{"id":208,"date":"2021-08-27T16:55:58","date_gmt":"2021-08-27T14:55:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/?page_id=208"},"modified":"2021-08-27T16:55:58","modified_gmt":"2021-08-27T14:55:58","slug":"der-platz-der-vereinten-nationen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/der-platz-der-vereinten-nationen\/","title":{"rendered":"Der Platz der Vereinten Nationen"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Platz der Vereinten Nationen umfasst einen Geb\u00e4udekomplex von vier Plattenhochh\u00e4usern und befindet sich im Ortsteil Friedrichshain . Laut dem DDR-Stararchitekten Hermann Henselmann sollte ein Geb\u00e4ude den zentralen Verkehrsknotenpunkt als Eingang zum Ostberliner Stadtzentrum bilden. Als Protagonist im innovativen Plattenbau hat Hanselmann ein siebenstufig gegliedertes Hochhaus entworfen, das den Hintergrund f\u00fcr die skulpturale Leninbibliothek im Zentrum des Platzes ergeben sollte. Die Geb\u00e4ude wurde aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden in reduzierter Ausf\u00fchrung umgesetzt. Heutzutage bietet der 75 Meter breite Geb\u00e4udekomplex mit 25, 21 und 17 Stockwerken Platz f\u00fcr viele Wohnungseinheiten und steht unter Denkmalschutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Plattenbauten am Platz der Vereinten Nationen entstanden in der Zeit der DDR. Am 19. April 1970 wurde der Platz unter dem Namen Leninplatz mit der Errichtung eines Lenindenkmals feierlich eingeweiht. Nach dem Ende der DDR wurde die Leninskulptur abgerissen und auch der Name Leninplatz ersetzt. Seit dem 13. M\u00e4rz 1992 ist der Platz nach der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) benannt.Mit fast 1200 Wohnungen war dieses Wohnviertel ein sehr attraktiver Wohnort. Es sollte zu diesem Zeitpunkt eine autonome Gro\u00dfsiedlung f\u00fcr die Masse sein, in der sowohl kulturelles Geschehen stattfinden sollte, als auch t\u00e4gliche Angelegenheiten erledigt werden konnten. Laut einem Artikel von A. Horandt sollten sich dort ein Souvenirgesch\u00e4ft, ein Selbstbedienungspostamt, eine Gastst\u00e4tte, ein Espressogesch\u00e4ft und ein Blumenladen befinden. Auf der S\u00fcdseite des Platzes sollte eine der gr\u00f6\u00dften und modernsten Kaufhallen der Hauptstadt, ein plastisch gegliederter Flachbau, stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heutzutage sieht man im Zentrum des Platzes vor allem die Stra\u00dfenkreuzung mit einer Stra\u00dfenbahnlinie und Gesch\u00e4ften wie Edeka. An der rechten Seite befindet sich Volkspark Friedrichshain. Trotzdem bleibt das Konzept sehr original und au\u00dfergew\u00f6hnlich. In Berlin habe ich bisher keine Plattenbaukreation wie diese gesehen: zwei krumm gebaute Hochh\u00e4user, die sich in gewisser Weise spiegeln, nebenbei ein Hochhaus, das in abgestufter H\u00f6he gebaut wurde und sich gegen\u00fcber allen anderen Geb\u00e4uden auszeichnet und ein Wohnblock mit Supermarkt an der s\u00fcdwestlichen Seite des Platzes der Vereinten Nationen. Mein Interesse haben vor allem die zehnst\u00f6ckigen Geb\u00e4ude geweckt, die in geschwungener Form aneinander schauen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"454\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-209\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-6.png 605w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-6-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 85vw, 605px\" \/><figcaption>Abb. 1: Platz der Vereinten Nationen 3-12; Quelle: Paulina Winiarczyk<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieses dynamisch geschwungene Geb\u00e4ude war das erste Geb\u00e4ude, das ich von der Stra\u00dfenbahn ausgesehen habe. Sehr pr\u00e4chtig und au\u00dfergew\u00f6hnlich, mit einer bunten Fassade, stellt dieses Wohnhaus einen interessanten Wohnbautypus eines Plattenbaus in der DDR dar. Die Umgebung ist angenehm, und vor allem sehr gr\u00fcn. Zum Gr\u00fcn geh\u00f6rt eine lange Wiese mit einem kleinen Brunnen. An dem Ort des abgerissenen Lenindenkmals wurde ein Springbrunnen mit vielen gro\u00dfen Granitsteinen am Platz errichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Haus mit der Nummer 3 hat zehn Etagen, interessanterweise h\u00e4lt der Aufzug nicht auf allen Etagen, sondern nur auf sechs unterschiedlichen Etagen (ich vermute, dass der Halt auf jeder zweiten Etage m\u00f6glich ist). Ich wurde problemlos in das Geb\u00e4ude hineingelassen. Aufgrund der zahlreichen Mitbewohner  ist es wahrscheinlich schwierig, sich alle Nachbarnamen zu merken und zu pr\u00fcfen, ob jemand wirklich hier wohnt oder nur zu Besuch kommt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"310\" height=\"414\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-210\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-7.png 310w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-7-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 85vw, 310px\" \/><figcaption>Abb. 2: Innenansicht eines Plattenbaus am Platz der Vereinten Nationen; Quelle: Paulina Winiarczyk<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als ich in das Geb\u00e4ude hineingelassen wurde, habe ich sofort die Sauberkeit und Ger\u00e4umigkeit bemerkt  An den Treppen habe ich eine junge Mitbewohnerin angesprochen und kurz darum gebeten, ob sie mir ihre Wohnung zeigen kann. Ich habe sie auch gefragt, ob sie hier zufrieden ist. Die Einrichtung der Wohnung besteht aus dunklem Vollholz und die Zimmer haben relativ gro\u00dfe Fenster, wobei von der K\u00fcche und dem Wohnraum auf das hohe Geb\u00e4ude, das von Hanselmann entworfen wurde, geblickt werden kann. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"311\" height=\"415\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-211\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-8.png 311w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/plattenbau\/files\/2021\/08\/grafik-8-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 85vw, 311px\" \/><figcaption>Abb.3: Wohnhochhaus am Platz der Vereinten Nationen; Quelle: Paulina Winiarczyk<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Fenster nach Westen laden zum langen Schauen ins Gr\u00fcne ein, dort befindet sich auch schon ein Teil des Volksparks. Zu DDR Zeiten verzichtete man aus sozialen Gr\u00fcnden auf eine Wohnk\u00fcche. Ich kann mir vorstellen, dass die Grundidee war, die Frau besser in die Familie zu integrieren, da die K\u00fcche offen zum Wohnraum konzipiert wurde. Auch ein gro\u00dfer Balkon mit riesigen Fenstern weist darauf hin, dass das Zentrum des Lebens im Wohnzimmer liegen sollte. Das Wohnzimmer ist wirklich gut beleuchtet und von der K\u00fcche mit einer Trennwand abgeschrimt. Die Wohnung scheint sehr neutral zu sein, mit wei\u00dfen W\u00e4nden und wenigen M\u00f6beln. Die junge Bewohnerin ist mit der Wohnung sehr zufrieden, vor allem die Mietpreise sind sehr attraktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war beeindruckt davon, wie sauber das Geb\u00e4ude ist, nur die schmutzigen W\u00e4nde wurden wahrscheinlich seit Jahren nicht mehr gestrichen. Der Platz der Vereinigten Nationen bietet eine sehr komplexe und au\u00dfergew\u00f6hnliche Art des Plattenbaus. Es erinnert mich an die sowjetischen Mikrorayons. Die in Kurven gebauten Geb\u00e4ude grenzen den gesamten Platz ab und schaffen eine urbane autonome Gro\u00dfsiedlung, die zu DDR Zeiten das Konzept der Mikroraion erf\u00fcllen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Paulina Winiarczyk<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Autor unbekannt URL: <a href=\"https:\/\/www.jeder-qm-du.de\/ueber-die-platte\/plattenbau-historie\/platz-der-vereinten-nationen\/\">https:\/\/www.jeder-qm-du.de\/ueber-die-platte\/plattenbau-historie\/platz-der-vereinten-nationen\/<\/a> (Stand 26.07.2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Autor unbekannt URL: <a href=\"https:\/\/www.xhain.info\/friedrichshain\/platz-der-vereinten-nationen.htm\">https:\/\/www.xhain.info\/friedrichshain\/platz-der-vereinten-nationen.htm<\/a> (Stand 26.07.2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Horandt, A.\/ Horn, G., Sie ehrten Lenin, indem sie H\u00e4user bauten. Vom Werden und Wachsen des Leninplatzes, hg. v. Bezirksvorstand der Gesellschaft f\u00fcr Deutsch-Sowjetische Freundschaft in der Hauptstadt der DDR, Berlin 1970. URL: <a href=\"https:\/\/www.ddrgeschichte.de\/Wirtschaft\/Industrie\/Wohnungswesen\/Leninplatz_-Berlin-\/leninplatz_-berlin-.html\">https:\/\/www.ddrgeschichte.de\/Wirtschaft\/Industrie\/Wohnungswesen\/Leninplatz_-Berlin-\/leninplatz_-berlin-.html<\/a> (Stand 20.07.2021)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Platz der Vereinten Nationen umfasst einen Geb\u00e4udekomplex von vier Plattenhochh\u00e4usern und befindet sich im Ortsteil Friedrichshain . Laut dem DDR-Stararchitekten Hermann Henselmann sollte ein Geb\u00e4ude den zentralen Verkehrsknotenpunkt als Eingang zum Ostberliner Stadtzentrum bilden. 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