{"id":280,"date":"2019-10-15T15:40:01","date_gmt":"2019-10-15T13:40:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/?p=280"},"modified":"2022-12-13T11:17:06","modified_gmt":"2022-12-13T10:17:06","slug":"beteiligung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/2019\/10\/15\/beteiligung\/","title":{"rendered":"Es reden immer die Gleichen? 17 Anregungen f\u00fcr Lehrende"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"510\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/10\/Pralinenschachtel_Twitter_mitBildquelle-1024x510.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-365 size-full\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Es ist eine Situation, die die meisten Lehrenden kennen: Fragen und Wortbeitr\u00e4ge kommen immer von den gleichen Studierenden, viele Teilnehmende schweigen. Das macht Diskussionen manchmal z\u00e4h und oft einseitig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n<\/div><\/div>\n\n\n<h6>Autorin: Melanie Bittner<\/h6>\n<p>Dazu kommt, dass es nicht ganz zuf\u00e4llig ist, wer h\u00e4ufiger und l\u00e4nger und m\u00f6glicherweise auch mit mehr Fachbegriffen und Selbstbewusstsein spricht. Denn solche Verhaltensmuster entsprechen eher dem erlernten Verhalten von m\u00e4nnlichen Personen. Traditionell wird ein solches Kommunikationsverhalten bei ihnen auch positiv bewertet, w\u00e4hrend Frauen eher negativ wahrgenommen werden, wenn sie sich in Gespr\u00e4chen zu dominant verhalten und mehr Raum einnehmen. Das hei\u00dft auch, dass in Diskussionen nicht nur quantitativ Perspektiven fehlen, sondern tendenziell auch qualitativ unterschiedliche Perspektiven.<\/p>\n<h6><strong><em>Unterscheidungen statt Unterschiede \u2013 doing gender<\/em><\/strong><\/h6>\n<p>Hilfreich zum Verst\u00e4ndnis von Differenzen und Geschlecht ist der Begriff des <em>doing gender<\/em>. Dieses Konzept wurde in der Ethnomethodologie, einer Forschungsrichtung der Soziologie, entwickelt. Geschlecht ist demzufolge nicht etwas, das wir haben, sondern etwas, das wir tun:<\/p>\n<p>\u201eDoing Gender betrifft zum einen Handlungsformen, mithilfe derer Akteur*innen signalisieren, dass sie einem Geschlecht angeh\u00f6ren (z.B. Weisen der Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, des Gehens und Sitzens, des Verhaltens zum eigenen K\u00f6rper und zu dem anderer, etwa wer wen wann, wie und wie lange anschaut). Dar\u00fcber hinaus interessiert, wie sie sich zu dieser Mitgliedschaft verhalten (bspw. affirmativ, ritualistisch, ironisch, kritisch oder subversiv). Zuletzt verweist Doing Gender auf das praktische Wissen, das n\u00f6tig ist, um diese Signale zu verstehen und sich zum Geschlechtshandeln anderer in Beziehung zu setzen, etwa zu bewerten, ob dieses Handeln angemessen ist, deplatziert, abwegig oder unverst\u00e4ndlich.\u201c (<a href=\"https:\/\/gender-glossar.de\/glossar\/item\/80-doing-gender\"><u>Westheuser 2018<\/u><\/a>)<\/p>\n<p>Wie wir Handlungen wahrnehmen und bewerten h\u00e4ngt zudem nicht nur von der Kategorie Geschlecht ab, sondern beispielsweise auch von Alter oder sozialer Herkunft. In diesem Beitrag zur Beteiligung in Lehrveranstaltungen wird vor allem deshalb Gender in den Fokus genommen, weil in Veranstaltungen des Toolbox-Projekts am h\u00e4ufigsten danach gefragt wird.<\/p>\n<p><em>Doing gender<\/em> ist ein Ansatz des Sozialkonstruktivismus, der Geschlecht und auch die Norm der Zweigeschlechtlichkeit nicht als gegeben betrachtet. Diese Perspektive ist daher auch n\u00fctzlich bei der Beobachtung von vergeschlechtlichten Verhaltensmustern in Lehrveranstaltungen. Es kann verunsichernd sein, solche Differenzen wahrzunehmen, weil wir eigentlich Studierende individuell wahrnehmen wollen und auch Unterschiede eher aufl\u00f6sen als festschreiben wollen. Umfangreiche oder zur\u00fcckhaltende Beteiligung k\u00f6nnen mit Hilfe des interaktionstheoretischen Ansatzes als Varianten von <em>doing masculinity<\/em> oder <em>doing femininity<\/em> gedeutet werden. Geschlecht wird damit weder naturalisiert noch unabh\u00e4ngig von anderen Diversit\u00e4tsdimensionen konzipiert. Damit l\u00e4sst es sich nicht nur theoriegeleitet analysieren, sondern ist auch durch Interaktion ver\u00e4nderbar.<\/p>\n<h6><strong>Beteiligung aller f\u00f6rdern \u2013 Praxisanregungen<\/strong><\/h6>\n<p>Konkrete Anregungen, wie Sie mit ungleichem Beteiligungs- und Gespr\u00e4chsverhalten in der Lehre umgehen k\u00f6nnen, finden Sie im neuen Methodenblatt \u201e<a href=\"http:\/\/www.genderdiversitylehre.fu-berlin.de\/toolbox\/_content\/pdf\/Bittner-2019.pdf\"><u>Es reden immer die Gleichen? 17 Anregungen f\u00fcr Lehrende<\/u><\/a>\u201c zum Download in der Toolbox. Die Vorschl\u00e4ge reichen von methodischen Ans\u00e4tzen, \u00fcber die Gestaltung der Gespr\u00e4chs- und Lernkultur oder die explizite Thematisierung von ungleichem Redeverhalten bis hin zu Fragen zur Selbstreflektion.<\/p>\n<p>Welche Erfahrungen haben Sie mit ungleichem Redeverhalten in Lehrveranstaltungen gemacht? Kennen Sie noch andere Strategien f\u00fcr Lehrende, damit umzugehen? Teilen Sie gerne mit uns und den anderen Leser*innen ihre \u00dcberlegungen und Vorschl\u00e4ge in den Kommentaren.<\/p>\n<h5><strong>Literatur<\/strong><\/h5>\n<p>Westheuser, Linus (2018). <a href=\"https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-170183\">Doing Gender<\/a>. In <em>Gender Glossar \/ Gender Glossary<\/em> (5 Abs\u00e4tze). Verf\u00fcgbar unter<a href=\"http:\/\/gender-glossar.de\"> http:\/\/gender-glossar.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine Situation, die die meisten Lehrenden kennen: Fragen und Wortbeitr\u00e4ge kommen immer von den gleichen Studierenden, viele Teilnehmende schweigen. 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