{"id":277,"date":"2019-08-16T13:40:49","date_gmt":"2019-08-16T11:40:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=277"},"modified":"2023-04-21T14:32:56","modified_gmt":"2023-04-21T12:32:56","slug":"ich-wusste-nicht-worueber-ich-mit-den-schuelerinnen-und-schuelern-reden-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/ich-wusste-nicht-worueber-ich-mit-den-schuelerinnen-und-schuelern-reden-kann\/","title":{"rendered":"&#8222;&#8230; ich wusste nicht, wor\u00fcber ich mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern reden kann.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von Vanessa L.<\/strong><\/p>\n<p>In meiner dritten Woche des Orientierungspraktikums begleitete ich mit einer weiteren Praktikantin eine der Willkommensklassen w\u00e4hrend ihres Kunstunterrichts. Thema der Stunde war die Fertigstellung eines farbigen Hintergundes, welcher aus verschieden farbigen Papierst\u00fccken kreiert werden sollte.<br \/>\nMeine Aufgabe bestand darin, den Sch\u00fclern zu helfen und so viel wie m\u00f6glich mit ihnen zu reden, da sie zu diesem Zeitpunkt kaum Deutsch sprachen. Die Lehrerin der Klasse musste nebenbei eine Klausur beaufsichtigen, wodurch die Praktikantin und ich die Klasse \u00fcberwiegend alleine betreuten. Anfangs hatte ich starke Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und wusste nicht, wor\u00fcber ich mit den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen reden kann oder wie sensibel ich gewisse Themen ansprechen muss, da ich die Gr\u00fcnde ihrer Flucht beispielsweise nicht kannte. Nach den ersten drei Minuten fragte mich ein M\u00e4dchen, ob sie sich neben mich setzen kann, da sie meine Hilfe ben\u00f6tigte. Ich bemerkte ihr Interesse und Engagement, etwas zu lernen und sich mit mir zu unterhalten, wodurch unser Gespr\u00e4ch automatisch vorangetrieben wurde. <!--more--><br \/>\nIch verlor jegliche Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und begann jeden einzelnen Sch\u00fcler oder Sch\u00fclerin zu fragen, ob sie Hilfe ben\u00f6tigen. Ein Sch\u00fcler, welcher mir zu Beginn des Unterrichts als sehr sch\u00fcchtern auffiel, sprach zu diesem Zeitpunkt nur ein paar W\u00f6rter Deutsch. Ich verst\u00e4ndigte mich durch das Zeigen auf Dinge mit ihm und versuchte ihm so viel Materialien zur Verf\u00fcgung zu stellen wie m\u00f6glich, da er sich kaum traute, etwas von alleine zu benutzen. Anschlie\u00dfend setze ich mich wieder neben das M\u00e4dchen, woraufhin ein weiterer Sch\u00fcler der Klasse sich zu mir setzte. Ich half ihnen beim Bearbeiten ihres Hintergrundes und fragte sie woher sie kommen, wie es ihnen in Deutschland gef\u00e4llt, was sie bereits gesehen haben und vieles mehr. Je mehr Zeit verging, desto offener wurden beide und fingen an sehr viel von sich zu erz\u00e4hlen. Zwischendurch fragte ich immer wieder alle anderen Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen, ob sie Hilfe ben\u00f6tigen. Kurz bevor die Unterrichtsstunde zu Ende war, kam ihre Kunstlehrerin zur\u00fcck, um sich zu vergewissern, wie weit die Klasse mit dem Bearbeiten der Aufgabe vorankam. Zum Schluss verabschiedeten wir uns und halfen beim Aufr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n<p>Es wurde schnell deutlich, dass das Unterrichten in Willkommensklassen kaum vergleichbar mit dem Unterricht der herk\u00f6mmlichen Klassen ist. Es gibt keinen Rahmenlehrplan, den die Lehrer befolgen m\u00fcssen, denn das Ziel des Unterrichtens in Willkommensklassen ist es, die Sch\u00fcler und\u00a0 Sch\u00fclerinnen sprachlich so vorzubereiten, dass sie in die herk\u00f6mmlichen Klassen aufgeteilt werden k\u00f6nnen. Des Weiteren ist das Unterrichten der<br \/>\nWillkommensklassen freiwillig, denn viele Lehrkr\u00e4fte trauen es sich nicht zu, wodurch jede Unterst\u00fctzung willkommen ist.<br \/>\nMir hat die Zusammenarbeit mit den Willkommensklassen sehr gut gefallen, denn dadurch wurde mir ein neuer Einblick in einen Schulalltag gew\u00e4hrt, den ich normalerweise nicht bekommen h\u00e4tte. Die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen der Willkommensklassen sind enorm engagiert und motiviert etwas zu lernen, wodurch mein Interesse ihnen etwas beizubringen, stetig anstieg. Des Weiteren bringen sie einem enorm viel Dankbarkeit entgegen, wodurch ich sehr viel Freude an der Arbeit mit ihnen hatte.<\/p>\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Durch diese Erfahrung wurde mir bewusst, dass der Lehrerberuf viel mehr Facetten hat, als ich es mir vorgestellt habe. Auch wenn das Unterrichten in Willkommensklassen normalerweise nicht Pflicht und keine Aufgabe eines Lehrers der Mittelstufe und Oberstufe ist, sollte meiner Meinung nach jede Lehrkraft p\u00e4dagogisch genug ausgebildet sein, um in solchen speziellen F\u00e4llen aushelfen zu k\u00f6nnen. Durch diese Erfahrung stellte ich mir selber die Frage, ob ich es mir vorstellen kann, beispielsweise an Sonderschulen zu arbeiten. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir ungemein Spa\u00df. Au\u00dferdem kann man viel Einfluss auf Kinder und Jugendliche als Lehrer haben. Deshalb ist es mir pers\u00f6nlich sehr wichtig ist, dass ich genug ausgebildet werde, damit ich einen guten Einfluss auf meine sp\u00e4teren Sch\u00fcler aus\u00fcben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Vanessa L. In meiner dritten Woche des Orientierungspraktikums begleitete ich mit einer weiteren Praktikantin eine der Willkommensklassen w\u00e4hrend ihres Kunstunterrichts. 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