{"id":707,"date":"2022-03-16T08:54:31","date_gmt":"2022-03-16T07:54:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2022\/?p=707"},"modified":"2023-03-13T12:32:12","modified_gmt":"2023-03-13T11:32:12","slug":"und-ich-will-nicht-dass-meine-mama-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/und-ich-will-nicht-dass-meine-mama-geht\/","title":{"rendered":"&#8220; &#8230; und ich will nicht, dass meine Mama geht.&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Beitrag von Lena Marie K.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An meinem letzten Tag im Praktikum standen die Bundestagswahl sowie die Berlinwahl bevor. Diese anstehenden Geschehnisse wurden mit den Kindern der dritten Klasse besprochen. Zun\u00e4chst war mir unklar, inwieweit dieses komplexere Verfahren auf verst\u00e4ndliche Art und Weise behandelt werden w\u00fcrde.  Mittels einer Filmsequenz aus \u201ePolitbongo\u201c, einer deutschen Kinderserie aus dem Jahre 2002, sollte den Kindern das Prinzip einer Demokratie und der Wahlen n\u00e4her gebracht werden. Aufgrund des eingesetzten Mediums gab es zun\u00e4chst wenig Diskussion oder angeregten Austausch. Erst zum Ende der Stunde \u00e4u\u00dferten einzelne Kinder ihre Meinung und ihre Sorgen hinsichtlich der Wahlen. Es wurde ersichtlich, dass einige wenige Eltern aufgrund fehlender deutscher Staatsb\u00fcrgerschaft gar nicht wahlberechtigt waren, wie einige Kinder der Klasse erz\u00e4hlten. Sie sagten, dass sie dies als unfair empfanden. Doch eine Aussage eines Jungen traf mich am meisten. Er \u00e4u\u00dferte sich besorgt \u201eIch habe Angst, dass die Blauen an die Macht kommen. Denn die wollen, dass alle Ausl\u00e4nder gehen. Und ich will nicht, dass meine Mama geht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ansatz, die Lebenswelt der Kinder im Unterricht zu behandeln und somit auch die Wahlen zu thematisieren, gefiel mir sehr. Die Art und Weise, wie das Thema der Wahlen behandelt wurde, fand ich jedoch leider etwas unzureichend und unvorbereitet. Das blo\u00dfe Ansehen eines Videos und die kurze Diskussion im Anschluss lie\u00dfen den Kindern meiner Meinung nach wenig Zeit und M\u00f6glichkeit, den Prozess nachzuvollziehen und sich Gedanken zu machen. Zudem war das gew\u00e4hlte Medium bereits sehr veraltet und teilweise schwer zu verstehen. <br>Diese Aussage des Sch\u00fclers: \u201eIch habe Angst, dass die Blauen an die Macht kommen. Denn die wollen, dass alle Ausl\u00e4nder gehen. Und ich will nicht, dass meine Mama geht.\u201c, besch\u00e4ftigte mich noch den gesamten Tag, denn w\u00e4hrend des ganzen Prozesses der Wahlen hatte ich mir scheinbar wenig Gedanken dar\u00fcber gemacht, wie es den Kindern ergeht. Mir war w\u00e4hrend der ganzen Wahlen nicht bewusst, wie sehr dieses Thema auch bereits j\u00fcngere Kinder besch\u00e4ftigt. Auch sie bekommen die aktuellen Themen durch Nachrichten, Plakate und Gespr\u00e4che mit den Eltern etc. mit und haben ihre Sorgen und \u00c4ngste. Hinzu kommt, dass sie oftmals in der Politik nicht geh\u00f6rt und gesehen werden. Die Aussage des Jungen stimmte mich sehr nachdenklich und st\u00e4rkte mich erneut darin, mich aktiv dagegen einzusetzen, um seine Sorgen nicht wahr werden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die kommenden Generationen liegen in unserer Verantwortung. Egal ob Klimaschutz oder Politik &#8211; es gilt stets die J\u00fcngeren im Blick zu behalten und daf\u00fcr zu sorgen, dass sie geh\u00f6rt und gesehen werden. Es ist unsere Aufgabe, Kinder zu sch\u00fctzen und ihnen eine sichere Umgebung zum Aufwachsen zu schaffen. Es ist aufgrund des Lebensweltbezugs und der Resilienzbildung zudem wichtig, aktuelle Geschehnisse mit Kindern zu thematisieren. Dies kann Sorgen abbauen und einen Einblick in die Interessen, \u00c4ngste und W\u00fcnsche von Kindern geben, die es zu vertreten gilt. Damit Kinder sich in ihrer Umwelt zurechtfinden und sie mitgestalten k\u00f6nnen, ist es unabdingbar, sie in Prozesse miteinzubeziehen und teilhaben zu lassen. Dies gilt es im Lehrberuf stets im Blick zu behalten, vor allem in Hinblick auf die Demokratiebildung. Im Unterricht und der Schule sollte es Partizipationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Sch\u00fcler:innen geben. Wenn Kinder bereits im Grundschulalter das Gef\u00fchl bekommen, nicht geh\u00f6rt oder gesehen zu werden, kann dies in Demokratiem\u00fcdigkeit enden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich machte mir viele Gedanken. Aufgrund der fehlenden Praxis konnte ich die Auffassung von Kindern hinsichtlich vieler politischer Themen bisher nicht wahrnehmen und greifen. Wie empfinden Kinder die derzeitige Situation? Mich interessiert sehr, welche Sorgen und \u00c4ngste, aber auch W\u00fcnsche Kinder der Grundschule haben und wie es gelingen kann, diesen Raum zu geben. Au\u00dferdem mache ich mir Gedanken, in welcher Form man politische Themen f\u00fcr die Grundschule aufbereiten kann, um die demokratische Teilhabe zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Lena Marie K. An meinem letzten Tag im Praktikum standen die Bundestagswahl sowie die Berlinwahl bevor. 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