{"id":474,"date":"2020-04-01T09:54:11","date_gmt":"2020-04-01T07:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=474"},"modified":"2020-04-01T09:54:11","modified_gmt":"2020-04-01T07:54:11","slug":"pausen-muessen-nicht-immer-starr-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/pausen-muessen-nicht-immer-starr-sein\/","title":{"rendered":"\u201ePausen m\u00fcssen nicht immer starr sein, \u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von einem Lehramtsstudenten im 2. Semester<\/strong><\/p>\n<p>In meiner Praktikumsschule wird neben J\u00fcL (= jahrgangs\u00fcbergreifendem Unterricht) auch Unterricht in 90-Minuten-Bl\u00f6cken praktiziert, weswegen oft innerhalb eines Blocks zwei F\u00e4cher behandelt werden, wie zum Beispiel an diesem Tag Mathematik und Deutsch. Die Klassenlehrerin Frau X der J\u00fcL Klasse 4-6 arbeitet im Unterricht mit selbst erstellten &#8222;Lernwegen&#8220; f\u00fcr die Kinder. Dies sind Aufgabenhefte unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die es den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern (SuS) erm\u00f6glichen, entsprechend ihres Leistungsniveaus Aufgaben in Selbstarbeit und durch Kooperation mit Tischnachbarn zu l\u00f6sen. Die individuellen Leistungsziele werden am Ende einer jeden Woche f\u00fcr die jeweils n\u00e4chste Woche von den Kindern selbst definiert und in ihren Logb\u00fcchern eingetragen.<br \/>\nAm Montag im ersten Block besprach die Lehrerin mit den SuS noch einmal deren selbst gesteckte Wochenziele. Dabei gab sie lediglich vor, dass zun\u00e4chst mit den Deutschaufgaben angefangen werden sollte, um im zweiten Teil des 90-Minuten-Blocks dann die Mathematik-Lernwege zu bearbeiten. Nach individueller Absprache mit der Lehrerin und unter Angabe von konkreten Gr\u00fcnden durften einige SuS auch mit den Mathematik Aufgaben beginnen.<br \/>\nIn (f\u00fcr mich) erstaunlich ruhiger und motivierter Weise bildeten sich selbstst\u00e4ndig Lerngruppen, die die jeweiligen Aufgaben in konzentrierter und kooperativer Weise durchgingen. <!--more-->Die Lehrerin ging dabei kontinuierlich von Lerngruppe zu Lerngruppe, um Unterst\u00fctzung zu geben und um sich jeweils eine individuellen Eindruck \u00fcber den Lernstand der SuS zu verschaffen. Nach ca. 50 Minuten wurde es zusehends lauter und unruhiger in der Klasse, was auch daran lag, dass einige mit ihren selbst gesteckten Aufgaben bereits fertig waren und statt die Aufgaben des anderen Unterrichtsfaches zu l\u00f6sen, lieber bei Tischnachbarn oder an anderen Tischen schauen wollten, was die Mitsch\u00fcler*innen machten. Da trotz kleinerer St\u00f6rungsinterventionen durch konstruktive Ermahnungen seitens der Lehrerin die Unruhe im Klassenraum stieg und immer mehr Kinder ihre Aufgaben nicht mehr bearbeiteten, l\u00e4utete sie drei Mal einen Gong, der f\u00fcr die Kinder das Signal war, mit was auch immer sie gerade taten aufzuh\u00f6ren und der Lehrerin zuzuh\u00f6ren.<br \/>\nDie Lehrerin teilte der Klasse mit, dass sie es sehr gut fand, wie aufmerksam und produktiv die Klasse in der letzten dreiviertel Stunde gearbeitet hat und dass ihr aufgefallen war, dass es in den letzten f\u00fcnf Minuten deutlich lauter und unruhiger geworden war. Daher bat sie alle Kinder aufzustehen und f\u00fchrte ihnen verschiedene Dehn-, Entspannungs- und Lockerungs\u00fcbungen vor, die die Kinder nachmachen sollten. So konnten sich die Kinder f\u00fcr ca. drei Minuten im Raum bewegen und gedanklich abschalten. Im Anschluss gingen die SuS alle mit sichtlich gestiegener Motivation wieder an ihre Aufgaben und arbeiteten bis zum Ende des Blocks in erneut ruhiger und konzentrierter Weise weiter.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n<p>Ich war zu Beginn sehr skeptisch wie und ob \u00fcberhaupt Kinder der 4.-6. Klasse sinnvoll in einem 90-Minuten-Block arbeiten k\u00f6nnten. Mir schien das eine viel zu lange Zeitspanne zu sein. Nun k\u00f6nnte man denken, dass die Unruhe nach ca. 50 Minuten genau dies best\u00e4tigte, aber ich habe Tage an der Schule erlebt, in denen es den Kindern in keinster Weise schwerfiel, auch f\u00fcr 90 Minuten durchgehend konzentriert und motiviert zu sein, was auch in dem abwechslungsreichen Handlungsprogramm der Lehrerin lag. Man darf das Leistungsverm\u00f6gen der SuS also nicht untersch\u00e4tzen und sie durchaus auch fordern. Wichtig ist nur, ein feines Gesp\u00fcr zu entwickeln, wann tats\u00e4chlich eine kurze Pause sinnvoll ist. Daf\u00fcr bedarf es eines kontinuierlichen Monitorings.<br \/>\nDie Verkn\u00fcpfung der Pause mit f\u00fcr die Kinder sehr sinnvollen Entspannungs- und Lockerungs\u00fcbungen, bei denen auch gelacht und gespa\u00dft werden darf, ist f\u00fcr mich ein sehr interessantes Konzept, dass ein flexibles Zeitmanagement erm\u00f6glicht und de facto keiner Vorbereitung oder Materialien bedarf. Durch die Ritualisierung dieses Kurzpausen-Konzepts sind die Kinder es schon gewohnt, sich im Anschluss wieder konzentriert und motiviert ihren Aufgaben zu widmen.<\/p>\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Pausen m\u00fcssen nicht immer starr sein, sondern k\u00f6nnen variabel je nach Bedarf eingesetzt werden, um den Kindern eine k\u00f6rperliche und geistige Abwechslung zu erm\u00f6glichen. Dies er\u00f6ffnet auch die M\u00f6glichkeit, l\u00e4nger als die \u00fcblichen 45 Minuten an einem Thema konstruktiv zu arbeiten. Die individuellen Bed\u00fcrfnisse der SuS stehen im Vordergrund und nicht die strikt vorgegebenen Unterrichtseinheiten.<br \/>\nWichtig ist es sicherlich, den richtigen Moment f\u00fcr diese kurzen Pausen zu finden. Ist er zu fr\u00fch, werden die Kinder aus ihren Lernprozessen &#8222;herausgerissen&#8220;, was bei noch bestehender Motivation zu Frust f\u00fchren kann. Unterbricht man den Unterricht hingegen zu sp\u00e4t, reicht eine kurze Pause m\u00f6glicherweise nicht mehr aus, um im Anschluss wieder ein produktives Arbeitsklima zu etablieren. Auch wird es n\u00f6tig sein, die \u00dcbungen zu variieren, damit die Kinder zwar die Pause als Routine empfinden, nicht aber deren Ausgestaltung.<\/p>\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Woher wei\u00df ich, wann der richtige bzw. optimale Zeitpunkt f\u00fcr eine Pause ist?<\/li>\n<li>Wie kann ich mein Handlungsprogramm variieren, wenn die Unterbrechung nicht f\u00fcr eine Steigerung der Motivation und Konzentration ausreichend war?<\/li>\n<li>Was kann ich tun, um bei einer inklusiven Schule auch SuS zu motivieren, die die \u00dcbungen aufgrund k\u00f6rperlicher Einschr\u00e4nkungen nicht durchf\u00fchren k\u00f6nnen?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von einem Lehramtsstudenten im 2. 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