Holen Sie sich ein Zwischenfeedback der Studierenden – auch zur Umsetzung gender- und diversitätsbewusster Lehre

Der Dezember ist ein guter Zeitpunkt, um nach etwa der Hälfte des Wintersemesters eine Zwischenevaluation durchzuführen. Sie ist ein hervorragendes Instrument zur Verbesserung der Lehre, denn wenn Sie nicht bis zum Semesterende warten, um sich ein Feedback von Studierenden zu holen, können Sie Kritik und Anregungen direkt umsetzen.

Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren bisherigen Plan über Bord werfen müssen. Auch kleinere Modifikationen können den Lernprozess verbessern. Sie nehmen die Studierenden dadurch ernst und oft erhöht sich die allgemeine Zufriedenheit bereits dadurch deutlich. Unter Umständen kann so auch unkommentiertes Fernbleiben von Studierenden verhindert werden. Beispielsweise ermöglicht eine Zwischenevaluation, zu prüfen, ob der Vorbereitungsaufwand und das Lernniveau angemessen sind oder ob Studierende unter- oder überfordert sind.

Eine Zwischenevaluation können Sie mündlich und/oder schriftlich durchführen, wobei verschiedene Grade der Freiwilligkeit und Anonymität möglich sind. Die Evaluation sollte sich sowohl auf Lernerfolge als auch auf Lernprozesse beziehen. Praktische Hinweise zur Formulierung von Fragen und die methodische Durchführung finden Sie in der Feedback-Methodenbar der Universität Duisburg-Essen. Die Kolleg*innen stellen knapp und anschaulich elf Methoden vor, die Sie an Ihre Bedarfe anpassen können.

Nutzen Sie die die Zwischenevaluation auch, um Ihre Studierenden zu fragen, wie gender- und diversitätsbewusst sie Ihre Lehrveranstaltung bislang wahrgenommen haben. Wenn Sie eine Rückmeldung zu Gender- und Diversityaspekten bekommen möchten, können Sie entweder direkt oder indirekt nachfragen.

Beispielfragen zu Sprache und Interaktion

  • direkte Frage: „Verwendete die Lehrperson gender- und diversitätsbewusste Sprache?“
  • indirekte Frage: „Konnten Sie sich an der Lehrveranstaltung aktiv beteiligen? Konnten Sie sich in Diskussionen, Übungen, Gruppenarbeiten etc. in angemessener Weise einbringen? Wenn nicht, warum?“

Beispielfragen zu Lehr- und Studieninhalten

  • direkte Frage: „Nahm die Lehrperson Bezug auf Theorien oder Daten der Gender- und Diversityforschung?“
  • indirekte Frage: „Fand eine Auseinandersetzung mit dem Kanon Ihres Fachs statt?“

Entscheiden Sie je nach Fachkultur und abhängig von Ihrer Einschätzung der Studierenden, was für Ihre Lehrveranstaltung passend ist. Weitere Vorschläge für Evaluationsfragen zu Lehrmethoden, Lehr- und Studieninhalten sowie Sprache und Interaktion finden Sie in der Toolbox auf der Seite „Von der Planung bis zum Abschluss„.

Wie bei der Abschlussevaluation können Sie natürlich auch die Ergebnisse der Zwischenevaluation sowie mögliche Schlussfolgerungen in der folgenden Sitzung mit den Studierenden diskutieren.

 

 

 

Einen guter Start ins Semester fördern: gender- und diversitätsbewusste Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung

Was sollte in der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung passieren, um Studierende in ihrer Vielfalt zu adressieren und Diskriminierung abzubauen? Wie können Sie eine Grundlage für eine gute Lernatmosphäre während des Semesters legen? Wir schlagen acht Punkte für die erste Sitzung jeder Lehrveranstaltung vor:

1. Inhalte motivierend darstellen: In der ersten Sitzung sollten die Studierenden eine Vorstellung von den Inhalten und dem Ablauf der Lehrveranstaltung gewinnen, deren roten Faden nachvollziehen können. Dabei ist es wichtig, die Studierenden neugierig auf das Thema zu machen und sie für die Lehrveranstaltung zu motivieren. Versuchen Sie zu vermitteln, warum Sie selbst das Thema so spannend finden oder erzählen Sie von Ihrem eigenen Forschungs- und Lernprozess. Die Kolleg*innen von hochschuldidaktik online empfehlen in ihrem Blog, sich nicht gleich zu Beginn der Sitzung in die (wichtigen, aber manchmal ermüdenden) organisatorischen Details zu stürzen, sondern die Methode des Storytelling zu nutzen, um Studierende zu motivieren.
Stellen Sie, wenn möglich, die Bedeutung der Gender- und Diversitätsforschung für das Thema der Lehrveranstaltung dar. Sie können ggf. auch auf die Auswahl der Literatur eingehen und Ihre Kriterien transparent machen. Selbst wenn die Autor*innen wenig Diversität repräsentieren, kann das eine wissenschaftskritische Perspektive auf den Lehrinhalt ermöglichen.

2. Kennenlernen: Es ist gut für die Lernatmosphäre, wenn sich die Teilnehmenden ein bisschen kennen und so Sicherheit gewinnen. Der Vorteil vieler Kennenlernmethoden ist zudem, dass Sie durch eine Verknüpfung mit den Themen der Lehrveranstaltung selbst etwas über die Interessen, Bedürfnisse und Kenntnisstände der Studierenden erfahren und diese in Ihre weitere Planung einbeziehen können. Hierfür eignen sich viele Vorschläge aus der Toolbox zur Aktivierung von Studierenden. Ich selbst nutze sehr gerne Aufstellungen im Raum zu verschiedenen Thesen oder ein Speeddating zu Beginn einer Lehrveranstaltung. Für große Gruppen sind digitale Tools, insbesondere Online-Response-Systeme, sehr gut geeignet.

3. Studierende respektvoll ansprechen: Zu einer guten Diskussionsatmosphäre trägt auch bei, wenn sich alle mit Namen adressieren können. Namensschilder in den ersten Sitzungen oder auch während des gesamten Semesters sind deshalb sehr hilfreich. Sie können den Studierenden auch anbieten, das Personalpronomen, mit dem sie adressiert werden möchten, auf dem Namensschild zu notieren, oder (bei bis zu 25 Personen) eine Pronomenrunde (S. 379) durchführen. Um eine unzutreffende Geschlechtszuschreibung durch die Adressierung als Herr/Frau + Nachname zu vermeiden, können Sie die Vornamen der Studierenden verwenden und sie dennoch siezen („Hamburger Sie“). Das ist auch praktisch für die Studierenden, die sich untereinander mit Vornamen ansprechen.
Hinweise zu gender- und diversitätsbewusster Sprache im Allgemeinen finden Sie in unserem Starter-Kit.

4. Datenschutz beachten: Verwenden Sie zur Erstellung der Teilnehmendenliste besser nicht die Namensliste aus dem Campusmanagement, sondern eine Blanko-Liste oder ‑Tabelle, die Sie herumgeben. Nicht alle Studierenden wollen mit dem Namen adressiert werden, mit dem sie offiziell eingeschrieben sind, z. B. wenn sie trans* sind. Wenn Sie den „alten“ Namen durch Herumgeben einer Liste oder durch das Aufrufen auf Grundlage der Liste verwenden, „outen“ Sie diese Studierenden unter Umständen. Dies kann zu Diskriminierungen und hohen Belastungen führen, die nicht nur leicht vermeidbar sind, sondern auch dem gesetzlichen Offenbarungs-Verbot („Outing-Verbot“) zuwiderlaufen. Achten Sie auch bei der Sammlung oder Veröffentlichung auf Anforderungen des Datenschutzes.

5. Positive Gesprächskultur fördern: Für das Gelingen einer Lehrveranstaltung sind alle Beteiligten verantwortlich. Als Lehrende*r sind Sie dafür zuständig, möglichst gute Voraussetzungen für eine konstruktive Gesprächskultur zu schaffen. Gerade bei der Thematisierung von Gender und Diversity gibt es oft lebhafte Diskussionen, sehr unterschiedliche Grade der Sensibilisierung und leider auch Verletzungen.
Um eine gute Diskussionsatmosphäre zu fördern, ist es sinnvoll, von Anfang an Regeln für den Umgang miteinander in Form einer Seminarvereinbarung zu formulieren. Dies dient der Transparenz und gibt Sicherheit, weil im Zweifel im Laufe des Semesters auf die Vereinbarungen verwiesen werden kann. Dabei können einerseits Sie als Lehrende*r bestimmte Grundsätze einführen, die enthalten, was Sie sich wünschen (z. B. wertschätzende Kommunikation oder Beteiligung möglichst vieler Studierender) oder welches Verhalten Sie nicht dulden (z. B. Beleidigungen, sexualisierte Belästigung). Eine höhere Akzeptanz von Vereinbarungen entsteht, wenn Sie diese demokratisch zusammen mit den Studierenden erarbeiten oder zumindest gemeinsam als „Seminarvereinbarung“ beschließen, was sich vor allem in kleineren Lehrveranstaltungen anbietet.
Sehr empfehlenswert ist es auch, das Konzept der Fehlerfreundlichkeit einzuführen, das bewusst berücksichtigt, dass Hochschullehre kein machtfreier Raum ist, und versucht, mit dem Spannungsverhältnis zwischen Lernraum und Schutzraum konstruktiv umzugehen.

6. Formale Aspekte kommunizieren: Die Studierenden müssen nach der ersten Sitzung wissen, welche Materialien sie brauchen und wie sie diese bekommen. Die Leistungsanforderungen sowie formale Teilnahmebedingungen wie Fristen etc. sollten ebenfalls bekannt und transparent gemacht werden. Es empfiehlt sich, solche Unterlagen schriftlich zur Verfügung zu stellen, am besten als Handout und digital. Tipps zur Erstellung von barrierefreien pdf-Dokumenten finden Sie z. B. bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit.

7. Erreichbarkeit der Lehrenden thematisieren: Die Studierenden sollten wissen, wie Sie als Lehrende*r bei Fragen oder Problemen zu erreichen sind. Geben Sie einige Beispiele, mit welchen Anliegen Studierende ggf. in Ihre Sprechstunde kommen können. Dies kann eine große Erleichterung für Studierende sein, die noch nicht über solches informelles Wissen der Hochschulkultur verfügen, wie z. B. Arbeiterkinder insbesondere zu Beginn des Studiums. Signalisieren Sie, dass sich Studierende gerne an Sie wenden können, wenn Sie Probleme oder spezifische Bedürfnisse haben, die Sie als Lehrende*r berücksichtigen sollten, seien es Ersatzleistungen bei unvermeidbarer Abwesenheit, Bedarfe zur Barrierefreiheit, der Wunsch auf eine bestimmte Weise adressiert zu werden etc. Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen haben zur Förderung der Chancengleichheit einen Anspruch auf Nachteilsausgleich. Dieser lässt sich erfahrungsgemäß am besten umsetzen, wenn die Beantragung und Planung mit ausreichend Vorlauf geschieht.

8. Beratungsstellen bekannt machen: Nutzen Sie die erste Sitzung auch, um auf Beratungsstellen an der Freien Universität zu verweisen, an die sich die Studierenden z.B. zu Themen wie Vereinbarkeit, Nachteilsausgleich, Finanzierung des Studiums oder Diskriminierungserfahrungen wenden können. Damit machen Sie nicht nur die verschiedenen Einrichtungen und Stellen bekannter, Sie signalisieren auch, dass Ihnen verschiedene Lebenssituationen und Bedarfslagen bewusst sind. Viele Studierende nehmen Beratung nicht oder sehr spät in Anspruch, weil sie Angst vor Stigmatisierung haben. Wenn Sie die Einrichtungen an Ihrer Universität kennen und regelmäßig darauf verweisen, können Sie zur Enttabuisierung beitragen.

Wir wünschen Ihnen allen einen guten Semesterstart!

Wenn Sie sich kurzfristig zur gender- und diversitätsbewussten Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung austauschen möchten, können Sie an unserem Webinar am 09.10.19 von 14 bis 15 Uhr teilnehmen.

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Gute Nachbar*innenschaft: Interview zu den Gender-Curricula des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW

Unter der Kategorie „Gute Nachbar*innenschaft“ stellen wir regelmäßig Angebote anderer Hochschulen zu gender- und diversitätsbewusster Lehre vor. Diese Woche geht es um die Gender Curricula des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW, eine einzigartigen Datenbank mit Vorschlägen zur Integration von Lehrinhalten der Frauen- und Geschlechterforschung in 54 Studienfächer. Auch die  inhaltlichen Anknüpfungspunkte für jedes Fach, die wir in der Toolbox veröffentlicht haben, basieren auf diesen Gender Curricula.

Die Toolbox-Mitarbeiterin Melanie Bittner hat mit Dr. Lisa Mense und Dr. Heike Mauer ein Interview über die Entwicklung und Nutzung der Gender-Curricula geführt.

Von der Genderforschung zu Gender Curricula

Das Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW hat eine Datenbank mit Gender Curricula für über 50 Fächer erstellt. Gibt es mittlerweile eigentlich in jedem Fach Genderforschung?

In jedem Studienfach sicherlich nicht, auch wenn die Geschlechterforschung mittlerweile sowohl in vielen Einzelwissenschaften als auch als eigenes Fach, Gender Studies, eingeführt ist. Dies zeigen die über 200 Professor*innen mit einer entsprechenden Denomination an den Hochschulen in Deutschland, die Sektionen und Arbeitsgruppen der Frauen- und Geschlechterforschung innerhalb von Fachgesellschaften sowie die vielen wachsenden landes- und bundesweiten Netzwerke der Frauen- und Geschlechterforschung. Geschlechterforschung ist bereits seit ihren Anfängen als Frauenforschung und feministische Theorie besonders stark in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften verankert, aber auch in den Natur- und Technikwissenschaften war und ist sie vertreten. Dies spiegelt sich auch in der Datenbank www.gender-curricula.com wider.

Wer hat die Gender Curricula erstellt?

Die in der Datenbank zusammengetragenen Vorschläge, wie Inhalte und Methoden der Geschlechterforschung in die Curricula verschiedener Studienfächer integriert werden können, wurden von ausgewiesenen Fachwissenschaftler*innen entwickelt. Und es ist gelungen, für zurzeit 56 Studienfächer – und damit fast alle in Deutschland studierbaren Fächer – Expert*innen zu gewinnen. D. h. konkret, dass die Inhalte für das Fach Mathematik von einer Mathematikprofessorin erstellt wurden und die Inhalte aus der Romanistik von einem Professor für romanische Literaturwissenschaft. Zudem werden für jedes Curriculum weitere Expert*innen als Ansprechpersonen genannt, um die Vielfalt der Geschlechterforschung innerhalb der jeweiligen Fachdisziplinen sichtbar zu machen.

Allerdings zeigt sich auch, dass insbesondere in den technik-und naturwissenschaftlichen Fächern nur wenige Fachwissenschaftler*innen mit einem Schwerpunkt in der Geschlechterforschung forschen und lehren. Während beispielsweise in der Politikwissenschaft, aber auch in der Mathematik, mehrere ausgewiesene fachwissenschaftliche Geschlechterforscher*innen aufgeführt sind, gilt dies nicht im gleichen Maße für die Studienfächer der Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, zumindest im deutschsprachigen Raum. Dennoch werden auch für diese Fächer, wie beispielsweise für die Nautik, Vorschläge unterbreitet, wie Genderaspekte im Curriculum berücksichtigt werden können: Themen sind hierbei u. a. Personalführung oder auch Team- und Projekt-Management der Schiffsbesatzungen. Hier werden Genderaspekte vor allem auf der Ebene von „Geschlechtsrollenmustern“ oder als Unterschiede und Konflikte zwischen Frauen und Männern verstanden, während erkenntnistheoretische Grundlagen, wie im Curriculums-Vorschlag für die Informatik, weniger angesprochen werden.

Warum ist eine Verankerung der Genderforschung in all diese Studiengänge notwendig?

Geschlecht ist eine sehr grundlegende Struktur unserer Gesellschaft, die nicht nur unser Denken und Handeln auf sehr vielfältige Weise prägt, sondern ebenfalls Organisationen, Institutionen und Gesellschaft und insbesondere auch die Wissenschaften. Deshalb ist es in Bezug auf viele Themen schlicht nicht möglich, gute Wissenschaft zu betreiben, ohne hierbei die Kategorie ‚Geschlecht‘ systematisch zu reflektieren. „Gute Nachbar*innenschaft: Interview zu den Gender-Curricula des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW“ weiterlesen

Methodenpool für aktivierende und abwechslungsreiche Lehre

Gender- und diversitätsbewusste Lehre dient der Verbesserung der Lehre. Das heißt: Kriterien für gute Lehre werden nicht über Bord geworfen oder neu erfunden, sondern sie werden ergänzt und unter spezifischen Gesichtspunkten weiterentwickelt. Dabei sind zwei didaktische Prinzipien besonders hilfreich für gender- und diversitätsbewusste Lehre: Methodenvielfalt und Aktivierung von Studierenden.

Durch den Einsatz abwechslungsreicher Methoden schaffen Sie unterschiedliche Lernmöglichkeiten für Studierende, denn Methoden bringen unter Umständen für bestimmte Studierende spezifische Barrieren oder Potentiale mit sich. Für Studierende mit einer beHinderung des Sprechens oder sehr zurückhaltende Studierende kann es z.B. unangenehm sein, aufgefordert zu werden, vor der gesamten Gruppe zu sprechen. Für Sie als Lehrende*r kann dann der Eindruck schlechter Vorbereitung oder Leistung entstehen, obwohl die Studierenden sich vielleicht in einer kleineren Arbeitsgruppe hervorragend hätten einbringen können. Anderen fällt es vielleicht sehr schwer, mit ihnen unbekannten Kommiliton*innen spontan zusammen zu arbeiten, so dass sie in einer individuellen Auseinandersetzung mit dem Thema oder in einer längerfristigen Projektgruppe am meisten lernen könnten. In jedem Fall können Sie durch die Verwendung vielfältiger Methoden dazu beitragen, die Chancengleichheit zu verbessern.

Mehr dazu, warum Methodenvielfalt und Aktivierung wichtig für gender- und diversityitätsbewusste Lehre sind sowie erste Umsetzungsmöglichkeiten, finden Sie in der Toolbox unter Didaktische Prinzipien. Noch konkreter wird es dann in unserem umfangreichen Methodenpool. Dort finden Sie Links zu aktuell 28 Methodensammlungen, sowohl ohne speziellen Bezug zu Gender und Diversity als auch für die explizite Thematisierung von Gender und Diversity in der Lehre. Die Sammlungen kommen aus der Hochschuldidaktik, der Erwachsenenbildung und der politischen Bildung. Lassen Sie sich anregen, seien Sie kreativ und passen Sie die methodischen Vorschläge für Ihren Kontext an.

Zur Auswahl von Methoden finden Sie in der Toolbox auch fünf Leitfragen mit denen Sie z.B. reflektieren können, ob eine Methode problematische Gruppendynamiken oder gesellschaftliche Machtverhältnisse reproduziert. Dieses Instrument zur Methodenplanung und -auswertung stellen wir auch in einem Webinar am 14.11.19 um 14.30 Uhr vor, das im Rahmen der Online-Kurzberatung für Tutor*innen an der Freien Universität Berlin angeboten wird. Alle Interessierten können ohne Anmeldung daran teilnehmen.

Snacks für Eilige: Erklärfilm und Checkliste zu Gender und Diversity in der Lehre

Je nach Gesprächspartner*in scheint der Umfang der Toolbox-Website ihre Stärke oder ihre Schwäche zu sein. Diese Woche haben wir deshalb zwei Tipps für die Lehrvorbereitung: einen schnellen Überblick zum Thema (1.) und eine kompakte Zusammenstellung von Umsetzungsmöglichkeiten (2.) für gender- und diversitätsbewusste Lehre finden alle Interessierten in Eile in unserem Starter-Kit.

  1. Der dreiminütige Erklärfilm ist ein leichter Einstieg, wenn Sie gerade erst anfangen, sich mit Gender und Diversity in der Lehre zu beschäftigen. Er enthält einige anschauliche Daten zu Gender und Diversity an deutschen Hochschulen und erklärt, warum gute Lehre gender- und diversitätsbewusst ist. Verschiedene Handlungsansätze werden genannt.
    Der Film steht auf deutsch und englisch zur Verfügung. Untertitel in der gleichen Sprache können jeweils an- oder ausgeschaltet werden. Die deutsche Volltextversion gibt es als pdf-Datei zum Download.
  2. In der zweiseitigen Checkliste zur gender- und diversitätsbewussten Didaktik finden Sie Reflexionsfragen zu den Dimensionen
    Inhalte, Lehrende, Lernende, Methodik und Rahmenbedingungen. Sie können prüfen, in welcher Hinsicht Sie zufrieden mit Ihrer Lehre sind und wo es vielleicht noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.
    Dies fünf didaktischen Dimensionen wurden von den Bildungsforscherinnen Gerrit Kaschuba und Karin Derichs-Kunstmann im Rahmen eines empirischen Projekts zu gendergerechter Erwachsenenbildung entwickelt. Melanie Ebenfeld hat für die Checkliste erweitert und die Verankerung und Repräsentation von sexueller Orientierung, Alter, soziale Herkunft, (Nicht-)Behinderung, Ethnizität/race und Religion/Weltanschauung integriert.

Der Film und die  Checkliste sind sehr kompakt, bieten jedoch keine schlichte to-do-Liste zum Abhaken. Damit stehen sie auch für den Ansatz der Toolbox, die umfassende Entwicklung von Gender- und Diversitykompetenz von Lehrenden durch viele Angebote – online und offline – zu unterstützen. Anwendungsorientierung: unbedingt! Einfache Rezepte: nein, dafür ist gender- und diversitätsbewusste Lehre zu wichtig und zu komplex.

Wie gendergerecht war Ihre Lehre? Online-Tool zur Selbstevaluation der Universität Freiburg (CH)

Ziehen Sie Bilanz

Bald endet die Vorlesungszeit des Sommersemesters und damit auch viele Lehrveranstaltungen. Zur Verbesserung der eigenen Lehre empfehlen wir allen Lehrenden eine systematische Nachbereitung. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit und halten Sie alle Überlegungen, Eindrücke, Schwierigkeiten, Erfolge, Rückmeldungen und Änderungsideen schriftlich fest, so dass Sie die Notizen für Ihre weitere Lehrplanung auch zu einem späteren Zeitpunkt nutzen können.

Besonders anregend für die Reflexion von Geschlechtergerechtigkeit in der Lehre ist das komfortable Online-Selbstevaluationstool der Universität Freiburg (CH).

So funktioniert das Tool

(1) Zunächst wählen Sie aus, ob Sie mit einem expliziten oder einen impliziten Ansatz geschlechtergerechter Lehre gearbeitet haben: Beim impliziten Ansatz geht es darum, für alle Studierenden – unabhängig vom Geschlecht – gute Lernmöglichkeiten zu schaffen. Es bedeutet zum Beispiel, Zuschreibungen zu hinterfragen und Stereotypisierungen zu vermeiden. Der explizite Ansatz beinhaltet diese Aspekte ebenfalls, geht aber darüber hinaus: „Der Erwerb von Genderkompetenz durch die Studierenden ist in Ihrer Veranstaltung oder im Curriculum als Lernziel deklariert.“

(2) Anschließend entscheiden Sie, welche Dimensionen Sie mit dem Tool gerne evaluieren möchten:

  • Kommunikation durch die Lehrperson
  • Fachinhalte
  • Lehr-/Lernmethoden
  • Interaktion in der Lehre
  • Selbstverständnis als Lehrperson
  • Überprüfung der Leistung von Studierenden
  • Evaluation der eigenen Lehre

(3) Dann beantworten Sie einige Fragen mit Hilfe einer Skala. Zu jeder Frage können Sie eine Erläuterung anklicken, in der die Bedeutung der Frage erklärt wird. Im letzten Schritt erhalten Sie ein Feedback mit weiteren Anregungen.

Beispiel für Auswahloptionen „impliziter Ansatz“ und „Fachinhalte“

Bei dieser Vorauswahl beantworten Sie zum Beispiele folgende Frage:

In der Erläuterung zu dieser Frage finden Sie einen Text, der die Bedeutung der Frage erläutert: „In vielen Fachbereichen ist der Kanon von männlichen Autoren dominiert. Autorinnen werden erwiesenermaßen weniger oft zitiert. Wenn es inhaltlich angebracht ist, achten Sie darauf, in der Zusammenstellung von Literatur zu Ihrer Lehrveranstaltung auch Fachbeiträge von Autorinnen aufzuführen. Sie nehmen dafür gelegentlich auch zusätzlichen Suchaufwand in Kauf.“

Stärken und Schwächen des Tools

Das Online-Selbstevaluationstool hilft, eine große Bandbreite an Aspekten wahrzunehmen, die für geschlechtergerechte Lehre wichtig sind. Sie können Ihre eigene Praxis und Haltung reflektieren. Kritisch anzumerken ist allerdings, dass die Kategorie Geschlecht hier ausschließlich binär verstanden wird, also beispielsweise nur nach männlichen und weiblichen Studierenden gefragt wird. Die real existierende und mittlerweile auch rechtlich in Deutschland anerkannte Vielfalt von geschlechtlicher Identität, wie z. B. die „dritte Option“ beim Eintrag des Personenstands, wird hier nicht berücksichtigt. Auch weitere Diversitätsdimensionen wie soziale Herkunft oder Alter werden, wie die Verfasser*innen auch transparent machen, selten explizit berücksichtigt. Es ist also wichtig, sich dieser Engführung bewusst zu sein und ggf. selbständig mehr Vielfalt in den Blick zu nehmen.

Das Online-Selbstevaluationstool wurde im Rahmen des Projekts E-qual + „Lehrevaluation als Instrument zur Gleichstellungsförderung“ am Centre de Didactique Universitaire der Universität Freiburg (CH) entwickelt.

Es wird unter der Creative-Commons-Lizenz Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported zur Verfügung gestellt.

L’outil d’auto-évaluation est mis à disposition en allemand et français.

Weitere Hinweise zur Nachbereitung von Lehrveranstaltungen, z.B. auch im Kolleg*innenkreis, finden Sie in der Toolbox Gender und Diversity in der Lehre