{"id":400,"date":"2020-03-27T16:42:54","date_gmt":"2020-03-27T15:42:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=400"},"modified":"2021-06-03T07:16:49","modified_gmt":"2021-06-03T05:16:49","slug":"der-schueler-las-seinen-kurzen-text-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/der-schueler-las-seinen-kurzen-text-vor\/","title":{"rendered":"\u201eDer Sch\u00fcler las seinen kurzen Text vor, der viele Probleme im Satzbau, Vokabular und Grammatik aufwies.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von Judith B.<\/strong><\/p>\n<p>Mein Orientierungspraktikum absolvierte ich an einer Gemeinschaftsschule, deren Sch\u00fcler gr\u00f6\u00dftenteils einen nicht-deutschsprachigen famili\u00e4rer Hintergrund haben. An einem Dienstag besuchte ich in der f\u00fcnften Stunde den Deutschunterricht einer 12. Klasse, der von Frau K. gef\u00fchrt wurde. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hatten in der letzten Unterrichtseinheit einen Text zum Thema Entwicklung und Entwicklungstendenzen der deutschen Sprache im digitalen Zeitalter gelesen und sollten als Hausaufgabe eigene Gedanken zu diesem Thema kurz verschriftlichen. Die Lehrkraft Frau K. fragte, wer seine Hausaufgabe vorlesen wolle und rief, nachdem sich einige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gemeldet hatten, einen Sch\u00fcler auf. Der Sch\u00fcler las seinen kurzen Text vor, der viele Probleme im Satzbau, Vokabular und Grammatik aufwies.<!--more--> Statt den Sch\u00fcler auf diese M\u00e4ngel hinzuweisen und ihn zu korrigieren, h\u00f6rte Frau K. sich den Text bis zum Ende an. Anschlie\u00dfend stellte Frau K. Fragen an den Sch\u00fcler, die das Ziel hatten, die Gedanken, die er versucht hatte in dem Text darzustellen, zu pr\u00e4zisieren und argumentativ aufzubereiten. Frau K. entschied in dieser Situation also, den Inhalt des Textes zu bearbeiten, anstatt die Form zu korrigieren.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten <\/strong><\/p>\n<p>Frau K. hat in dieser Situation meiner Ansicht nach richtig gehandelt. Statt den Gedankenfluss des Sch\u00fclers zu unterbrechen und durch die Korrekturen an seinem Text seine Motivation m\u00f6glicherweise zu mindern, konzentrierte sich Frau K. auf das Wesentliche der Hausaufgabe. N\u00e4mlich auf den vorgelesenen Text und das Thema, Gedanken eigenst\u00e4ndig zu formulieren und dabei formal argumentativ vorzugehen.<br \/>\nNat\u00fcrlich darf \u00fcber M\u00e4ngel im schriftlichen Ausdruck bei Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen nicht hinweggesehen werden, da die Korrektheit der Schriftsprache bei der Notengebung ebenso relevant ist. Frau K. erkl\u00e4rte mir nach der Unterrichtsstunde aber, dass sie sich die Fehler der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen merke und notiere. Ihr Vorgehen sei es dann, die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen nach dem Unterricht oder in einer anderen Arbeitsphase im Unterricht individuell auf diese Fehler aufmerksam zu machen. Wenn sie Fehler entdeckt, die sich bei verschiedenen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen wiederholen, wiederholt sie dieses Thema im Unterricht noch einmal kurz f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><strong>Meine Folgerungen <\/strong><\/p>\n<p>Deutsch als Zweitsprache ist ein enorm wichtiges Thema und deshalb fand ich es sehr interessant, beobachten zu d\u00fcrfen, wie eine Lehrkraft in einer konkreten Unterrichtssituation mit dieser Thematik umgeht. Frau K. hat so gehandelt wie es im DaZ-Modul im Lehramtsstudium empfohlen wird. Sie korrigierte nicht jeden einzelnen Fehler direkt, sondern geb\u00fcndelt und gefiltert in einem passenden Moment oder einer entsprechend geplanten Unterrichtseinheit.<br \/>\nDie Gemeinschaftsschule hat im Hinblick auf die Verbesserung des Deutschen noch weitere F\u00f6rderma\u00dfnahmen, die in den Stundenplan regul\u00e4r integriert sind. In T\u00dcV-Stunden zum Deutschunterricht k\u00f6nnen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen ihre Hausaufgaben machen und werden individuell betreut. Mir wurde jedoch von mehreren Lehrkr\u00e4ften erz\u00e4hlt, dass das schriftliche Sprachniveau in Deutsch sogar bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der 13. Klasse so mangelhaft ist, dass deren Klausuren inhaltlich sehr gut bis gut sind, aber aufgrund des schriftsprachlichen Ausdrucks h\u00e4ufig ein bis zwei Noten schlechter bewertet werden m\u00fcssen. Ich frage mich somit, ob die bestehenden F\u00f6rderma\u00dfnahmen ausreichend sind. Meiner Meinung nach wird das Thema schriftliche Sprachf\u00f6rderung noch viel zu wenig umgesetzt und es ist frustrierend zu sehen, dass sich intelligente und f\u00e4hige Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen M\u00f6glichkeiten verbauen, weil sie aufgrund von mangelhaften schriftlichen Deutschkenntnissen schlechtere Noten bekommen.<\/p>\n<p><strong>Meine Anschlussfragen <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Mit welchen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnte man der Problematik begegnen?<\/li>\n<li>Lassen sich zus\u00e4tzliche F\u00f6rdereinheiten in einen sowieso schon vollen Lehrplan integrieren?<\/li>\n<li>Wie m\u00fcsste in der Ausbildung und Weiterbildung von Lehrkr\u00e4ften darauf reagiert werden?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Judith B. Mein Orientierungspraktikum absolvierte ich an einer Gemeinschaftsschule, deren Sch\u00fcler gr\u00f6\u00dftenteils einen nicht-deutschsprachigen famili\u00e4rer Hintergrund haben. 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