{"id":497,"date":"2020-01-14T14:32:43","date_gmt":"2020-01-14T13:32:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/?p=497"},"modified":"2025-02-03T11:27:36","modified_gmt":"2025-02-03T10:27:36","slug":"porn-in-the-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/2020\/01\/14\/porn-in-the-usa\/","title":{"rendered":"\u201ePorn in the USA\u201c \u2013 ein Seminarbesuch"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"632\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2020\/01\/5a_Specht_Foto_oeming-1024x632.jpg\" alt=\"Frau steht vor gr\u00fcner Tafel und h\u00e4lt ein Buch mit dem Titel &quot;Feminist Porn Book&quot; in der Hand\" class=\"wp-image-500 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2020\/01\/5a_Specht_Foto_oeming-1024x632.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2020\/01\/5a_Specht_Foto_oeming-300x185.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2020\/01\/5a_Specht_Foto_oeming-768x474.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2020\/01\/5a_Specht_Foto_oeming-1200x740.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2020\/01\/5a_Specht_Foto_oeming.jpg 1493w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Wissenschaftliche Neugier schl\u00e4gt Shitstorm: Madita Oeming forscht zu Geschichte, \u00c4sthetik, Produktion, Konsum und kultureller Funktion von Pornographie.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eFeminism is not a dirty word\u201c \u2013 wei\u00dfe Schrift auf schwarzem Stoff. Diese\u00a0 Worte auf Madita Oemings T-Shirt springen mir sofort ins Auge, als sie, flankiert von zwei Sicherheitsangestellten, mich und ihre Studierenden vor dem Seminarraum 201 des John-F.-Kennedy-Instituts f\u00fcr Nordamerikastudien empf\u00e4ngt. Es herrschen strengere Einlasskontrollen als im legend\u00e4ren Berliner Club Berghain, denn es werden nur Studierende eingelassen, die sich f\u00fcr den Kurs eingeschrieben haben und nachweislich vollj\u00e4hrig sind. Entt\u00e4uschte Gesichter bei denjenigen, die diese Kriterien nicht erf\u00fcllen. Sogar ein Vertreter des Pr\u00e4sidiums der Freien Universit\u00e4t ist vor Ort, um sicher zu gehen, dass alles seine Ordnung hat. Was war geschehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Amerikanistin und Doktorandin der Universit\u00e4t Paderborn gibt im Wintersemester 2019\/20 ein B.A.-Seminar zum Thema \u201ePorn in the USA\u201c an der Freien Universit\u00e4t. Bereits die Ank\u00fcndigung ihres Seminars auf Twitter sorgte f\u00fcr gro\u00dfe \u00f6ffentlich Resonanz bis hin zum Shitstorm in den sozialen Medien. \u201eAls Kolleg*innen und Wissenschaftler*innen des Kennedy-Instituts waren wir geschockt, von massiven sexistischen Anfeindungen, antisemitischer Hetze und Todesdrohungen, denen Madita Oeming in den sozialen Medien ausgesetzt war\u201c, sagt Dr. David Bosold, Studiendekan des John-F.-Kennedy-Instituts ( JFKI) und verweist neben all dieser Aufregung um Oemings Seminar darauf: \u201eForschung und Lehre sind nach Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes frei \u2013 hierunter fallen selbstverst\u00e4ndlich auch kontroverse Themen wie das in diesem Semester unterrichtete Seminar \u2018Porn in the USA\u2018.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Interview, das Madita Oeming Spiegel Online gab, erhielt unz\u00e4hlige Aufrufe, und auch in den USA hat sie an Bekanntheit gewonnen. Aber was genau steht nun hinter dem Forschungsthema dieser Wissenschaftlerin, die in der VICE Germany schreibt, dass sie den \u201eTraum eines Teenagers\u201c lebt \u2013 sich \u201ef\u00fcr\u2019s Porno-Gucken bezahlen\u201c l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich bin neugierig geworden. Deshalb befinde ich mich an diesem Donnerstagnachmittag zwischen 30 erwartungsvollen B.A.-Studierenden. Oeming stellt klar, dass sie nicht die Sextherapeutin ihrer Studierenden sei. Vielmehr sollen die Studierenden die unterschiedlichen Genres der Pornografie in den USA kennenlernen und ein analytisches Verst\u00e4ndnis ihrer Geschichte, \u00c4sthetik, Produktion, Konsum und kulturellen Funktion erlangen. Hierzu werden einzelne Filmszenen genauer betrachtet und analysiert; Pornofilme werden behandelt wie Romane in den Literaturwissenschaften. Die erste Hausaufgabe besteht darin, den PorYes Feminist Porn Award oder das Berlin Pornfilmfestival zu besuchen, die Eindr\u00fccke aufzunehmen und ein zweiseitiges <em>response paper<\/em> zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs gibt\u201c, so sagt Professor Frank Kelleter, Leiter der Abteilung Kultur am JFKI, \u201ein Deutschland aktuell nur wenige Wissenschaftler*innen, die sich ernsthaft und historisch verl\u00e4sslich mit Pornografie und der Geschichte ihrer Bewertung auseinandersetzen\u201c. Kelleter kennt und sch\u00e4tzt Madita Oemings Arbeiten und ihr feministisches Engagement u.a. von ihrer Beteiligung an der DFG-Forschergruppe \u201ePopul\u00e4re Serialit\u00e4t\u201c, in der sie als wissenschaftliche Hilfskraft t\u00e4tig war. \u201eSp\u00e4ter, auf der internationalen Abschlusskonferenz\u201c, erinnert sich Kelleter, habe Oeming einen der besten und meistbeachteten Vortr\u00e4ge gehalten: zur Frage des Seriellen in der Pornografie.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-499 size-thumbnail\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"232\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/02\/Foto_Verena-Specht_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2573\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/02\/Foto_Verena-Specht_1.jpg 350w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/files\/2025\/02\/Foto_Verena-Specht_1-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 85vw, 350px\" \/><figcaption>Bildquelle: privat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Verena Specht<\/strong> ist dezentrale Frauenbeauftragte und Fremdsprachensekret\u00e4rin am John-F.-Kennedy-Institut f\u00fcr Nordamerikastudien. Seit vier Jahren widmet sie sich mit viel Freude und Enthusiasmus der Gleichstellungsarbeit und der Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf am JFK-I.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontakt: <a href=\"mailto:verena.specht@fu-berlin.de\">verena.specht@fu-berlin.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Dieser Text ist eine leicht ge\u00e4nderte Version eines Beitrags im gerade erschienenen <a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/sites\/frauenbeauftragte\/media\/WRB_022019_WEB.pdf\">Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs Nr. 2\/2019<\/a> zum Schwerpunkt &#8222;Klima und Geschlechterverh\u00e4ltnisse&#8220;, der von der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universit\u00e4t Berlin herausgegeben wird.<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftliche Neugier schl\u00e4gt Shitstorm: Madita Oeming forscht zu Geschichte, \u00c4sthetik, Produktion, Konsum und kultureller Funktion von Pornographie.<\/p>\n","protected":false},"author":3953,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[91463,603],"tags":[197043,2789,367],"class_list":["post-497","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-vorgestellt","tag-freie-universitaet-berlin","tag-gender","tag-lehre"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3953"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=497"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2574,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/497\/revisions\/2574"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/toolbox\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}