{"id":571,"date":"2021-03-23T13:32:51","date_gmt":"2021-03-23T12:32:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/?p=571"},"modified":"2021-03-23T13:37:34","modified_gmt":"2021-03-23T12:37:34","slug":"als-tom-seine-hausaufgabe-vorlesen-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/als-tom-seine-hausaufgabe-vorlesen-sollte\/","title":{"rendered":"&#8222;Als Tom seine Hausaufgabe vorlesen sollte, war er nicht einmal mehr in der Lage, einige S\u00e4tze ernsthaft und korrekt vor der Klasse vorzutragen &#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Beitrag von Patrice v. G.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meiner Hospitation im Unterricht der 6. Klasse sa\u00df ich in der letzten Reihe neben Tom (Name ge\u00e4ndert) einem aus meiner Sicht sehr leistungsstarken Sch\u00fcler, der keine Probleme hatte, die gestellten Aufgaben korrekt zu bearbeiten. In der darauffolgenden Stunde sa\u00df Tom jedoch neben seinem Freund Luis (Name ge\u00e4ndert), der mir schon vorher aufgrund seines albernen Verhaltens als Quelle f\u00fcr Unterrichtsst\u00f6rungen aufgefallen war und ein nicht so leistungsstarker Sch\u00fcler war. Tom \u00fcbernahm dieses Verhalten leider sehr schnell, was sich negativ auf seine Konzentration auswirkte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Als Tom seine Hausaufgabe vorlesen sollte, war er nicht einmal mehr in der Lage, einige S\u00e4tze ernsthaft und korrekt vor der Klasse vorzutragen, obwohl er sie nur h\u00e4tte ablesen m\u00fcssen. Frau X hat die Quelle der St\u00f6rung sehr schnell erkannt, Tom an einen anderen Platz gesetzt und beide Sch\u00fcler in einem ruhigen Moment pers\u00f6nlich darauf hingewiesen bitte leise zu sein und sich nicht gegenseitig abzulenken. In den folgenden zehn Minuten achtete Frau X besonders darauf, Tom und Luis m\u00f6glichst oft in den Unterricht miteinzubeziehen und beide beteiligten sich nun deutlich besser am Unterricht. Im zweiten Teil der Stunde sollten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Gruppenarbeit S\u00e4tze bilden. Sie erlaubte Tom und Luis sich wieder nebeneinander zu setzen, da sie gut mitgearbeitet hatten, sagte ihnen vorher aber deutlich, dass sie im Falle einer erneuten St\u00f6rung wieder auseinandergesetzt werden. Interessanterweise konnten die beiden Sch\u00fcler f\u00fcr den Rest der Stunde ordentlich und konzentriert miteinander arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Beispiel ist das Monitoring der Lehrperson besonders gut gelaufen. Frau X hat schnell erkannt, dass die Unkonzentriertheit von Tom nicht etwa mit seinem kognitiven Auffassungsverm\u00f6gen oder seiner emotionalen Stimmung an diesem Tag zusammenhing, sondern lediglich mit dem sozialen Umfeld, in dem sich der Sch\u00fcler in diesem Moment befand. Als besonders wertvoll empfand ich jedoch die Methode der Lehrkraft, die Sch\u00fcler f\u00fcr zehn Minuten auseinander zu setzen und sie m\u00f6glichst oft in den Unterricht miteinzubeziehen, um sie erneut zu aktivieren und f\u00fcr das Unterrichtsgeschehen zu begeistern und ihnen anschlie\u00dfend eine zweite Chance zu geben, unter der Bedingung, dass sich die Sch\u00fcler nun an die vorgegebenen Klassenregeln hielten. Dies zeigt das Vertrauen, dass die Lehrkraft den Sch\u00fclern gegen\u00fcber zeigt und schafft eine angenehmere Lernatmosph\u00e4re im Klassenraum.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Situationen wie diese sind w\u00e4hrend meines Praktikums h\u00e4ufiger aufgetreten und zeigen, dass eine fest etablierte, von der Lehrkraft vorgegebene Sitzordnung gerade in den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen f\u00fcr ein deutlich angenehmeres und f\u00f6rderlicheres Unterrichtsklima sorgt. Es ist also hilfreich, sobald man in eine neue Klasse kommt, zu beobachten, welche Peers innerhalb der Klasse entstehen oder bereits existieren und anhand dessen m\u00f6glichst fr\u00fch eine feste Sitzordnung zu erstellen und m\u00f6glichst einzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls nehme ich mit, dass kurze und ruhige Bitten, die direkt, also nicht vor der gesamten Klasse, an Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen gerichtet sind, oft mehr Wirkung erzielen, als eine strenge, \u00f6ffentliche Ansage, da der Sch\u00fcler oder die Sch\u00fclern sonst blockieren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wie wichtig ist die Klassendynamik?<\/li><li>Sollte ich nach bestimmten Intervallen regelm\u00e4\u00dfig die Sitzordnung \u00e4ndern?<\/li><li>Worauf muss ich beim Erstellen von Sitzordnungen noch achten?<\/li><li>Lernen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besser mit ihren Freund*innen oder mit anderen Klassenkameraden?<\/li><li>Was ist die effektivere Unterrichtsmethode: Ein fester Klassenverband oder einzelne, fachbezogene Kurse?<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Patrice v. 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