{"id":831,"date":"2021-03-23T12:30:12","date_gmt":"2021-03-23T11:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel-2021\/?p=558"},"modified":"2023-03-13T12:32:13","modified_gmt":"2023-03-13T11:32:13","slug":"das-kind-steht-im-mittelpunkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/phs-mikroartikel\/das-kind-steht-im-mittelpunkt\/","title":{"rendered":"&#8222;Das Kind steht im Mittelpunkt.&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Beitrag von Mira K.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des berufsfelderschlie\u00dfenden Praktikums an einer Grundschule hospitierte ich in einer Schulklasse der dritten Jahrgangsstufe. In den Unterrichtsstunden durfte ich der Klassenlehrerin in der Regel assistieren und nahm somit eine aktive Rolle im Unterrichtsgeschehen ein. In einer Doppelstunde Kunst bekamen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die Aufgabe eine Unterwasserwelt mit Bunt- und Filzstiften auf einem DIN A3-Blatt Papier zu gestalten. Nebenbei spielte die Lehrkraft ein Video mit Unterwasseraufnahmen ab, um eine zu der Aufgabe passenden Atmosph\u00e4re zu schaffen. In der Fr\u00fchst\u00fcckspause inmitten der Doppelstunde Kunst richtete sich die Aufmerksamkeit der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern dem Video zu. Sie waren begeistert von der Vielf\u00e4ltigkeit der Meerestiere. Pl\u00f6tzlich erschien ein Tier, was sie nicht einzuordnen wussten. Es wurde lauter und es wurden Vermutungen in den Klassenraum gerufen (\u201eDas ist ein Dinosaurier!\u201c, \u201eEeeklig!\u201c, \u201eIst das ein Krokodil?\u201c, \u201eVoll gruselig!\u201c). <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da die Klassenlehrerin abgelenkt und die Situation nicht zu beachten schien, wandte ich mich selbst der Klasse zu und erkl\u00e4rte: \u201eDas ist eine Mur\u00e4ne!\u201c. Pl\u00f6tzlich sagte die Lehrerin zu mir: \u201eIch wollte gerade fragen, ob jemand wei\u00df was das f\u00fcr ein Tier ist.\u201c Ich war daraufhin besch\u00e4mt, dass ich den Kindern die Antwort verraten habe, anstatt selbst auf die Idee gekommen zu sein, sie nach der Antwort zu fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Kunstunterricht f\u00fchrte ich ein kurzes Interview f\u00fcr eines der Begleitseminare zum Praktikum mit der Klassenlehrerin. Eine der Fragen war \u201eWelche berufsethischen Aspekte sind zentral?\u201c. Darauf antworte die Lehrkraft ohne zu z\u00f6gern: \u201eDas Kind steht im Mittelpunkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Einsichten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nach der geschilderten Situation wurde mir bewusst, dass ich als angehende Lehrkraft f\u00fcr die Praxis viel zu lernen habe. Mir fiel zwar der Umgang mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern leicht, jedoch musste ich h\u00e4ufig feststellen, dass ich dazu neige <em>zu belehren<\/em> anstatt beim Lernen zu <em>unterst\u00fctzen<\/em>. An der Klassenlehrerin durfte ich immer wieder beobachten, wie sie geschickt den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern beim Lernerwerb nur minimal invasiv assistierte und auf diese Art und Weise simultan mehrere Kompetenzen st\u00e4rkte. Obwohl ich dies im Laufe des Praktikums immer wieder beobachten durfte, fiel es mir schwer, diese Art p\u00e4dagogisch zu Handeln aktiv auf Situationen anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Antwort im Interview er\u00f6ffnete f\u00fcr mich einen weiteren Blickwinkel auf die Situation. Den Grundsatz \u201eDas Kind steht im Mittelpunkt\u201c bef\u00fcrworte ich, er hat sich aber noch nicht in mein Handeln \u00fcbertragen. Nach diesem Grundsatz zu handeln h\u00e4tte in der geschilderten Situation bedeutet, anstelle von mir als Lehrkraft (in spe), ein Kind in den Mittelpunkt zu stellen, das wusste, um welches Meerestier es sich handelte. Die geschilderte Situation hat mir geholfen zu verstehen, was ein Grundsatz wie \u201eDas Kind steht im Mittelpunkt\u201c auf einer berufspraktischen Ebene bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Folgerungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Grundsatz \u201eDas Kind steht im Mittelpunkt\u201c h\u00e4tte ich mir in dieser konkreten Situation als Orientierung f\u00fcr mein Handeln zunutze machen k\u00f6nnen. Dies habe ich fortan getan. Grunds\u00e4tze k\u00f6nnen vor allem Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern helfen, bewusst p\u00e4dagogisch zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein aber Grunds\u00e4tze zu bef\u00fcrworten, bedeutet jedoch nicht, dass man automatisch nach ihnen handelt. H\u00e4tte man mich vor dem Praktikum gefragt, ob ich dem Grundsatz \u201eDas Kind steht im Mittelpunkt\u201c zustimme, h\u00e4tte ich dies bejaht. Dennoch war ich nicht in der Lage, danach zu handeln. Die Erfahrung in der beruflichen Praxis ist unbedingt notwendig, um zu lernen, theoretisch erworbene Kenntnisse auch praktisch anwenden zu k\u00f6nnen. Dabei kann es wichtig sein, Fehler zu machen und diese zu reflektieren. Zwar war mir mein Verhalten unmittelbar nach der geschilderten Situation so unangenehm, dass ich mir w\u00fcnschte, lieber nichts gesagt zu haben, jedoch muss ich r\u00fcckblickend feststellen, dass ich aus meinem <em>falschen<\/em> Verhalten mehr lernen konnte als aus der Beobachtung von <em>richtigem<\/em> Verhalten allein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Anschlussfragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wie wende ich erfolgreich theoretisches Wissen in der Praxis an?<\/li><li>Welche Strategien helfen mir <em>gutes<\/em> beobachtetes Verhalten selbst anzueignen?<\/li><li>Wie \u00fcberpr\u00fcfe ich, ob mein Handeln den eigenen Grunds\u00e4tzen entspricht?<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Mira K. Im Rahmen des berufsfelderschlie\u00dfenden Praktikums an einer Grundschule hospitierte ich in einer Schulklasse der dritten Jahrgangsstufe. 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