{"id":426,"date":"2020-03-27T18:35:10","date_gmt":"2020-03-27T17:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=426"},"modified":"2021-03-23T13:09:11","modified_gmt":"2021-03-23T12:09:11","slug":"felix-hingegen-sagte-nichts-und-drehte-sich-mit-wuetendem-gesicht-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/felix-hingegen-sagte-nichts-und-drehte-sich-mit-wuetendem-gesicht-weg\/","title":{"rendered":"\u201eFelix hingegen sagte nichts und drehte sich mit w\u00fctendem Gesicht weg.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von Laura J.<\/strong><\/p>\n<p>Da meine Mentorin an einem Tag krank war, hospitierte ich ausnahmsweise in einer 3. Klasse, die ich bisher kaum kannte. Ebenso kannte ich auch die Lehrerin in der Klasse kaum bzw. wusste nichts \u00fcber ihre Beziehung zu den Sch\u00fcler-\/innen. Zum Verst\u00e4ndnis der Situation ist es wichtig zu wissen, dass die Klasse aus nur 7 M\u00e4dchen und 15 Jungen bestand. Es waren gerade drei Wochen nach den Sommerferien vergangen und die Klassenlehrerin meinte zu den Kindern, dass sie nun drei Wochen so sitzen konnten wie sie wollten, sie nun aber jeden besser kennt und einsch\u00e4tzen kann, neben wem jeder gut arbeiten kann. Danach \u00f6ffnete sie am Smartboard eine Datei wo eine Draufsicht des Klassenraums zu sehen war und jedes Kind erkennen konnte, wo es zu nun zu sitzen hat.<br \/>\nAls bereits die ersten Kinder aufspringen wollten um an ihren neuen Platz zu laufen und einige Kinder ihre Meinung zu ihrem neuen Sitzplatz verbal \u00e4u\u00dfern wollten, meinte die Lehrerin mit kr\u00e4ftiger Stimme: \u201eMoment! Konnte denn jeder seinen neuen Platz finden?\u201c. Nach Zustimmung aus der Klasse gab sie den Auftrag, alles einzupacken und leise an den neuen Platz zu laufen. Es entstand etwas Gewusel im Klassenraum. <!--more-->Nach ungef\u00e4hr vier Minuten hatte jeder seine ganzen Sachen am Sitzplatz organisiert und wer schon fertig war, diskutierte mit seinem Sitznachbarn dar\u00fcber, wie zufrieden er mit dem neuen Platz war.<br \/>\nAls langsam wieder Stille einkehrte, bemerkte die Lehrerin, dass alle richtig sa\u00dfen, bis auf ein Junge, welcher hinten in der Klassenraumecke mit verschr\u00e4nkten Armen stand. Sie meinte: \u201eSehr gut, wie ich sehe hat jeder seinen Platz gefunden. Felix (<em>Name ge\u00e4ndert<\/em>), was ist mit dir? Warum sitzt du nicht auf deinem Platz?\u201c. Felix hingegen sagte nichts und drehte sich mit w\u00fctendem Gesicht weg. Die Lehrerin ging zu ihm hin und fragte ihn erneut, wieder keine Antwort. Doch ein M\u00e4dchen aus der Klasse sagte zur Lehrerin: \u201eEr m\u00f6chte nicht neben zwei M\u00e4dchen sitzen!\u201c. Die Lehrerin schaute sich im Raum um und meinte zu einem anderen Jungen: \u201eTom (<em>Name ge\u00e4ndert<\/em>)! Du sitzt neben zwei M\u00e4dchen, findest du das schlimm?\u201c Der Junge verneinte. Die Lehrerin versuchte Felix seinen neuen Platz etwas zu verkaufen, scheiterte jedoch. Letztendlich meinte sie: \u201eOkay Felix, meinetwegen bleib da stehen, dann hast du deinen neuen Platz ja. Jedoch w\u00fcrde ich nicht gern ein ganzes Schuljahr stehen m\u00fcssen.\u201c<br \/>\nDie Lehrerin ging wieder nach vorne und f\u00fchrte ganz normal ihre Mathestunde fort und beachtete Felix auch nicht weiter. Felix stand tats\u00e4chlich ganze 45 Minuten hinten, st\u00f6rte aber auch den Unterricht nicht. Die Unterrichtsstunde war f\u00fcr die Klasse auch die letzte an diesem Tag. Die Lehrerin meinte: \u201eSo, wir schauen mal, wer ordentlich sitzt und schon gehen kann.\u201c. Sie z\u00e4hlte nach und nach Namen auf, welche Kinder dann den Raum verlassen konnten. Felix schaute sich um und nahm seine Tasche und setzte sich auf seinen eigentlichen neuen Platz, da er vermutlich dachte, dass wenn er nicht ordentlich auf seinem Platz sitzt, er auch nicht gehen darf. Die Lehrerin rief ihn kommentarlos auf und er verlie\u00df den Raum, blieb aber im Flur stehen und lief etwas nerv\u00f6s umher. Nach kurzer Zeit kam er wieder in den Klassenraum und streckte seine Hand zur Lehrerin und meinte: \u201eEntschuldigung, dass ich so ausgerastet bin, ich werde mich ab morgen auf meinen Platz setzen.\u201c Die Lehrerin antwortete: \u201eMit der Einsicht habe ich nicht gerechnet, freue mich aber umso mehr. Bis Morgen!\u201c<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n<p>Ich wusste erst nicht, was ich davon halten soll, dass sie den Jungen in der Ecke stehen lie\u00df. Ich h\u00e4tte aber auch nicht gewusst, was ich an ihrer Stelle gemacht h\u00e4tte, da der Junge sich komplett verschloss. Da sie ihn aber in keinster Weise blo\u00dfstellte, fand ich ihre Reaktion auch nicht unangebracht. Letztendlich hat der Junge aber \u00fcber sein Verhalten nachgedacht, Einsicht gezeigt und sich sogar entschuldigt. Die Frage welche offen bleibt ist, ob sie andere Konsequenzen am Folgetag gezogen h\u00e4tte, wenn er sich nicht entschuldigt h\u00e4tte oder ob ein Gespr\u00e4ch zustande gekommen w\u00e4re, wenn er sich nicht freiwillig am Ende der Stunde auf seinen Platz gesetzt h\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Aus der oben beschriebenen Situation nehme ich mit, dass man Kindern in manchen Situationen vielleicht lieber Zeit einr\u00e4umen sollte anstatt zu appellieren. Wie ich nach der Stunde von ihr erfuhr, endet es bei dem Jungen schnell in gro\u00dfen Wutausbr\u00fcchen, bei welchen er herumschreit und Sachen durch die Gegend wirft. Deshalb meinte sie, dass man aufpassen muss, was man sagt, er aber nach gewisser Zeit oft Einsicht zeigt. Das hat mir gezeigt, dass man durch eine gute Kenntnis \u00fcber jeden Sch\u00fcler durchaus Streitsituationen vermeiden kann. Sie wusste genau, was sie dem Sch\u00fcler sagen konnte ohne ihn zu sehr zu reizen. Wom\u00f6glich h\u00e4tte sie anders reagiert, wenn ein anderer Sch\u00fcler in der Ecke gestanden h\u00e4tte. Jedoch ist es wichtig, egal was in einem gerade vorgeht, nie die Fassung zu verlieren und auf keinen Fall einen Sch\u00fcler oder eine Sch\u00fclerin blo\u00dfzustellen.<\/p>\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wie h\u00e4tte ich in der Situation reagiert?<\/li>\n<li>Ist es okay bei anderen Sch\u00fclern oder Sch\u00fclerinnen anders zu reagieren?<\/li>\n<li>Wie schaffe ich es, Kinder zur Einsicht zu bewegen?<\/li>\n<li>Ist es m\u00f6glich, immer angemessen zu reagieren?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Laura J. Da meine Mentorin an einem Tag krank war, hospitierte ich ausnahmsweise in einer 3. 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