„Jede Stunde bekommt die Klasse drei Herzen.“

Ein Beitrag von Leyla G.

Die Klasse 6f ist unruhig und alle reden durcheinander. Die Lehrkraft Frau N. steht von ihrem Stuhl auf und geht zur Tafel, wo drei Herzen angemalt sind. Sie fängt langsam an, die Linie des einen Herzens mit ihrem Finger wegzuwischen. Plötzlich ruft eine Schülerin: „Keep quiet, please!“ Es werden immer mehr Kinder, die sich um Ruhe bemühen. Es dauert nur einige Sekunden und die Klasse ist mucksmäuschenstill. Frau N. hört auf und übrig geblieben sind zweieinhalb Herzen. Ich bin erstaunt und nachdem Frau N. der Klasse Aufgaben gegeben hat, erklärt sie mir die Situation.

Jede Stunde bekommt die Klasse drei Herzen. Wenn sie unruhig sind, verlieren sie immer sofort einen Teil der Herzen. Schafft die Klasse es bis zum Ende der Stunde, dass nicht alle Herzen abgewischt sind, bekommen sie ein „Stück Kuchen“. Hinter den Kindern wird das Stück Kuchen, was aus Pappe ist, dann angepinnt. 16 Stücke ergeben einen ganzen Kuchen. Wenn die Klasse das geschafft hat, dann dürfen sie sich aussuchen, ob sie in der nächsten Stunde einen Film schauen wollen, einen Kuchen essen möchten oder ob sie Gesellschaftsspiele spielen möchten. Wenn sie das erreicht haben, bekommen sie künftig am Anfang der Stunde ein halbes Herz weniger. Das macht Frau N. solange, bis die Klasse irgendwann gar keine Herzen mehr hat und hoffentlich auch nicht mehr braucht.

Meine Einsichten

Die geschilderte Situation ist ein gutes Beispiel für gelungenes Klassenmanagement. Ich finde, dass Frau N. sich eine sehr gute Methode ausgesucht hat, um für Ruhe in der Klasse zu sorgen. Sie muss nicht laut werden und motiviert stattdessen die Schüler:innen untereinander, für Ruhe zu Sorgen. Kein:e Schüler:in möchte persönlich dafür verantwortlich sein, dass die Klasse kein Kuchenstück am Ende der Stunde bekommt. Außerdem werden die Schüler:innen belohnt und nicht bestraft.

Meine Folgerungen

Belohnung ist oft eine bessere pädagogische Methode als Bestrafung. Die Schüler:innen lernen, dass sie für gutes Verhalten belohnt werden. Außerdem ist die Verantwortung für Ruhe zu sorgen, indirekt in den Händen der Kinder und sie können sich gegenseitig ein gutes Vorbild sein. Da ich an der Schule viele Lehrer*innen beobachtet habe, kann ich den Schluss ziehen, dass der Umgang mit Störungen von Frau N. der wirkungsvollste war. Ich werde mir das definitiv für später merken.

Meine Anschlussfragen

  • Ist Belohnung immer besser als Bestrafung?
  • Inwiefern sind Strafen in der Schule überhaupt sinnvoll?
  • Wie kann ich auch in anderen Bereichen Schüler:innen dazu motivieren, sich untereinander zu helfen, so dass die Lehrkraft nicht immer die Person ist, die bei solchen Sachen im Mittelpunkt steht?
  • In welchen Hinsichten können Kinder sich mehr helfen, als es die Lehrkraft kann?

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