{"id":457,"date":"2020-03-31T11:49:26","date_gmt":"2020-03-31T09:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=457"},"modified":"2023-04-21T14:15:41","modified_gmt":"2023-04-21T12:15:41","slug":"verliebte-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/verliebte-zahlen\/","title":{"rendered":"&#8222;Verliebte Zahlen&#8220; oder &#8222;Lehrkr\u00e4fte sind auch nur Menschen &#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von&nbsp; Laura J.<\/strong><\/p>\n<p>Die folgende Situation spielte sich in einer reinen 2. Klasse einer Gemeinschaftsschule ab. Die Lehrerin sprach meistens mit recht lauter Stimme und fing auch recht schnell an zu schreien, wenn die Kinder nicht gehorchten, da dies ihrer Meinung nach eine sehr \u201eschwierige\u201c Klasse sei. Um die folgende Situation besser verstehen zu k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich vorerst das Prinzip der \u201eVerliebten Zahlen\u201c erl\u00e4utern. Die Zahlen sind dann verliebt, wenn sie zusammen das Ergebnis 10 ergeben. Sprich die 3 ist mit der 7 verliebt, die 4 mit der 6 und so weiter.<br \/>\nDie Klassenlehrerin erkl\u00e4rte kurz und knapp nochmal das Prinzip, weil die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (SuS) damit bereits vertraut waren. Nun sagte die Lehrerin immer: \u201eWenn ich die 6 bin, bist du die \u2026.\u201c und forderte anschlie\u00dfend immer ein Kind auf, die jeweilige verliebte Zahl zu sagen. Die Kinder mochten diese Aufgabe und warteten erfreut darauf, als N\u00e4chstes an der Reihe zu sein. Bis dann ein Junge dran war, welchen sie aufforderte, die verliebte Zahl zur 2 zu finden. Der Junge guckte leicht nach oben und es sah so aus, als w\u00fcrde er \u00fcberlegen. <!--more-->Circa sieben Sekunden vergingen, bis sie mit lauterer Stimme wiederholte: \u201eWenn ich die 2 bin, bist du die \u2026\u201c. Der Junge schaute sie erschrocken an und wendete seinen Blick danach auf seine Finger und bildete mit den Fingern die 2. Nach ungef\u00e4hr f\u00fcnf Sekunden sprach sie den Jungen beim Namen schon fast schreiend an und sagte: \u201eDas ist Stoff der ersten Klasse! Du bist jetzt schon zweite Klasse und kannst das immer noch nicht? Guck\u2018 dir die anderen Kinder an, die k\u00f6nnen das alle ganz schnell!\u201c<br \/>\nWas die Lehrerin jedoch nicht bemerkte, war, dass genau, als sie den Jungen lautstark ansprach, er ihr im gleichen Moment die richtige L\u00f6sung gesagt hatte. Ein anderer Junge aus der Klasse sagte zu der Lehrerin: \u201eEr hat gerade 8 gesagt!\u201c Die Lehrerin meinte zu der ganzen Klasse: \u201eJa, trotzdem viel zu langsam, das solltet ihr alle sofort beantworten k\u00f6nnen!\u201c<br \/>\nDer Junge, welcher ihrer Meinung nach zu sp\u00e4t antwortete, guckte eingesch\u00fcchtert und traurig auf den Tisch. Anschlie\u00dfend gab die Lehrerin ein kleines Arbeitsblatt aus, wo die SuS das Prinzip der \u201eVerliebten Zahlen\u201c \u00fcben sollten und sagte lautstark vor der Klasse zu mir: \u201eSetzt du dich bitte neben ihn, denn der kann das ja immer noch nicht und braucht Hilfe\u201c, mit etwas b\u00f6sem Unterton.<br \/>\nAls ich dann neben ihm sa\u00df, beobachtete ich seine Arbeitsweise. Er hat jede Aufgabe allein fehlerfrei l\u00f6sen k\u00f6nnen, brauchte nur etwas l\u00e4nger Zeit im Vergleich zu den anderen SuS.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n<p>Lehrkr\u00e4fte sind auch nur Menschen und k\u00f6nnen auch mal einen schlechten Tag erwischen, an dem sie schnell reizbar sind. Jedoch war dies nicht die einzige Situation bei der sie, meiner Meinung nach, recht schnell laut wurde. Da sie den Jungen schon \u00fcber ein Schuljahr in ihrer Klasse hatte, sollte sie wom\u00f6glich wissen, dass er ein bisschen mehr Zeit braucht. Sie h\u00e4tte, anstatt die Aufgabe im lauten Ton zu wiederholen, besser eine Hilfestellung bieten k\u00f6nnen oder ihm etwas mehr Zeit einr\u00e4umen k\u00f6nnen. Ganz davon abgesehen, hat sie den Jungen vor der ganzen Klasse gedem\u00fctigt und alle anderen SuS als \u201ebesser\u201c dargestellt. Dass ich danach neben ihm sa\u00df, lie\u00df mich noch besser verstehen, dass sich der Junge von ihrem lautstarken Wiederholen der Aufgabe unter Druck gesetzt f\u00fchlte, da er die Aufgaben allein fehlerfrei l\u00f6sen konnte.<\/p>\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Aus oben beschriebener Unterrichtssituation nehme ich mit, dass Lautst\u00e4rke in der Stimme nicht unbedingt notwendig ist. Zudem, wenn man Kinder ohne Meldung auffordert, ihnen ausreichend Zeit einr\u00e4umt, die L\u00f6sung zu finden. Sollte zu viel Zeit verstreichen, kann man immer noch nachfragen, was das Problem sei oder eine Hilfestellung anbieten. Kinder sind auch nur Menschen und auch wenn man wei\u00df, dass sie die Aufgabe k\u00f6nnten, kann es immer noch sein, dass auch sie einen schlechten Tag erwischt haben oder einfach mit der Aufgabe vor der Klasse \u00fcberfordert sind. Ich m\u00f6chte gerne mitnehmen, dass ich versuchen m\u00f6chte, das Nicht-Beantworten einer Frage nicht als Nicht-K\u00f6nnen der Aufgabe abzustempeln und schon gar nicht dies vor der ganzen Klasse kundzutun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von&nbsp; Laura J. Die folgende Situation spielte sich in einer reinen 2. Klasse einer Gemeinschaftsschule ab. Die Lehrerin sprach meistens mit recht lauter Stimme und fing auch recht schnell an zu schreien, wenn die Kinder nicht gehorchten, da dies ihrer Meinung nach eine sehr \u201eschwierige\u201c Klasse sei. 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