{"id":156,"date":"2021-08-02T16:42:06","date_gmt":"2021-08-02T14:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/?page_id=156"},"modified":"2021-08-02T16:42:06","modified_gmt":"2021-08-02T14:42:06","slug":"die-platte-in-weissensee-nord-damals-heute-und-morgen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/die-platte-in-weissensee-nord-damals-heute-und-morgen\/","title":{"rendered":"Die Platte in Wei\u00dfensee-Nord \u2013 damals, heute und morgen"},"content":{"rendered":"\n<p>Der zwischen dem Wei\u00dfen See, dem Orankesee und dem Naturschutzgebiet Fauler See gelegene Bezirk Wei\u00dfensee-Nord hat eine sehr idyllische Umgebung zu bieten. Die fast schon kleinst\u00e4dtische Ruhe ist dank zahlreicher Stra\u00dfenbahnlinien gerade einmal 15 Minuten vom Berliner Stadtzentrum entfernt und sorgt damit f\u00fcr stetigen Zuzug sowie regelm\u00e4\u00dfig entstehende neue Wohnanlageprojekte. \u00a0Bei einem Spaziergang durch den Bezirk (seit 1920 Teil Gro\u00df-Berlins) fallen vor allem die vielen unterschiedlichen architektonischen Baustile der Wohnh\u00e4user auf, die die verschiedenen Besiedlungswellen im Laufe des 20. Jahrhunderts bezeugen. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees-1024x576.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-157\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees-300x169.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees-768x432.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees-1536x864.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees-1200x675.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/Wei\u00dfensee-Nord-mit-der-Wohnsiedlung-in-der-Hansastr.-im-Vordergrund-Luftaufnahme-vom-Ufer-des-Orankesees.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Abbildung 1: Wei\u00dfensee-Nord, mit der Wohnsiedlung in der Hansastr. im Vordergrund &#8211; Luftaufnahme vom Ufer des Orankesees. Quelle: Cl\u00e9mence de Lacour<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als erstes bedeutendes Gro\u00dfprojekt in Wei\u00dfensee-Nord galten die heute verkehrsreiche Buschallee und ihre viergeschossigen H\u00e4userzeilen, die sich beidseitig auf der L\u00e4nge von rund einem Kilometer hinziehen. Die f\u00fcr die Berliner Arbeiterfamilien errichteten Wohnzeilen der Buschallee wurden ab 1918 nach Pl\u00e4nen der namhaften Architekten Bruno Taut und Franz Hoffmann\u00a0errichtet und gelten als bekanntestes Beispiel der umfangreichen Wohnprojekte, die in den 1920er Jahren in Berlin Wei\u00dfensee, infolge der Ansiedlung zahlreicher Industriebetriebe im Norden Berlins zu Beginn des 20. Jahrhunderts, realisiert wurden. Die Taut-Siedlung der Buschallee steht heute unter Denkmalschutz. Die urspr\u00fcngliche Farbgebung der Fassaden (beige, dunkelrot und gr\u00fcn), die w\u00e4hrend der DDR-Zeit ver\u00e4ndert wurde, hat heute ihre urspr\u00fcngliche Form wiedererlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu DDR-Zeiten wurden infolge der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg und im Rahmen des Wohnungsbauprogramms von 1973 auch in Wei\u00dfensee-Nord zahlreiche Neubauwohnkomplexe errichtet, und zwar im schnell umzusetzenden&nbsp;Plattenbaustil. Die unterschiedlichen Wohnbauserien (GP, Q3A, WBS 70), die in dem Bezirk zu beobachten sind, spiegeln die verschiedenen Epochen wider, in denen die Plattenbausiedlungen errichtet wurden. Der f\u00fcr die damalige Zeit moderne Komfort (flie\u00dfendes Wasser, Zentralheizung, ein Bad mit Toilette und Badewanne) garantierte die Beliebtheit der neuen Wohnungen. Das Vorhandensein von Schulen (wie etwa die Georg-Zacharias-Grundschule), Kinderkrippen \u2013 die h\u00e4ufig auch in Plattenbauweise errichtet wurden \u2013 und zahlreichen Spielpl\u00e4tzen sowie Kleingartenanlagen sorgte zus\u00e4tzlich (bis heute) f\u00fcr die hohe Attraktivit\u00e4t Wei\u00dfensee-Nords f\u00fcr junge Familien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Wiedervereinigung wurden auf den letzten freien Baufl\u00e4chen moderne Geb\u00e4ude errichtet, wodurch die architektonische Vielfalt des Bezirks weiter gesteigert wurde. Die kontinuierliche Beliebtheit Wei\u00dfensee-Nords und die damit verbundenen steigenden Mietpreise zwangen die Bezirksbeh\u00f6rden L\u00f6sungen zu finden, um trotz des Platzmangels neue Wohneinheiten zu schaffen. Im Falle der Wohnsiedlung in der Hansastr. (52 \u2013 108 F und 112 \u2013 138), am Ufer des Orankesees, scheint dies gelungen zu sein. Die grau-braunen achtgeschossigen Wohngeb\u00e4ude wurden im Jahr 1988-1989 im WBS 70 Typ \u2013 der ab 1970 zum am weitesten verbreiteten Plattenbausystem der DDR wurde &#8211; errichtet. Es ist eine Plattenbausiedlung, genau wie man es sich vorstellt. Ein typisches Beispiel einer vergangenen Zeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe--1024x576.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-158\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe--1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe--300x169.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe--768x432.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe--1536x864.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe--1200x675.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/die-Wohnsiedlung-in-der-Hansastra\u00dfe-.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Abbildung 2: Wohnsiedlung Hansastra\u00dfe; Quelle: Cl\u00e9mence de Lacour<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Jedoch wird es nicht mehr lange eine \u201etypische Platte\u201c bleiben. Ab 2022 werden 90 neue Wohneinheiten dort errichtet werden. Die Mehrheit davon soll an die schon existierenden Wohnbl\u00f6cke angeschlossen werden. Laut Bekanntmachung der beauftragten Firma ist eine harmonische Anpassung der Fassaden vorgesehen. Selbst f\u00fcr den Fall, dass diese Harmonisierung nicht ganz gelingen sollte, w\u00fcrde das bei der architektonischen Vielfalt des Bezirks ohnehin nicht weiter auffallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgehend von meinen Wei\u00dfenseer Impressionen, stelle ich mir die Frage: Bietet die Platte auch L\u00f6sungen f\u00fcr die Zukunft? Wie viel Zukunft steckt in der Platte? Die Platte und Plattenbausiedlungen generell werden oft \u2013 zu Unrecht &#8211; als eine geschlossene Einheit wahrgenommen, wo au\u00dfer Sanierung oder Abriss nichts vorstellbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat zeichnet sich das Fertigteilsystem der Platte nicht nur durch eine schnelle Bauweise aus, sondern bietet dar\u00fcber hinaus unendliche Umwandlungsm\u00f6glichkeiten und Aufwertungsstrategien an. Deshalb hei\u00dft es auf dem Plattenbaukulturportal \u201ejeder-qm-du.de\u201c, dass kein Geb\u00e4udetyp so flexibel sei wie die Platte. \u00a0Dank der soliden Grundsubstanz der Platte und der nicht tragenden W\u00e4nden, lassen sich die Grundrisse der Platte individuell gestalten. Dementsprechend kann der Innenraum relativ einfach eine vollkommen andere Gestalt bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als eines der inspirierenden Beispiele gilt die Botschaft Belgiens in Berlin. Nach der politischen Wende 1989, zog die Botschaft auf dem Grundst\u00fcck ein, auf dem seit 1966 ein f\u00fcnfgeschossiger Plattenbau steht. Anstatt den Plattenbau abzurei\u00dfen, wurde das Potenzial des Geb\u00e4udes genutzt. Ab 1999 gestaltete das zust\u00e4ndige Architekturb\u00fcro (R\u00fcthnick Architekten Ingenieure) das Haus v\u00f6llig um. Die Innenraumgestaltung wurde an die Erfordernisse der Botschaft angepasst. Vor allem das lichtdurchflutete Foyer, welches sich \u00fcber zwei Stockwerke erstreckt steht f\u00fcr den Erfolg des Projekts.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber l\u00e4sst sich die Platte auch \u00e4u\u00dferlich umwandeln? Fr\u00fcher noch als <em>non plus ultra<\/em> des Neubaus betrachtet, leidet die Platte heute leider unter ihrem pejorativen Klischee, vor allem unter ihrer grauen Eint\u00f6nigkeit. Dabei zeigen innovative Ideen, dass nicht nur das Bestreichen der Fassade mit \u201efr\u00f6hlichen\u201c Farben, sondern vor allem das Renovieren mit hochwertigem Material, wie etwa mit Fassadenpanelen aus Holz, der Platte ein ganz neues Antlitz verleiht und ihre Attraktivit\u00e4t deutlich steigert. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>(Ost-)deutschlandweit gibt es mehrere Projekte, die das hier kurz beschriebene Potenzial der Platte erfolgreich und kreativ ausgenutzt haben. Leider erblicken nicht alle Umbauprojekte das Licht der Welt. 2007 wurde in Leipzig, trotz eines ambitionierten Projektes mit attraktiven Einzelhandelsfl\u00e4chen und Sozialbauwohnungen nebeneinander, das Wohnensemble am Br\u00fchl schlie\u00dflich doch abgerissen. &nbsp;Dennoch gilt, dass wegen der vielen sozialen und umweltfreundlichen Ans\u00e4tze, das Potenzial der Platte immer h\u00e4ufiger gesehen wird.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne gilt es zu hoffen, dass das Umgestaltungsprojekt des Wohnviertels in der Hansastra\u00dfe nicht das letzte derartige Vorhaben in Wei\u00dfensee-Nord bleibt. \u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Cl\u00e9mence de Lacour<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zwischen dem Wei\u00dfen See, dem Orankesee und dem Naturschutzgebiet Fauler See gelegene Bezirk Wei\u00dfensee-Nord hat eine sehr idyllische Umgebung zu bieten. 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