{"id":135,"date":"2021-08-02T15:43:32","date_gmt":"2021-08-02T13:43:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/?page_id=135"},"modified":"2021-08-03T13:56:09","modified_gmt":"2021-08-03T11:56:09","slug":"gaudigweg-16","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/gaudigweg-16\/","title":{"rendered":"Gaudigweg 16"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011096-67_bearbeitet-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mein Vater ist in den 70er-Jahren in der Gropiusstadt aufgewachsen. Nun ist er das erste Mal seit fast 40 Jahren zur\u00fcckgekehrt.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eWas diese Bruchbude steht unter Denkmalschutz!?\u201c, sagt der Mann in orangener Arbeitskluft. \u201eAber fotografieren sie ruhig nur.\u201c Eigentlich sind wir da schon am Ende unserer Tour durch die Gropiusstadt und wollten nur den Weg zum U-Bahnhof Zwickauer Damm wissen. Doch dann kommen wir mit dem Stadtreinigungs-Mitarbeiter mit dem imposanten Bart ins Gespr\u00e4ch. Er lebt hier in der Gropiusstadt und wundert sich, warum sich Menschen f\u00fcr sein Viertel interessieren. Eher beschwert er sich mit Berliner Schnauze \u00fcber die Wohnungsverwaltung. \u201eAlso Sie seh\u2018n ja nich\u2018 wie das drinnen aussieht. Seit 30 Jahr\u2018n n\u00fcscht jemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-136\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011077-65_bearbeitet-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Abbildung 1: U-Bahnhof Zwickauer Damm; Quelle: Johann Stephanowitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Kann das eine Bilanz eine Bilanz unserer Fahrradtour durch die Gropiusstadt sein? Die in den 60er- und 70er-Jahren im S\u00fcden Neuk\u00f6llns gebaute Vorzeigesiedlung rottet innen vor sich hin?<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Stunden zuvor treffe ich meinen Vater vor den Gropius-Passagen am U-Bahnhof Johannisthaler Chaussee. \u201eIch hab geh\u00f6rt du willst in die Gropiusstadt\u201c, sagt er bei einem (alkoholfreien) Hefeweizen in einem nahegelegenen Caf\u00e9. Ich erz\u00e4hle ihm von unserem Seminar zur <em>\u00c4sthetik des Plattenbaus<\/em> und er sagt mir, er hat von seinem Bruder eine Liste bekommen an Orten, die wir uns ansehen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vorbild Hufeisensiedlung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wir radeln los: Unsere erste Station ist auch gleich eines der \u00e4ltesten Teile der Gropiusstadt: Die Gegend um den Otto-Wels-Ring, die Anfang der 60er-Jahre entstand. Die ersten Pl\u00e4ne f\u00fcr die Gropiusstadt oder die Siedlung Berlin-Buckow-Rudow wie sie damals noch hie\u00df gab es in den 50er-Jahren. Die Wohnungsbaugesellschaft Gehag wollte mit ihr das in der Weimarer Republik durch Bruno Tauts Hufeisensiedlung begonnene Wohnband Britz fortf\u00fchren. Hier wurde das erste Mal im West-Berlin der Nachkriegszeit in gro\u00dfem Ma\u00dfstab gedacht: Wohnungen f\u00fcr 30.000 bis 50.000 Menschen sollten entstehen. Dabei sollte nach dem Motto <em>Urbanit\u00e4t durch Dichte<\/em> nicht nur auf kleine Bebauung gesetzt werden, sondern auch auf gro\u00dfe in Plattenbauweise errichtete Wohnbl\u00f6cke. Beauftragt wurde ein Team um den Stararchitekten und langj\u00e4hrigen Leiter des Bauhauses, Walter Gropius. Dass die Gropiusstadt ein von seinem B\u00fcro <em>The Architects Collaborative <\/em>entwickeltes ganzheitliches st\u00e4dtebauliches Konzept hat, ist schnell ersichtlich und auch unsere Tour schl\u00e4ngelt sich immer entlang der U-Bahnlinie U7, um deren unterirdische Trasse die Geb\u00e4ude angeordnet sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-138\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-1200x1600.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010973-36_bearbeitet-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 85vw, 768px\" \/><figcaption>Abbildung 2: Wohngeb\u00e4ude am L\u00f6wensteinring; Quelle: Johann Stephanowitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Weiter gehts \u00fcber den L\u00f6wensteinring. Mein Vater ist beeindruckt von den knallig gr\u00fcnen Balkongestaltungen, die wohl erst in den vergangenen Jahren hinzugekommen sind. Doch ein Anwohner sieht das ein bisschen anders. Zun\u00e4chst fragt er uns mit kritischen Unterton, warum wir hier fotografieren. \u201eIch muss Ihnen das nicht sagen, aber ich sage es Ihnen gerne\u201c, sagt mein Vater. Und ich stelle dem Mann unser Uniseminar vor. Der ist nun deutlich lockerer und erz\u00e4hlt offen, dass die Hausverwaltung nicht viel an den H\u00e4usern gemacht hat: \u201eAlso ich wohne jetzt hier seit 38 Jahren und die Fassaden haben Sie vielleicht h\u00fcbsch gemacht aber in den Wohnungen ist nichts passiert\u201c, sagt er und deutet auf eine Rollstuhlrampe vor dem Hauseingang. \u201eHier haben sie eine Rampe eingebaut, aber barrierefrei sind die Wohnungen nicht wirklich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Oase im Plattenbauviertel<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wir fahren weiter in den Gaudigweg und das erste, was meinem Vater auff\u00e4llt ist, dass dort wo fr\u00fcher ein Parkplatz war, heute ein Spielplatz ist. Wir kommen mit einer Anwohnerin ins Gespr\u00e4ch. \u201eHier bin ich aufgewachsen\u201c, sagt mein Vater und deutet auf die einst\u00f6ckigen wei\u00dfen Wohnbungalows die das Areal am Gaudigweg pr\u00e4gen. Sie fallen heraus aus der \u00fcbrigen Bebauung der Gropiusstadt mit ihren gro\u00dfen Wohnbl\u00f6cken \u2013 quasi eine Oase im Plattenbauviertel. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-137\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010140-6_bearbeitet-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Abbildung 3: Wohnbungalows Gaudigweg; Quelle: Johann Stephanowitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sein Vater, der damals als Bibliotheksdirektor in West-Berlin arbeitete, hatte von dem gro\u00dfen Neubauprojekt im Berliner S\u00fcdosten geh\u00f6rt und auch dass dort Familienbungalows entstehen sollten. 1969 zog die Familie in die noch im Bau befindliche Gropiusstadt. \u201eF\u00fcr uns Kinder war das nat\u00fcrlich ein riesiger Abenteuerspielplatz\u201c, sagt mein Vater und erinnert sich, wie er damals im Winter mit Freund:innen gro\u00dfe Plastikpanels f\u00fcr Fassaden von der Baustelle geklaut hat und damit gerodelt hat. \u201eDie lagen halt \u00fcberall rum\u201c, erz\u00e4hlt er. Wir stehen vor dem Weg, der zum Haus Gaudwigweg 16 f\u00fchrt, wo mein Vater gelebt hat. Weil das wie fr\u00fcher alles immer noch Privatbesitz ist, k\u00f6nnen wir nicht weiter. Mein Vater erz\u00e4hlt mir von den Umbauten, die sein Vater am Haus vorgenommen hat: \u201eHinter der Garage war so eine Abstellkammer, die hat er dann erweitert und in so eine Wandnische ein Bett integriert \u2013 das war dann mein Zimmer\u201c, sagt er. \u201eGanz legal war das nat\u00fcrlich nicht, weil neben Garagen keine Wohnr\u00e4ume sein d\u00fcrfen, aber irgendwie hat er das damals durchbekommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes erreichen wir die Walter-Gropius-Schule, wo der Bruder meines Vaters, also mein Onkel zur Schule gegangen ist. Ein Schulbau nach amerikanischen Vorbild: Mehrere kleine Pavillonbauten sind durch \u00fcberdachte Wege miteinander verbunden. Ich frage meinen Vater was das denn damals so f\u00fcr Leute waren, die ihre Kinder an diese Schule schickten. \u201eGanz normale Angestellte\u201c, sagt er, aber mehr wei\u00df er auch nicht mehr. \u201eWir hatten kaum Kontakt zu den Nachbarn, nur einmal in den 70ern gab es ein Nachbarschaftsfest, aber richtig kann ich mich auch nicht mehr daran erinnern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-139\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1010990-41_bearbeitet-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Abbildung 4: Walter Gropius-Schule; Quelle: Johann Stephanowitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist gewaltig\u201c, ruft mein Vater als wir \u00fcber den Wildmeisterdamm radeln. \u201eDamals als wir hier eingezogen waren die B\u00e4ume frisch aus der Baumschule. Heute ist das eine Wahnsinnsallee geworden.\u201c Der Wildmeisterdamm ist eines der zentralen Wege durch die Gropiusstadt \u2013 fr\u00fcher fuhren hier noch Autos erz\u00e4hlt mein Vater, doch jetzt sind hier nur Fahrr\u00e4der und Fu\u00dfg\u00e4nger:innen erlaubt. Wenige Meter unter uns f\u00e4hrt die U-Bahn und so wie sie erreichen wir als n\u00e4chstes die Lipschitzallee. Hier am Bat-Yam-Platz (nach einer Stadt in Israel benannt) ist eines der Stadtteilzentren in der Gropiusstadt mit L\u00e4den und Caf\u00e9s. Hier befindet sich zudem die katholische St. Dominicus-Kirche und ein Gemeinschaftshaus mit Stadtteilbibliothek. Eine Schautafel weist auf Veranstaltungen hin, w\u00e4hrend auf dem Boden des Bat-Yam-Platzes mehrere Tafeln \u00fcber die Geschichte der Gropiusstadt informieren. An Orten wie diesen zeigt sich wieder, wie durchdacht die Gropiusstadt ist: Wie eine Perlenkette durchquert die U7 das Viertel, das durch die Bahnh\u00f6fe Johannisthaler Chaussee, Lipschitzallee, Wutzkyallee und Zwickauer Damm angeschlossen ist. Die U-Bahn wurden damals zusammen mit dem Bau der Siedlung errichtet und jeweils an den Stationen befinden sich wichtige Einrichtungen des t\u00e4glichen Bedarfs und soziale Treffpunkte. Und dieses Konzept funktioniert bis heute: Vor den D\u00f6nerbuden sitzen gr\u00f6\u00dfere Menschenmengen und schauen zusammen Fu\u00dfball. Gerade l\u00e4uft das EM-Spiel Deutschland gegen England.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-140\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/P1011039-57_bearbeitet-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Abbildung 5: Bat-Yam-Platz, Quelle: Johann Stephanowitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gropiusstadt ber\u00fchmteste Einwohnerin<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wir radeln durch einen dichten Wald weiter, dessen B\u00e4ume wohl schon \u00e4lter als die Gropiusstadt sind und der ein Vogelschutzgebiet ist. Und dann sch\u00e4lt sich aus den Bl\u00e4ttern das U-f\u00f6rmige Gropiushaus heraus \u2013 eines der architektonischen Highlights der Gropiusstadt. Mit seiner runden Form ist es eindeutig eine Anspielung auf die Hufeisensiedlung. Urspr\u00fcnglich wollte Gropius vier solche runden Hochh\u00e4user bauen, doch wurde das so nicht genehmigt, sodass es schlie\u00dflich bei diesem einen blieb. Es ist ein komisches Gef\u00fchl, sich durch den Innenhof dieses runden Baus zu bewegen. Aus all den Wohnungen dringen unterschiedlichste Ger\u00e4usche: Kinderschreien, das Brutzeln von Fett in der Pfanne, das Fu\u00dfballspiel im Fernsehen, der Song <em>Despacito<\/em>. Auf einmal sind B\u00f6ller zu h\u00f6ren, ein Hund bellt. Und die V\u00f6gel zwitschern im Hintergrund. Direkt neben dem Gropiushaus befindet sich mit dem Ideal-Hochhaus ein weiteres architektonisches Highlight. Es ist etwas mehr als 90 Meter hoch und damit eines der h\u00f6chsten deutschen Wohngeb\u00e4ude. Wer hier fr\u00fcher wohnte, konnte \u00fcber die Mauer in die DDR sehen. Denn die Gropiusstadt wurde direkt an den Rand West-Berlins. Nur wenige Meter durch das Vogelw\u00e4ldchen und man steht auf dem ehemaligen Mauerstreifen und dann kommen schon die Felder. Doch mein Vater sagt, man h\u00e4tte das damals nicht gesp\u00fcrt: \u201eDas merkst du nicht, sie ist da und da ist Ende.\u201c<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"lyte-wrapper\" style=\"width:640px;max-width:100%;margin:5px;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_rrWkwdm9aLI\"><div id=\"lyte_rrWkwdm9aLI\" data-src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FrrWkwdm9aLI%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/rrWkwdm9aLI\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FrrWkwdm9aLI%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Thumbnail\" width=\"640\" height=\"340\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:640px;margin:5px;\"><br\/><span class=\"lyte_disclaimer\">ACHTUNG: Daten nach YouTube werden erst beim Abspielen des Videos \u00fcbertragen.<\/span><\/div><figcaption>Rundgang Areal Gropiushaus, Quelle: Johann Stephanowitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Mit dem U-Bahnhof Wutzkyallee erreichen wir ein weiteres Stadtteilzentrum mit einem Einkaufscenter. Auf dem Rotraut-Richter-Platz spielen Jugendliche Fu\u00dfball, obwohl auf einem Schild \u201eBall spielen verboten\u201c steht, doch niemand schert sich drum. Auch hier sitzt die ganze Nachbarschaft vor einem t\u00fcrkischen Imbiss und schaut Fu\u00dfball: J\u00fcngere und \u00e4ltere, Deutsche und augenscheinlich zugezogene, einige mit Bier und andere mit Wasser. Das unbeschwerte Gef\u00fchl gemeinschaftlichen Zusammenseins nach Monaten des Lockdowns liegt in der Luft. Mein Vater spricht den t\u00fcrkischen Ladeninhaber an, der auch uns einen Tisch anbieten will und erz\u00e4hlt ihm, wie das fr\u00fcher hier aussah, doch dieser sagt nur: \u201eIch wohne seit drei Jahren hier, ich wei\u00df nicht, wie das fr\u00fcher aussah. Zeiten \u00e4ndern sich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der N\u00e4he des U-Bahnhofs Wutzkyallee, im Joachim-Gottschalk-Weg wohnte in den 70er-Jahren auch die wohl ber\u00fchmteste Einwohnerin der Gropiusstadt: Christiane F. Durch ihr Buch <em>Wir Kinder vom Bahnhof Zoo<\/em> wurde das Viertel schlagartig deutschlandweit bekannt \u2013 doch eher im negativen Sinne als Problemsiedlung. \u201e\u00dcberall nur Pisse und Kacke\u201c, schrieb F. damals \u00fcber ihre Heimatsiedlung.\u201eIch fand das Buch damals schon leicht erschreckend\u201c, erz\u00e4hlt mein Vater. \u201eUnd mein Mutter sagte: Wir sind in die Gropiusstadt gezogen, lauter Asoziale, was haben wir da f\u00fcr eine Schei\u00dfe gebaut.\u201c Doch trotz des sozialen Umfelds war ein Wegzug keine Option: \u201eDas h\u00e4tte ja bedeutet, H\u00fctte verkaufen.\u201c Viele andere haben es anders gehalten \u2013 in den 80er-Jahren kippt das Viertel, viele Wohnungen stehen leer. Lebten anfangs ungew\u00f6hnlich viele Beamt:innen und Angestellte in der Gropiusstadt,<a href=\"#_ftn1\"> <\/a>sind es jetzt vor allem Menschen mit Migrationshintergrund. F\u00fcr meinen Vater ist das die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung die er nach 30 Jahren wahrnimmt: \u201eAuf einmal ist alles t\u00fcrkisch. Der gro\u00dfe t\u00fcrkische Lebensmittelladen am Bat-Yam-Platz, das war fr\u00fcher ein ganz normaler Supermarkt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang der 80er-Jahre verlie\u00df mein Vater die Gropiusstadt und zog in seine erste eigene Wohnung in Rixdorf. Umso spannender war es nun f\u00fcr ihn zur\u00fcckzukehren: \u201eWie das alles sch\u00f6n geworden ist. Es ist gr\u00fcn geworden ohne Ende.\u201c Als wir am Ende unsere Fahrr\u00e4der am Zwickauer Damm in die U-Bahn schieben, wissen wir, dass hinter den Fassaden der Gropiusstadt zwar einiges im Argen ist, doch das Viertel ist mehr als nur die graue Plattenbauhochburg, f\u00fcr die es viele halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Johann Stephanowitz<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hofmeister, Burkhard (1990): Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West). <em>Berlin (West) \u2013 Eine geographische Strukturanalyse der zw\u00f6lf westlichen Bezirke.<\/em> Haack Verlag, Gotha. S.274\u2013281<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Vater ist in den 70er-Jahren in der Gropiusstadt aufgewachsen. Nun ist er das erste Mal seit fast 40 Jahren zur\u00fcckgekehrt. \u201eWas diese Bruchbude steht unter Denkmalschutz!?\u201c, sagt der Mann in orangener Arbeitskluft. \u201eAber fotografieren sie ruhig nur.\u201c Eigentlich sind wir da schon am Ende unserer Tour durch die Gropiusstadt und wollten nur den Weg &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/gaudigweg-16\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGaudigweg 16\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6416,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-135","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6416"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=135"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":161,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/135\/revisions\/161"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}