{"id":2648,"date":"2025-02-28T15:52:28","date_gmt":"2025-02-28T14:52:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/?p=2648"},"modified":"2026-03-30T11:01:05","modified_gmt":"2026-03-30T09:01:05","slug":"wehrhafte-geschlechterforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/2025\/02\/28\/wehrhafte-geschlechterforschung\/","title":{"rendered":"Zum Stand der Geschlechterforschung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/02\/Titelbild_neujahrsempfang.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2655 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/02\/Titelbild_neujahrsempfang.png 600w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/02\/Titelbild_neujahrsempfang-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>\u201eZum Stand der Geschlechterforschung in Deutschland\u201c \u2013 unter diesem Titel lud das Margherita-von-Brentano-Zentrum am 4. Februar 2025 zu einem Neujahrsempfang ins Seminarzentrum der Freien Universit\u00e4t. Die Podiumsdiskussion widmete sich den aktuellen Herausforderungen des Faches, auch mit Blick auf zunehmende Anfeindungen von Rechts. &nbsp;<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">ein Bericht von Jana Gerlach<\/h6>\n\n\n\n<p>Trotz des kalten Winterwetters und der langen Anreise nach Dahlem ist der Andrang gro\u00df. Unter den knapp hundert Teilnehmenden finden sich Geschlechterforscher*innen verschiedener Fachdisziplinen, Studierende, Gleichstellungsbeauftragte sowie Vertreter*innen unterschiedlicher Institutionen aus dem Feld, beispielsweise der Bundesstiftung f\u00fcr Gleichstellung. Alle sind gekommen, um gemeinsam der Frage nach den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der Geschlechterforschung nachzugehen \u2013 und das zu einer Zeit, in der diese unter keinem guten Stern zu stehen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der 4.Februar 2025 \u2013 in den USA zeigen sich die drastischen Folgen der wissenschaftsfeindlichen Dekrete Donald Trumps gegen Gender- und Diversity-Programme und in Deutschland verk\u00fcndet Alice Weidel Gender-Professor*innen unter ihrer F\u00fchrung \u201erauszuschmei\u00dfen\u201c. &nbsp;Es ist also kein Wunder, dass neben dem Blick auf die Errungenschaften der Geschlechterforschung im Allgemeinen und des Margherita-von-Brentano-Zentrums im Speziellen bereits w\u00e4hrend der Begr\u00fc\u00dfung aufr\u00fcttelnde Worte fallen. So mahnt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Dr. Heike Pantelmann angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl den Ernst der Lage zu erkennen und fordert Fachbereiche und Universit\u00e4tspr\u00e4sidien auf, sich mit der Geschlechterforschung zu solidarisieren und die Wissenschaftsfreiheit als breite Allianz zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Panel, auf dem Stand und Zukunft des Faches diskutiert werden sollen, ist breit aufgestellt mit Geschlechterforscherinnen unterschiedlicher Generationen und Disziplinen. Es diskutieren: &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.uni-paderborn.de\/person\/22563\">Prof. Dr. Birgit Riegraf<\/a><\/strong>, scheidende Pr\u00e4sidentin der Universit\u00e4t Paderborn,&nbsp;seit 2009 Professorin f\u00fcr Allgemeine Soziologie und bekannt f\u00fcr ihre vielz\u00e4hligen Arbeiten im Bereich der Arbeits- und Organisationssoziologie, der feministischen Gesellschafts-, Gerechtigkeits- und Staatstheorien sowie der Theorien und Methodologien der Geschlechterforschung<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/fb2\/institute\/philosophie\/team\/professorin-dr-phil-jule-govrin\/\">Prof. Dr. Jule Govrin<\/a><\/strong>, Professorin f\u00fcr Philosophie an der Universit\u00e4t Hildesheim mit Forschung &nbsp;an der Schnittstelle von Sozialphilosophie, Politischer Theorie, Feministischer Philosophie, Ethik und \u00c4sthetik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/cgc.uni-frankfurt.de\/personen\/johanna-leinius\">Dr. Johanna Leinius,<\/a><\/strong> wissenschaftliche Leiterin des Cornelia-Goethe-Centrums f\u00fcr Geschlechterforschung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt mit Expertise zu postkolonialen sozialen Bewegungen in Lateinamerika<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.bim.hu-berlin.de\/de\/pers\/leitung\/yurdakul\">Prof. Dr. G\u00f6k\u00e7e Yurdakul<\/a>, <\/strong>Professorin f\u00fcr Diversit\u00e4t und soziale Konflikte an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin und ehemalige Direktorin des Berliner Instituts f\u00fcr Migrations- und Integrationsforschung&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Diskussion f\u00fchrt die neue wissenschaftliche Leitung des Margherita-von-Brentano-Zentrums und Mit-Gastgeberin des Abends <strong><a href=\"\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/polwiss\/forschung\/grundlagen\/gender-div\/team\/Mitarbeiter-innen\/guelay_caglar\/index.html\">Prof. Dr. G\u00fclay \u00c7a\u011flar<\/a><\/strong>, Professorin f\u00fcr Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gender and Diversity am Otto-Suhr-Institut der Freien Universit\u00e4t Berlin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pr\u00e4gung und Herausforderungen der Gender Studies als Forschungsfeld&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Einordnung der Debatte lohnt ein Blick zur\u00fcck auf die Entstehungsgeschichte der Geschlechterforschung. Denn anders als andere Forschungsfelder hat sich diese nicht aus <em>einer<\/em> wissenschaftlichen Disziplin heraus entwickelt, sondern ist von Beginn an unmittelbar mit gesellschaftlichem Aktivismus verkn\u00fcpft. So war es die Kritik der Frauenbewegung an den androzentrischen Strukturen in der Wissenschaft &#8211; der fehlenden Repr\u00e4sentanz von Frauen in den H\u00f6rs\u00e4len und an den Lehrst\u00fchlen, der Ausblendung machtkritischer Fragestellungen und Forschungsprogramme \u2013 die ab den 1970er Jahren zu einer Auseinandersetzung in verschiedensten F\u00e4chern und Disziplinen f\u00fchrte. Die Geschlechterforschung ist damit ihrem Wesen nach als grundlegend <em>interdisziplin\u00e4res <\/em>Feld zu verstehen, das sich bis heute in st\u00e4ndiger Wechselwirkung mit den Forderungen gesellschaftlicher Bewegungen und Generationen von Aktivist*innen weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>G\u00fclay \u00c7a\u011flar<\/strong> sieht die Geschlechterforschung demnach in einem Spannungsfeld zwischen Grundlagenforschung und zunehmender Ausdifferenzierung und verweist auf neue Subfelder wie die Queer Studies, Transgender Studies, Sexuality Studies oder Postcolonial Gender Studies. Welche Chancen aber auch Risiken birgt die Interdisziplinarit\u00e4t f\u00fcr die Fortentwicklung des Felds? Und gibt es einen Punkt, an dem die zunehmende Fragmentierung die Anschlussf\u00e4higkeit des Feldes gef\u00e4hrdet?&nbsp; lauten ihre Fragen an das Panel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Als Vertreterin der \u00e4lteren Generation von Geschlechterforscher*innen erinnert <strong>Birgit Riegraf<\/strong> an die Anf\u00e4nge der Institutionalisierung in den 1980ern und an die besondere Bedeutung der Zentraleinrichtung zur F\u00f6rderung von Frauen- und Geschlechterforschung (<em>Vorl\u00e4ufereinrichtung des MvBZ<\/em>) an der Freien Universit\u00e4t als Ort der Vernetzung und gegenseitigen Unterst\u00fctzung. <\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Portrait_riefraf.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2675 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Portrait_riefraf.png 600w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Portrait_riefraf-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dabei d\u00fcrfe nicht in Vergessenheit geraten, dass damals insbesondere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen auf prek\u00e4ren Stellen die ersten autonomen Seminare organisiert und somit die ersten Impulse f\u00fcr Ver\u00e4nderung gegeben h\u00e4tten. F\u00fcr Birgit Riegraf macht die Interdisziplinarit\u00e4t der Geschlechterforschung ihre Erfolgsgeschichte aus \u2013 auch wenn diese mit Blick auf die Integration von Genderfragen in den Naturwissenschaften noch lange nicht beendet sei. Somit sehe sie die Gefahr weniger in der Ausdifferenzierung als in der Normalisierung des Faches durch den Prozess der Institutionalisierung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:49% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2026\/03\/Portrait_JL.png\" alt=\"Eine Person spricht in ein Mikrophon.\" class=\"wp-image-2828 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2026\/03\/Portrait_JL.png 600w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2026\/03\/Portrait_JL-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><strong>Johanna Leinius<\/strong> best\u00e4tigt die Diagnose G\u00fclay \u00c7a\u011flars, dass das Subjekt der Gender Studies durch die zunehmende Ausdifferenzierung an Selbstverst\u00e4ndlichkeit eingeb\u00fc\u00dft habe, sieht hierin aber vor allem eine Chance f\u00fcr die Selbstkritik und Weiterentwicklung des Felds. Schl\u00fcssel hierf\u00fcr sei der produktive Dialog zwischen den Subdisziplinen und Generationen, den sie als Leiterin des Cornelia-Goethe-Centrums durch die Archivierung von Dokumenten und Quellen von den Anf\u00e4ngen bis heute f\u00f6rdern m\u00f6chte.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>\u00c4hnlich wie Birgit Riegraf sieht auch <strong>Jule Govrin <\/strong>die Problematik, dass durch die zunehmende Institutionalisierung der Geschlechterforschung die eigenen aktivistischen Wurzeln Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Sie betont die Bedeutung der intergenerationalen Weitergabe von feministischem Wissen und sieht es als zentrale Aufgabe, sich weiter in aktuelle gesellschaftspolitische Debatten einzubringen.<\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/\u00a9-Christian-Demarco-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2681 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/\u00a9-Christian-Demarco-1.png 600w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/\u00a9-Christian-Demarco-1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Neue Impulse und Erkenntnisse aus den Subdisziplinen der Gender Studies seien wertvoll, m\u00fcssten aber in die Grundlagenforschung der Fachwissenschaften zur\u00fcckzutragen werden, um diese weiter voranzubringen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Umgang mit den eigenen Leerstellen<\/h2>\n\n\n\n<p>Es geh\u00f6rt zu den Eigenheiten der Geschlechterforschung nicht nur bislang ausgeblendete Fragen aufzuwerfen, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/2023\/08\/01\/open-mic-geschlechterforschung-vielfaeltig-und-dennoch-geeint\/\">sondern die (kulturellen, gesellschaftlichen, politischen) Mechanismen der Ausblendung selbst zum Forschungsgegenstand zu machen<\/a>. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb ist die Besch\u00e4ftigung mit den eigenen <em>biases<\/em> und Leerstellen unabdingbar. Denn Geschlechterforschung findet l\u00e4ngst nicht nur in westlichen akademischen Kontexten statt, betont <strong>G\u00fclay \u00c7a\u011flar <\/strong>und fragt nach den Impulsen aus anderen Regionen \u2013 etwa aus lateinamerikanischen, afrikanischen oder s\u00fcdostasiatischen feministischen Theorien \u2013 und nach den Leerstellen der deutschen Geschlechterforschung in Bezug auf diese globalen Perspektiven. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftlerinnen berichten diesbez\u00fcglich aus ihrer eigenen Forschungspraxis. <strong>Johanna Leinius<\/strong> weist auf die enge Verflechtung von Aktivismus und wissenschaftlicher Auseinandersetzung im Kontext des lateinamerikanischen Feminismus hin und fordert, mehr Zeit zu investieren in die konzeptionelle \u00dcbersetzungsarbeit und die Bereitschaft, unsere eigene Metaphysik st\u00e4rker in Frage zu stellen. <strong>Birgit Riegraf <\/strong>nennt ein konkretes Beispiel aus einer global angelegten Forschungsarbeit zu Care. W\u00e4hrend in westlichen L\u00e4ndern das Konzept von \u201eCare\u201c vornehmlich mit unbezahlter weiblicher Familienarbeit assoziiert werde, w\u00fcrde im afrikanischen Kontext vor allem AIDS-Pr\u00e4vention damit in Verbindung gebracht. Diese kulturell unterschiedlichen Verst\u00e4ndnisse anzunehmen und sich in den eigenen unausgesprochenen Vorannahmen irritieren zu lassen sei bedeutend f\u00fcr die Weiterentwicklung globaler Perspektiven.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Portrait_goekce.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2679 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Portrait_goekce.png 600w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Portrait_goekce-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Mit Blick auf aktuellen Nahost-Konflikt lenkt Migrationsforscherin <strong>G\u00f6k\u00e7e Yurdakul<\/strong> schlie\u00dflich den Fokus auf den Umgang mit Tabuthemen und warnt vor einer zunehmenden Spaltung innerhalb der Gender Studies im Umgang mit Anti-Semitismus. Hier sei ein hoher Bedarf an Dialog und analytischer Auseinandersetzung mit eigenen Mechanismen der Tabuisierung unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine robuste Geschlechterforschung f\u00fcr die Zukunft&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend kommt das Podium auf die aktuelle Gef\u00e4hrdungslage des Forschungsfelds zur\u00fcck. Was kann bzw. muss die Geschlechterforschung tun, um angesichts populistischer Angriffe und Ideologie-Vorw\u00fcrfe resilient zu bleiben? Was passiert, wenn institutionalisierte Strukturen, wie gender- und diversity-orientierte F\u00f6rderrichtlinien, wegbrechen? Und was w\u00fcnschen sich die Forscherinnen auf dem Podium f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n\n\n\n<p>Als ehemalige Universit\u00e4tspr\u00e4sidentin sieht <strong>Birgit Riegraf<\/strong> vor allem die Hochschulleitungen in der Pflicht, eine klare Haltung nach au\u00dfen zu tragen und in den Institutionen zu verankern. Auch die drei anderen Forscherinnen teilen die Forderung, Kooperationen und Solidarit\u00e4ten \u00fcber die Disziplinen hinweg zu st\u00e4rken, um gemeinsam die Grundfesten der Wissenschaftsfreiheit zu sch\u00fctzen. Denn neben der Geschlechterforschung seien auch weitere bedeutende Forschungsfelder wie die Migrationsforschung durch den Rechtsruck bedroht, betont <strong>G\u00f6k\u00e7e Yurdakul.<\/strong> Dabei ginge es nicht darum, \u201e\u00fcber jedes St\u00f6ckchen zu springen, das die Rechten uns hinhalten\u201c, so <strong>Johanna Leinius<\/strong>, sondern darum, Ressourcen in proaktive Strategien zu stecken, beispielsweise einen <a href=\"https:\/\/www-docs.b-tu.de\/presse\/public\/Handlungskonzept-gegen(extrem)rechte-Einflussnahme-an-der-BTU_RZ.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www-docs.b-tu.de\/presse\/public\/Handlungskonzept-gegen(extrem)rechte-Einflussnahme-an-der-BTU_RZ.pdf\">Handlungsleitfaden f\u00fcr den Umgang mit Rechtsextremismus<\/a>, wie ihn die Hochschule Cottbus-Senftenberg ver\u00f6ffentlicht habe. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hinsichtlich ihrer W\u00fcnsche f\u00fcr die Zukunft stimmen die Forscherinnen \u00fcberein. Sosehr die Geschlechterforschung angesichts aktueller Angriffe auf die Unterst\u00fctzung anderer Disziplinen angewiesen sei, so unersetzlich bleibe sie wiederum f\u00fcr die Bearbeitung gesamtgesellschaftlicher Krisen und Umw\u00e4lzungen. Denn nur mit der Einbeziehung einer Geschlechterperspektive, so das Fazit, sei eine umfassende Analyse der multiplen Krisen unserer Welt m\u00f6glich. Dabei gehe es vor allem darum transformatives Wissen in der Geschlechterforschung zu st\u00e4rken und systematisch einzubringen, betont <strong>Jule Govrin<\/strong>, sei es mit Blick auf K\u00fcnstliche Intelligenz, die sozial-\u00f6kologische Wende oder die Demokratie als Lebensform vielf\u00e4ltiger Gesellschaften.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Weitere Links zum Thema: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.fg-gender.de\/angriffen-auf-die-freiheit-von-forschung-und-lehre-entschlossen-entgegentreten\/\">Angriffen auf die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen entgegentreten!<\/a> Stellungnahme der Fachgesellschaft Geschlechterstudien<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/2025\/02\/21\/geschlechterforschung-bmbf-widerspricht-alice-weidel\/\">Geschlechterforschung: BMBF widerspricht Alice Weidel<\/a> Wissenschaftspolitischer Blog-Post von Jan-Martin Wiarda<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eZum Stand der Geschlechterforschung in Deutschland\u201c \u2013 unter diesem Titel lud das Margherita-von-Brentano-Zentrum am 4. 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