Online-Podiumsdiskussion zu „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ am 15.12.2020

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es?

Das Margherita-von-Brentano-Zentrum und die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ laden alle Mitglieder der Freien Universität Berlin sowie weitere interessierte Personen zu einer Podiumsdiskussion ein, bei der diese Fragen thematisiert werden. Sie soll der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021 sein. Mit diesem Angebot möchten wir zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen im Hochschulkontext beitragen und Räume schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität entwickelt werden können. 

Die Podiumsdiskussion ist Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies, der nun zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember stattfindet. Er verfolgt das Anliegen, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies sichtbarer zu machen. Dieses Jahr beschäftigen sich die Angebote in Berlin mit dem Themenschwerpunkt „Institutioneller Rassismus“. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

Es diskutieren:

  • AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch Naledi Maskia Mmoledi (Politikwissenschaft), Santiago Velez Vargas (Politikwissenschaft) und Nataly Castillo Bennett (Lateinamerikastudien)
  • Mohamed Amjahid (Politikwissenschaftler, Journalist und Autor)
  • Dr. Denise Bergold-Caldwell (Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Philipps-Universität Marburg)
  • Dr. Doris Liebscher (Juristin, Leiterin der Ombudsstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung)
  • Saboura Naqshband (Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) 

Veranstalterinnen:

Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum)

Organisatorische Informationen:

Die Podiumsdiskussion findet in Webex-Events statt. Sie können sich über einen moderierten Chat an der Diskussion beteiligen. Bitte melden Sie sich bis zum 13.12. über das Anmeldeformular für die Veranstaltung an. Den Webex-Link erhalten Sie dann wenige Tage vor der Podiumsdiskussion.

Infoveranstaltung zum Masterstudiengang „Gender, Intersektionalität und Politik“ am 12.2.20

Am 12. Februar 2020 lädt der Arbeitsbereich Gender und Diversity am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft zu einer Infoveranstaltung ein. Dort wird der Masterstudiengang Gender, Intersektionalität und Politk vorgestellt, der im Wintersemester 2020/21 zum zweiten Mal angeboten wird. Obwohl es in Berlin schon einige Studienangebote im Bereich der Gender Studies gibt, war die Konkurrenz unter den Bewerber*innen für den ersten Jahrgang groß: Auf 21 Plätze bewarben sich rund 150 Interessierte.

Der Studiengang soll theoretische und methodische Kenntnisse vermitteln, „um die geschlechtsspezifische Dimension von politischen Machtverhältnissen zu verstehen und ihre Verwobenheit mit anderen Differenzkategorien herausarbeiten zu können“, erklärte Prof. Dr. Gülay Çağlar, Initiatorin und Leiterin des Studiengangs, dem Tagesspiegel in einem Interview.

Diese Verwobenheit drückt sich im Konzept der Intersektionalität aus. Es wurde von US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw geprägt und bezeichnet die Überschneidung und gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher Diskriminierungsformen.

Die Informationsveranstaltung findet um 10:30 Uhr am Otto-Suhr-Institut in der Garystr. 55, Raum 301, statt.

Tagesworkshop zu Gender und Diversity in der Lehre am 5.5.20 (SUPPORT-Aufbaumodul)

Die Diversität von Studierenden gehört zur Realität des Hochschulalltags. Teilnehmende in Lehrveranstaltungen bringen unterschiedliche Lebensrealitäten mit und haben unterschiedliche Perspektiven auf die Themen und Rahmenbedingungen ihres Studiums. Das hängt auch mit Erfahrungen von Diskriminierung und Privilegierung in gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen zusammen. Gender- und diversitätsbewusste Lehre berücksichtigt die Vielfalt der Studierenden und ermöglicht allen gutes Lernen.
Im Workshop setzen Sie sich mit verschiedenen Dimensionen gender- und diversitätsbewusster Lehre, wie Methoden, Kommunikation, Lehrinhalten und Rahmenbedingungen, auseinander und lernen wichtige Prinzipien für gute Lehre kennen. Dafür nutzen wir die „Toolbox Gender und Diversity in der Lehre“ der Freien Universität Berlin, die allen Interessierten online zur Verfügung steht.

Lernziele

  • Auseinandersetzung mit verschiedene Dimensionen gender- und diversitätsbewusster Lehre
  • Training Ihre Reflexionskompetenz
  • Entwicklung von Handlungsansätzen für die Gestaltung eigener Lehrveranstaltungen
  • Kennenlernen der „Toolbox Gender und Diversity in der Lehre“ und anderer Ressourcen für die Planung und Durchführung Ihrer Lehre.

Der Workshop findet im Rahmen des hochschuldidaktischen Qualifizierungsprogramms der Freien Universität Berlin „SUPPORT für die Lehre“ statt. Teilnehmen können alle Lehrenden der Freien Universität.

Zum Anmeldeformular

„Porn in the USA“ – ein Seminarbesuch

Wissenschaftliche Neugier schlägt Shitstorm: Madita Oeming forscht zu Geschichte, Ästhetik, Produktion, Konsum und kultureller Funktion von Pornographie

„Feminism is not a dirty word“ – weiße Schrift auf schwarzem Stoff. Diese  Worte auf Madita Oemings T-Shirt springen mir sofort ins Auge, als sie, flankiert von zwei Sicherheitsangestellten, mich und ihre Studierenden vor dem Seminarraum 201 des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien empfängt. Es herrschen strengere Einlasskontrollen als im legendären Berliner Club Berghain, denn es werden nur Studierende eingelassen, die sich für den Kurs eingeschrieben haben und nachweislich volljährig sind. Enttäuschte Gesichter bei denjenigen, die diese Kriterien nicht erfüllen. Sogar ein Vertreter des Präsidiums der Freien Universität ist vor Ort, um sicher zu gehen, dass alles seine Ordnung hat. Was war geschehen?

Die Amerikanistin und Doktorandin der Universität Paderborn gibt im Wintersemester 2019/20 ein B.A.-Seminar zum Thema „Porn in the USA“ an der Freien Universität. Bereits die Ankündigung ihres Seminars auf Twitter sorgte für große öffentlich Resonanz bis hin zum Shitstorm in den sozialen Medien. „Als Kolleg*innen und Wissenschaftler*innen des Kennedy-Instituts waren wir geschockt, von massiven sexistischen Anfeindungen, antisemitischer Hetze und Todesdrohungen, denen Madita Oeming in den sozialen Medien ausgesetzt war“, sagt Dr. David Bosold, Studiendekan des John-F.-Kennedy-Instituts ( JFKI) und verweist neben all dieser Aufregung um Oemings Seminar darauf: „Forschung und Lehre sind nach Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes frei – hierunter fallen selbstverständlich auch kontroverse Themen wie das in diesem Semester unterrichtete Seminar ‘Porn in the USA‘.“

Ein Interview, das Madita Oeming Spiegel Online gab, erhielt unzählige Aufrufe, und auch in den USA hat sie an Bekanntheit gewonnen. Aber was genau steht nun hinter dem Forschungsthema dieser Wissenschaftlerin, die in der VICE Germany schreibt, dass sie den „Traum eines Teenagers“ lebt – sich „für’s Porno-Gucken bezahlen“ lässt.

Auch ich bin neugierig geworden. Deshalb befinde ich mich an diesem Donnerstagnachmittag zwischen 30 erwartungsvollen B.A.-Studierenden. Oeming stellt klar, dass sie nicht die Sextherapeutin ihrer Studierenden sei. Vielmehr sollen die Studierenden die unterschiedlichen Genres der Pornografie in den USA kennenlernen und ein analytisches Verständnis ihrer Geschichte, Ästhetik, Produktion, Konsum und kulturellen Funktion erlangen. Hierzu werden einzelne Filmszenen genauer betrachtet und analysiert; Pornofilme werden behandelt wie Romane in den Literaturwissenschaften. Die erste Hausaufgabe besteht darin, den PorYes Feminist Porn Award oder das Berlin Pornfilmfestival zu besuchen, die Eindrücke aufzunehmen und ein zweiseitiges response paper zu schreiben.

„Es gibt“, so sagt Professor Frank Kelleter, Leiter der Abteilung Kultur am JFKI, „in Deutschland aktuell nur wenige Wissenschaftler*innen, die sich ernsthaft und historisch verlässlich mit Pornografie und der Geschichte ihrer Bewertung auseinandersetzen“. Kelleter kennt und schätzt Madita Oemings Arbeiten und ihr feministisches Engagement u.a. von ihrer Beteiligung an der DFG-Forschergruppe „Populäre Serialität“, in der sie als wissenschaftliche Hilfskraft tätig war. „Später, auf der internationalen Abschlusskonferenz“, erinnert sich Kelleter, habe Oeming einen der besten und meistbeachteten Vorträge gehalten: zur Frage des Seriellen in der Pornografie.

Bildquelle: privat

Verena Specht ist dezentrale Frauenbeauftragte und Fremdsprachensekretärin am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Seit vier Jahren widmet sie sich mit viel Freude und Enthusiasmus der Gleichstellungsarbeit und der Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf am JFK-I.

Kontakt: verena.specht@fu-berlin.de

Dieser Text ist eine leicht geänderte Version eines Beitrags im gerade erschienenen Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs Nr. 2/2019 zum Schwerpunkt „Klima und Geschlechterverhältnisse“, der von der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universität Berlin herausgegeben wird.

Die Toolbox wird drei: Happy Birthday!

Vom 24.-26.11.2016, also vor genau drei Jahren, veranstalteten wir die Konferenz „Gender und Diversity in die Lehre! Strategien – Praxen – Widerstände“, zu der mehr als 200 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anreisten und auf Panels, in Workshops und Arbeitsgruppen diskutierten. Kurz davor ging die Toolbox-Website online – zuerst ganz still und leise. Schließlich war es unglaublich aufregend, all die Inhalte, die wir so lange diskutiert hatten, nun online zu wissen. Bei der Konferenzeröffnung hatte die Toolbox dann allerdings ihren öffentlichen Auftritt.

Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungen

Die Website ist der Kern des Projekts. Unser Ziel aber ist eine Veränderung der Lehrpraxis, denn gute Lehre ist gender- und diversitätsbewusste Lehre! Um die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ bekannt zu machen, wurden alleine an der Freien Universität etwa 35 Präsentationen, neun Kurzworkshops, ein Tagesworkshop, ein Webinar und zwei Online-Kurzberatungen in Kooperation mit dem Career Service durchgeführt. Auch bei verschiedenen Tagungen hatten wir Gelegenheit, die Toolbox vorzustellen und Workshops anzubieten.

Seit Juli 2018 gibt es außerdem den Toolbox-Newsletter, von dem bislang vier Ausgaben erschienen sind. Im Sommer 2019 kamen der Toolbox-Blog und ein Twitter-Account dazu. Beide ermöglichen aktuellere, zu unterschiedlichen Phase des Semesterrhythmus passende Informationen und mehr Vernetzung.

Ein besonderes Anliegen der Toolbox ist, alle Online-Inhalte und Webinare nicht nur Mitgliedern der Freien Universität zur Verfügung zu stellen, sondern dank eines Open-Acess-Ansatzes alle Interessierten zur Nutzung einzuladen. Wir verwenden außerdem Creative Commons Linzenzen, die es zu festgelegten Bedingungen erlauben, die Inhalte aufzugreifen, bei Bedarf zu verändern und neu zu veröffentlichen. Wir freuen uns, dass diese Möglichkeit bereits genutzt wurde, so dass Gender und Diversity in der Lehre nachhaltiger umgesetzt werden kann.

Erweiterung der Website

Seit dem Launch vor zwei Jahren ist die Website mit zwei neuen Unterseiten noch ein bisschen umfangreicher geworden: Unter Good Practice stellen wir besonders gelungene Beispiele für Gender und Diversity in der Lehre sowie die Gestaltung gender- und diversitätsbewusster Rahmenbedingungen vor. Sie wurden an verschiedenen Fachbereichen der Freien Universität Berlin und an anderen Hochschulen konzipiert und erprobt. Die Sammlung wird laufend ergänzt und wir freuen uns über Vorschläge von Lehrenden, die Konzepte oder Methoden als Open Educational Ressource (OER) zur Verfügung stellen möchten. Außerdem wurde in Kooperation mit Memucho ein interaktives Quiz eingefügt. Interessiert können dort ihr Wissen zu Diversität an Hochschulen sowie zur Institutionalisierung von Gender und Diversity testen und werden auf einschlägige Quellen verwiesen.

Neu hinzugekommen sind außerdem Methodenblätter zum Download:

Dankeschön statt Wunschliste

Wir möchten unseren Geburtstag nutzen, uns bei allen zu bedanken, die uns eingeladen und Feedback gegeben haben, mit uns kooperiert und mit uns diskutiert haben. Außerdem nutzen wird die Gelegenheit Inga Nuethen, Pia Garske, Kathleen Heft sowie Jamina Diehl, Lian Hüntelmann und Ellen Fischer, den bisherigen Mitarbeiter*innen bzw. studentischen Mitarbeiter*innen des Toolbox-Projekts zu danken.

Es ist schön, dass das Interesse an der ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ nicht kleiner zu werden scheint, sondern dass wir von ganz unterschiedlichen Fachbereichen spannnende Anfragen erhalten. Wir haben noch viele Ideen, was wir gerne anstoßen und umsetzen möchten. Happy Birthday, Toolbox!

 

 

 

Was tun bei sexualisierter Gewalt an Hochschulen? Beratungstag am 25.11.19

Am 25. November findet der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ statt. Damit möchten die Vereinten Nationen auf die vielen Arten von Gewalt aufmerksam machen, denen Frauen täglich ausgesetzt sind. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass rund 35% Prozent der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben von sexualisierter bzw. körperlicher Gewalt betroffen sind, wobei der Großteil dieser Taten von (Ex-)Partnern verübt wird. Doch auch die Universität ist eine von Hierarchien durchzogene Institution, in der sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt vorkommen.

Für betroffene Student*innen und Beschäftigte ist oft unklar, welche Beratungsstellen für sie zuständig sind und wo ihr Anliegen vertraulich behandelt wird. Dieser Umstand wiegt in einer ohnehin stark belastenden Situation besonders schwer. Am 25. November 2019 veranstaltet die AG „Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt“ an der Freien Universität Berlin deshalb einen Beratungstag. Interessierte können von 9 bis 16 Uhr an unterschiedlichen Fachbereichen der Freien Universität Berlin kostenlose Informationen einholen oder Beratung in Anspruch nehmen. Der Hochschulsport veranstaltet für Studentinnen und Mitarbeiterinnen zudem einen Selbstbehauptungs-Workshop. „Was tun bei sexualisierter Gewalt an Hochschulen? Beratungstag am 25.11.19“ weiterlesen

Konferenz, Online-Veranstaltung und Preisverleihung – Was Papayas mit aktuellen Terminen an der FU zu tun haben

Heute möchten wir auf drei Termine hinweisen, die nächste Woche an der Freien Universität Berlin stattfinden:

1. The Politics of Intersectionality (13.-15.11.2019)

Zur Feier des Starts des Masterstudiengangs „Gender, Intersektionalität und Politik“ im Wintersemester 2019/20 veranstaltet Prof. Dr. Gülay Çağlar eine internationale Konferenz mit dem Titel „The Politics of Intersectionality“.

Keynotes
  • Akwugu Emejulu (University of Warwick): Against Institutionalising Intersectionality
  • Sirma Bilge (Université de Montréal): “Minority Knowledges” in Neoliberal Academy: The Case of Intersectionality
Weitere Themenschwerpunkte
  • Intersectionality in Political Science
  • Methodologies and Methods
  • Intersectionality in the German Context
  • Roundtable „Teaching Intersectionality – Changing the Institution?“

Zur Konferenzwebsite mit Programm und Anmeldung

2. Online-Veranstaltung zur gender- und diversitätsbewussten Auswahl und Modifikation von Lehrmethoden (14.11.2019, 14.30-15.00 Uhr)

Im Workshop wird ein Instrument zur Methodenplanung und -auswertung aus der ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ vorgestellt. Anhand von konkreten Beispielen lernen Sie fünf Leitfragen kennen, mit denen Sie z.B. reflektieren können, ob eine Methode problematische Gruppendynamiken oder gesellschaftliche Ausschlüsse reproduziert. Wir überlegen auch, wie sich Methoden durch Modifikationen für unterschiedliche Kontexte anpassen und verbessern lassen.

Alle Interessierten können ohne Anmeldung an der Veranstaltung teilnehmen. Hier geht es direkt zum Online-Raum. Es ist keine Installation eines speziellen Programms nötig. Melden Sie sich bitte einfach im Online-Raum mit Ihrem Namen an. Für eine bessere Tonqualität für Sie und alle anderen Teilnehmer*innen empfiehlt sich ein einfaches Headset.

Die Veranstaltung findet als „Online-Kurzberatung“ in Kooperation mit der Qualifizierung für Mentoring und Tutoring des Career Service statt.

3. Verleihung des Margherita-von-Brentano-Preises an die Medical Students for Choice Berlin (15.11.2019, 18 Uhr)

Der Margherita-von-Brentano-Preis ist nach der ersten Frau benannt, die an der Freien Universität Berlin das Amt der Vizepräsidentin innehatte. Er wird alle zwei Jahre für herausragende Leistungen im Bereich der Frauenförderung und/oder Geschlechterforschung vergeben und ist mit 15.000 Euro dotiert.

Dieses Jahr erhält die studentische Inititative Medical Students for Choice Berlin den Margherita-von-Brentano-Preis. Die aus einer Ärztin und mehreren Studentinnen bestehende Gruppe setzt sich seit 2015 für eine umfassende und ganzheitliche Thematisierung des Schwangerschaftsabbruchs im Studium der Humanmedizin ein. In der Begründung des Präsidiums der FU Berlin heißt es, gewürdigt werde das herausragende Engagement „für die strukturierte Verbesserung der humanmedizinischen Lehre im Feld der Gendermedizin“ und das Eintreten für die „bessere Verankerung des Themas Schwangerschaftsabbruch in der ärztlichen Ausbildung“. Hervorgehoben wird zudem die Konzeption von innovativen sogenannten Papaya-Workshops (!) zu Methoden des Schwangerschaftsabbruchs und Informationsveranstaltungen für Medizinstudierende. Das Thema ist inzwischen dank der Aktivitäten der „Medical Students for Choice“ in die Lehrpläne des Medizinstudiums an der Charité – Universitätsmedizin Berlin integriert worden.

Das Toolbox-Team freut sich sehr, dass am 15.11.19 eine studentische Inititative ausgezeichnet wird, die sich für die Verbesserung der Hochschullehre und das so grundlegende wie umkämpfte Recht auf sexuelle Selbstbestimmung einsetzt!

Einen guter Start ins Semester fördern: gender- und diversitätsbewusste Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung

Was sollte in der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung passieren, um Studierende in ihrer Vielfalt zu adressieren und Diskriminierung abzubauen? Wie können Sie eine Grundlage für eine gute Lernatmosphäre während des Semesters legen? Wir schlagen acht Punkte für die erste Sitzung jeder Lehrveranstaltung vor:

1. Inhalte motivierend darstellen: In der ersten Sitzung sollten die Studierenden eine Vorstellung von den Inhalten und dem Ablauf der Lehrveranstaltung gewinnen, deren roten Faden nachvollziehen können. Dabei ist es wichtig, die Studierenden neugierig auf das Thema zu machen und sie für die Lehrveranstaltung zu motivieren. Versuchen Sie zu vermitteln, warum Sie selbst das Thema so spannend finden oder erzählen Sie von Ihrem eigenen Forschungs- und Lernprozess. Die Kolleg*innen von hochschuldidaktik online empfehlen in ihrem Blog, sich nicht gleich zu Beginn der Sitzung in die (wichtigen, aber manchmal ermüdenden) organisatorischen Details zu stürzen, sondern die Methode des Storytelling zu nutzen, um Studierende zu motivieren.
Stellen Sie, wenn möglich, die Bedeutung der Gender- und Diversitätsforschung für das Thema der Lehrveranstaltung dar. Sie können ggf. auch auf die Auswahl der Literatur eingehen und Ihre Kriterien transparent machen. Selbst wenn die Autor*innen wenig Diversität repräsentieren, kann das eine wissenschaftskritische Perspektive auf den Lehrinhalt ermöglichen.

2. Kennenlernen: Es ist gut für die Lernatmosphäre, wenn sich die Teilnehmenden ein bisschen kennen und so Sicherheit gewinnen. Der Vorteil vieler Kennenlernmethoden ist zudem, dass Sie durch eine Verknüpfung mit den Themen der Lehrveranstaltung selbst etwas über die Interessen, Bedürfnisse und Kenntnisstände der Studierenden erfahren und diese in Ihre weitere Planung einbeziehen können. Hierfür eignen sich viele Vorschläge aus der Toolbox zur Aktivierung von Studierenden. Ich selbst nutze sehr gerne Aufstellungen im Raum zu verschiedenen Thesen oder ein Speeddating zu Beginn einer Lehrveranstaltung. Für große Gruppen sind digitale Tools, insbesondere Online-Response-Systeme, sehr gut geeignet.

3. Studierende respektvoll ansprechen: Zu einer guten Diskussionsatmosphäre trägt auch bei, wenn sich alle mit Namen adressieren können. Namensschilder in den ersten Sitzungen oder auch während des gesamten Semesters sind deshalb sehr hilfreich. Sie können den Studierenden auch anbieten, das Personalpronomen, mit dem sie adressiert werden möchten, auf dem Namensschild zu notieren, oder (bei bis zu 25 Personen) eine Pronomenrunde (S. 379) durchführen. Um eine unzutreffende Geschlechtszuschreibung durch die Adressierung als Herr/Frau + Nachname zu vermeiden, können Sie die Vornamen der Studierenden verwenden und sie dennoch siezen („Hamburger Sie“). Das ist auch praktisch für die Studierenden, die sich untereinander mit Vornamen ansprechen.
Hinweise zu gender- und diversitätsbewusster Sprache im Allgemeinen finden Sie in unserem Starter-Kit.

4. Datenschutz beachten: Verwenden Sie zur Erstellung der Teilnehmendenliste besser nicht die Namensliste aus dem Campusmanagement, sondern eine Blanko-Liste oder ‑Tabelle, die Sie herumgeben. Nicht alle Studierenden wollen mit dem Namen adressiert werden, mit dem sie offiziell eingeschrieben sind, z. B. wenn sie trans* sind. Wenn Sie den „alten“ Namen durch Herumgeben einer Liste oder durch das Aufrufen auf Grundlage der Liste verwenden, „outen“ Sie diese Studierenden unter Umständen. Dies kann zu Diskriminierungen und hohen Belastungen führen, die nicht nur leicht vermeidbar sind, sondern auch dem gesetzlichen Offenbarungs-Verbot („Outing-Verbot“) zuwiderlaufen. Achten Sie auch bei der Sammlung oder Veröffentlichung auf Anforderungen des Datenschutzes.

5. Positive Gesprächskultur fördern: Für das Gelingen einer Lehrveranstaltung sind alle Beteiligten verantwortlich. Als Lehrende*r sind Sie dafür zuständig, möglichst gute Voraussetzungen für eine konstruktive Gesprächskultur zu schaffen. Gerade bei der Thematisierung von Gender und Diversity gibt es oft lebhafte Diskussionen, sehr unterschiedliche Grade der Sensibilisierung und leider auch Verletzungen.
Um eine gute Diskussionsatmosphäre zu fördern, ist es sinnvoll, von Anfang an Regeln für den Umgang miteinander in Form einer Seminarvereinbarung zu formulieren. Dies dient der Transparenz und gibt Sicherheit, weil im Zweifel im Laufe des Semesters auf die Vereinbarungen verwiesen werden kann. Dabei können einerseits Sie als Lehrende*r bestimmte Grundsätze einführen, die enthalten, was Sie sich wünschen (z. B. wertschätzende Kommunikation oder Beteiligung möglichst vieler Studierender) oder welches Verhalten Sie nicht dulden (z. B. Beleidigungen, sexualisierte Belästigung). Eine höhere Akzeptanz von Vereinbarungen entsteht, wenn Sie diese demokratisch zusammen mit den Studierenden erarbeiten oder zumindest gemeinsam als „Seminarvereinbarung“ beschließen, was sich vor allem in kleineren Lehrveranstaltungen anbietet.
Sehr empfehlenswert ist es auch, das Konzept der Fehlerfreundlichkeit einzuführen, das bewusst berücksichtigt, dass Hochschullehre kein machtfreier Raum ist, und versucht, mit dem Spannungsverhältnis zwischen Lernraum und Schutzraum konstruktiv umzugehen.

6. Formale Aspekte kommunizieren: Die Studierenden müssen nach der ersten Sitzung wissen, welche Materialien sie brauchen und wie sie diese bekommen. Die Leistungsanforderungen sowie formale Teilnahmebedingungen wie Fristen etc. sollten ebenfalls bekannt und transparent gemacht werden. Es empfiehlt sich, solche Unterlagen schriftlich zur Verfügung zu stellen, am besten als Handout und digital. Tipps zur Erstellung von barrierefreien pdf-Dokumenten finden Sie z. B. bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit.

7. Erreichbarkeit der Lehrenden thematisieren: Die Studierenden sollten wissen, wie Sie als Lehrende*r bei Fragen oder Problemen zu erreichen sind. Geben Sie einige Beispiele, mit welchen Anliegen Studierende ggf. in Ihre Sprechstunde kommen können. Dies kann eine große Erleichterung für Studierende sein, die noch nicht über solches informelles Wissen der Hochschulkultur verfügen, wie z. B. Arbeiterkinder insbesondere zu Beginn des Studiums. Signalisieren Sie, dass sich Studierende gerne an Sie wenden können, wenn Sie Probleme oder spezifische Bedürfnisse haben, die Sie als Lehrende*r berücksichtigen sollten, seien es Ersatzleistungen bei unvermeidbarer Abwesenheit, Bedarfe zur Barrierefreiheit, der Wunsch auf eine bestimmte Weise adressiert zu werden etc. Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen haben zur Förderung der Chancengleichheit einen Anspruch auf Nachteilsausgleich. Dieser lässt sich erfahrungsgemäß am besten umsetzen, wenn die Beantragung und Planung mit ausreichend Vorlauf geschieht.

8. Beratungsstellen bekannt machen: Nutzen Sie die erste Sitzung auch, um auf Beratungsstellen an der Freien Universität zu verweisen, an die sich die Studierenden z.B. zu Themen wie Vereinbarkeit, Nachteilsausgleich, Finanzierung des Studiums oder Diskriminierungserfahrungen wenden können. Damit machen Sie nicht nur die verschiedenen Einrichtungen und Stellen bekannter, Sie signalisieren auch, dass Ihnen verschiedene Lebenssituationen und Bedarfslagen bewusst sind. Viele Studierende nehmen Beratung nicht oder sehr spät in Anspruch, weil sie Angst vor Stigmatisierung haben. Wenn Sie die Einrichtungen an Ihrer Universität kennen und regelmäßig darauf verweisen, können Sie zur Enttabuisierung beitragen.

Wir wünschen Ihnen allen einen guten Semesterstart!

Wenn Sie sich kurzfristig zur gender- und diversitätsbewussten Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung austauschen möchten, können Sie an unserem Webinar am 09.10.19 von 14 bis 15 Uhr teilnehmen.

„Einen guter Start ins Semester fördern: gender- und diversitätsbewusste Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung“ weiterlesen

Methodenpool für aktivierende und abwechslungsreiche Lehre

Gender- und diversitätsbewusste Lehre dient der Verbesserung der Lehre. Das heißt: Kriterien für gute Lehre werden nicht über Bord geworfen oder neu erfunden, sondern sie werden ergänzt und unter spezifischen Gesichtspunkten weiterentwickelt. Dabei sind zwei didaktische Prinzipien besonders hilfreich für gender- und diversitätsbewusste Lehre: Methodenvielfalt und Aktivierung von Studierenden.

Durch den Einsatz abwechslungsreicher Methoden schaffen Sie unterschiedliche Lernmöglichkeiten für Studierende, denn Methoden bringen unter Umständen für bestimmte Studierende spezifische Barrieren oder Potentiale mit sich. Für Studierende mit einer beHinderung des Sprechens oder sehr zurückhaltende Studierende kann es z.B. unangenehm sein, aufgefordert zu werden, vor der gesamten Gruppe zu sprechen. Für Sie als Lehrende*r kann dann der Eindruck schlechter Vorbereitung oder Leistung entstehen, obwohl die Studierenden sich vielleicht in einer kleineren Arbeitsgruppe hervorragend hätten einbringen können. Anderen fällt es vielleicht sehr schwer, mit ihnen unbekannten Kommiliton*innen spontan zusammen zu arbeiten, so dass sie in einer individuellen Auseinandersetzung mit dem Thema oder in einer längerfristigen Projektgruppe am meisten lernen könnten. In jedem Fall können Sie durch die Verwendung vielfältiger Methoden dazu beitragen, die Chancengleichheit zu verbessern.

Mehr dazu, warum Methodenvielfalt und Aktivierung wichtig für gender- und diversityitätsbewusste Lehre sind sowie erste Umsetzungsmöglichkeiten, finden Sie in der Toolbox unter Didaktische Prinzipien. Noch konkreter wird es dann in unserem umfangreichen Methodenpool. Dort finden Sie Links zu aktuell 28 Methodensammlungen, sowohl ohne speziellen Bezug zu Gender und Diversity als auch für die explizite Thematisierung von Gender und Diversity in der Lehre. Die Sammlungen kommen aus der Hochschuldidaktik, der Erwachsenenbildung und der politischen Bildung. Lassen Sie sich anregen, seien Sie kreativ und passen Sie die methodischen Vorschläge für Ihren Kontext an.

Zur Auswahl von Methoden finden Sie in der Toolbox auch fünf Leitfragen mit denen Sie z.B. reflektieren können, ob eine Methode problematische Gruppendynamiken oder gesellschaftliche Machtverhältnisse reproduziert. Dieses Instrument zur Methodenplanung und -auswertung stellen wir auch in einem Webinar am 14.11.19 um 14.30 Uhr vor, das im Rahmen der Online-Kurzberatung für Tutor*innen an der Freien Universität Berlin angeboten wird. Alle Interessierten können ohne Anmeldung daran teilnehmen.

Abschied in die Sommerpause mit Preview auf unsere Pläne für das Wintersemester 19/20

Das Toolbox-Blog geht bis September in die Sommerpause.

Wir nutzen die Zeit, um an neuen Inhalten für die Toolbox zu arbeiten: Im Wintersemester 19/20 veröffentlichen wir Materialien zum Thema „Gender- und diversitätsbewusste Prüfungen“, unter anderem zu folgenden Fragen:

  • Welche Vor- und Nachteile haben unterschiedliche Prüfungsformen für unterschiedliche Studierende?
  • Wie können Lehrende einen Nachteilsausgleich für Studierende mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen umsetzen?
  • Welche Herausforderungen gibt es bei der Gestaltung mündlicher Gruppenprüfungen und wie können sie so durchgeführt werden, dass es keine Benachteiligung gibt?
  • Warum sollten wir über Macht und Grenzen in der Prüfungsvorbereitung und in Prüfungen nachdenken?

Ab September wird es im Toolbox-Blog Hinweise für die Planung und Vorbereitung von Lehrveranstaltungen geben, Anfang Oktober bieten wir ein Webinar zum Kennenlernen der Toolbox an und Ende November feiern wir den dreijährigen Geburtstag der Toolbox mit vielen Angeboten zur Weiterbildung und zum Austausch.

Wenn Sie über Termine und Neuigkeiten informiert werden wollen, melden Sie sich per Mail für unseren Newsletter an oder folgen Sie uns auf Twitter.

Wir wünschen Ihnen allen einen guten Sommer!