{"id":454,"date":"2019-12-11T10:15:37","date_gmt":"2019-12-11T09:15:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/?p=454"},"modified":"2023-09-27T09:57:21","modified_gmt":"2023-09-27T07:57:21","slug":"queerhistorylab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/2019\/12\/11\/queerhistorylab\/","title":{"rendered":"Sichtbarkeit queerer Geschichte(n) im Geschichtsunterricht"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"589\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/12\/queerhistorylag_illu_Zahnrad_mitBildquelle-1024x589.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-463 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/12\/queerhistorylag_illu_Zahnrad_mitBildquelle-1024x589.png 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/12\/queerhistorylag_illu_Zahnrad_mitBildquelle-300x173.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/12\/queerhistorylag_illu_Zahnrad_mitBildquelle-768x442.png 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/12\/queerhistorylag_illu_Zahnrad_mitBildquelle-1200x691.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Schule ist kein geschlechtsneutraler Raum. Durch schulische Curricula, Lernmaterialien bzw. -methoden sowie Interaktionen zwischen Lehrer<em>innen und Sch\u00fcler<\/em>innen werden hierarchisch-heteronormative Strukturen und eine bin\u00e4re Geschlechtervorstellung im Schullalltag stetig reproduziert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das<em> queerhistoryLab.<\/em> &#8211; Ein Lehr-Lern-Labor zur Geschlechter- und Sexualit\u00e4tsgeschichte<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach unseren demokratischen Grunds\u00e4tzen haben alle Menschen, unabh\u00e4ngig ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Orientierung oder sexuellen Identit\u00e4t dieselben Rechte. Als zentrale Bildungsinstitution unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung sollte die Schule diese Grunds\u00e4tze fokussieren und zu einem reflektierten Umgang mit Ungleichheiten, geschlechtsspezifischen Zuweisungen und Hierarchisierungen beitragen. Zwar ist bereits im Kontext Schule ein verst\u00e4rktes Bewusstsein \u00fcber den Umgang mit Heterogenit\u00e4t vorhanden, dies zeigt sich jedoch lediglich in der individuellen F\u00f6rderung von Sch\u00fcler*innen und l\u00e4sst dabei Ungleichheits- und Machtkonstellationen v\u00f6llig au\u00dfer Acht. Mit der Implementierung neuer Forschungserkenntnisse aus den Gender- und Queer Studies kann im Rahmen der Kompetenzorientierung angehender Lehrpersonen die Entwicklung einer gendersensiblen Haltung mit einer intersektionalen Perspektive gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Freien Universit\u00e4t sind seit Jahren <a href=\"https:\/\/www.mvbz.fu-berlin.de\/lehre\/abv-gender-und-diversitykompetenz\/index.html\">die Gender- und Diversitykompetenz f\u00fcr Studierende als integraler Bestandteil der Allgemeinen Berufsvorbereitung<\/a> in den Studienordnungen theoretisch festgelegt. Geschlechtsspezifische Inhalte sollen demnach im Studienangebot mehr Ber\u00fccksichtigung finden. Auch im Hochschulvertrag f\u00fcr die Jahre 2018-2022 zwischen der Universit\u00e4t und dem Land Berlin wird die Relevanz von Geschlechtergerechtigkeit und Diversity im Kontext Hochschule hervorgehoben. So wurden auf verschiedenen Ebenen der Universit\u00e4t wie Forschung, Lehre und Verwaltung genderzentrierte Aspekte implementiert. Seit Ende 2016 bietet beispielsweise die Internetplattform <a href=\"https:\/\/www.genderdiversitylehre.fu-berlin.de\/toolbox\/index.html\">&#8218;Toolbox Gender und Diversity in Lehre<\/a>&#8218; den Lehrenden Informationen und Methoden f\u00fcr die Gestaltung einer gender- und diversit\u00e4tssensible Lehrveranstaltung. Trotz dieser positiven Entwicklung fehlen aber gerade bei der Ausbildung von angehenden Lehrpersonen in den Fachdidaktiken die allgemeinen Voraussetzungen zur Entwicklung eines professionellen Umgangs mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gender in der Geschichtsdidaktik<\/h3>\n\n\n\n<p>Unter den Geschichtsfachdidaktiker*innen, die sich aktiv mit Geschlecht im Geschichtsunterricht befassen, besteht ein allgemeiner Konsens dar\u00fcber, dass Geschlecht eine Strukturkategorie f\u00fcr vergangene und gegenw\u00e4rtige Gesellschaften ist. Dieser Umstand wird in Diskursen \u00fcber theoretische Konzeptionen und Modelle aber zumeist unterschwellig behandelt. In konkreten Auseinandersetzungen wird sich wiederum nur auf eine bin\u00e4re Geschlechterordnung bezogen, die den dichotomen Konstruktionsmodus von Geschlecht und auch die Existenz anderer Geschlechter v\u00f6llig ausblendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>queerhistoryLab.-<\/em>Seminar setzt daher den Schwerpunkt auf die F\u00f6rderung von gendersensiblen Kompetenzen bei Lehramtsstudent*innen im Fach Geschichte. Dabei orientiert sich das Seminar an die Forderungen des Berliner Senats zu den <a href=\"http:\/\/www.kombi-berlin.de\/downloads\/av27.pdf\">Rahmenpl\u00e4nen f\u00fcr Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule<\/a> und den<a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/Dateien\/veroeffentlichungen_beschluesse\/2016\/2016_10_06-Geschlechtersensible-schulische_Bildung.pdf\"> Beschl\u00fcssen der Kultusministerkonferenz zur Sicherung der Chancengleichheit durch geschlechtersensible schulische Bildung und Erziehung<\/a>. Angehende Lehrpersonen sollen Sch\u00fcler*innen die Kompetenz vermitteln, eigenst\u00e4ndig und reflektiert Geschlechterverh\u00e4ltnisse zu analysieren. Im Geschichtsunterricht soll so die Historizit\u00e4t und historische Alterit\u00e4t von Geschlecht, Geschlechterkonstruktionen und Geschlechteridentit\u00e4ten f\u00fcr die Sch\u00fcler*innen erkennbar werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Strukturell entstand das Seminarkonzept im Rahmen der zweiten F\u00f6rderphase des Verbundprojekts <a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/sites\/k2teach\/index.html\"><em>k2teach \u2013 know how to teach<\/em><\/a>. In der ersten F\u00f6rderphase wurden die <em>Lehr-Lern-Labor-Seminare (LLL-S) <\/em>erfolgreich in den Fachdidaktiken Geschichte und Englisch f\u00fcr Lehramtsstudierende im Bachelor sowie in der Physik im Masterstudiengang als universit\u00e4res Seminarformat an der Freien Universit\u00e4t implementiert. Durch die st\u00e4rkere Verzahnung von Theorie- und Praxiselementen als in \u00fcblichen Seminaren der Fachdidaktiken <a href=\"http:\/\/www.hochschullehre.org\/wp-content\/files\/diehochschullehre_2019_Seibert_etal_Trges_Wissen.pdf\">konnte empirisch f\u00fcr die Didaktik der Geschichte belegt werden<\/a>, dass Teilnehmer*innen das fachdidaktische Wissen im<em> LLL-S<\/em> als praxisrelevanter wahrnehmen als Studierende aus reinen Theorieseminaren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lehre im <em>queerhistoryLab.<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Im <em>queerhistoryLab.<\/em>-Seminar werden in den ersten Sitzungen grundlegende fachdidaktische und genderbezogene Theorien diskutiert. Dabei soll regelm\u00e4\u00dfig ein Austausch \u00fcber m\u00f6gliche unterrichtspraktische Eins\u00e4tze zur Entwicklung eines Unterrichtsverlaufplans mit eigenen Materialien stattfinden. Der Fokus liegt auf der F\u00f6rderung des Konstrukts der historischen Genderkompetenz bei Sch\u00fcler*innen. Durch historisches Erz\u00e4hlen sollen historische und gegenw\u00e4rtige Geschlechteridentit\u00e4ten thematisiert werden. Als Orientierungshilfe bei der Entwicklung des Materials dient den Student*innen das vorhandene Geschichtsunterrichtsmaterial der <a href=\"http:\/\/queerhistory.de\/\">Onlineplattform <em>queerhistory<\/em><\/a>. Um die aktuellen Forschungserkenntnisse aus den Gender und Queer Studies in die Konzeption der Materialien einflie\u00dfen zu lassen, ist w\u00e4hrend der ersten Phase immer auch die Bezugnahme auf das Konzept der Intersektionalit\u00e4t entscheidend. Hierbei soll ein Bewusstsein f\u00fcr die unterschiedlichen Verschr\u00e4nkungen der Kategorie Geschlecht mit anderen Differenz- und Ungleichheitskategorien geschaffen werden. In der zweiten Phase des Seminars erproben die Student*innen in Gruppen an jeweils zwei Laborterminen ihre Unterrichtsentw\u00fcrfe in einem komplexit\u00e4tsreduzierten Umfeld. Der Unterricht findet in universit\u00e4ren R\u00e4umen mit einer Kleingruppe von Sch\u00fcler*innen aus der neunten oder zehnten Jahrgangsstufe statt. W\u00e4hrend der Labortermine sind die gegenseitigen Beobachtungen und die darauffolgenden Reflexionssitzungen ausschlaggebend f\u00fcr die Zielsetzung eines <em>LLL-S<\/em>. Das gezielte Feedback sowohl zwischen Student*innen untereinander als auch zwischen Dozent*innen und Student*innen soll zur theoriegeleiteten Vertiefung mit den praktischen Erfahrungen anregen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Student*innen als k\u00fcnftige Lehrpersonen sollen durch die Teilnahme am <em>queerhistoryLab.<\/em> in ihrer F\u00e4higkeit und Bereitschaft, sich mit der Kategorie Geschlecht sowie dessen historischer und gegenw\u00e4rtiger Produktion und Reproduktion&nbsp;von Ungleichheiten und Macht auseinanderzusetzen, gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>K2teach<\/em> wird im Rahmen der gemeinsamen \u201eQualit\u00e4tsoffensive Lehrerbildung\u201c&nbsp;[sic] von Bund und L\u00e4ndern aus Mitteln des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Seibert, D., et. al. (2019). Theoretisches Wissen gleich tr\u00e4ges Wissen? Praxisrelevanz von fachdidaktischem Wissen in Lehr-Lern-Labor-Seminaren, in: die hochschullehre, 5, S. 355-382.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00fccke, Martin (2008): Walk on the wild side. Genderkompetenz, Zeitgeschichte und Historisches Lernen, in: Barricelli, Michele\/Hornig, Julia (Hg.): Aufkl\u00e4rung, Bildung, \u201eHistotainment\u201c. Zeitgeschichte in Unterricht und Gesellschaft heute, S. 223-236.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2019\/12\/Gasparjan-150x150.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-455\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>David Gasparjan<\/strong>&nbsp;ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt \u201ek2teach&nbsp;\u2013 know how to teach\u201c am Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte an Freie Universit\u00e4t. Sein Arbeitsschwerpunkt ist&nbsp;Gender&nbsp;in der Lehramtsausbildung im Fach Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Dissertationsprojekt befasst er sich mit j\u00fcdischer Geschlechter- und Sportgeschichte im 20. Jahrhundert. Kontakt:&nbsp;<a href=\"mailto:d.gasparjan@fu-berlin.de\">d.gasparjan@fu-berlin.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Dieser Text ist eine leicht ge\u00e4nderte Version eines Beitrags im gerade erschienenen <a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/sites\/frauenbeauftragte\/media\/WRB_022019_WEB.pdf\">Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs Nr. 2\/2019<\/a> zum Schwerpunkt &#8222;Klima und Geschlechterverh\u00e4ltnisse&#8220;, der von der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universit\u00e4t Berlin herausgegeben wird.<\/h3>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schule ist kein geschlechtsneutraler Raum. 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