{"id":658,"date":"2022-03-14T11:54:43","date_gmt":"2022-03-14T10:54:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2022\/?p=658"},"modified":"2023-03-13T12:32:12","modified_gmt":"2023-03-13T11:32:12","slug":"guckt-mich-mal-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/guckt-mich-mal-an\/","title":{"rendered":"&#8222;Guckt mich mal an!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Beitrag von Sarah P.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die von mir gew\u00e4hlte Situation ereignete sich im Teilungsunterricht der siebten Klasse in der 3. und 4. Unterrichtsstunde im Fach Englisch. Die Lehrkraft sa\u00df schon im Raum und hatte den Beamer samt Unterrichtspr\u00e4sentation vorbereitet, als ich in den Raum kam. Die siebten Klassen sind normalerweise sehr voll und bis zum letzten Platz besetzt. Dank der Teilung fand ich jedoch eine gute Position in der letzten Sitzreihe. Die Sch\u00fclerinnen waren recht unruhig und unterhielten sich lautstark miteinander. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Lehrkraft startete den Unterricht auf eine lockere Art, indem sie einzelne Sch\u00fcler*innen auf Englisch fragte, was sie am Wochenende gemacht h\u00e4tten, wobei sie sich auf den vordersten Sch\u00fcler*innentisch setzte. Sie sprach hierbei gezielt diejenigen an, die sich noch mit ihren Sitznachbar*innen unterhielten. Dadurch beruhigte sich die Klasse schnell. Sie h\u00f6rte den Sch\u00fcler*innen aufmerksam zu und stellte einige interessierte Nachfragen. Danach ging es mit einem klassischen Warm-up los. Hierbei wurde es schon recht laut in der Klasse. Daraufhin kam das eigentliche Unterrichtsthema: \u201eWriting good sentences\u201c. Die Sch\u00fcler*innen sollten in einem Text verschiedene Wortarten und Merkmale identifizieren, die f\u00fcr gute S\u00e4tze kennzeichnend sind. Die Aufgabe war recht komplex und erforderte einige Erkl\u00e4rungen. Die Sch\u00fcler*innen waren unruhig und hatten Schwierigkeiten zuzuh\u00f6ren. Oft fingen sie an, ihre Platznachbar*innen Dinge zu fragen, die sie nicht verstanden hatten oder sie wollten schon anfangen, die Aufgabe zu bearbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sagte die Lehrkraft auf eine ruhige aber bestimmte Art: \u201eGuckt mich mal an, bevor ihr jetzt anfangt!\u201c und alle Blicke waren wieder nach vorne gerichtet. So hatte die Lehrkraft die M\u00f6glichkeit, die Aufgabe in Ruhe fertig zu erkl\u00e4ren. Manchmal adressierte sie noch einzelne Sch\u00fcler*innen mit dem Satz \u201eGuck mich mal an!\u201c, wenn sie nicht aufmerksam zuh\u00f6rten. Dies f\u00fchrte in fast allen F\u00e4llen direkt zum Erfolg. Der Lehrkraft gelang es so, ohne gr\u00f6\u00dferen Widerstand seitens der Sch\u00fcler*innen, die Aufgabestellung in Ruhe fertig zu erkl\u00e4ren und dabei die Aufmerksamkeit aller Sch\u00fcler*innen elegant auf sich zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war beeindruckt davon, wie gut die Lehrkraft die quirlige Klasse im Griff hatte. Die siebten Klassen gelten als die schwierigsten Klassen an der Schule, doch dieser Lehrkraft gelang das Klassenmanagement fast m\u00fchelos. Sie schaffte es, durch die einfache Aufforderung, sie anzusehen, die Klasse zu beruhigen. Sie wirkte dabei weder tadelnd noch genervt. Ich denke, dass andere, g\u00e4ngige S\u00e4tze wie \u201eGuckt nach vorne!\u201c oder \u201ePasst auf!\u201c nicht den gleichen Effekt gehabt h\u00e4tten, da sie im Sch\u00fcler*innenged\u00e4chtnis schon negativ konnotiert sind. Die einfache Umformulierung zu einer Aufforderung mit ganz pers\u00f6nlicher Komponente, n\u00e4mlich SIE anzuschauen, nicht die Tafel oder \u00e4hnliches, hat den Charakter der Aufforderung zu einer zwischenmenschlichen, positiven ver\u00e4ndert. Hier konnte die Lehrkraft sicher auch von ihrer guten Beziehung zu den Sch\u00fcler*innen profitieren, die sich u.a. aus ihrem pers\u00f6nlichen Interesse an ihnen speist. So gelang es ihr, Vertrauen und eine respektvolle Atmosph\u00e4re zu schaffen, was sich positiv auf das Unterrichtsklima auswirkte und einen eleganten Umgang mit St\u00f6rungen erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus meiner Beobachtung konnte ich die Erkenntnis gewinnen, dass sich beim Klassenmanagement, gerade von schwierigeren Klassen, eine ruhige und gelassene, aber bestimmte Art in Kombination mit einem guten pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnis bezahlt macht. Ist das Verh\u00e4ltnis gut, lassen sich auch ermahnende Aufforderungen ruhiger und pers\u00f6nlicher gestalten , die so mehr Wirkkraft erzielen. Es empfiehlt sich, auf \u201eStandard-Ermahnungen\u201c, bei denen die Sch\u00fcler*innen aus Erfahrung schon ein negatives Gef\u00fchl bekommen, zu verzichten und die Bitte anders zu formulieren, um ans Ziel zu kommen. Dass dies selbst bei quirligen Siebtkl\u00e4ssler*innen funktionieren kann, hat die Lehrkraft mit ihrem Verhalten gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Welche Mittel zum guten Klassenmanagement bleiben einer Lehrkraft, wenn diese ruhige und auf pers\u00f6nlicher Beziehung beruhende Art nicht funktioniert? Ab welchem Punkt muss doch auf \u201eklassisches\u201c Tadeln zur\u00fcckgegriffen werden? Oder ist die Arbeit an einem guten Arbeitsb\u00fcndnis und einer guten pers\u00f6nlichen Beziehung doch ein Weg, um \u201eklassische\u201c Zurechtweisungen ganz zu umgehen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Sarah P. Die von mir gew\u00e4hlte Situation ereignete sich im Teilungsunterricht der siebten Klasse in der 3. und 4. Unterrichtsstunde im Fach Englisch. Die Lehrkraft sa\u00df schon im Raum und hatte den Beamer samt Unterrichtspr\u00e4sentation vorbereitet, als ich in den Raum kam. 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