Über die Lateinamerika Nachrichten
Die Lateinamerika Nachrichten sind eine selbstverwaltete Monatszeitschrift, die kritisch, solidarisch und unabhängig zu Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur zu den Ländern Lateinamerikas berichtet – von Argentinien bis Suriname, Nicaragua und Mexiko – und bei gegebenem Anlass auch zu Themen mit Verbindungen zu den USA. Die Zeitschrift wurde 1973 von einer Gruppe Studierender gegründet. Sie erschien anfangs unter dem Namen Chile-Nachrichten und entstand als Teil von Solidaritätsbewegungen in Deutschland, um Informationen über Lateinamerika zugänglich zu machen.
Die Zeitschrift erscheint monatlich und entsteht durch fast 100 Prozent ehrenamtliche Mitarbeit. Essenzielle Entscheidungen werden bei den Redaktionssitzungen getroffen, die einmal wöchentlich stattfinden. Sie finden ebenfalls im Mehringhof statt, man kann sich aber auch online dazuschalten. Die Zahl der Anwesenden variiert stark. Manchmal kommen 15 bis 20 Personen, manchmal sind es auch nur 5. Es gibt dazu ein Online-Sitzungsprotokoll mit einer Tagesordnung, die von den beiden Büroangestellten erstellt wird und von anderen Redaktionsmitgliedern ergänzt werden kann. Es gibt immer eine Person, die auf der Sitzung Protokoll führt. Außerdem gibt es eine*n Moderator*in und eine Person, welche die Zeit im Auge behält.
Tätigkeitsbereich
In den drei Monaten Praktikum habe ich mich intensiv in die einzelnen Schritte des Produktionszyklusses eingebracht. Darüber hinaus habe ich mich um die Social-Media-Präsenz der Lateinamerika Nachrichten gekümmert. Dafür musste jede Woche geplant werden, welche Artikel auf BlueSky und X angerissen werden. Außerdem erstellte ich regelmäßig Posts zu Artikeln mit Link auf die Website für Instagram. In der Social-Media-AG behielt ich während meines Praktikums die Übersicht, koordinierte Treffen und motivierte die Kollektivmitglieder. Die Kommunikation läuft über Gruppen des Messengerdienstes Signal. Ich verfasste regelmäßig Nachrichten, um Aufgaben anzubieten. Darüber hinaus erstellte ich drei eigene Reels und schrieb ein Musterskript für zukünftige Reels.
Im Rahmen der Abo-Kampagne habe ich verschiedene Influencer*innen, Kulturfestivals, Verlage und Geschäfte kontaktiert und ihnen Werbematerial zugeschickt. Um den Bekanntheitsgrad der Zeitung zu erhöhen, bin ich außerdem zu zwei Universitäten gereist. In Hamburg und Halle habe ich in diesem Rahmen die Vorstellung des Films „donnerstags, 19 Uhr“ betreut und im Anschluss Fragen beantwortet. Der Film zeigt die Geschichte der Lateinamerika Nachrichten. An der Universität Regensburg habe ich einen Vortrag gehalten, in dem ich die Lateinamerika Nachrichten vorgestellt habe. Außerdem repräsentierte ich die Lateinamerika Nachrichten in einem Interview für den Podcast „cosmo en español“.
Im Kontext der redaktionellen Arbeit habe ich für zwei Ausgaben die Heftleitung übernommen. Die Aufgaben der Heftleitung bestehen größtenteils darin, den Überblick über die geplanten Artikel zu behalten, das heißt, welche Themen abgedeckt werden, wer sie koordiniert und dass sie rechtzeitig eingesendet werden. Praktisch gestaltet sich die Arbeit in kontinuierlicher Kommunikation mit dem Kollektiv über die Signalgruppen und auf den Redaktionssitzungen. Motivationsarbeit zu leisten, steht im Fokus. Darüber hinaus habe ich drei Artikel verfasst und dafür Recherchearbeit in Form von Interviews und Terminen geleistet.
Konklusion
Mein Praktikum bei den Lateinamerika Nachrichten hat mir bei meiner beruflichen Ausrichtung und meiner Forschung für die Masterarbeit in vielerlei Hinsicht weitergeholfen. Zum einen konnte ich meine journalistische Erfahrung weiter vertiefen. Ich wurde darin bestätigt, dass die Berichterstattung mit thematischer Ausrichtung auf den lateinamerikanischen Subkontinent genau das ist, was ich auch nach meinem Master anstrebe. Recherchieren, schreiben und Menschen mit (bestenfalls) konstruktiver Berichterstattung erreichen, sind Inhalte meines Traumjobs. Während meines Masters habe ich mir dafür wichtiges Hintergrundwissen aneignen können – zum Beispiel zur politischen und wirtschaftlichen Lage in verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Das half mir während meines Praktikums bei der Berichterstattung.
Zum anderen habe ich mich weiter mit der Forschung zu meiner Masterarbeit mit dem Thema Auswirkungen von internationalen Gesetzen zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten auf den Schutz von Menschen und Umwelt im peruanischen Bergbausektor beschäftigen können. So habe ich beispielsweise bei einer Pressekonferenz von Betroffenen in Peru teilnehmen können, die eine Beschwerde im Rahmen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes beim Bundesamt für Ausfuhrkontrolle eingereicht haben. Außerdem hat der Artikel zu der Verhandlung des UN-Binding Treaty erste Formulierungen für Teile der Masterarbeit ergeben. Das Interview mit NGO-Angestellten liefert mir nun einen Teil der Kontakte für die Interviews für die qualitative Forschung meiner Masterarbeit.
Generell war die Erfahrung sehr gut. Ich habe festgestellt, wie sehr ich demokratische Strukturen beim Arbeiten schätze und wie wichtig mir die Arbeit mit anderen Menschen auf Augenhöhe, sprich ohne Hierarchien, ist. Bei den Lateinamerika Nachrichten wurde mir bewusst, dass gegenseitiges Vertrauen in die Kompetenz sowie in den gesunden Menschenverstand hochgeschätzt wird und dadurch seit mehr als 50 Jahren zur Veröffentlichung dieser Monatszeitschrift führt. Meines Erachtens kann diese Struktur als Beispiel für andere Schöpfungsprozesse dienen. Ich fühle mich nun gut vorbereitet, selbstsicher in die Recherche und ins Kontakteknüpfen für die Masterarbeit gehen zu können.
(2026)