{"id":464,"date":"2020-03-31T12:30:38","date_gmt":"2020-03-31T10:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/?p=464"},"modified":"2023-04-21T14:14:49","modified_gmt":"2023-04-21T12:14:49","slug":"mir-ist-klargeworden-dass-diese-kategorisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/mir-ist-klargeworden-dass-diese-kategorisierung\/","title":{"rendered":"\u201eMir ist klargeworden, dass diese Kategorisierung in gut und schlecht nicht so einfach ist.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von Mirjam K.<\/strong><\/p>\n<p>Im folgenden Beitrag wird die &#8222;Unterrichtsf\u00fchrung&#8220; in einer Willkommensklasse einer Berliner Grundschule genauer dargestellt. Die Willkommensklasse der Grundschule wird haupts\u00e4chlich von der Klassenlehrerin Frau T. unterrichtet. Sie ist Mitte 50 und ist seit sechs Jahren als Lehrerin t\u00e4tig. Sie geht streng mit den Kindern um, ist leicht genervt und meiner Meinung nach oft auch ungerecht.<br \/>\nWenige Stunden in der Woche unterrichtet Frau P. die Willkommensklasse. Sie ist Ende 30, eine ausgebildete DaZ-Lehrerin (DaZ = Deutsch als Zweitsprache), methodenstark und sehr fair den Sch\u00fcler*innen gegen\u00fcber.<br \/>\nIn der Klasse sind zwei Jungs, die st\u00e4ndig laut sind, viel reden und oft dazwischenrufen. Frau T. (Klassenlehrerin) hat die Klasse fest im Griff. Durch Anschreien, Drohungen und Strafarbeiten bringt sie besonders auch die beiden Jungen immer wieder zur Ruhe und zum Arbeiten. Frau P. (DaZ-Lehrerin) hingegen versucht sehr sachlich und methodisch den Unterricht zu leiten. Dies f\u00fchrt jedoch nicht immer zum gew\u00fcnschten Ergebnis.<!--more--><br \/>\nAls die Disziplin in einer Stunde wieder sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df, schrieb Frau P. (DaZ) eine Skala mit Smileys mit verschiedenen Gesichtsausdr\u00fccken an die Tafel. Sie stellte den Kindern in Aussicht, dass, wenn sie sich an die Regeln halten w\u00fcrden, sie den Eltern eine Nachricht ins Hausaufgabenheft schreiben w\u00fcrde wie folgt: \u201eLieber Herr\/ Liebe Frau&#8230;. Ihr Sohn\/Tochter hat heute gut im Unterricht mitgearbeitet.\u201c Bei schlechtem Verhalten sollte die Konsequenz eine extra Hausaufgabe sein.<br \/>\nEin Junge war durch die Aussicht, eine positive Nachricht an seine Eltern zu erhalten so motiviert, dass er nun jede Aufgabe beantworten wollte, sich zwar meldete aber gleichzeitig losredete und somit v\u00f6llig den vereinbarten Regeln widersprach. Die Stunde war extrem laut.<\/p>\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n<p>Ich finde Frau P. (DaZ) ist eine sehr gute Lehrerin. Man merkt ihr an, dass sie p\u00e4dagogisch gut ausgebildet ist und viel Zeit und Anstrengung in die Vorbereitung der Schulstunden investiert. Nach zwei Wochen im Praktikum sch\u00e4tze ich jedoch auch sehr die Arbeit von Frau T. (Klassenlehrerin). Ich habe das Gef\u00fchl, sie spricht die Sprache der Kinder und erreicht diese damit (dennoch finde ich viele Sachen, die sie macht und sagt nicht in Ordnung). Beide Lehrerinnen haben ihre eigene Art zu unterrichten entwickelt. Beide bringen ihre Erfahrungen ein und erzielen manchmal gute, manchmal nicht so gute Ergebnisse mit ihrer Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tte ich die beiden Lehrerinnen in einem Video gesehen und miteinander vergleichen sollen, w\u00e4re f\u00fcr mich ganz klar gewesen, dass Frau P. (DaZ) die bessere Lehrerin ist. Frau T. (Klassenlehrerin) h\u00e4tte ich wahrscheinlich sehr kritisch abgestraft.<br \/>\nW\u00e4hrend der letzten zwei Wochen ist mir klargeworden, dass diese Kategorisierung in gut und schlecht nicht so einfach ist. Die Strenge der Klassenlehrerin gibt den Kindern Struktur. Sie kommen aus den verschiedensten L\u00e4ndern und Schulsystemen und sind diese (strenge) Art des Unterrichts eventuell gew\u00f6hnt. Die faire Art der DaZ-Lehrerin scheint sie hingegen zu \u00fcberfordern und zu ermuntern laut zu sein und zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ist \u201eFreiheit\u201c erlernbar und wie k\u00f6nnen P\u00e4dagog*innen sie lehren ohne im Chaos zu versinken?<\/li>\n<li>Wie k\u00f6nnen wir als Lehrer*innen angemessen auf die kulturelle Heterogenit\u00e4t unserer Sch\u00fcler*innen eingehen?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Mirjam K. Im folgenden Beitrag wird die &#8222;Unterrichtsf\u00fchrung&#8220; in einer Willkommensklasse einer Berliner Grundschule genauer dargestellt. Die Willkommensklasse der Grundschule wird haupts\u00e4chlich von der Klassenlehrerin Frau T. unterrichtet. Sie ist Mitte 50 und ist seit sechs Jahren als Lehrerin t\u00e4tig. 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