{"id":483,"date":"2020-04-01T12:33:08","date_gmt":"2020-04-01T10:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=483"},"modified":"2021-04-29T09:21:46","modified_gmt":"2021-04-29T07:21:46","slug":"wieder-einmal-rief-moritz-etwas-unueberhoerbar-lautes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/wieder-einmal-rief-moritz-etwas-unueberhoerbar-lautes\/","title":{"rendered":"\u201eWieder einmal rief Moritz etwas un\u00fcberh\u00f6rbar Lautes in den Unterricht hinein, \u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von Marcus R.<\/strong><\/p>\n<p>Die im Folgenden beschriebene Situation ereignete sich w\u00e4hrend des Unterrichts einer 8. Klasse im Fach Biologie. Es war w\u00e4hrend des dritten Unterrichtsblocks und es war ein sehr hei\u00dfer Tag. Beide Faktoren haben einen Einfluss auf die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (SuS) genommen. Die SuS dieser Klasse sind, wie so viele Jugendliche in ihrem Alter, recht energiegeladen und suchen bei jeder Gelegenheit die M\u00f6glichkeit, etwas anderes zu tun, als dem Unterricht zu folgen. Besonders einem Sch\u00fcler, im Folgenden nur noch Moritz genannt (<em>Name ge\u00e4ndert<\/em>), f\u00e4llt es besonders schwer, dem Unterricht zu folgen und er nutzt jede freie Sekunde auch andere SuS vom Unterricht abzulenken.<!--more--><br \/>\nDie SuS befanden sich am Anfang des Themas Organsysteme und sollten zur Wiederholung als Klasse gemeinsam tierische und pflanzliche Zellmodelle beschreiben. Im Anschluss sollten die SuS ihre Ideen zu Organsystemen, die sie bereits kennen, nennen, sodass die Lehrerin diese an ein Whiteboard schreiben konnte. W\u00e4hrend dieses Einstiegs in das Thema war die Klasse gr\u00f6\u00dftenteils konzentriert und vor allem waren die Beitr\u00e4ge meist konstruktiv und wurden nicht einfach in den Raum gerufen. Allerdings machte sich vor allem im hinteren Teil der Klasse Unruhe bemerkbar. Es begannen sich viele SuS zu unterhalten und dem Unterricht keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken.<br \/>\nViele dieser Unruhen entstanden durch Moritz, der in seinen Sachen herumsuchte, mit Kaugummis spielte, einfach aufstand und herumlief, sich mit seinen Banknachbarn unterhielt und wahllos Dinge in den Raum hineinrief. Auf mich wirkte es so, als w\u00fcrden die allermeisten dieser Aktionen von Moritz die anderen SuS eher nerven, als dass sie sie interessierten. Die Lehrerin konnte nahezu alle dieser St\u00f6rungen durch direktes Ansprechen des Betroffen unterbinden. Mir ist aufgefallen, dass Sie dabei, wie auch im restlichen Unterricht, eine ruhige Stimme beibehielt. Sie lie\u00df sich auf keine Diskussionen ein und machte meist noch kleinere Scherze. Diese waren nie herabw\u00fcrdigend und haben oft die gesamte Klasse zum Kichern gebracht, auch die betroffen SuS. So hat sie die Aufmerksamkeit der SuS wieder auf sich gezogen und konnte mit dem Unterricht fortfahren.<br \/>\nDoch die eigentlich interessanteste Situation war die, in der die Lehrerin gar nicht reagierte. Wieder einmal rief Moritz etwas un\u00fcberh\u00f6rbar Lautes in den Unterricht hinein, doch keiner der SuS reagierte. Anscheinend waren sie von seinem Kommentar genervt und ignorierten ihn einfach. Auch die Lehrerin ignorierte den Kommentar von Moritz und was zur\u00fcckblieb war nur ein Moritz der neben seinem Stuhl stehend auf eine Reaktion der Klasse wartete. Nach einem kurzen Augenblick voller Stille setzte er sich wieder hin und der Unterricht nahm seinen Lauf von dort an, ohne weitere St\u00f6rungen von Moritz, fort.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n<p>In dieser Situation habe ich erkannt, dass es beim Umgang mit St\u00f6rungen oft mehrere Handlungsm\u00f6glichkeiten gibt und dass diese sehr abh\u00e4ngig von der jeweiligen Situation sind. Moritz scheint mit seinen Aktionen nach der Aufmerksamkeit anderer zu suchen und nachdem diese ihm verweigert wurde, hat er kurzer Hand aufgegeben. Was die Reaktion der Lehrerin angeht, so war es aus meiner Sicht ein etwas riskantes Vorgehen: Nicht zu agieren h\u00e4tte auch nach hinten losgehen k\u00f6nnen und dem Sch\u00fcler signalisieren k\u00f6nnen: \u201eIch toleriere dein Verhalten, mach weiter.&#8220;<br \/>\nDes Weiteren h\u00e4tte es sicher M\u00f6glichkeiten gegeben, St\u00f6rungen im Unterricht pr\u00e4ventiv zu verhindern. Konkret stelle ich mir vor, dass die SuS selbst Begriffe an das Whiteboard h\u00e4tten schreiben k\u00f6nnen, um sie so aktiver in den Unterricht zu integrieren. Die perfekte L\u00f6sung f\u00fcr den Umgang mit s\u00e4mtlichen St\u00f6rungen wird es &#8211; denke ich &#8211; nicht geben. Es bleibt also eine F\u00e4higkeit des Lehrers, schnell zu erkennen, ob und wie auf eine bestimmte St\u00f6rung reagiert werden sollte. Dennoch sollte vor allem Moritz weiter beobachtet werden und ggf., nach weiteren Wochen der Beobachtung und bei kontinuierlichem st\u00f6renden Verhalten, ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch mit ihm in Betracht gezogen werden.<\/p>\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, St\u00f6rungen pr\u00e4ventiv zu verhindern?<\/li>\n<li>Wie findet man heraus, welche Reaktion auf eine St\u00f6rung die Beste ist?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Marcus R. Die im Folgenden beschriebene Situation ereignete sich w\u00e4hrend des Unterrichts einer 8. Klasse im Fach Biologie. Es war w\u00e4hrend des dritten Unterrichtsblocks und es war ein sehr hei\u00dfer Tag. Beide Faktoren haben einen Einfluss auf die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (SuS) genommen. 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