#Twitterview mit Prof. Dr. Andrea Geier: Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Auf dem Twitter-Account der Toolbox ging gestern ein neues Format an den Start: Das #Twitterview! Wir stellten der Germanistin und Geschlechterforscherin Prof. Dr. Andrea Geier 10 Fragen zu gendersensibler Lehre, digitalen Tools und Wissenschaftskommunikation. Heraus kam ein langes und intensives Gespräch, und wir stellten fest: So schön es ist, ein Interview häppchenweise und live zu verfolgen, so praktisch ist es, den zusammenhängenden Text in Ruhe nachzulesen. Verändert haben wir ihn  kaum, schließlich ist das Gespräch auf Twitter entstanden und so soll es auch aussehen: Da ersetzt ein „&“ mal ein „und“, eine „1“ einen unbestimmten Artikel, da werden Texte verlinkt und Accounts von anderen Nutzer*innen erwähnt.

Uns hat es großen Spaß gemacht, weitere Gespräche sollen folgen. Sagen Sie uns gern: Wie gefällt Ihnen das Format? Mit wem würden Sie gern ein #Twitterview lesen?

Hier nun die komplette Unterhaltung:

Prof. Dr. Andrea Geier: Auf Twitter habe ich mir das Etikett „Komplexitätsdienstleisterin“ gegeben –😎 –  im sogenannten Real Life bin ich seit 2009 Professorin an der Uni Trier für Germanistik und Gender Studies. Für @realsci_DE habe ich mal meinen wissenschaftlichen Weg so beschrieben als Antwort auf die Frage: Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Toolbox: Sehr aufschlussreich! Aber auf Twitter schwindet die Aufmerksamkeit schnell, deswegen: Welches GIF beschreibt Ihr Forschungsgebiet am besten?

Prof. Dr. Andrea Geier: Spontan dachte ich an ‚irgendwas mit Büchern‘, aber habe schlauerweise erstmal auf Twitter gefragt. Mein Favorit aus den Antworten ist

T: Kooperation schätzen wir immer! Damit Einsteiger*innen erst gar nicht auf die Idee kommen, Ihr Fach zu unterschätzen: Welches Buch oder Video würden Sie ihnen empfehlen?

A.G.: Da ich mehr als 1 wissenschaftlichen Hut aufhabe, müsste ich Beispiele für Literaturwissenschaft & Gender Studies nennen. In beiden Fällen sage ich Studierenden, dass sie unbedingt vergleichen sollen. Schon der Blick in verschiedene Inhaltsverzeichnisse ist aufschlussreich! Es ist wichtig, dass man gleich anfangs 1 Eindruck von interdisziplinärer Arbeit an & mit Theorien & Themen bekommt, & zugleich Einblicke in disziplinenspezifische Zugänge & Forschungstraditionen. Konkret: Ich empfehle zB die Einführung in die Gender Studies meiner Trierer Kollegin Franziska Schößler sowie das Handbuch der Gender-Theorien „Gender@Wissen“ & „Gender Studien. Eine Einführung“, beide herausgegeben von Christina von Braun & Inge Stephan.

Vielen Dank für die Tipps! Nun würden wir behaupten, dass etwa die Gender Studies nicht nur Forschungs- und Lehrinhalt sind, sondern auch die Durchführung von Forschung und Lehrveranstaltungen beeinflussen. Deshalb: Was bedeutet gender- und diversitysensible Lehre für Sie?

Auch als Geschlechterforscherin muss man sich klar machen, dass gender- & diversitysensible Lehre nicht automatisch durch die Themen mit ‚abgedeckt‘ ist. Das gibt es schon auch: Wenn ich z.B. über Kanon spreche ->  Kanonkritik -> Gelegenheit, über Lehrmaterial zu reden. Also: Wie organisiere ich Lehrmaterial, welche Forscher:innen & Künstler:innen mache ich sichtbar? Es betrifft die Organisation von Inhalten genauso wie die Kommunikation im Seminarraum (schön auf Zoom z.B. dass Studierende neben dem Namen Pronomina eintragen können). Allerdings gehören auch Rahmenbedingungen dazu, die man nicht als Einzelne*r in der Hand hat. Für 1 möglichst inklusives, barrierefreies Studium braucht es 1 Konzept der Uni zu Infrastruktur etc. Es sind also viele kleine & große Fragen von Anrede bis Ausstattung.

Spannender Hinweis: Ohne strukturelle Bemühungen geht es also nicht. Zur notwendigen Infrastruktur, von der Sie sprechen, gehören seit spätestens einem Jahr auch digitale Kanäle. Für Sie ist das schon lange Alltag. Welche digitalen Tools nutzen Sie für Ihre Arbeit am liebsten?

In der Lehre sind Vorgaben zu beachten & es gibt (immer noch/immer wieder) offene datenschutzrechtliche Fragen, auch deshalb bin ich da nicht sehr fancy unterwegs. Ich setze Zoom & Tools unserer Lernplattform ein. Alles jenseits davon ist nicht verpflichtend für Studierende. Twitter ist für mich auch 1 Tool in der Lehre, & ich ermuntere Studierende seit den digitalen Semestern konsequent, digital was auszuprobieren: Mal statt 1 Text zu schreiben 1 Podcast machen & ihn in die Lernplattform stellen oder wie ich ‚rausgehen‘ & zeigen, was man macht. Im 1. digitalen Semester waren Studierende eher zögerlich, im 2. wurden Arbeitsaufgaben auch auf Twitter & Insta erledigt. Es klappt besonders gut, wenn Studierende das auf Plattformen machen, auf denen sie sowieso unterwegs sind. Da haben sie 1 Community & bekommen Feedback.

Das sind viele tolle Hinweise für Lehrende! Und apropos Feedback: Was würden Sie solchen raten, die sich in ihren Veranstaltungen noch nicht mit Gender & Diversity beschäftigt haben, sich vielleicht noch nicht trauen, aber gern damit anfangen würden? (Für mehr Inspiration, wie insbesondere Twitter für Lehrveranstaltungen genutzt werden kann, empfehlen wir unser Gespräch mit Dr. Levke Harders.)

Wenn 1 Person soweit ist, dass sie anfangen möchte, hat sie beste Voraussetzungen: 1 Interesse & sicher auch 1 Idee, wo sie ansetzen möchte: Geht es um Forschung? Oder um die Organisation der eigenen Lehre? Wie für viele andere Fragen ist hier Teamteaching 1 tolles Tool! In der Forschung fängt man am besten mit Fragen an, die im eigenen Forschungsfeld schon bearbeitet wurden, & unterhält sich mit Expert:innen. Gastvorträge sind dafür 1 sehr niedrigschwelliger & guter Zugang. Meine Empfehlung ist, auf jeden Fall das Gespräch mit anderen Lehrenden über 1 gender- & diversitätssensible Gestaltung von Lehre zu suchen & den Austausch auch an der eigenen Uni/im eigenen Fach zu suchen & selbst mitzugestalten.

An Mitgestaltung sind Sie auch außerhalb des Fachs und Ihrer Uni interessiert, etwa in Interviews für  den Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur oder in Beiträgen für 54books. Oft geht es dabei um die viel beschworene „Cancel Culture“ und um Identitätspolitik. Warum polarisieren diese Themen so?

An diese Begriffe binden sich mittlerweile grundsätzliche Gesellschaftsdiagnosen der Gegenwart. Dabei geht es eigentlich um wichtige Werte, aber die Prämissen von #CancelCulture oder das Verständnis von Identitätspolitik sind teilweise stark verkürzt bis falsch. Haben sich falsche Problembeschreibungen & Kampfbegriffe – #CancelCulture – einmal etabliert, haben solche Debatten 1 Tendenz sich zu verselbstständigen. Man muss immer wieder versuchen, Ruhe reinzubringen & dazu auffordern sich anzusehen, worum es tatsächlich gehen sollte.

Auffällig ist, dass Personen wie Sie, die sich um eine differenzierte Debatte bemühen, dabei aber die Gender Studies klar verteidigen, immer wieder mit Häme und Hass konfrontiert werden. Wie kann sich das aus Ihrer Sicht ändern? (Für alle Mitlesenden: Die Debatten um #CancelCulture oder Identitätspolitik lassen sich natürlich nicht in zwei Tweets abhandeln. Aber keine Sorge, ausführliche Beiträge von Andrea Geier dazu verlinken wir am Schluss)

Es braucht 1 Bündel von verschiedenen Aktionen: Wichtig wäre, dass es mehr institutionelle Unterstützung gäbe: Ressourcen, Anerkennung, & natürlich auch Schutz bei Angriffen. Gerade wer #wisskomm auf Social Media macht, wird von Unis noch selten angemessen unterstützt. Diffamierende Fremdbilder darf man nicht zu sehr an sich ranlassen. Wer dich hasst nur weil du Geschlechterforscher:in bist, hat garantiert nichts von dir gelesen & ist auch einfach nicht dein Zielpublikum. #wisskomm soll zugänglich sein, aber immer mit Selbstschutz! Geschlechterforscher:innen müssen öffentlich viel zu oft aus 1 Verteidigungshaltung heraus agieren. Das kann 1 Person nicht ändern. Aber man kann sich sichtbar machen. Dafür öffnet insbesondere Social Media neue Wege. Das kann gute Anschlusskommunikationen erzeugen!

Wie bei der Lehre gilt also: Ein starker institutioneller Rahmen ist gefragt. Auch beim Stichwort „Sich sichtbar machen“ sind wir neugierig auf Ihre Expertise: Wie sieht gelungene Wissenschaftskommunikation (#wisskomm) für Sie aus, gerade in den Gender Studies?

Möglichst viele verschiedene Geschlechterforscher:innen sollten öffentlich präsent sein & ihre Expertise, auch disziplinär spezifisch, sichtbar machen! Interdisziplinarität zeichnet die Gender Studies aus, ist aber öffentlich auch 1 Kommunikationsproblem, denn: Gender Studies werden oft als homogen wahrgenommen. Daher wäre mehr disziplinäre Vielfalt zu sehen gut & – auch wenn das paradox klingt – mehr wissenschaftliche Kontroverse. Mehr Raum für den Austausch von Argumenten vor interessiertem Publikum, das täte gut. Dazu braucht es auch 1 Wissenschaftsjournalismus, der die öffentliche Auseinandersetzung über Gender Studies informiert zum Thema macht. & wir brauchen allgemeiner Räume, in dem wir nicht aus 1 Defensive heraus sprechen müssen. Das ist in Interviews oft der Fall.

Die schauen wir uns alle an! Dann bleibt uns nur noch zu sagen: Vielen, vielen Dank  @geierandrea2017 für Ihre Zeit und Ihr Wissen, es war uns ein Fest!

🙏

Wie versprochen folgen jetzt die Links zu weiteren Ressourcen. Allen, die mehr von Andrea Geier lesen, hören, lernen wollen, sei etwa dieses Interview ans Herz gelegt, außerdem ihr YouTube-Kanal mit Vorlesungsmitschnitten und Vorträgen zu Wissenschaftskommunikation oder dieser ihr Open-Access-Artikel „Logik und Funktion von Misogynie. Probleme und Perspektiven“ in der Fachzeitschrift „Ethik und Gesellschaft“.

 

Dokumentation der Online-Podiumsdiskussion „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ vom 15.12.20

 

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es? 

Die Podiumsdiskussion am 15.12.20, bei der diese Fragen diskutiert wurden, war Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies. Dieser fand 2020 bereits zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember statt. Beim Wissenschaftstag #4GenderStudies geht es darum, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies/Geschlechterforschung sichtbarer zu machen. 2020 beschäftigten sich die Angebote der Berliner Hochschulen mit dem Themenschwerpunkt Rassismus.

Die Podiumsdiskussion war außerdem der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021. Sie wurde von Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisiert, um zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen beizutragen und Räume zu schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität Berlin entwickelt werden können.

 

Die Expert*innen auf dem Podium

AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch:
Santiago Velez Vargas studiert Politikwissenschaft an der OSI, ist Mitgründer des BIPoC Referat des AStA und Mitbegründer der Hochschulgruppe „Decolonize FU“
Nataly Castillo Bennett macht den Master in Interdisziplinäre Lateinamerikanische Studien am LAI der FU. Nataly ist hochschulpolitisch aktiv seit 2018 und ist Mitbegründerin und Vertreterin des BIPoC Referat in der ersten Legislaturperiode (2019-2020). Außerdem ist Nataly Beraterin für Internationale und BIPoC Studierende
Naledi Mmoledi studiert Politikwissenschaft am OSI. Naledi ist hochschulpolitisch aktiv seit 2018. Auch Naledi ist Mitbegründerin und Referentin des BIPoC Referats an der FU Berlin und Beraterin für internationale Studierende und BIPoC Studierende

Mohamed Amjahid hat an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften studiert. Er ist freier Journalist und Buchautor. Amjahid arbeitet für verschiedene Medien, unter anderem für die ZEIT, den Spiegel und die taz. Sein neues Buch „Der weiße Fleck. Eine Anleitung zu antirassistischem Denken“ erscheint im März 2021 im Piper-Verlag.

Dr. Denise Bergold-Caldwell ist wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg). Sie interessiert sich für Schwarze Feministische Theorie, kritische post- und dekoloniale Theorien, sowie für Bildungstheorie(n). Sie ist aktiv in sozialen Bewegungen, z.B. der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland.

Dr. Doris Liebscher ist Juristin mit den Schwerpunkten: Antidiskriminierungsrecht, feministische Rechtswissenschaft und rassismuskritische Rechtswissenschaft. Sie ist seit September Leiterin der LADG-Ombudsstelle, zuständig für Beschwerden nach dem LADG. Sie war vorher 8 Jahre wissen-schaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt Law Clinic Grund- und Menschenrechte an der Juristischen Fakultät der HU Berlin.

Saboura Naqshband ist Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in und Empowermenttrainer*in. Saboura ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter*in am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Dozent*in für Intersektionale Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin, Mitbegründer*in des „Berlin Muslim Feminists“ Kollektivs, sowie (u)nd Mitglied des postkolonialen Bildungslabs „b*lab“. Saboura arbeitet aktivistisch und akademisch zur Intersektion von Religion, Geschlecht und Sexualität, sowie zu (antimuslimischem) Rassismus und Dekolonisierung. Außerdem forscht sie zur sozialen und politischen Teilhabe von Migrantisierten, BIPoC und Geflüchteten in Deutschland; gegenwärtig ist sie an einer Pilotstudie zu Karrierewegen von BIPoC-Wissenschaftler*innen in der Migrationsforschung beteiligt.

 

Publikationen von und mit den Panelist*innen (Auswahl):

Amjahid, Mohamed. 2021. Der weiße Fleck: Eine Anleitung zu antirassistischem Denken. München: Piper.

Amjahid, Mohamed. 2017. Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein. Berlin: Hanser Berlin.

Bergold-Caldwell, Denise; Georg, Eva. 2017. Bildung postkolonial?! – Subjektivierung und Rassifizierung in Bildungskontexten. Eine Problematisierung pädagogischer Antworten auf Flucht, Migration. In: Mai, Hanna; Merl, Thorsten; Mohseni, Maryam (Hg.): Differenzverhältnisse in der Pädagogik: Machtkritische Perspektiven erziehungswissenschaftlicher Forschung und pädagogischer Praxis. Wiesbaden: Springer VS, S. 69-89.

Kuria, Emily Ngubia. Übers. Naqshband, Saboura. 2015. Eingeschrieben: Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen. Insel Hiddensee: w_orten & meer.

Klose, Alexander; Liebscher, Doris. 2015. Antidiskriminierungspolitik in der deutschen Einwanderungsgesellschaft. Stand, Defizite, Empfehlungen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann-Stiftung.
hier abrufbar

Naqshband, Saboura et al. 2019. Selbstorganisation und feministische Arbeit im Kontext von Migration. In: International Women* Space e.V. (Hg.): Als ich nach Deutschland kam, Gespräche über Vertragsarbeit, Gastarbeit, Flucht, Rassismus und feministische Kämpfe. Münster: UNRAST-Verlag, S. 151-174.

Parbey, Celia. 15.12.2020. Brauchen Schwarze Frauen ein bestimmtes Äußeres, um aufzusteigen? (Interview mit Denise Bergold-Caldwell auf zeit.de).
hier abrufbar.

 

Weitere Literaturhinweise aus der Podiumsdiskussion:

Arndt, Susan; Eggers, Maureen Maisha; Kilomba, Grada; Piesche, Peggy (Hrsg.). 2017. Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: UNRAST-Verlag.

Diehl, Claudia; Fick, Patrick. 2016. Ethnische Diskriminierung im deutschen Bildungssystem. In: Diehl, Claudia, Hunkler, Christian, Kristen, Cornelia (Hrsg.): Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf. Mechanismen, Befunde, Debatten. Wiesbaden: Springer VS, S. 243-286.

Gomolla, Mechthild; Radtke, Frank-Olaf. 2009. Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Wiesbaden: Springer VS.

Smith, Linda Tuhiwai. 2017. Decolonizing Methodologies: Research and Indigenous Peoples. London: Zed Books.

 

Vernetzung und weitere Hinweise

Gerne ergänzen wir weitere Inititativen von Studierenden oder Instituten an der FU, die gegründet wurden.

AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color: Dieses Referat hat sich zum Ziel gesetzt, einen „safer space“ für Schwarze Studierende und Studierende of Color zu gestalten sowie Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten zu schaffen.

Beratung für Internationale Studierende und Studierende of Color: Der AStA unterstützt hier insbesondere bei Fragen von Leistungsanerkennungen und Studienzulassungen für ausländische Studierende.

„Nein heißt Nein!“ – Anlaufstellen bei Vorfällen sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt: Diese FU-Seite sammelt interne und externe Anlaufstellen, an die Betroffene von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt sich wenden können. Einige davon verfolgen dabei einen explizit antirassistischen und queerfreundlichen Ansatz und bieten ihre Beratung in vielen Sprachen an, so etwa GLADT e.V. oder die Frauenberatung TARA.

LADG-Ombudsstelle: Hier können Diskriminierungen auf Basis des LADG (Landesantidiskriminierungsgesetz) gemeldet werden. Auf Wunsch beraten die LADG-Ombudsstelle und die Berliner Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) auch zum weiteren Vorgehen nach dem Vorfall.

 

 

Rassismuskritisch lehren und lernen – Workshop mit Ayla Satilmis am 19.03.21

Rassismus ist allgegenwärtig und als ein institutionelles Problem im Bildungssystem vielerorts vorzufinden. So gibt es auch im Wissenschaftsbetrieb institutionellen Rassismus, der sich beispielsweise in der mangelnden Diversität von Lehrenden und an eurozentrischen Wissenschafts- und Forschungsperspektiven zeigt sowie bei Lehrinhalten und -materialien zum Vorschein kommt. 

In diesem Workshop geht es darum, die Hochschule aus einer rassismuskritischen Perspektive zu betrachten und ein Bewusstsein für Antidiskriminierung im Lehr-Lern-Alltag zu entwickeln. Zentral befassen wir uns mit der Frage: Wie kann rassismuskritisches Lehren und Lernen aussehen? 

In einer Kombination von Theorie, anwendungsorientierten Inputs und Reflexion gehen wir dieser Frage nach und werden uns dabei mit verschiedenen Facetten von Rassismus im Hochschulkontext auseinandersetzen, intersektionale Herausforderungen diskutieren und kritisches Weiß-Sein im Lehr-Lern-Setting reflektieren. Der Workshop bietet Raum für Austausch und Denkanstöße für rassismuskritische, diversitätsbewusste Lehr-Lern-Bedingungen. Vermittelt werden konkrete Ideen zur Gestaltung (digitaler) Lehre und Beratung im Lichte der Antidiskriminierung, die mit zentralen Prinzipien guter Lehre verknüpft werden. 

Bitte beachten:

  • Der Workshop beinhaltet eine Vorbereitungsaufgabe, die Sie eine Woche vorher zugeschickt bekommen und für deren Bearbeitung Sie 60 Minuten einplanen sollten.  

Ziele: 

  • Auseinandersetzung mit rassismuskritischen und intersektionalen Perspektiven im Hochschul- und Wissenschaftskontext 
  • Vermittlung rassismuskritischer Handlungskompetenzen in der Lehrgestaltung und Beratung 
  • Reflexion und Erarbeitung rassismuskritischer, diversitätssensibler Lehr- und Lernszenarien 

Trainerin:

Ayla Satilmis, Politikwissenschaftlerin mit langjährigen Lehr- und Forschungserfahrungen an der Universität Bremen sowie freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Antidiskriminierung, Rassismuskritik, Demokratisierung des Wissenschaftsbetriebs sowie diversitätssensible und partizipative Lehr-Lern-Formate; Kontakt: satilmis@uni-bremen.de

Anmeldung:

Bitte mit Angabe des Fachs, in dem Sie an der Freien Universität Berlin lehren, unter kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de

Zeit & Ort

19.03.2021 | 09:00 – 15:00

Online-Workshop

„Gleichstellung ist…“ – Twitter-Aktion zum 8. März

„Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Erst recht!“ 

Clara Zetkin (1857-1933), Frauenrechtlerin , Kommunistin und Wegbereiterin des Frauentags in Deutschland

Dass Frauen wählen und die politische Zukunft ihres Landes mitbestimmen können: Anfang des 20. Jahrhunderts war das die zentrale Forderung sozialistischer Feministinnen in Europa. Ein Frauentag sollte bei der Propagierung dieses Ziels helfen. In vielen Ländern wurde dies 1918 zumindest teilweise erreicht. Doch die Ungleichbehandlung endete nicht an der Wahlurne: Frauenrechtlerinnen kämpften auch für das Recht auf freie Berufswahl, Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohneinbußen, Schulspeisungen für Kinder oder legale Schwangerschaftsabbrüche.

Während etwa das Wahlrecht für Frauen mittlerweile selbstverständlich scheint, kommen einige der mindestens 100 Jahre alten Forderungen erstaunlich aktuell daher. Die Mehrfachbelastung von Frauen durch Sorge- und Lohnarbeit, die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz sind noch heute Thema. Fakt ist: Ausschlussmechanismen auf Basis des Geschlechts wirken fort. Weil dies für die ganze Gesellschaft gilt, sind auch Hochschulen nicht frei von diesen strukturellen Barrieren.

An deren Abbau arbeiten Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte seit den 1990er Jahren . Anlässlich des 8. März möchten wir ihre Tätigkeiten, Positionen und Angebote in dieser Woche sichtbarer machen. Deshalb übernimmt der Bereich der Zentralen Frauenbeauftragten diese Woche unseren Twitter-Account und organisiert dort eine besondere Aktion: Jeden Tag vervollständigen (dezentrale) Frauenbeauftragte unterschiedlicher Fachbereiche sowie andere gleichstellungpolitische Akteur*innen der FU den Satz „Gleichstellung bedeutet…“. Dabei setzen sie ihre eigenen Schwerpunkte, machen auf intersektionale Verschränkungen oder gesellschaftliche Verantwortlichkeiten aufmerksam. Zu den Aussagen gesellen sich im Laufe der Woche Zitate inspirierender, feministischer, mit der FU verbundener Persönlichkeiten wie Margherita von Brentano und Audre Lorde.

Die Beschäftigung mit Diskriminierung, gesellschaftlichen Ausschlüssen und institutionellen Hindernissen kann deprimieren . Sie kann aber auch mutig, sogar kämpferisch stimmen, und an Clara Zetkin erinnern: „Erst recht!“

Erzählen Sie uns: Wie würden Sie „Gleichstellung bedeutet…“ vervollständigen? Wir freuen uns über Likes, Retweets, Kommentare auf Twitter oder hier im Blog, und wünschen einen inspirierenden 8. März!

Online-Podiumsdiskussion zu „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ am 15.12.2020

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es?

Das Margherita-von-Brentano-Zentrum und die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ laden alle Mitglieder der Freien Universität Berlin sowie weitere interessierte Personen zu einer Podiumsdiskussion ein, bei der diese Fragen thematisiert werden. Sie soll der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021 sein. Mit diesem Angebot möchten wir zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen im Hochschulkontext beitragen und Räume schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität entwickelt werden können. 

Die Podiumsdiskussion ist Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies, der nun zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember stattfindet. Er verfolgt das Anliegen, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies sichtbarer zu machen. Dieses Jahr beschäftigen sich die Angebote in Berlin mit dem Themenschwerpunkt „Institutioneller Rassismus“. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

Es diskutieren:

  • AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch Naledi Maskia Mmoledi (Politikwissenschaft), Santiago Velez Vargas (Politikwissenschaft) und Nataly Castillo Bennett (Lateinamerikastudien)
  • Mohamed Amjahid (Politikwissenschaftler, Journalist und Autor)
  • Dr. Denise Bergold-Caldwell (Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Philipps-Universität Marburg)
  • Dr. Doris Liebscher (Juristin, Leiterin der Ombudsstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung)
  • Saboura Naqshband (Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) 

Veranstalterinnen:

Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum)

Organisatorische Informationen:

Die Podiumsdiskussion findet in Webex-Events statt. Sie können sich über einen moderierten Chat an der Diskussion beteiligen. Bitte melden Sie sich bis zum 13.12. über das Anmeldeformular für die Veranstaltung an. Den Webex-Link erhalten Sie dann wenige Tage vor der Podiumsdiskussion.

Infoveranstaltung zum Masterstudiengang „Gender, Intersektionalität und Politik“ am 12.2.20

Am 12. Februar 2020 lädt der Arbeitsbereich Gender und Diversity am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft zu einer Infoveranstaltung ein. Dort wird der Masterstudiengang Gender, Intersektionalität und Politk vorgestellt, der im Wintersemester 2020/21 zum zweiten Mal angeboten wird. Obwohl es in Berlin schon einige Studienangebote im Bereich der Gender Studies gibt, war die Konkurrenz unter den Bewerber*innen für den ersten Jahrgang groß: Auf 21 Plätze bewarben sich rund 150 Interessierte.

Der Studiengang soll theoretische und methodische Kenntnisse vermitteln, „um die geschlechtsspezifische Dimension von politischen Machtverhältnissen zu verstehen und ihre Verwobenheit mit anderen Differenzkategorien herausarbeiten zu können“, erklärte Prof. Dr. Gülay Çağlar, Initiatorin und Leiterin des Studiengangs, dem Tagesspiegel in einem Interview.

Diese Verwobenheit drückt sich im Konzept der Intersektionalität aus. Es wurde von US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw geprägt und bezeichnet die Überschneidung und gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher Diskriminierungsformen.

Die Informationsveranstaltung findet um 10:30 Uhr am Otto-Suhr-Institut in der Garystr. 55, Raum 301, statt.

Tagesworkshop zu Gender und Diversity in der Lehre am 5.5.20 (SUPPORT-Aufbaumodul)

Die Diversität von Studierenden gehört zur Realität des Hochschulalltags. Teilnehmende in Lehrveranstaltungen bringen unterschiedliche Lebensrealitäten mit und haben unterschiedliche Perspektiven auf die Themen und Rahmenbedingungen ihres Studiums. Das hängt auch mit Erfahrungen von Diskriminierung und Privilegierung in gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen zusammen. Gender- und diversitätsbewusste Lehre berücksichtigt die Vielfalt der Studierenden und ermöglicht allen gutes Lernen.
Im Workshop setzen Sie sich mit verschiedenen Dimensionen gender- und diversitätsbewusster Lehre, wie Methoden, Kommunikation, Lehrinhalten und Rahmenbedingungen, auseinander und lernen wichtige Prinzipien für gute Lehre kennen. Dafür nutzen wir die „Toolbox Gender und Diversity in der Lehre“ der Freien Universität Berlin, die allen Interessierten online zur Verfügung steht.

Lernziele

  • Auseinandersetzung mit verschiedene Dimensionen gender- und diversitätsbewusster Lehre
  • Training Ihre Reflexionskompetenz
  • Entwicklung von Handlungsansätzen für die Gestaltung eigener Lehrveranstaltungen
  • Kennenlernen der „Toolbox Gender und Diversity in der Lehre“ und anderer Ressourcen für die Planung und Durchführung Ihrer Lehre.

Der Workshop findet im Rahmen des hochschuldidaktischen Qualifizierungsprogramms der Freien Universität Berlin „SUPPORT für die Lehre“ statt. Teilnehmen können alle Lehrenden der Freien Universität.

Zum Anmeldeformular

„Porn in the USA“ – ein Seminarbesuch

Wissenschaftliche Neugier schlägt Shitstorm: Madita Oeming forscht zu Geschichte, Ästhetik, Produktion, Konsum und kultureller Funktion von Pornographie

„Feminism is not a dirty word“ – weiße Schrift auf schwarzem Stoff. Diese  Worte auf Madita Oemings T-Shirt springen mir sofort ins Auge, als sie, flankiert von zwei Sicherheitsangestellten, mich und ihre Studierenden vor dem Seminarraum 201 des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien empfängt. Es herrschen strengere Einlasskontrollen als im legendären Berliner Club Berghain, denn es werden nur Studierende eingelassen, die sich für den Kurs eingeschrieben haben und nachweislich volljährig sind. Enttäuschte Gesichter bei denjenigen, die diese Kriterien nicht erfüllen. Sogar ein Vertreter des Präsidiums der Freien Universität ist vor Ort, um sicher zu gehen, dass alles seine Ordnung hat. Was war geschehen?

Die Amerikanistin und Doktorandin der Universität Paderborn gibt im Wintersemester 2019/20 ein B.A.-Seminar zum Thema „Porn in the USA“ an der Freien Universität. Bereits die Ankündigung ihres Seminars auf Twitter sorgte für große öffentlich Resonanz bis hin zum Shitstorm in den sozialen Medien. „Als Kolleg*innen und Wissenschaftler*innen des Kennedy-Instituts waren wir geschockt, von massiven sexistischen Anfeindungen, antisemitischer Hetze und Todesdrohungen, denen Madita Oeming in den sozialen Medien ausgesetzt war“, sagt Dr. David Bosold, Studiendekan des John-F.-Kennedy-Instituts ( JFKI) und verweist neben all dieser Aufregung um Oemings Seminar darauf: „Forschung und Lehre sind nach Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes frei – hierunter fallen selbstverständlich auch kontroverse Themen wie das in diesem Semester unterrichtete Seminar ‘Porn in the USA‘.“

Ein Interview, das Madita Oeming Spiegel Online gab, erhielt unzählige Aufrufe, und auch in den USA hat sie an Bekanntheit gewonnen. Aber was genau steht nun hinter dem Forschungsthema dieser Wissenschaftlerin, die in der VICE Germany schreibt, dass sie den „Traum eines Teenagers“ lebt – sich „für’s Porno-Gucken bezahlen“ lässt.

Auch ich bin neugierig geworden. Deshalb befinde ich mich an diesem Donnerstagnachmittag zwischen 30 erwartungsvollen B.A.-Studierenden. Oeming stellt klar, dass sie nicht die Sextherapeutin ihrer Studierenden sei. Vielmehr sollen die Studierenden die unterschiedlichen Genres der Pornografie in den USA kennenlernen und ein analytisches Verständnis ihrer Geschichte, Ästhetik, Produktion, Konsum und kulturellen Funktion erlangen. Hierzu werden einzelne Filmszenen genauer betrachtet und analysiert; Pornofilme werden behandelt wie Romane in den Literaturwissenschaften. Die erste Hausaufgabe besteht darin, den PorYes Feminist Porn Award oder das Berlin Pornfilmfestival zu besuchen, die Eindrücke aufzunehmen und ein zweiseitiges response paper zu schreiben.

„Es gibt“, so sagt Professor Frank Kelleter, Leiter der Abteilung Kultur am JFKI, „in Deutschland aktuell nur wenige Wissenschaftler*innen, die sich ernsthaft und historisch verlässlich mit Pornografie und der Geschichte ihrer Bewertung auseinandersetzen“. Kelleter kennt und schätzt Madita Oemings Arbeiten und ihr feministisches Engagement u.a. von ihrer Beteiligung an der DFG-Forschergruppe „Populäre Serialität“, in der sie als wissenschaftliche Hilfskraft tätig war. „Später, auf der internationalen Abschlusskonferenz“, erinnert sich Kelleter, habe Oeming einen der besten und meistbeachteten Vorträge gehalten: zur Frage des Seriellen in der Pornografie.

Bildquelle: privat

Verena Specht ist dezentrale Frauenbeauftragte und Fremdsprachensekretärin am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Seit vier Jahren widmet sie sich mit viel Freude und Enthusiasmus der Gleichstellungsarbeit und der Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf am JFK-I.

Kontakt: verena.specht@fu-berlin.de

Dieser Text ist eine leicht geänderte Version eines Beitrags im gerade erschienenen Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs Nr. 2/2019 zum Schwerpunkt „Klima und Geschlechterverhältnisse“, der von der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universität Berlin herausgegeben wird.

Die Toolbox wird drei: Happy Birthday!

Vom 24.-26.11.2016, also vor genau drei Jahren, veranstalteten wir die Konferenz „Gender und Diversity in die Lehre! Strategien – Praxen – Widerstände“, zu der mehr als 200 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anreisten und auf Panels, in Workshops und Arbeitsgruppen diskutierten. Kurz davor ging die Toolbox-Website online – zuerst ganz still und leise. Schließlich war es unglaublich aufregend, all die Inhalte, die wir so lange diskutiert hatten, nun online zu wissen. Bei der Konferenzeröffnung hatte die Toolbox dann allerdings ihren öffentlichen Auftritt.

Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungen

Die Website ist der Kern des Projekts. Unser Ziel aber ist eine Veränderung der Lehrpraxis, denn gute Lehre ist gender- und diversitätsbewusste Lehre! Um die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ bekannt zu machen, wurden alleine an der Freien Universität etwa 35 Präsentationen, neun Kurzworkshops, ein Tagesworkshop, ein Webinar und zwei Online-Kurzberatungen in Kooperation mit dem Career Service durchgeführt. Auch bei verschiedenen Tagungen hatten wir Gelegenheit, die Toolbox vorzustellen und Workshops anzubieten.

Seit Juli 2018 gibt es außerdem den Toolbox-Newsletter, von dem bislang vier Ausgaben erschienen sind. Im Sommer 2019 kamen der Toolbox-Blog und ein Twitter-Account dazu. Beide ermöglichen aktuellere, zu unterschiedlichen Phase des Semesterrhythmus passende Informationen und mehr Vernetzung.

Ein besonderes Anliegen der Toolbox ist, alle Online-Inhalte und Webinare nicht nur Mitgliedern der Freien Universität zur Verfügung zu stellen, sondern dank eines Open-Acess-Ansatzes alle Interessierten zur Nutzung einzuladen. Wir verwenden außerdem Creative Commons Linzenzen, die es zu festgelegten Bedingungen erlauben, die Inhalte aufzugreifen, bei Bedarf zu verändern und neu zu veröffentlichen. Wir freuen uns, dass diese Möglichkeit bereits genutzt wurde, so dass Gender und Diversity in der Lehre nachhaltiger umgesetzt werden kann.

Erweiterung der Website

Seit dem Launch vor zwei Jahren ist die Website mit zwei neuen Unterseiten noch ein bisschen umfangreicher geworden: Unter Good Practice stellen wir besonders gelungene Beispiele für Gender und Diversity in der Lehre sowie die Gestaltung gender- und diversitätsbewusster Rahmenbedingungen vor. Sie wurden an verschiedenen Fachbereichen der Freien Universität Berlin und an anderen Hochschulen konzipiert und erprobt. Die Sammlung wird laufend ergänzt und wir freuen uns über Vorschläge von Lehrenden, die Konzepte oder Methoden als Open Educational Ressource (OER) zur Verfügung stellen möchten. Außerdem wurde in Kooperation mit Memucho ein interaktives Quiz eingefügt. Interessiert können dort ihr Wissen zu Diversität an Hochschulen sowie zur Institutionalisierung von Gender und Diversity testen und werden auf einschlägige Quellen verwiesen.

Neu hinzugekommen sind außerdem Methodenblätter zum Download:

Dankeschön statt Wunschliste

Wir möchten unseren Geburtstag nutzen, uns bei allen zu bedanken, die uns eingeladen und Feedback gegeben haben, mit uns kooperiert und mit uns diskutiert haben. Außerdem nutzen wird die Gelegenheit Inga Nuethen, Pia Garske, Kathleen Heft sowie Jamina Diehl, Lian Hüntelmann und Ellen Fischer, den bisherigen Mitarbeiter*innen bzw. studentischen Mitarbeiter*innen des Toolbox-Projekts zu danken.

Es ist schön, dass das Interesse an der ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ nicht kleiner zu werden scheint, sondern dass wir von ganz unterschiedlichen Fachbereichen spannnende Anfragen erhalten. Wir haben noch viele Ideen, was wir gerne anstoßen und umsetzen möchten. Happy Birthday, Toolbox!

 

 

 

Was tun bei sexualisierter Gewalt an Hochschulen? Beratungstag am 25.11.19

Am 25. November findet der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ statt. Damit möchten die Vereinten Nationen auf die vielen Arten von Gewalt aufmerksam machen, denen Frauen täglich ausgesetzt sind. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass rund 35% Prozent der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben von sexualisierter bzw. körperlicher Gewalt betroffen sind, wobei der Großteil dieser Taten von (Ex-)Partnern verübt wird. Doch auch die Universität ist eine von Hierarchien durchzogene Institution, in der sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt vorkommen.

Für betroffene Student*innen und Beschäftigte ist oft unklar, welche Beratungsstellen für sie zuständig sind und wo ihr Anliegen vertraulich behandelt wird. Dieser Umstand wiegt in einer ohnehin stark belastenden Situation besonders schwer. Am 25. November 2019 veranstaltet die AG „Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt“ an der Freien Universität Berlin deshalb einen Beratungstag. Interessierte können von 9 bis 16 Uhr an unterschiedlichen Fachbereichen der Freien Universität Berlin kostenlose Informationen einholen oder Beratung in Anspruch nehmen. Der Hochschulsport veranstaltet für Studentinnen und Mitarbeiterinnen zudem einen Selbstbehauptungs-Workshop. „Was tun bei sexualisierter Gewalt an Hochschulen? Beratungstag am 25.11.19“ weiterlesen