{"id":2688,"date":"2025-03-17T11:53:34","date_gmt":"2025-03-17T10:53:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/?p=2688"},"modified":"2025-03-17T16:58:14","modified_gmt":"2025-03-17T15:58:14","slug":"zur-genderperspektive-in-der-politischen-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/2025\/03\/17\/zur-genderperspektive-in-der-politischen-bildung\/","title":{"rendered":"Zur Genderperspektive in der politischen Bildung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2689 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-1024x683.png 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-300x200.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-768x512.png 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-1536x1024.png 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-2048x1365.png 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/Bild_InterviewLuisa_mit-Quelle-1200x800.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Die Gleichstellung der Geschlechter ist laut Berliner Rahmenlehrplan ein Querschnittsthema f\u00fcr Schulen. Politische Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Aber wie geschlechtersensibel ist die Politikdidaktik tats\u00e4chlich? Dar\u00fcber sprachen wir mit Dr. <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/polwiss\/forschung\/sozialkunde\/politikdidaktik\/Team\/Girnus\/index.html\">Luisa Girnus<\/a>, frisch ernannte Juniorprofessorin f\u00fcr Politikdidaktik am Otto-Suhr-Institut.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong><em>Das Interview f\u00fchrte Jana Gerlach.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hallo Luisa. Sch\u00f6n, dass wir Dich zu diesem wichtigen Thema befragen d\u00fcrfen. Unsere erste Frage bezieht sich auf einen Vortrag, den Du k\u00fcrzlich auf einer Tagung der Berliner Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung gehalten hast. Er trug den Titel <em>\u201eGender-Fragen als Leerstelle in der politischen Bildung\u201c. &nbsp;<\/em>Welche Leerstelle meinst Du und wie ist diese zu erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Luisa Girnus:<\/strong> Ich glaube, dass eine Leerstelle entstanden ist, liegt an der Geschichte der Disziplin. Politikdidaktik war von Anfang an normativ gepr\u00e4gt: Es ging zun\u00e4chst um die Frage, was gute Staatsb\u00fcrger*innen auszeichnet, auch im Zuge der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reeducation\">Reeducation<\/a> nach dem zweiten Weltkrieg. Ein Verst\u00e4ndnis von Politikdidaktik als Wissenschaftsdisziplin etabliert sich erst im Laufe der 1990er. Und da spielen auch Genderfragen eine Rolle &#8211; damals insbesondere die Gleichstellung von Frau und Mann bzw. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Dokumentiert ist das zum Beispiel mit dem Sammelband <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-663-11076-7\">Politische Bildung und Geschlechterverh\u00e4ltnis<\/a> aus dem Jahr 2000. Danach folgen noch eine einzelne Dissertation und <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books\/about\/Geschlecht_ist_politisch.html?id=eiFpDwAAQBAJ&amp;redir_esc=y\">ein Sammelband <\/a>im Jahr 2016. Der aufstrebende Diskurs scheint aber mit den PISA-Studien und der anschlie\u00dfenden Kompetenzdebatte, die auch in der Politikdidaktik heftig gef\u00fchrt worden ist, quasi zu versiegen. Im Vordergrund standen Fragen wie: Was machen Kompetenzen, welche Kompetenzen w\u00fcnschen wir uns? Auch die Frage: Was hei\u00dft eigentlich M\u00fcndigkeit? Wieviel Emanzipation ist dabei mitgedacht? Kann man das \u00fcberhaupt in Kompetenzen wiederfinden? Leider spielen Geschlechterfragen in der damals gef\u00fchrten Auseinandersetzung augenscheinlich keine Rolle. Das bezieht sich jetzt vor allem auf den Bereich Schule, in der informellen Bildung verh\u00e4lt es sich sicherlich ein wenig anders.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr vergeschlechtliche Machtverh\u00e4ltnisse oder die Anerkennung von Meinungsvielfalt k\u00f6nnten ja durchaus als Kompetenzen bezeichnet werden. Um welche Kompetenzen geht es in der Politikdidaktik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Luisa Girnus:<\/strong> Die klassischen politikdidaktischen Kompetenzen, \u00fcber die es auch im Prinzip Einigkeit gibt, sind politische Urteilsbildung, politische Handlungsf\u00e4higkeit und sozialwissenschaftliche Analysef\u00e4higkeit. Dazu kommt dann noch konzeptionelles Deutungswissen. Die Gesellschaft f\u00fcr Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) hat 2004 in Reaktion auf die Kompetenzdebatte entsprechende Bildungsstandards ver\u00f6ffentlicht. In dem politikdidaktischen Diskurs darum kommen dann viele Fragen ans Fach auf u. a. hinsichtlich der Messbarkeit dieser Kompetenzen oder auch, worin das spezifisch Politische dabei besteht. Macht- und Herrschaftskritik spielt generell und auch dabei eine wichtige Rolle, ist aber nicht als Kompetenz formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eigentlich setzt sich die Politikwissenschaft als Referenzdisziplin ihrem Wesen nach ja grunds\u00e4tzlich mit Machtverh\u00e4ltnissen und damit auch mit Geschlechterverh\u00e4ltnissen auseinander. Auch die Kernkompetenzen, die in der politischen Bildung vermittelt werden sollen \u2013 politische Urteils- und Handlungsf\u00e4higkeit \u2013 entstehen ja in einem gesellschaftlichen Kontext, der von Machtverh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt ist. Inwieweit geht die Politikdidaktik darauf ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Konzeptionell mitgedacht in Planung, Durchf\u00fchrung und Reflexion von Politikunterricht werden Ungleichheitsaspekte noch viel zu selten.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Luisa Girnus: <\/strong>In der Politikdidaktik fassen wir unsere Bezugsdisziplinen sogar noch weiter. Als Bezugsfach sind beispielsweise auch Soziologie oder Wirtschaftswissenschaft von Bedeutung. Im Kern geht es um die Wechselwirkungen von Subjekt und Kollektiv bzw. staatlich verfasster Gesellschaft. Das Ziel ist es, politische M\u00fcndigkeit als Grundlage demokratischer Gesellschaftsordnung zu f\u00f6rdern. Macht- und Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse zu hinterfragen und gemeinsam dar\u00fcber nachzudenken, wie eine gerechtere Gesellschaft entstehen kann bzw. was ihr entgegensteht, ist essenziell f\u00fcr politische Bildung. Die Kompetenzen lassen sich als F\u00e4higkeiten lesen, derer es bedarf, Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse zu erkennen, in Abh\u00e4ngigkeit zu der eignen Position und anderer Perspektiven zu bewerten und sich dazu zu \u00e4u\u00dfern oder auch politisch aktiv zu werden.&nbsp;Genderfragen als Ungleichheitsthema sind folglich etwas, was in politischer Bildung vorkommt. Im Lehrplan sind zum Beispiel Sozialstrukturen explizit Thema. Damit kommen auch Fragen der Geschlechtergerechtigkeit vor, ebenso wie Rassismus oder Klassismus Thema sein k\u00f6nnen. All das aber eben als inhaltliches Thema\u2013 konzeptionell mitgedacht in Planung, Durchf\u00fchrung und Reflexion von Politikunterricht werden Ungleichheitsaspekte noch viel zu selten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum ist es so wichtig, Geschlecht in der politischen Bildung grunds\u00e4tzlich mitzudenken? Welche Herausforderungen oder Fragen w\u00fcrden sich an die Vermittlung der oben genannten Kompetenzen stellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Geschlecht ist da ja eine entscheidende Differenzkategorie und kann allein deswegen nicht einfach ausgeblendet werden<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Luisa Girnus:<\/strong> Wenn das Ziel politischer Bildung ist, zu politischer M\u00fcndigkeit zu verhelfen, k\u00f6nnte man sagen, je nachdem welchen biografischen Kontext Menschen haben und welchen sozialen Zuschreibungen sie ausgesetzt sind, haben sie auch einen anderen Zugang zu dieser M\u00fcndigkeit und wie sie diese erreichen. Diese Unterschiede in didaktischen Konzepten nicht zu benennen und allen einen gleichen Zugang zu politischem Lernen zu unterstellen, der sich allein dadurch unterscheidet, dass Lernende mehr oder weniger politisch interessiert sind, ist ein ungl\u00fcckliches Konzept, insbesondere wenn man Lernenden-orientiert arbeiten m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Geschlecht ist da ja eine entscheidende Differenzkategorie und kann allein deswegen nicht einfach ausgeblendet werden, wie alle anderen und deren intersektionale Verwobenheit nat\u00fcrlich auch nicht. Aus der Bildungswissenschaft wissen wir, dass es durchaus geschlechtsspezifische Unterschiede in den Lernstrategien gibt. In politischen Kontexten bedeutet das beispielsweise, dass m\u00e4nnlich sozialisierte Jugendliche diskussionsfreudiger sind und M\u00e4dchen tendenziell geringer Selbstwirksamkeitszuschreibungen haben.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Und man dann anders adressieren muss, gerade wenn es um Urteilsf\u00e4higkeit geht. Letztlich setzt sich da auch ein Problem fort. Denn auch in der Politik finden wir ein Gender Gap. Wenn wir merken: Ok, wir schaffen es, vor allem m\u00e4nnliche, h\u00f6her gebildete Menschen anzusprechen und f\u00fcr Politik zu interessieren und daf\u00fcr ggf. auch aktiv in die Politik zu gehen, alle anderen eher weniger, dann haben wir ein gesellschaftliches Repr\u00e4sentationsproblem. Das ist nat\u00fcrlich auch eine Frage f\u00fcr die politische Bildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Heterosexismus politisch zurzeit hochkocht, ist bis jetzt noch nicht einmal angesprochen. Hieraus ergibt sich noch eine ganz andere Dringlichkeit, st\u00e4rker auf Genderfragen in der politischen Bildung zu schauen. Hier geht es dann auch insgesamt um den Umgang mit antidemokratischen Tendenzen und Positionen in politischen Bildungsprozessen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie k\u00f6nnten sich Bildungsprozesse ver\u00e4ndern, wenn Geschlecht als analytische Kategorie ber\u00fccksichtigt wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Luisa Girnus:<\/strong> Ich denke, dass sich eine st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung der Kategorie Geschlecht fundamental \u2013 es lie\u00dfe sich auch transformativ sagen \u2013 auf die Art und Weise wie politische Bildung gedacht wird, auswirkt. Es ist schlicht mehr als ein Thema oder ein weiterer Bildungsinhalt.&nbsp;Wenn wir jetzt zum Beispiel die Kompetenzen Analyse-, Handlungs- und Urteilsf\u00e4higkeit nehmen und in Schulkategorien denken, dann m\u00fcssen wir auch hier davon ausgehen, dass bestimmte Positionen eine Hegemonie erreichen und dann reproduziert werden. Hier gilt es st\u00e4ndig zu hinterfragen: Mich als Lehrperson, die Bildungsmaterialien, das Lernklima und die Lerngruppe. Noch spannender wird es, wenn wir hinsichtlich der theoretischen Grundlagen des Faches feministische Perspektiven st\u00e4rker einbeziehen. Da sehe ich gerade vor dem Hintergrund eines weiterhin ungerechten Bildungssystems und Ver\u00e4nderungsdruck aufgrund multipler Krisen wichtige Impulse, um politische Bildung weiterzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel geht es gerade im Schulkontext auch viel um Benotung und damit oft um eine Dualit\u00e4t zwischen \u201ewas ist richtig, was ist falsch\u201c. Nun ist es meines Erachtens eh ein Problem f\u00fcr politische Bildung, innerhalb eines Bewertungssystems zu arbeiten, aber eigentlich <em>reales<\/em> und nicht nur leistungsorientiertes Interesse bei den Sch\u00fcler*innen bewirken zu wollen. \u00dcberdies verleitet das \u00dcberpr\u00fcfen und Benoten dazu, das alles, was nicht benotbar und leistungsorientiert verwertbar ist, Gefahr l\u00e4uft, nicht stattzufinden. Positionen, die der hegemonialen Grundlage des Faches widersprechen, drohen quasi zu verpuffen. Innerhalb schulischer politischer Bildung reproduziert sich so eine Vorstellung von Politik bzw. dem Politischen, die im Zweifel wenig Schnittmengen mit der Lebenswirklichkeit junger Menschen hat. Feministische Theorien k\u00f6nnen eine M\u00f6glichkeit sein, grundlegend andere Fragen zu stellen und andere Perspektiven zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Ich denke, dass sich eine st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung der Kategorie Geschlecht fundamental \u2013 es lie\u00dfe sich auch transformativ sagen \u2013 auf die Art und Weise wie politische Bildung gedacht wird, auswirkt.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Kannst Du uns konkrete Beispiele aus der Lehre nennen, <em>good practices <\/em>f\u00fcr gendersensible politische Bildung \u2013 in der Schule oder Lehrkr\u00e4ftebildung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Luisa Girnus: <\/strong>Wichtig ist es, anzuerkennen, dass Geschlechtlichkeit ohnehin ein Riesenthema der Sozialisation ist. Man hat es in der Grundschule, dass Kinder sich in (oft noch) bin\u00e4re Geschlechterkategorien einordnen (\u201eIch bin ein Junge, du bist ein M\u00e4dchen\u201c) und diese interpretieren (\u201eWas bedeutet es ein Junge, ein M\u00e4dchen oder vielleicht keins von beiden zu sein\u201c?). Dann in der Pubert\u00e4t sicherlich nochmal ganz besonders. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtlichkeit und auch wie diese im sozialen Kontext wirkt, spielt einfach eine gro\u00dfe Rolle im Leben: Dem gegen\u00fcber offen sein und als Lehrperson zu schauen \u201ewie reproduziere ich was, und was passiert da \u00fcber Gender-Fragen im Unterricht, was suggeriere ich da eigentlich z. B. \u00fcber mein Material?\u201c halte ich f\u00fcr wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich immer nur wei\u00dfe M\u00e4nner im Bundestag zeige und damit dieses klassische Politikerbild reproduziere: Macht das wirklich Sinn? Sicherlich kann ich so etwas nutzen, um gerade dieses Problem zu dekonstruieren. Aber passiert mir das vielleicht einfach aus Gewohnheit? Ebenso stellt sich die Frage, welche Autor*innen ich im Unterricht sprechen lasse. Viele klassische Text sind von M\u00e4nnern geschrieben, aber finde ich vielleicht auch eine weibliche Perspektive darauf oder eine Sekund\u00e4rquelle, die aus einer anderen Perspektive schreibt?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Materialebene l\u00e4sst sich gendersensibler Unterricht erst einmal relativ gut umsetzen. In Bezug auf Lernklima, Unterrichtsmethoden usw. bedarf es zun\u00e4chst der Reflexion und Revision der eigenen Genderstereotype. Die gr\u00f6\u00dfte Leerstelle ist wahrscheinlich zu ermitteln, was denn tats\u00e4chlich politikdidaktisch passiert. Das ist mehrfach herausfordernd. Unter anderem reproduzieren sich Binarit\u00e4ten bei der Frage, ob Sch\u00fcler*innen geschlechterspezifisch lernen. Wie ist damit umzugehen? Kann ich Geschlecht als Ungleichheitsdimension \u00fcberhaupt isoliert betrachten? Letztlich l\u00e4sst sich auch diskutieren, welche Berechtigung die Frage nach Geschlechterunterschieden vor diesem Hintergrund hat. Muss ich vielleicht politikdidaktische und allgemeinp\u00e4dagogische Aspekte mit Blick auf Genderfragen im Lehr-Lernprozess st\u00e4rker zusammendenken? Und was macht das dann mit der Fachdidaktik? Dar\u00fcber ist einfach noch zu wenig nachgedacht und geforscht worden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Die Arbeiten aus den 90er Jahren fragen nach Geschlechterunterschieden zwischen M\u00e4dchen und Jungen. Damit machen sie eine Binarit\u00e4t auf, die vor dem Ziel eben solche aufzul\u00f6sen, herausfordernd ist. Die Problematik, das Geschlecht in empirischen Studien vornehmlich bin\u00e4r erhoben bzw. ausgewertet wird, besteht auch aktuell weiterhin.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-image-fill has-light-gray-background-color has-background\" style=\"grid-template-columns:43% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/portrait_luisa.jpeg);background-position:50% 50%\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/portrait_luisa.jpeg\" alt=\"Portraitfoto von Luisa Girmus\" class=\"wp-image-2690 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/portrait_luisa.jpeg 640w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/03\/portrait_luisa-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><strong>Dr. <\/strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/polwiss\/forschung\/sozialkunde\/politikdidaktik\/Team\/Girnus\/index.html\" target=\"_blank\"><strong>Luisa Girnus<\/strong><\/a> ist\u00a0Juniorprofessorin f\u00fcr Politikdidaktik, Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung und Transformative Bildung am Otto-Suhr-Institut f\u00fcr Politikwissenschaft. Sie ist eine der Initiator*innen der Arbeitsgruppe &#8218;Politische Bildung und Gender&#8216; innerhalb der Gesellschaft f\u00fcr Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aktuelle Ver\u00f6ffentlichung zum Thema:<\/h3>\n\n\n\n<p>Theresa Bechtel,\u00a0Luisa Girnus,\u00a0Julia Gr\u00fcn-Neuhof,\u00a0Felix Prehm,\u00a0Jonathan Vogt (Hg.) (2024):<a href=\"https:\/\/www.wochenschau-verlag.de\/Why-focus-on-gender\/41643\"> Why focus on gender? Gender und intersektionale Perspektiven in der politischen Bildung. <\/a> Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gleichstellung der Geschlechter ist laut Berliner Rahmenlehrplan ein Querschnittsthema f\u00fcr Schulen. Politische Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Aber wie geschlechtersensibel ist die Politikdidaktik tats\u00e4chlich? Dar\u00fcber sprachen wir mit Dr. Luisa Girnus, frisch ernannte Juniorprofessorin f\u00fcr Politikdidaktik am Otto-Suhr-Institut.<\/p>\n","protected":false},"author":6900,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[91463,603],"tags":[1661,197043,2789,57446,277,303556,367,433676,433675],"class_list":["post-2688","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-vorgestellt","tag-bildung","tag-freie-universitaet-berlin","tag-gender","tag-geschlechterforschung","tag-hochschule","tag-intersektionalitaet","tag-lehre","tag-politikdidaktik","tag-politische-bildung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6900"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2688"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2701,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2688\/revisions\/2701"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}