Dokumentation der Online-Podiumsdiskussion „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ vom 15.12.20

 

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es? 

Die Podiumsdiskussion am 15.12.20, bei der diese Fragen diskutiert wurden, war Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies. Dieser fand 2020 bereits zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember statt. Beim Wissenschaftstag #4GenderStudies geht es darum, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies/Geschlechterforschung sichtbarer zu machen. 2020 beschäftigten sich die Angebote der Berliner Hochschulen mit dem Themenschwerpunkt Rassismus.

Die Podiumsdiskussion war außerdem der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021. Sie wurde von Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisiert, um zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen beizutragen und Räume zu schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität Berlin entwickelt werden können.

 

Die Expert*innen auf dem Podium

AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch:
Santiago Velez Vargas studiert Politikwissenschaft an der OSI, ist Mitgründer des BIPoC Referat des AStA und Mitbegründer der Hochschulgruppe „Decolonize FU“
Nataly Castillo Bennett macht den Master in Interdisziplinäre Lateinamerikanische Studien am LAI der FU. Nataly ist hochschulpolitisch aktiv seit 2018 und ist Mitbegründerin und Vertreterin des BIPoC Referat in der ersten Legislaturperiode (2019-2020). Außerdem ist Nataly Beraterin für Internationale und BIPoC Studierende
Naledi Mmoledi studiert Politikwissenschaft am OSI. Naledi ist hochschulpolitisch aktiv seit 2018. Auch Naledi ist Mitbegründerin und Referentin des BIPoC Referats an der FU Berlin und Beraterin für internationale Studierende und BIPoC Studierende

Mohamed Amjahid hat an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften studiert. Er ist freier Journalist und Buchautor. Amjahid arbeitet für verschiedene Medien, unter anderem für die ZEIT, den Spiegel und die taz. Sein neues Buch „Der weiße Fleck. Eine Anleitung zu antirassistischem Denken“ erscheint im März 2021 im Piper-Verlag.

Dr. Denise Bergold-Caldwell ist wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg). Sie interessiert sich für Schwarze Feministische Theorie, kritische post- und dekoloniale Theorien, sowie für Bildungstheorie(n). Sie ist aktiv in sozialen Bewegungen, z.B. der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland.

Dr. Doris Liebscher ist Juristin mit den Schwerpunkten: Antidiskriminierungsrecht, feministische Rechtswissenschaft und rassismuskritische Rechtswissenschaft. Sie ist seit September Leiterin der LADG-Ombudsstelle, zuständig für Beschwerden nach dem LADG. Sie war vorher 8 Jahre wissen-schaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt Law Clinic Grund- und Menschenrechte an der Juristischen Fakultät der HU Berlin.

Saboura Naqshband ist Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in und Empowermenttrainer*in. Saboura ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter*in am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Dozent*in für Intersektionale Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin, Mitbegründer*in des „Berlin Muslim Feminists“ Kollektivs, sowie (u)nd Mitglied des postkolonialen Bildungslabs „b*lab“. Saboura arbeitet aktivistisch und akademisch zur Intersektion von Religion, Geschlecht und Sexualität, sowie zu (antimuslimischem) Rassismus und Dekolonisierung. Außerdem forscht sie zur sozialen und politischen Teilhabe von Migrantisierten, BIPoC und Geflüchteten in Deutschland; gegenwärtig ist sie an einer Pilotstudie zu Karrierewegen von BIPoC-Wissenschaftler*innen in der Migrationsforschung beteiligt.

 

Publikationen von und mit den Panelist*innen (Auswahl):

Amjahid, Mohamed. 2021. Der weiße Fleck: Eine Anleitung zu antirassistischem Denken. München: Piper.

Amjahid, Mohamed. 2017. Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein. Berlin: Hanser Berlin.

Bergold-Caldwell, Denise; Georg, Eva. 2017. Bildung postkolonial?! – Subjektivierung und Rassifizierung in Bildungskontexten. Eine Problematisierung pädagogischer Antworten auf Flucht, Migration. In: Mai, Hanna; Merl, Thorsten; Mohseni, Maryam (Hg.): Differenzverhältnisse in der Pädagogik: Machtkritische Perspektiven erziehungswissenschaftlicher Forschung und pädagogischer Praxis. Wiesbaden: Springer VS, S. 69-89.

Kuria, Emily Ngubia. Übers. Naqshband, Saboura. 2015. Eingeschrieben: Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen. Insel Hiddensee: w_orten & meer.

Klose, Alexander; Liebscher, Doris. 2015. Antidiskriminierungspolitik in der deutschen Einwanderungsgesellschaft. Stand, Defizite, Empfehlungen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann-Stiftung.
hier abrufbar

Naqshband, Saboura et al. 2019. Selbstorganisation und feministische Arbeit im Kontext von Migration. In: International Women* Space e.V. (Hg.): Als ich nach Deutschland kam, Gespräche über Vertragsarbeit, Gastarbeit, Flucht, Rassismus und feministische Kämpfe. Münster: UNRAST-Verlag, S. 151-174.

Parbey, Celia. 15.12.2020. Brauchen Schwarze Frauen ein bestimmtes Äußeres, um aufzusteigen? (Interview mit Denise Bergold-Caldwell auf zeit.de).
hier abrufbar.

 

Weitere Literaturhinweise aus der Podiumsdiskussion:

Arndt, Susan; Eggers, Maureen Maisha; Kilomba, Grada; Piesche, Peggy (Hrsg.). 2017. Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: UNRAST-Verlag.

Diehl, Claudia; Fick, Patrick. 2016. Ethnische Diskriminierung im deutschen Bildungssystem. In: Diehl, Claudia, Hunkler, Christian, Kristen, Cornelia (Hrsg.): Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf. Mechanismen, Befunde, Debatten. Wiesbaden: Springer VS, S. 243-286.

Gomolla, Mechthild; Radtke, Frank-Olaf. 2009. Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Wiesbaden: Springer VS.

Smith, Linda Tuhiwai. 2017. Decolonizing Methodologies: Research and Indigenous Peoples. London: Zed Books.

 

Vernetzung und weitere Hinweise

Gerne ergänzen wir weitere Inititativen von Studierenden oder Instituten an der FU, die gegründet wurden.

AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color: Dieses Referat hat sich zum Ziel gesetzt, einen „safer space“ für Schwarze Studierende und Studierende of Color zu gestalten sowie Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten zu schaffen.

Beratung für Internationale Studierende und Studierende of Color: Der AStA unterstützt hier insbesondere bei Fragen von Leistungsanerkennungen und Studienzulassungen für ausländische Studierende.

„Nein heißt Nein!“ – Anlaufstellen bei Vorfällen sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt: Diese FU-Seite sammelt interne und externe Anlaufstellen, an die Betroffene von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt sich wenden können. Einige davon verfolgen dabei einen explizit antirassistischen und queerfreundlichen Ansatz und bieten ihre Beratung in vielen Sprachen an, so etwa GLADT e.V. oder die Frauenberatung TARA.

LADG-Ombudsstelle: Hier können Diskriminierungen auf Basis des LADG (Landesantidiskriminierungsgesetz) gemeldet werden. Auf Wunsch beraten die LADG-Ombudsstelle und die Berliner Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) auch zum weiteren Vorgehen nach dem Vorfall.

 

 

Rassismuskritisch lehren und lernen – Workshop mit Ayla Satilmis am 19.03.21

Rassismus ist allgegenwärtig und als ein institutionelles Problem im Bildungssystem vielerorts vorzufinden. So gibt es auch im Wissenschaftsbetrieb institutionellen Rassismus, der sich beispielsweise in der mangelnden Diversität von Lehrenden und an eurozentrischen Wissenschafts- und Forschungsperspektiven zeigt sowie bei Lehrinhalten und -materialien zum Vorschein kommt. 

In diesem Workshop geht es darum, die Hochschule aus einer rassismuskritischen Perspektive zu betrachten und ein Bewusstsein für Antidiskriminierung im Lehr-Lern-Alltag zu entwickeln. Zentral befassen wir uns mit der Frage: Wie kann rassismuskritisches Lehren und Lernen aussehen? 

In einer Kombination von Theorie, anwendungsorientierten Inputs und Reflexion gehen wir dieser Frage nach und werden uns dabei mit verschiedenen Facetten von Rassismus im Hochschulkontext auseinandersetzen, intersektionale Herausforderungen diskutieren und kritisches Weiß-Sein im Lehr-Lern-Setting reflektieren. Der Workshop bietet Raum für Austausch und Denkanstöße für rassismuskritische, diversitätsbewusste Lehr-Lern-Bedingungen. Vermittelt werden konkrete Ideen zur Gestaltung (digitaler) Lehre und Beratung im Lichte der Antidiskriminierung, die mit zentralen Prinzipien guter Lehre verknüpft werden. 

Bitte beachten:

  • Der Workshop beinhaltet eine Vorbereitungsaufgabe, die Sie eine Woche vorher zugeschickt bekommen und für deren Bearbeitung Sie 60 Minuten einplanen sollten.  

Ziele: 

  • Auseinandersetzung mit rassismuskritischen und intersektionalen Perspektiven im Hochschul- und Wissenschaftskontext 
  • Vermittlung rassismuskritischer Handlungskompetenzen in der Lehrgestaltung und Beratung 
  • Reflexion und Erarbeitung rassismuskritischer, diversitätssensibler Lehr- und Lernszenarien 

Trainerin:

Ayla Satilmis, Politikwissenschaftlerin mit langjährigen Lehr- und Forschungserfahrungen an der Universität Bremen sowie freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Antidiskriminierung, Rassismuskritik, Demokratisierung des Wissenschaftsbetriebs sowie diversitätssensible und partizipative Lehr-Lern-Formate; Kontakt: satilmis@uni-bremen.de

Anmeldung:

Bitte mit Angabe des Fachs, in dem Sie an der Freien Universität Berlin lehren, unter kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de

Zeit & Ort

19.03.2021 | 09:00 – 15:00

Online-Workshop

Online-Podiumsdiskussion zu „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ am 15.12.2020

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es?

Das Margherita-von-Brentano-Zentrum und die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ laden alle Mitglieder der Freien Universität Berlin sowie weitere interessierte Personen zu einer Podiumsdiskussion ein, bei der diese Fragen thematisiert werden. Sie soll der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021 sein. Mit diesem Angebot möchten wir zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen im Hochschulkontext beitragen und Räume schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität entwickelt werden können. 

Die Podiumsdiskussion ist Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies, der nun zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember stattfindet. Er verfolgt das Anliegen, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies sichtbarer zu machen. Dieses Jahr beschäftigen sich die Angebote in Berlin mit dem Themenschwerpunkt „Institutioneller Rassismus“. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

Es diskutieren:

  • AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch Naledi Maskia Mmoledi (Politikwissenschaft), Santiago Velez Vargas (Politikwissenschaft) und Nataly Castillo Bennett (Lateinamerikastudien)
  • Mohamed Amjahid (Politikwissenschaftler, Journalist und Autor)
  • Dr. Denise Bergold-Caldwell (Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Philipps-Universität Marburg)
  • Dr. Doris Liebscher (Juristin, Leiterin der Ombudsstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung)
  • Saboura Naqshband (Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) 

Veranstalterinnen:

Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum)

Organisatorische Informationen:

Die Podiumsdiskussion findet in Webex-Events statt. Sie können sich über einen moderierten Chat an der Diskussion beteiligen. Bitte melden Sie sich bis zum 13.12. über das Anmeldeformular für die Veranstaltung an. Den Webex-Link erhalten Sie dann wenige Tage vor der Podiumsdiskussion.