{"id":157,"date":"2022-07-07T10:46:13","date_gmt":"2022-07-07T08:46:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/?p=157"},"modified":"2023-04-26T10:13:16","modified_gmt":"2023-04-26T08:13:16","slug":"als-die-babylonier-das-horoskop-erfanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/2022\/07\/07\/als-die-babylonier-das-horoskop-erfanden\/","title":{"rendered":"Als die Babylonier das Horoskop erfanden"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/presse\/publikationen\/tsp\/2022\/tsp-juli-2022\/52-horoskop\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Tagesspiegelbeilage vom 02.07.2022<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Das Institut fu\u0308r Wissensgeschichte des Altertums wird neue Aspekte des menschlichen Wissens in der Antike ausleuchten: Das Projekt \u201eZodiac\u201c erforscht die Erfindung des Tierkreises durch die Babylonier<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/zodiaque-de-denderah.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-159\" width=\"630\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/zodiaque-de-denderah.jpg 1000w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/zodiaque-de-denderah-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/zodiaque-de-denderah-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Das Original h\u00e4ngt im Louvre. Antiker Tierkreis aus der Stadt Dendera in \u00c4gypten (1. Jahrhundert v. Chr.). Bildquelle: Wikicommons<\/figcaption><\/figure><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Ist es irref\u00fchrend zu fragen, ob die Einweihung eines neuen Instituts an der Freien Universit\u00e4t unter einem gl\u00fccklichen Stern stand? Am 17. Juni 2022 geboren, hat das Institut f\u00fcr Wissensgeschichte des Altertums das Sternzeichen Zwilling mit Aszendent Jungfrau. Dass zum Zeitpunkt seiner Er\u00f6ffnung, um 11 Uhr, die Sonne im 9. Haus und der Merkur im 8. Haus stand, deutet darauf hin, dass das Institut besonders neugierig und darauf ausgerichtet sein k\u00f6nnte, seine Mitmenschen zu verstehen. Jupiter im 6. Haus spricht daf\u00fcr, dass es hohe Standards im beruflichen Umgang mit anderen beachten und einfordern wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wissenschaft oder Aberglaube?<\/h2>\n\n\n\n<p>Nun man kann derlei Vorhersagen und Horoskopie als Aberglauben abtun. Tats\u00e4chlich aber gehen all ihre Bestandteile \u2013 der Tierkreis (lat. <em>zodiacus<\/em>, von griechisch <em>zodiak\u00f3s<\/em>), die Sternzeichen, die astronomische Berechnung der Planetenpositionen und die astrologische Interpretation des Ganzen \u2013 auf eine wissenschaftliche und kulturelle Revolution zur\u00fcck, die in genau diesem Institut f\u00fcr Wissensgeschichte des Altertums in Zukunft unter anderem erforscht und gedeutet werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wissenschaftshistoriker<a href=\"https:\/\/www.geschkult.fu-berlin.de\/e\/zodiac\/team\/ossendrijver1\/index.html\"> Professor Mathieu Ossendrijver <\/a>wird eben diesen \u201ezodiacal turn\u201c, der sich im antiken Babylonien vor 2500 Jahren, also um 500 vor Christus, vollzogen hat, als Leiter des im neuen Institut angesiedelten Forschungsprojekts<a href=\"https:\/\/www.geschkult.fu-berlin.de\/e\/zodiac\/index.html\"> \u201eZODIAC \u2013 Ancient Astral Science in Transformation\u201c <\/a>w\u00e4hrend der kommenden f\u00fcnf Jahre erforschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Matthieu Ossendrijver ist nicht nur Althistoriker und Assyriologe, sondern auch Astrophysiker. Das ist insofern von Vorteil, als das ZODIAC-Projekt sich mit der Geburt der babylonischen Astralwissenschaft, also der Horoskopie, besch\u00e4ftigen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Matthieu Ossendrijver nennt mehrere Elemente, die zusammenkommen mussten, damit die Babylonier die Sternzeichen und das Horoskop erfinden konnten: Erstens hatten sie schon \u00fcber lange Zeit die Bewegungen der Himmelsk\u00f6rper, der Sterne und Planeten, beobachtet, aufgezeichnet und darin Regelm\u00e4\u00dfigkeiten und Muster erkannt. Zweitens entwickelten die Babylonier \u00fcber die blo\u00dfe empirische Beobachtung hinaus mathematische Techniken und Werkzeuge, mit deren Hilfe sie die Bahnen der Planeten und Sterne mathematisch berechnen und vorhersagen konnten. Ossendrijver nennt das den \u201emathematical turn\u201c, der Teil des \u201ezodiacal turn\u201c gewesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst dann wird verst\u00e4ndlich, welche Bedeutung die Erfindung des Tierkreises vor 2500 Jahren hatte: Die Babylonier teilten nun den Himmel in zw\u00f6lf Bereiche auf, denen jeweils eine Figur, ein Name und eine bestimmte Bedeutung zugeordnet wurde: den Tierkreis mit seinen zw\u00f6lf Sternzeichen wie Widder, Zwilling, Jungfrau oder L\u00f6we.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-ad2f72ca wp-block-group-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"333\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/mathieu-ossendrijver.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-160\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/mathieu-ossendrijver.jpg 500w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/files\/2022\/07\/mathieu-ossendrijver-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 85vw, 500px\" \/><figcaption>Althistoriker, Assyriologe, Astrophysiker. Mathieu Ossendrijver leitet ein Forschungsprojekt im neu gegr\u00fcndeten Institut f\u00fcr die Wissensgeschichte des Altertums.<br>Bildquelle: Lorenz Brandtner<\/figcaption><\/figure><\/div><\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich verbanden die babylonischen Astralwissenschaftler diese zu einem Wissenskorpus, aufgrund dessen Berechnungen, zu welchem Zeitpunkt welche Planeten wo im Tierkreis standen, Bedeutungen und Bedeutungszusammenh\u00e4nge formuliert werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was ist eigentlich der Tierkreis, den die Babylonier erfanden und der bis heute in Zeitschriften als Grundlage f\u00fcr Horoskope dient? \u201eEigentlich handelt es sich dabei um ein Band, einen Himmelsstreifen, der den Bereich ein paar Grad unter und ein paar Grad \u00fcber der scheinbaren Sonnenbahn und den scheinbaren Mond und Planetenbahnen umfasst\u201c, sagt Matthieu Ossendrijver. \u201eMit dem freien Auge ist der Tierkreis nicht zu sehen: Vielmehr erfanden die Babylonier eine mathematische Konstruktion, die sie nun in zw\u00f6lf Teile zu jeweils 30 Grad einteilten, und bei der sie jeden Abschnitt nach dem in ihm markanten Sternbild benannten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erst durch diese Art der berechnenden Astrologie, die etwa die Sonne im 8. und den Saturn im 5. Haus verortet, kann dar\u00fcber ger\u00e4tselt werden, was das f\u00fcr ein Kind \u2013 oder ein Institut \u2013 bedeutet, das an diesem Tag das Licht der Welt erblickt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie hielt sich die Deutung alter babylonischer Zeichen bis heute?<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr die Babylonier waren die Sterne und die Himmelsph\u00e4nomene g\u00f6ttliche Zeichen an die Menschen\u201c, erl\u00e4utert Mathieu Ossendrijver. Die Stellung der Planeten bei der Geburt eines Kindes verr\u00e4t also etwas \u00fcber dieses Kind. Und die Astrologie dient dazu, diese g\u00f6ttliche Botschaft zu entziffern und zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum aber war \u2013 und ist \u2013 die Horoskopie derma\u00dfen erfolgreich? Wie konnte sich die babylonische Astralwissenschaft zuerst \u00fcber die antike Welt ins R\u00f6mische Reich, dann ins Judentum, in den Islam und ins Christentum hinein weiterverbreiten? Und sich so hartn\u00e4ckig halten, dass heute noch Menschen zu Jahresbeginn ihr Horoskop studieren, um zu erfahren, ob zum Beispiel das Gl\u00fcck in der Liebe winkt oder ein R\u00fcckschlag im Beruf droht?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr deren Attraktivit\u00e4t spricht dem Wissenschaftler zufolge, dass die Horoskopie einerseits das menschliche Bed\u00fcrfnis anspricht, etwas \u00fcber die eigene Zukunft zu erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits \u00fcberzeugt das abstrakte System aus Zahlen und Sternbildern: Es l\u00e4sst sich unabh\u00e4ngig von einer bestimmten Sprache, Geschichte oder Schrift sehr leicht \u00fcbersetzen. Man stehe noch am Anfang, sagt Mathieu Ossendrijver, das Institut f\u00fcr Wissensgeschichte \u2013 unter der Leitung von J. Cale Johnson, Professor f\u00fcr Wissensgeschichte \u2013 ist schlie\u00dflich gerade erst er\u00f6ffnet worden. Aber man verr\u00e4t wohl nicht zu viel, wenn man sagt: Die Antwort steht auch in den Sternen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagesspiegelbeilage vom 02.07.2022 Das Institut fu\u0308r Wissensgeschichte des Altertums wird neue Aspekte des menschlichen Wissens in der Antike ausleuchten: Das Projekt \u201eZodiac\u201c erforscht die Erfindung des Tierkreises durch die Babylonier Ist es irref\u00fchrend zu fragen, ob die Einweihung eines neuen Instituts an der Freien Universit\u00e4t unter einem gl\u00fccklichen Stern stand? Am 17. Juni 2022 geboren, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/2022\/07\/07\/als-die-babylonier-das-horoskop-erfanden\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAls die Babylonier das Horoskop erfanden\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1825,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1825"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=157"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":162,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions\/162"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/zodiacblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}