Praktikum bei der Deutschen Sparkassenstiftung für Internationale Kooperation in Ecuador via ASA-Programm


Das ASA-Programm

Im Rahmen meines Masterstudiengangs „Interdisziplinäre Lateinamerikastudien“ mit dem Profilbereich Transformation und Entwicklung absolvierte ich ein dreimonatiges Vollzeitpraktikum in Quito, Ecuador. Mein Interesse an der Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltigen Wirtschaftsformen motivierte mich dazu, nach einer praktischen Ergänzung zu meinen theoretischen Studieninhalten über globale Ungleichheit zu suchen. Die Wahl fiel dabei auf das Projekt „Nachhaltige Umgestaltung der Finanzwirtschaft: Stärkung von Unternehmen“ bei der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V., das über das ASA-Programm vermittelt wurde. Das ASA-Programm ist Teil von Engagement Global und wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Ein wesentlicher Vorteil dieses Programms ist die umfassende Vorbereitung durch zwei mehrtägige Seminare, die neben der inhaltlichen Einstimmung auf die Arbeit im Ausland auch den Aufbau eines Netzwerks unter den Teilnehmenden ermöglichen. Zudem beinhaltet die Teilnahme ein monatliches Stipendium (abhängig vom Einsatzort 502 Euro bis maximal 900) sowie eine Auslandskrankenversicherung. Der Bewerbungsprozess findet üblicherweise zwischen Dezember und Januar statt, worauf im März die Rückmeldungen erfolgen, im April und Juni finden in der Regel die zwei Seminare statt, bevor jede Person selbständig ihr Praktikum oder Projekt beginnt. 

Vorbereitung

Die organisatorische Vorbereitung des Aufenthalts in Ecuador gestaltete sich in einigen Punkten als anspruchsvoll. Die Suche nach einer geeigneten Unterkunft in Quito erwies sich als schwierig, weshalb ich mich letztlich für ein Airbnb entschied. Dieses lag zwar in der Nähe meines Arbeitsplatzes in Cumbaya, was den täglichen Arbeitsweg verkürzte, jedoch waren die Mietkosten in diesem Stadtteil vergleichsweise hoch. Was das Buchen von Flügen angeht, so empfehle ich umbuchbare zu kaufen, denn in Ecuador war die Lage teilweise unsicher. Dies zeigte sich auch daran, dass beispielsweise in Bolivien die politische Lage so instabil war, dass die ASA-Teilnehmerinnen, die dort ihr Projekt hatten, erst später als ursprünglich geplant einreisen konnten.

Deutsche Sparkassenstiftung für Internationale Kooperation (DSIK)

Die Sparkassenstiftung, bei der ich tätig war, fungiert als entwicklungspolitische Einrichtung der Sparkassen-Finanzgruppe und unterstützt weltweit Partnerorganisationen im Mikrofinanzsektor. Ziel ihrer Arbeit ist die Förderung einer nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung durch den Zugang zu bankähnlichen Dienstleistungen, was im Einklang mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen steht. In Lateinamerika operiert die Stiftung in zehn Ländern und koordiniert ihre Arbeit über Regionalbüros in Mexiko und Kolumbien.

Tätigkeit

Meine Tätigkeit vor Ort war in einen klar strukturierten Büroalltag eingebettet. Der Arbeitstag begann um 9:00 Uhr und endete um 17:00 Uhr, wobei ich mir den Arbeitsplatz mit einer weiteren Praktikantin des ASA-Programms teilte. Das übergeordnete Ziel des Projekts lag in der finanziellen Eingliederung und dem Aufbau eines nachhaltigen Finanzsystems, wobei ein besonderer Fokus auf ländliche Gebiete und benachteiligte Bevölkerungsgruppen gelegt wurde. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit bezog sich auf das Unterziel, landwirtschaftliche Kleinbetriebe für regenerative Landwirtschaft zu sensibilisieren. Zu meinen Kernaufgaben gehörten die Durchführung von Recherchen, die Erstellung einer Excel-Datenbank über relevante Akteure in Ecuador sowie die Vorbereitung von Kooperationsgesprächen. Ich nahm an Meetings mit Organisationen wie dem PNUD teil, erstellte Protokolle und bereitete Präsentationen vor, die als Grundlage für zukünftige Schulungen dienen sollten. Zudem unterstützte ich das Team bei der Gestaltung von Informationsmaterialien und verfasste eine kurze Studie zum Zusammenhang von Armut und dem Zugang zu Bankdienstleistungen.

Obwohl der thematische Fokus stärker auf der Landwirtschaft lag als ursprünglich im Bereich der Mikrofinanzen erwartet, erwies sich die Verknüpfung beider Felder als sehr lehrreich für das Verständnis nachhaltiger Entwicklung. Während des Praktikums konnte ich theoretisches Wissen aus Masterkursen wie „Finance in Polycrisis“ und „Social Policy“ praktisch anwenden, insbesondere im Bereich der finanziellen Bildung und der Mikrokredite. Auch die im Studium erlernten Recherchestrategien waren bei der Identifikation von Kooperationspartnern hilfreich. 

Dennoch gab es Herausforderungen, insbesondere in der Kommunikation mit meinem Vorgesetzten, der aufgrund von Dienstreisen zeitweise nur eingeschränkt erreichbar war. In diesen Phasen war Eigeninitiative gefordert, indem ich aktiv auf andere Kollegen zuging, um zusätzliche Aufgaben zu übernehmen und Einblicke in weitere Projekte zu erhalten. Auch die angespannte Sicherheitslage durch gewalttätige Proteste im Land sorgt für Unsicherheit ob das Praktikum weiterlaufen würde, doch die Situation in der Hauptstadt beruhigte sich nach etwa einer Woche, auch wenn sie in anderen Teilen des Landes angespannt blieb. 

Fazit

Zusammenfassend betrachte ich das Praktikum als eine wertvolle Erfahrung für meinen weiteren akademischen und beruflichen Weg. Ich konnte meine Fähigkeiten im Projektmanagement sowie meine interkulturellen Kompetenzen und meine Selbstständigkeit unter realen Bedingungen weiterentwickeln. Die Analyse- und Recherchearbeiten vertieften mein Verständnis für die praktische Umsetzung der Entwicklungszusammenarbeit. Die gewonnenen Einblicke in die finanzielle Inklusion werde ich nun möglicherweise in meine Masterarbeit einfließen zu lassen. 

(2026)