angenehmen Atmosph\u00e4re gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wie gelingt die Etablierung einer in diesem Ma\u00dfe wertsch\u00e4tzenden Beziehung zwischen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern und der Lehrkraft?<\/li>\n<li>Wie findet man die richtige Umgangsform mit verhaltensoriginellen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern?<\/li>\n<li>Wie kann man (gleichzeitig) mehrere Aktivit\u00e4tsformen in den Unterricht einbringen, um alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler individuell nach ihrem Lerntyp zu f\u00f6rdern?<\/li>\n<li>Wie gelingt die Kontrolle der Klasse bei Aktivit\u00e4ten, bei denen es sehr belebt in der Klasse werden kann? (Kontrolle im Sinne von: Besch\u00e4ftigen sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler tats\u00e4chlich mit der Aufgabe oder machen sie etwas anderes?)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Sophie S. Der Mikroartikel bezieht sich auf eine Musikstunde in einer dritten Klasse an einer musikalisch orientierten Grundschule. Die Klasse ist im Vergleich zu den anderen Klassen der Schule sehr klein. Sie besteht nur aus 20 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, wobei in dieser Stunde zwei Kinder aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht anwesend waren. 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